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sollen
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sora-no-iro
Ex-Mod

Beiträge: 1.208
Beitrag #1
sollen
Hallo an alle.

Seit ich diesen Forum gefunden habe, bin ich hier sehr riesigen und verschiedenen Sätzen begegnen. Und da ist "sollen" immer für mich schwierig. Kann jemand mir dies mit der Beispielsätzen erläutern?

(kono fôramu wo mitsukete irai, totemo boudaina soshite iroirona bunshou to deaimashita. soshite SOLLEN ga itumo watashiniwa muzukasii. dareka watashini korewo reibun to isshoni kuwashiku setsumei shite kuremasenka)

Denn zur Verödung unseres modernen Lebens gehört es, daß wir alles fix und fertig ins Haus und zum Gebrauch bekommen, wie aus häßlichen Zauberapparaten.
Elias Canetti: Die Stimmen von Marrakesch
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.09.05 07:12 von sora-no-iro.)
26.09.05 07:11
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icelinx


Beiträge: 716
Beitrag #2
RE: sollen
"sollen" ist ein Modalverb, so ähnlich wie "müssen", aber nicht so stark.
Es drückt vor allem aus, dass jemand einen Auftrag gegeben hat:

1) "Guten Tag, ich soll das Paket hier abgeben!"
(Ich bekam den Auftrag, das Paket abzugeben)
2) Meine Mutter sagt, ich soll das Zimmer aufräumen
(Ich bekomme den Auftrag, etwas zu tun)

Es kann auch eine Vermutung ausdrücken:

3) Karl soll mittlerweile in Amerika wohnen.
(Man vermutet, dass Karl in Amerika wohnt)
4) "Wo ist Monika?" - "Sie soll krank sein"
(Man vermutet, sie ist krank)

Eine weitere Funktion gibt es als Konjunktiv II:

5) Ich hätte studieren sollen.
(Ausdruck der Irrealität. Quasi ein Wunsch, den man nicht (mehr) erfüllen kann, weil z.B. die Prüfung schon vorbei ist und man hat zuwenig studiert).
26.09.05 09:25
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Kanjiquäler


Beiträge: 145
Beitrag #3
RE: sollen
'Sollen' ist ein Modalverb wie 'dürfen', 'können', 'mögen', 'müssen', 'wollen', ...

Zwei unterschiedliche Gebrauchsweisen des Indikativs fallen mir ein.

1. Einen Auftrag oder Befehl bekommen haben, etwas zu tun.
"Ich soll das Essen kochen." = "Ich habe den Auftrag/Befehl bekommen, das Essen zu kochen."

2. Weitergabe von Informationen aus zweiter Hand.
"Er soll jetzt in Japan leben." = "Ich habe gehört, dass er jetzt in Japan lebt."

Der Konjunktiv bedeutet einen Ratschlag.

"Geh zum Arzt!" = "Ich befehle dir, zum Arzt zu gehen."

"Du sollst zum Arzt geben." = Man hat dir befohlen, zum Arzt zu gehen.

"Du solltest zum Arzt gehen." = "Ich gebe dir den Ratschlag, zum Arzt zu gehen."

"Ich soll zum Arzt geben." = Man hat mir befohlen, zum Arzt zu gehen.

"Ich sollte zum Arzt gehen." = "Ich glaube, es wäre besser, zum Arzt zu gehen." ("Ich gebe mir selbst den Ratschlag, zum Arzt zu gehen.")

EDIT: Überschneidung mit icelnix. Schön, dass wir übereinstimmen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.09.05 09:47 von Kanjiquäler.)
26.09.05 09:45
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #4
RE: sollen
Das Modalverb sollen ist wohl eines der am schwierigsten zu erlernenden im Deutschen, da es mindestens 7 verschiedene Bedeutungen gibt:

1)Auftrag
2)Empfehlung, Ratschlag
3)Indirekte Aufforderung
4)Zitat „ohne Gewähr”
5)Eventualität
6)Annahme, Vermutung
7)Zukunft in der Vergangenheit

1) Auftrag

Das Modalverb sollen drückt einen Auftrag an das Subjekt aus:

Ich soll den Müll noch rausbringen. = Ich habe den Auftrag, den Müll rauszubringen.
Die Kinder sollten im Haus bleiben. = Die Kinder hatten den Auftrag, im Haus zu bleiben.

Der „Auftraggeber” ist meist eine Person oder eine Instanz. Die Instanz kann zum Beispiel auch ein Gesetz sein.

Wenn die Bedeutung "Auftrag" ist, kann man den Satz mit sollen in einen Satz mit wollen umformen, wobei der Auftraggeber als Subjekt von wollen genannt wird:

Die Eltern wollten, dass die Kinder im Haus bleiben.

In der Bedeutung "Auftrag" ist sollen eng verwandt mit dem müssen, das "Notwendigkeit" ausdrückt. Da ein Auftrag eine Notwendigkeit im weiteren Sinne ist, kann sollen hier durch müssen ersetzt werden:

Ich soll den Müll noch rausbringen. = Ich muss den Müll noch rausbringen.

Wenn müssen gewählt wird, ist aber nicht deutlich, dass es sich um einen Auftrag handelt, denn müssen drückt diesen Aspekt nicht aus. Wenn der Aspekt "Auftrag" für die Aussage wichtig ist, muss er durch den Kontext ausgedrückt werden:

Die Kinder müssen im Haus bleiben, weil die Eltern es ihnen befohlen haben.

Umgekehrt kann sollen nur dann müssen ersetzen, wenn es sich um einen Auftrag handelt:

Die Kinder müssen im Haus bleiben,
a) weil es draußen keinen Platz zum Spielen gibt.
b) weil die Eltern es ihnen befohlen haben.

Nur wenn müssen b) ausdrückt, kann es durch sollen ersetzt werden.

2) Empfehlung, Rat

Wenn sollen im Konjunktiv II Präteritum steht, kann der Auftrag zu einer Empfehlung oder einem Ratschlag werden:

Du solltest den Müll rausbringen, bevor er anfängt zu stinken. = Ich empfehle dir, den Müll rauszubringen, bevor er anfängt zu stinken.
Die Kinder sollten im Haus bleiben, wenn es regnet. = Es ist / wäre besser, wenn die Kinder im Haus bleiben, wenn es regnet.

Eine ähnliche Funktion hat sollen in Fragesätzen. Man fragt um einen Ratschlag bezüglich einer Entscheidung:

Sollen wir hier auf euch warten?

sollen steht in solchen Fragen meistens in der ersten Person (ich, wir) und im Indikativ.

3) Indirekte Aufforderung

sollen wird auch für indirekte Aufforderungen und Aufträge verwendet:

Direkte Aufforderung Indirekte Aufforderung
Sie sagt: „Bring den Müll noch raus!” = Sie sagt, ich solle den Müll noch rausbringen.
Er verlangt: „Gib mir das Geld zurück!” = Er verlangt, sein Freund solle ihm das Geld zurückgeben.

4) Zitat „ohne Gewähr”

sollen wird auch in der indirekten Rede verwendet. Wie die indirekte Rede gibt es an, dass die Aussage eines anderen zitiert wird. Zusätzlich drückt sollen aus, dass der Sprecher / Schreiber nicht weiß, ob die zitierte Aussage wahr ist:

Gemäß der Aussage eines Zeugen soll das Auto viel zu schnell gefahren sein.
Ich habe gehört, dass er jetzt irgendwo im Ausland leben soll / solle.

5) Eventualität (für den Fall, dass)

sollen verstärkt die Bedeutung "Eventualität" und "Bedingung" in:

- Bedingungssätzen (Konditionalsätzen), die mit wenn, falls, für den Fall dass eingeleitet werden.
- Einräumungssätzen (Konzessivsätzen), die mit selbst wenn, auch wenn, und wenn eingeleitet werden.

sollen steht dabei immer im Konjunktiv II Präteritum:

Falls / wenn ihr den letzten Zug verpassen solltet, müsst ihr ein Taxi nehmen.
Auch wenn er sich entschuldigen sollte, werde ich ihm das nie verzeihen.

6) Vermutung, Annahme

Im Konjunktiv II kann sollen auch eine Annahme oder eine starke Vermutung ausdrücken:

Wir sollten eigentlich bald in Köln ankommen. = Es ist anzunehmen, dass wir bald in Köln ankommen.

dürfen und müssen haben eine ähnliche Bedeutung.

7) Zukunft in der Vergangenheit

In Erzählungen drückt sollen manchmal Nachzeitigkeit in Bezug auf etwas Vergangenes aus (Zukunft in der Vergangenheit). Der mit sollen stehende Sachverhalt ist vergangen, war aber zu einem gewissen anderen vergangen Zeitpunkt zukünftig:

Er nahm auf niemand Rücksicht. Das sollte er noch bereuen.

sollen steht hier immer im Präteritum.
26.09.05 10:39
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icelinx


Beiträge: 716
Beitrag #5
RE: sollen
Einige Ergänzungen wurden hinzugefügt, ich wollte nicht unbedingt den gesamten Grammatikduden abschreiben .......

Mir ist nicht ganz klar, warum 2 Leute Gesagtes nochmals wiederholen müssen. Datenredundanz ist für´s (Dazu)lernen nicht unbedingt optimal ........ zwinker
26.09.05 11:01
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sora-no-iro
Ex-Mod

Beiträge: 1.208
Beitrag #6
RE: sollen
Vielen Dank! Diese Erklärung sind klarer als meine Bücher.

Eventuell werde ich noch über "sollen" nachdenken. Und wenn ich danach eine Frage habe, sofort stelle ich die hier.

Denn zur Verödung unseres modernen Lebens gehört es, daß wir alles fix und fertig ins Haus und zum Gebrauch bekommen, wie aus häßlichen Zauberapparaten.
Elias Canetti: Die Stimmen von Marrakesch
26.09.05 16:43
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #7
RE: sollen
Gut wäre vielleicht auch: Wenn du im Forum einen Satz liest (mit "soll" oder auch ohne), den du nicht wirklich verstehst - kopiere ihn doch einfach in dieses Thema hier rein. Die User hier werden ja wahrscheinlich wissen, was sie selber sagen wollten, und können dir sicherlich erklären, wie das gemeint war. ^^

Ist meist leichter, etwas an einem konkreten Beispiel zu erklären (vor allem dann, wenn man den Autor des Beispiels direkt fragen kann).


Blubb
26.09.05 16:48
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sollen
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