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"Trostfrauen"
Verfasser Nachricht
Mohnblume


Beiträge: 89
Beitrag #11
RE: "Trostfrauen"
Also, daß Nazis per se Erfolgsgaranten in Filmen sind, kann man doch so nicht stehen lassen. Wenn Ihr auf "Schindlers Liste" abhebt, so kann man doch nur feststellen, daß es tatsächlich ein brillanter Film ist, der uns Deutsche ja nun auch mal nicht allzu schlecht wegkommen lässt.
(Wobei bei so etwas immer merkwürdigerweise übersehen wird, daß auch die verfolgten Juden (zu einem Gutteil) Deutsche waren)

Das mit dem Entschuldigen ist - mittlerweile - abgekaut. Sorry. Aber von den heutigen Generationen verlangt das definitiv niemand mehr. Es geht darum, daß man das Faktum des Holocaust anerkennt. (DER Groschen ist ja bei weitem auch noch nicht bei jedem gefallen!!!)
Und, daß man daraus die Lehren zieht.

Für mich bedeutet dies zum Beispiel, die israelische Friedensbewegung moralisch zu unterstützen. (Ja, die gibt es und sie kämpfen für einen anderen Umgang mit den Palästinensern, als von den jeweiligen Regierungen praktiziert; Sie werden nur leider bei uns kaum wahrgenommen. Vielleicht, weil sie auch nicht ins Klischee passen?) Außerdem bedeutet es, daß man sich auf die Seite des Schwächeren, Verfolgten stellt. Daß man eben die Herrschenden NICHT einfach machen lässt. Weder hier, noch sonstwo auf der Welt. Allen auf die Finger zu schauen (und gegebenenfalls zu schlagen), die Macht ausüben. Und sich nicht von dem Argument ins Boxhorn jagen zu lassen, man müsse foltern, denn so sei die Kultur.

Ach, da fällt mir noch was von @ minine ein: Es geht mir NIE um die Leute, die zufrieden in ihrem System leben. Wenn eine Türkin mit Kopftuch happy ist, sich ansonsten eingliedert, bestens. ("Bist du in Rom - tu wie die Römer tun." Gell? - Meine Oma war übrigens aus Amnéville, damals noch "Stahlheim". Da gäb´ s auch viel zu sagen.) Es geht mir um jene Menschen, die verfolgt und unterdrückt werden. Jene, denen Unrecht geschieht.

Ah, zu meiner äthiopischen Bekannten muß ich noch ein paar Erläuterungen liefern, @ minine:
Meine ihr gegenüber vorgetragene These war, zugegebenermaßen provokant, aber ich hatte sie gelesen und wollte ihre Meinung hören.
Was die Überlegungen beim Verlust eines Kindes angeht, so wollte ich damit ausdrücken, daß wir im Westen in der Tradition der europäischen Aufklärung die Ratio als gundlegendes Denkschema nutzen. Wir werden dazu gehalten, bei Problemen möglichst emotionslos zu analysieren und eine bestimmte Vorgehensweise zu entwickeln, der wir dann folgen.
Was meine Bekannte meinte, war, daß eben dieses rationale Denken jenen Frauen abgeht, die ihre Kinder in der "Dritten Welt" verlieren. Sie haben den "Airbag" des emotionslosen Analysierens nicht. Das spricht ja einer hiesigen Mutter nicht den Schmerz ab. Nur - wir haben eben noch einen Schutzschild, der uns beim Verarbeiten hilft.
Dieser Schutzschirm fehlt diesen Frauen. Der Verlust eines Kind trifft sie nicht nur mit voller Wucht, er bleibt ihnen auch mit solcher erhalten. Das ist die Tragödie.

Jetzt habe ich wieder einen Haufen Worte gemacht, aber ich fand das damals, und finde es noch immer, einen ungeheuer wichtigen Denkansatz.
Vor allem wenn man die Bilder der scheinbar apathatischen Mütter mit ihren sterbenden Kindern im Arm sieht.

Hatte jetzt alles nur am Rande mit Japan zu tun. ´Tschuldigung!!!!

Frankly, my dear, I don’t give a damn.
Rhett Butler
30.09.09 06:54
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mimine


Beiträge: 73
Beitrag #12
RE: "Trostfrauen"
Damit wäre ja wohl alles zu diesem Thema gesagt, oder? Ich hoffe dann, das sich dann auch endlich mal wieder welche melden die über die heutigen Zustände bescheid wissen und deinen Wissensdurst stillen können. Vor allem hoffe ich aber, dass sich diese Leute nicht von unseren hitzigen Debatten, nicht eingeschüchtert fühlten...rot
30.09.09 20:02
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"Trostfrauen"
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