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Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
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gokiburi


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Beitrag #1
Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Beim Durchstöbern meiner Festplatte bin ich auf eine alte Pro-Seminararbeit gestoßen, in der ich mich mit dem Terrorismus der linksextremen Gruppierungen sekigun-ha 赤軍派, rengô-sekigun 連合赤軍 und Nihon-sekigun 日本赤軍 beschäftigte. Heute nur die Einleitung, bei Interesse würde ich den Rest nach und nach ebenfalls an dieser Stelle posten.
Da es sich um ein "Frühwerk" handelt, bitte ich, bei Ausdrucksfehlern und anderen Unzulänglichkeiten gnädigst darüber hinwegzugehen oder mir vielleicht 5 € zu überweisen... zunge

1. Einleitung

Das moderne Japan gilt heute gemeinhin als eines der sichersten Länder der Erde. Die Tatsache einer überaus geringen Kriminalitätsrate ist nicht von der Hand zu weisen, darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch hier Konflikte bestanden und bestehen, die ebenso in einem blutigen Szenario eskalieren können. Seit den 60er Jahren machten die Terrorgruppen der "Japanischen Roten Armee", ein Pendant zur deutschen RAF, weltweit Schlagzeilen. Auf ihr Konto gehen diverse Anschläge, Banküberfälle und Entführungen bis hin zum Mord an Unbeteiligten und Mitgliedern aus den eigenen Reihen.

Im folgenden möchte ich auf die Entstehung dieser Vereinigungen besonders eingehen. Ich werde dabei einen Bogen spannen von den nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstandenen Studentenorganisationen bis hin zu dem Terror der 70er Jahre. Dabei sollen vor allem die gesellschaftlichen Umstände sowohl in Japan als auch im Ausland beleuchtet werden, die nicht nur Hintergrund, sondern auch Ursache dieser Entwicklung sind.

Terrorismus stellt sicher eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte eines Landes dar. Trotzdem halte ich es für notwendig, sich bei einer umfassenden Betrachtung Japans auch mit diesem Phänomen zu befassen, um ein realistischeres Bild auch von dieser Seite der Gesellschaft zu erhalten, welches nicht vom Klischee einer harmonischen Kultur verfälscht ist.
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gokiburi, der sich nun auch allmählich in sein Kellerversteck zurückziehen wird... gähn

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あぁ今夜だけ、あぁ今夜だけ、
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.07.04 11:33 von gokiburi.)
20.07.04 23:14
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nazzgul


Beiträge: 200
Beitrag #2
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Sowas.....3 Zeilen Vorgeschmack posten, und dann einfach verschwinden... kratz *ahhh*

Wenn mich jemand fragt, ob ich an UFO-Entführungen glaube,
kann ich mit besten Gewissen sagen: "Nein. Oder haben Sie
schonmal jemanden gesehen, der ein UFO Entführt ?"
20.07.04 23:31
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Koorineko


Beiträge: 913
Beitrag #3
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Ich hoffe es ist nicht OT aber mich würde vielmehr interessieren warum in Japan die Kriminalitätsrate niedriger ist als in Deutschland oder den USA. kratz
20.07.04 23:32
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nazzgul


Beiträge: 200
Beitrag #4
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Härtere Strafen für Verbrechen, als hier, gibt es ja nicht, oder?

Wenn mich jemand fragt, ob ich an UFO-Entführungen glaube,
kann ich mit besten Gewissen sagen: "Nein. Oder haben Sie
schonmal jemanden gesehen, der ein UFO Entführt ?"
20.07.04 23:44
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #5
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
@nazzgul
Sowas nennt man Anfüttern! Aber keine Panik, ich verlange für die Fortsetzungen keine horrenden Preise! hoho Obwohl, was wäre denn so marktüblich, nur mal so allgemein gefragt? augenrollen

@Koorineko
Die Antworten auf diese Frage würden mich auch sehr interessieren, das wäre sicher eine spannende Diskussion von Kriminologen, Soziologen, Psychologen usw. Auch die verschiedenen "Arten" der Kriminalität in Japan und im "Westen" wären sehr interessant zu betrachten.
Hab mir auch bereits mehrfach meine laienhaften Gedanken dazu gemacht und finde, das könnte fast schon wieder einen eigenen Thread hier abgeben...

So, nun aber zu den Punkten 2.1 und 2.2, natürlich wieder (oder noch?) zum Nulltarif:

2. Hintergründe und Entwicklung
2.1 Die Situation der Studenten im Nachkriegsjapan


Ähnlich wie die große Restauration der Meiji-Ära bedeutete auch die Nachkriegszeit nach der bedingungslosen Kapitulation des Japanischen Kaiserreiches eine umgreifende Veränderung der gesamten Gesellschaft des Landes. Die USA als Besatzungsmacht forcierte eine Umgestaltung der Shintô-Gesellschaft in eine bürgerliche Demokratie. Es zeigte sich, daß dieser Gedanke eine große Akzeptanz im japanischen Volk fand.
Doch auch die Lehren von Karl Marx wurden wieder mit wachsendem Interesse aufgenommen. Vor allem unter dem Einfluß der Oktoberrevolution 1917 in Rußland hatte sich seit den 20er Jahren in Japan eine gut organisierte marxistische Studentenbewegung entwickelt, die jedoch seit den 30er Jahren infolge des Nationalismus starken Verfolgungen ausgesetzt war. Die für Japan neue Orientierung hin zur Demokratie schien nun zunächst mit der Beseitigung des Staatsshintôismus eine weitere Chance für die linke Bewegung des Landes bieten.

Bedeutenden Anteil an der Demokratisierung Japans kam dem amerikanischen Oberkommandierenden der Alliierten, General Douglas MacArthur zu, der weitreichende Maßnahmen veranlaßte, um der neuen Staatsform zum Durchbruch zu verhelfen. Einen der wichtigsten Schritte auf diesem Weg stellte die Errichtung eines breiten Bildungssystems dar, was eine rapide anwachsende Anzahl auch von Universitäten zur Folge hatte. Innerhalb von nur zehn Jahren nach Kriegsende hatte sich die Zahl der Studenten mehr als verdoppelt, eine hohe Bildung wurde als "Weg zum Erfolg" betrachtet. Dieses Denken schlug sich wiederum nieder in der Masse der Bewerber um Studienplätze, die nicht selten das Fünffache des Angebots betrug.
Als Folge dieser Entwicklung ergaben sich Streß infolge der strengen Aufnahmeprüfungen an den Universitäten("Prüfungshölle"), hoher Leistungsdruck auch von Seiten der eigenen Familie und somit eine starke Frustration unter den japanischen Jugendlichen. Das Niveau der Bildung an den Hochschulen war zu dieser Zeit dagegen oft nur gering und enttäuschend. Dazu kam es nicht selten auch zu einem Isolationsschock der Neulinge, die in den Universitäten erstmals vollkommen auf sich selbst gestellt und außerhalb ihrer gewohnten Umgebung leben mußten.
Die aus dieser Notlage heraus entstandenen Studentenverbindungen bedeuteten zunächst vor allem einen Schritt zur Ausbildung eines Gruppengefühls und somit schlicht einen Ausweg aus der Isolation, bevor diese Organisationen im Zuge der politischen Entwicklungen im Lande mehr und mehr oppositionellen Charakter annahmen.


2.2 Die Gründung der Zengakuren als Zentrum der Studentenbewegung

Eine weitere Maßnahme General MacArthurs, um die Idee der Demokratie der japanischen Bevölkerung näherzubringen, war die Freilassung von inhaftierten Kommunisten und weiterer politischer Gefangener.
Neben der Vermittlung des Gedankens der Meinungsfreiheit verfolgte er damit allerdings auch das Ziel, durch das Wirken und den Einfluß der Nihon Kyôsantô 日本共産党, der Japanischen Kommunistischen Partei (im folgenden abgekürzt als JCP) eine Schwächung der alten nationalistischen Strukturen zu erreichen, etwa durch die Denunziation reaktionärer Lehrkräfte durch linke Studenten. In der Tat fand die Partei bei diesen starke Akzeptanz. Die JCP galt unter ihnen als alleinige Kraft, die sich vor allem vor dem Krieg gegen das destruktive Wirken des japanischen Imperialismus stellte. Infolge ihres Verbotes und der Verfolgung der Mitglieder seit den 30er Jahren kann man die Partei auf diese Weise als mit einer Art Märtyrertum glorifiziert betrachten, eine Tatsache, die auch ihre große Popularität in den revolutionären Studentenkreisen erklärt.

Mit der Gründung der Studentenorganisation Zennihon gakusei jichikai sôrengô 全日本学生自治会総連合 ("Alljapanische Vereinigung der Studentischen Selbstverwaltungen", abgekürzt Zengakuren 全学連) am 18. September 1948 als Protestbewegung gegen erhöhten Studiengebühren an den staatlichen Universitäten festigte sich die Verbindung von Studenten und Kommunistischer Partei. Die Massenwirksamkeit der Zengakuren läßt sich anhand eines Berichtes des Bildungsministeriums an die Civil Information and Education Section (CIE) vom Dezember 1948 belegen, laut diesem sollen mit 222.581 Mitgliedern bereits etwa 60% aller Studenten in die Organisation eingetreten sein.
Dominiert von der JCP, läßt sich spätestens an dieser Stelle eine deutliche marxistisch orientierte Politisierung unter den Universitätsstudenten feststellen, die die Bewegung mit dem Einfluß des politischen Geschehens der Folgejahre einen Weg in Richtung Radikalität, Gewalt und Terror einschlagen ließ.
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gokiburi, der demnächst mehr folgen läßt. grins

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21.07.04 17:34
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #6
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Und weiter gehts mit dem nächsten Punkt:

2.3 Die Radikalisierung der Studentenbewegung vor dem Hintergrund der politischen Situation

Der Beginn des Kalten Krieges 1948/49 veränderte nicht nur das Gesicht der internationalen Politik entscheidend, sondern auch die linke Studentenbewegung Japans.
Die Spaltung Deutschlands, die Machtergreifung Mao Tse-Tungs in China und nicht zuletzt die erste Atombombe der UdSSR lösten auch in Japan eine zunehmende Furcht vor der Gefahr eines sich ausbreitenden Kommunismus aus. Eine Konsequenz aus diesen Befürchtungen stellte im Oktober 1948 ein Versuch des Bildungsministeriums dar, nunmehr die studentischen Auseinandersetzungen und kommunistischen Aktivitäten an den Universitäten einzuschränken, da diese als Stätten der Bildung politisch neutral zu sein hätten. Allerdings führten diese Bestrebungen zu heftigen Straßenprotesten unter der Beteiligung von über 200.000 Studenten unter der Führung der Zengakuren, die sich auf die in der Verfassung von 1946 garantierte politische Autonomie der Hochschulen beriefen. Die Demonstrationen dauerten vom 03. Mai bis zur Rücknahme des Gesetzentwurfes am 24. Mai 1949.

Auch der Konflikt zwischen der Regierung und der JCP verschärfte sich, als im Januar 1950 das Moskauer COMINFORM (Communist Information Bureau) der Partei vorwarf, daß sie mit ihrer Vorstellung eines möglichen gewaltlosen Überganges in eine kommunistische Gesellschaft einem Irrtum unterliege und somit eine falsche Lehre verbreite. Die Kommunistische Partei reagierte umgehend auf diese Äußerung mit einer linientreueren Anpassung ihres Programms, die ihrerseits eine Verurteilung durch General MacArthur nach sich zog, da sich nun der eigentliche, subversive Charakter der JCP offenbare.

Mit dem Ausbruch des Koreakrieges am 24. Juni 1950 fanden die Furcht vor einer kommunistischen Expansion und als Reaktion darauf der zunehmende Antikommunismus in Japan ihre Bestätigung. Vor diesem Hintergrund wurde am 08. September des Jahres 1951 der offizielle Friedensvertrag zwischen Japan und den USA geschlossen ("San Francisco Peace Treaty"). Daneben unterzeichneten beide Staaten ein Sicherheitsabkommen ("Security Treaty"), welches unter anderem die Stationierung US-amerikanischer Truppen in Japan beinhaltete und auf heftigen Widerstand seitens der linken Kräfte in Japan stieß.

Im Zuge dieser Entwicklung kam es zu einer fortschreitenden Radikalisierung der JCP und ebenso zu einem Erstarken militanter Kräfte an den Universitäten. Die als Gegenzug dazu geplante Entlassung kommunistischer Professoren und Studentenaktivisten führte nur zu einer weiteren Anspannung der Situation: ab dem 03. Juni 1950 erfolgten großangelegte Boykotte von Prüfungen und landesweite Studentenstreiks. Trotz eines Verbotes von Protesten und Streiks in einem Erlaß der Besatzungsorgane vom 15. Juni sowie diverser Ausschlüsse aus Universitäten setzten sich die landesweiten Unruhen bis zum 05. Oktober 1950 fort.

In Anbetracht dieser Probleme erwog MacArthur ein Verbot der Kommunistischen Partei in Japan, dieses Vorhaben wurde aber durch die japanische Regierung verhindert, die auf diese Weise ein Abtauchen der linken Gruppen in die Illegalität zu vermeiden hoffte. Tatsächlich gelang es, die JCP auch mit den Mitteln der Politik und Demokratie relativ erfolgreich einzudämmen. Beispielsweise verlor sie bei der Wahl im Jahre 1952 alle fünfunddreißig Sitze im Parlament. Auf der anderen Seite jedoch bedeutete die angestrebte Bekämpfung des Kommunismus ebenso wie der Versuch einer Beschneidung politischer Freiheiten auch einen erheblichen Vertrauensverlust der Studenten in die Idee der Demokratie nach amerikanischem Vorbild, die sie nach dem Krieg als eine Chance für eine fortschrittliche Gesellschaft gewertet hatten. In ihren Augen zeigten sich in den angestrebten Einschränkungen eindeutige Parallelen zu den massiven Verfolgungen in den 20er und 30er Jahren, die nur eine Bestärkung ihrer Ansichten bewirkte.
Im September 1952 beispielsweise verabschiedete die japanische Regierung das "Gesetz gegen subversive Aktivitäten" ("Antisubversive Aktivities Law", Hakai katsudô bôshi hô 破壊活動防止法, abgekürzt Habôhô 破防法), von dem sie sich die Möglichkeit einer stärkeren Kontrolle der Studenten versprach. Doch schon im Vorfeld der Entscheidung erwiderten diese den eingereichten Gesetzesentwurf mit erneuten Revolten und Aufständen, und einmal mehr wurde ersichtlich, daß die Situation mehr und mehr in einem Konflikt offener Gewalt zu eskalieren drohte.

Neben diesen Vorgängen in Japan prägte auch die internationale Politik dieser Zeit die Studentenbewegung. Neue Verhandlungen über eine Erneuerung des Sicherheitsabkommens mit den USA ab Oktober 1958 ließen die Debatten über die Abhängigkeit Japans von den USA im Zusammenhang mit der Stationierung amerikanischer Truppen und der Klausel über ein mögliches Eingreifen der USA in eine eventuelle innerjapanische Auseinandersetzung (etwa einen Bürgerkrieg)erneut aufflackern und führten zur Fortsetzung der Proteste.

(Ein Aspekt der Proteste gegen das Abkommen war die Befürchtung, in einen Krieg als Folge der Präsenz der US-Truppen involviert zu werden, indem diese die auf Japan liegenden Airbasen nutzten. Vor allem mit dem Beginn des Vietnamkonfliktes äußerte sich diese Angst verstärkt. Interessant an dieser Stelle ist aber auch der Fakt, daß die linke Bewegung hier ganz offensichtlich auch einen nationalistischen Charakterzug aufweist, woraus sich möglicherweise schließen läßt, daß radikale Motive sich, unabhängig von der politischen Orientierung, durchaus ähneln können. Der Widerstand vor allem gegen die USA als Besatzungsmacht war auch in Deutschland bei Radikalen sowohl des rechten als auch des linken Lagers oft zu beobachten.)

Infolge der Ost-West-Spannungen drängte Premierminister Kishi 1960 auf schnelle Erneuerung des Sicherheitsabkommens und setzte es entgegen üblicher demokratischen Verfahrensweise auch gegen den Widerstand der Opposition durch, die aus Protest sogar einen Sitzstreik im Parlament veranstaltete. Indem er auf diese Weise aber die Opposition ausschaltete und so im Grunde erneut eine Einparteienregierung ins Leben rief, erschütterte er damit auch jegliches noch vorhandene Vertrauen der Studenten in seine Regierung, die zunehmend das hauptsächliche Angriffsziel der Protestbewegung wurde. Gewalt und Randale erschienen mittlerweile immer deutlicher als die einzigen geeigneten Mittel, sich gegenüber der empfundenen politischen Allmacht des Staates zu behaupten, währenddessen friedliche Mittel der Meinungsäußerung wie zum Beispiel bloße Demonstrationen oder auch Petitionen sich als zu unbedeutend erwiesen, um damit auch als relativ schwache Gruppe, die die Studenten bis zum Schluß waren, die eigenen Interessen angemessen durchsetzen zu können.
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gokiburi, der richtig froh ist, daß es drägg'n'dropp gibt...

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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.07.04 19:22 von gokiburi.)
22.07.04 19:20
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #7
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Und zum heutigen Beitrag:

2.4 Revolten, Unruhen und Abspaltungen

Die Proteste und Kämpfe gegen das erneuerte Sicherheitsabkommen stellten um 1960 den Höhepunkt in der Geschichte der Zengakuren dar, die zu diesem Zeitpunkt etwa 600.000 Mitglieder zählte. Gleichzeitig aber bildeten sich starke interne Rivalitäten um Positionen und Einfluß heraus, ebenso verstärkten sich die Spannungen zwischen der Zengakuren und der JCP, die unter vielen Studenten mehr und mehr den Ruf erwarb, als "zu gemäßigt" zu gelten.
Die zunächst enge Zusammenarbeit zwischen der Kommunistischen Partei und der Studentenbewegung zeigte eine zunehmende Tendenz hin zum Auftreten ideologischer Meinungsverschiedenheiten, daraus resultierenden Abspaltungen sowie oft auch gewalttätigen Auseinandersetzungen einzelner Untergruppierungen. Die Kluft, die die extreme Linke von dem nicht-radikalen Kommunismus immer weiter entfernte, vertiefte sich, als im Februar 1956 der sowjetische Premier Nikita Chruschtschow die "Politik der Friedlichen Koexistenz" der sozialistischen mit den kapitalistischen Staaten proklamierte. Die radikaleren Studenten in ihrer festen ultralinken Überzeugung hegten Zweifel an der Richtigkeit der kommunistischen Politik und entschlossen sich daher auf dem 10. Kongreß der Zengakuren, einen eigenen Weg zu beschreiten. Folge dieses Beschlusses waren zahlreiche Abspaltungen, da man sich nicht auf eine gemeinsame Richtung zu einigen vermochte, die Vorstellungen zur Gestaltung der Revolution erwiesen sich dafür als zu unterschiedlich. Es zeichneten sich sieben Fraktionen mit jeweils mehreren Untergruppen ab, die sich gegenseitig vorwarfen, den "falschen Weg" beschritten zu haben. Ideologie stellte ab diesem Zeitpunkt die Grundlage der Kommunikation dar, bei der es um die Vermittlung von Inhalten nur noch in dem Maße ging, als diese mit bis ins Kleinlichste präzisierten ideologischen Phrasen ausgelegt werden konnten. Mittels der Ideologie ließen sich Abspaltungen ebensogut begründen wie Ausschlüsse von Mitgliedern aus der Gruppe, Andersdenkende wurden nicht selten einfach mit dem Stigma des Bourgeoisen versehen, um die Trennung zu rechtfertigen.
Das Ausmaß der Zersplitterungen zeigt sich in dem Begriff sekuto セクト (sect, Sekte), mit dem vor allem kleine, radikale Unterfraktionen bezeichnet wurden, die sich durch eine erwartete völlige Hingabe ihrer Mitglieder und andauernde Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Gruppen auszeichneten. Nicht selten richteten sich die Aktivitäten dieser kleinen Organisationen weniger gegen die Gesellschaft als vielmehr gegen ihre ehemaligen Verbündeten, von denen sie sich kurz vorher getrennt hatten. Einen wesentlichen Aspekt der japanischen Studentenbewegung in diesem Stadium bildet demnach scheinbar der Kampf einzelner Fraktionen untereinander, was sich auch in dem japanischen Wort uchi geba 内ゲバ("innere Gewalt", interne Auseinandersetzungen; geba abgeleitet von "Gewalt") niederschlägt.
Offener Kampf sowie Anschläge wurden zur typischen Aktionsweise der Gruppen. Im Gegensatz zu den Großdemonstrationen vergangener Tage war es nicht notwendig, große Massen zu versammeln, oft genügte beispielsweise eine einzelne Person, um etwa mit einem Molotow-Cocktail eine um so aufsehenerregende Wirkung zu erzielen. Die frühen Aktionen fanden in der Bevölkerung in Anbetracht der politischen Hintergründe zwar zunächst Verständnis sowie eine gewisse Akzeptanz, jedoch in demselben Maße, in dem Brutalität und Randale in den Mittelpunkt der Proteste rückten, zeigte sich auch eine deutliche Abnahme der den Studenten entgegengebrachten Toleranz. Laut einer Umfrage der Zeitung Mainichi Shimbun zum Ende der 60er Jahre sprachen sich etwa 90 % der Japaner deutlich gegen die von den Studenten ausgehende Gewalt aus, 73 % verneinten die Frage danach, ob sie die Universitäten noch für Stätten hielten, an denen "Intelligenz und Urteilskraft" herrschten. Auch die von 1968 bis 1975 verzeichnete Anzahl der Auseinandersetzungen der Gruppen untereinander, in die als Folge der Gewaltanwendung die Polizei einschreiten mußte, zeichnet ein deutliches Bild. Es wurden 1.776 Vorkommnisse dieser Art mit insgesamt 3.438 Festnahmen registriert. Die Zahl der Verletzten belief sich auf 4.848, vierundvierzig Personen starben als Folge der internen Studentenkonflikte.
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gokiburi, der sich hier für heute erstmal ins Wochenende verabschiedet

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23.07.04 18:29
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #8
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Weiter gehts:

3. Die Rote Armee Japans
3.1 Sekigun-ha, von den Anfängen des Terrors bis hin zum Gang in den Untergrund


Seit der Gründung der Zengakuren als zentrale Studentenorganisation läßt sich ein grundlegender Wandel in der Bewegung feststellen: Das Anliegen, neuerworbene Rechte zu verteidigen, wich einem radikal gegen die bestehende Gesellschaft gerichteten Kampf. Während noch etwa 70% der Studenten sich mit der JCP verbunden sahen, betrachteten sich 30% von ihnen als strikt von der Partei losgelöst. Aus diesem deutlich gewaltorientierten Anteil rekrutierten sich schließlich die Terroristen der Sekigun-ha 赤軍派 ("Rote Armee Fraktion"). Offiziell am 04. Juni 1969 aus der Kyôsan shugisha dômei 共産主義者同盟 (abgekürzt Kyôsandô 共産同, "Kommunistische Liga") gegründet, sah diese Gruppe sich als Revolutionsarmee in der Tradition erfolgreicher kommunistischer Bewegungen, etwa in Kuba oder Nordkorea. Ihr Ziel war ein ähnlicher Erfolg in Japan, dieser sollte in ihren Augen nur noch eine Frage der Zeit sein.
Die Stärke der Vereinigung belief sich auf etwa 400 Mitglieder in sieben Unterfraktionen, zum zentralen Kern zählten etwa 150 Personen. Die terroristischen Aktivitäten gegen die Gesellschaft beschränkten sich anfangs noch auf Anschläge mit Molotow-Cocktails, vorzugsweise gegen die kleinen koban-Polizeihäuschen in Tôkyô oder Ôsaka. Daneben aber übte sich die Gruppe auch an Schußwaffen und der Herstellung von Rohrbomben.
Die Sekigun-ha setzte zu Beginn ihrer Aktivität kaum auf Geheimhaltung ihrer Pläne, weswegen anfangs große Erfolge in der Bekämpfung der Gruppe verzeichnet werden konnten. Innerhalb weniger Monate gelangen der Polizei insgesamt 89 Inhaftierungen. Jedoch einer der bedeutendsten Schläge gegen die Vereinigung war am 03. November 1969 eine großangelegte Aktion bei Schießübungen der Terroristen am Daibosatsu-Paß in den Bergen westlich von Tôkyô. Neben der Festnahme von 53 Mitgliedern im Alter zwischen 15 und 26 wurden fünfzehn Rohrbomben, fünfundzwanzig Messer verschiedener Sorten sowie diverse Chemikalien inklusive der Anleitung zum Bombenbau sichergestellt. Die Inhaftierungen erlaubten Rückschlüsse auf die innere Machtstruktur der Gruppe in ihrem frühen Stadium, und es zeigte sich, daß ihr hierarchischer Aufbau sich nicht wesentlich von dem der japanischen Gesellschaft unterschied: Die Führungskräfte stellten Studenten der Elite-Universitäten, darunter rangierten Angehörige anderer Schulen sowie junge Arbeiter und Angehörige der tiefrangigen Schulen als niedrigste Schicht. Es mag an dieser Stelle paradox erscheinen, daß genau dieses Denken, gegen das die Sekigun-ha anzukämpfen versuchte, sich in ihrer eigenen Machtverteilung widerspiegelte und damit dem propagierten Ziel der Zerstörung von Imperialismus und Elitetum widersprach.
Die Anklagepunkte gegen die Terroristen waren "Verbotene Zusammenrottung mit gefährlichen Waffen", der "Besitz von Explosionsmitteln" und "Vorbereitung zum Mord"; das Strafmaß lag bei etwa zwei Jahren.
Allerdings bedeuteten all diese Erfolge nicht die völlige Niederlage der Sekigun-ha, ab diesem Zeitpunkt begann die Gruppe vielmehr, aus dem Untergrund heraus zu operieren, wodurch sie selbstverständlich weitaus gefährlicher wurde. Im Zuge einer völligen Umgestaltung bildeten sich kleine, voneinander unabhängige Zellen, die von einer oberen Kommandoebene direkt angewiesen wurden. Die Kommunikation innerhalb der Vereinigung verlief minimal, und anstelle von Debatten erfolgte eine zentrale Kontrolle. Auch die Strategie der Sekigun-ha wurde grundlegend geändert und war nun tatsächlich die einer echten Terrororganisation. Die neue Vorgehensweise teilte sich in drei Schwerpunkte, die mit "PBM" abgekürzt wurden. Das "P", stellvertretend für "persons", bezeichnete Entführungen von wichtigen Persönlichkeiten, um mit ihnen als Geisel möglicherweise inhaftierte Kameraden freizupressen. Der Buchstabe "B" versinnbildlichte als Abkürzung des japanischen Wortes buki 武器 Waffen, die durch Überfälle auf Waffengeschäfte, Polizeiwachen, die Selbstverteidigungskräfte oder aus Käufen von den US-Besatzertruppen besorgt werden sollten. Ebenso wichtig waren auch die finanziellen Mittel ("M" wie "money"), spezielle Zellen waren vorwiegend damit beschäftigt, durch Banküberfälle Geld für die Organisation zu beschaffen, wobei die gesamte Beute stets an die Zentrale übergeben werden mußte.
Effekt dieses neuen Aufbaus der Sekigun-ha war, daß es sehr schwierig wurde, sie zu bekämpfen. Gelang es, eine der Minigruppen aufzudecken, bedeutete dieses kaum eine Gefahr für die gesamte Organisation, wußten doch die Mitglieder in der Regel nichts über die Identität anderer Zellen oder gar der Führung. Dennoch konnte im März 1970 mit der Gefangennahme eines der wichtigsten Mitglieder der Führungsschicht, Shiomi Takaya, ein Schlag gegen die Zellenstruktur geführt werden. In der Hoffnung, daß die nunmehr ihres Hauptes beraubte Vereinigung sich auf der Suche nach einem Nachfolger selbst schwächen würde, stellte man Shiomi unter strengste Isolation ohne Kontakt zur Außenwelt. Tatsächlich kam es kurz darauf zu einer Reaktion der Terroristen, und zwar mit der ersten Flugzeugentführung in der japanischen Luftfahrt. Neun Männer überwältigten am 30. März 1970 die Besatzung der JAL-Maschine von Tôkyô nach Fukuoka und erzwangen, bewaffnet mit Schwertern, Messern sowie einer Rohrbombe (die möglicherweise nur eine Attrappe war), die Flucht nach dem nordkoreanischen Pyoengyang (Einer der Entführer war der damals sechzehnjährige Shibata Yasuhiro, dessen Name aufgrund seines jugendlichen Alters nicht in den Zeitungen veröffentlicht werden durfte. Eine große Überraschung stellte seine Anwesenheit 1988 in Japan dar, als er, mutmaßlich beteiligt an der Planung eines Attentats auf die Olympischen Spiele in Seoul, verhaftet wurde).
Die Sekigun-ha schien tatsächlich in eine Krise geraten zu sein. Neue Diskrepanzen innerhalb der Gruppe traten auf, die schon bald nach der Erhebung Mori Tsuneo`s an die Führungsspitze zu ihrer Zersplitterung führen sollten.
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gokiburi, der das durchhält bis zum Schluß hoho

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25.07.04 21:36
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Anonymer User
Gast

 
Beitrag #9
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
super spannend, aber wieso denn nur häppchenweise? kann man nirgendwo die ganze Arbeit am Stück runterladen und ausdrucken?
26.07.04 00:26
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #10
RE: Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
Nein, leider gibts die Arbeit nirgends downzuloaden, zumindest hoffe ich das! grr
Allerdings kann ich etwas Literatur anbieten, die sicher noch spannender ist als meine Seminararbeit hier. Wollt ich erst zum Ende hier posten, aber wenn's "pressiert", gebe man mir ein Zeichen! augenrollen
Und noch zur Erklärung: mit der häppchenweisen Veröffentlichung hoffe ich, mehr Leser zu erreichen, als wenn ich es alles auf einmal poste und dann in der "Hitliste" der Threads dieser Rubrik womöglich immer weiter nach unten rutsche.
Also, nun soll es nach einer kurzen "Kreativpause" auch schon weiter im Text gehen:

3.2 Die Spaltung in Rengô sekigun und Nihon sekigun

Seitdem Mori Tsuneo die Nachfolge Shiomi Takayas angetreten hatte, erfolgte eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Gruppe Keihin ampo kyôtô 京浜安保共闘 (svw. "Vereinigter Kampf Tôkyô/Yokohama gegen das Sicherheitsabkommen"), angeführt von einer Frau namens Nagata Hiroko, einer Organisation gegen den Vertrag zwischen den USA und Japan von 1952. Ein Schritt zur Spaltung der Sekigun-ha wurde mit dem Zusammenschluß dieser beiden Gruppen im Juli 1971 zur Rengô sekigun 連合赤軍 ("Vereinigte Rote Armee") vollzogen. Obwohl die Rengô sekigun mit einer Vielzahl von Gewalttaten und Anschlägen großes Aufsehen und Schrecken erregte, erlebte sie doch schon nach sehr kurzer Zeit ihre vernichtende Niederlage. Die fortwährende Verfolgung durch die Polizei trieb die Mitglieder Ende 1971 zur Flucht in die Berge Zentraljapans; nach der Verhaftung von acht Mitgliedern am 17. Februar 1972 zog sich ein Teil der Terroristen am 19. Februar zurück und verbarrikadierte sich in der Ferienlodge Asama Sansô 浅間山荘 in Karuizawa (Präfektur Nagano), wobei sie eine der dort Angestellten, Muta Yasuko, als Geisel nahmen. Nach Belagerung der Lodge durch ein Großaufgebot an Polizei konnten sie am 28. Februar schließlich überwältigt und verhaftet werden. Bei der Aktion kamen zwei Polizeiangehörige ums Leben.
Daneben jedoch war die Gruppe auch intern in schwere Konflikte geraten. Das wahre Ausmaß dieser Auseinandersetzungen innerhalb der Rengô sekigun zeigte sich, als im März 1972 in den Bergen die Gräber von vierzehn gefolterten und hingerichteten Mitgliedern gefunden wurden, die Zeugnisse von erneuten ideologischen Streitigkeiten unter den Terroristen sein könnten.

Im Zuge der Spaltung der Sekigun-ha ging eine junge Japanerin namens Shigenobu Fusako nach Europa, um dort zu der "Volkfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP) Kontakte zu knüpfen. Die PFLP entstand unter der Führung von George Habash im Dezember 1967 mit dem Ziel der Errichtung eines palästinensischen Staates nach marxistisch-leninistischem Vorbild. Zu diesem Zweck war die Organisation auch bereit, zivile Einrichtungen anzugreifen.

Shigenobu Fusako sollte eine der eindrucksvollsten Persönlichkeiten des Terrorismus werden. Sie erhielt das Image einer rücksichtslosen Frau, die auch ihre Liebhaber ohne Skrupel in Selbstmordanschläge sandte, ein Bild, das nicht selten mit weiblichen Terroristen in Zusammenhang gebracht wird.
Die Tatsache, daß ihr Werdegang als Terroristin stark mit ihrem Lebenslauf zusammenhängt, macht es interessant, auf diese Umstände kurz erläuternd einzugehen: Geboren am 28. September 1945, war sie die Tochter eines strengen und für einen Japaner "untypischen", weil auch zu seiner Kundschaft unfreundlichen Besitzers eines Lebensmittelladens. Im Krieg war Shigenobu Fusakos Vater Captain der berüchtigten Militärpolizei Kempeitai 憲兵体, kehrte jedoch nach der der Niederlage Japans als gebrochener Mann zurück. Mit großer Wahrscheinlichkeit übte seine Person einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die terroristische Karriere seiner Tochter aus, die zu Radikalität und Gewalt erzogen wurde. Shigenobu Fusakos Vater war vor dem Krieg Angehöriger der ultranationalistisch-terroristischen „Blutsbruderschaft“ Ketsumeidan 血盟団. Führer dieser an verschiedenen Attentaten beteiligten Gruppe war Inoue Akira, ehemaliger Armeespion und Nichirenist, der sich in Inoue Nisshô umbenannte. Ihm wird das Zitat "One man, one kill" bzw. "One man, many kills" zugeschrieben, welches Shigenobus Vater dieser nahegelegt haben soll, ebenso wie die Worte "Deeds, not words". Somit zeigt sich, wenn man diesen Aussagen Glauben schenkt, ein deutlicher Einfluß des Vaters auf Shigenobus Radikalität.
Trotz der von ihr empfundenen Armut ihrer Familie, schaffte sie es, eine der besten Schulen zu besuchen sowie später an der hochrangigen Meiji-Universität zu studieren, während sie nebenbei für ihren Lebensunterhalt arbeitete. Seit langem hegte Shigenobu Fusako eine tiefe Protesthaltung gegen die männerdominierte Gesellschaft Japans, ein Haß, der sich noch verstärkte, als sie zeitweise 1969 in einer Topless-Bar in Tôkyôs Ginza als Hosteß und Gogo-Tänzerin auftrat. Sie hatte Kontakte zur JCP, von der sie sich jedoch schon bald zugunsten der Sekigun-ha distanzierte, da die Kommunistische Partei auch ihr zu gemäßigt erschien. Während der Neuorientierung der Gruppe zeichneten sich Konflikte zwischen der neuen Führung des Mori Tsuneo und Shigenobu Fusako ab: Mori setzte in erster Linie auf Aktionen der Rengô sekigun innerhalb Japans, während Shigenobu die internationale Ausbreitung suchte. Daraufhin trennte sie sich von den ehemaligen Kameraden und ging nach Palästina. Seit dieser Zeit führte sie auch den arabischen Namen Samira. In Zusammenarbeit mit der PFLP, die ebenfalls die Verbindung zu ausländischen Gruppierungen suchte, gründete sie die Organisation Nihon sekigun 日本赤軍 ("Rote Armee Japans"). Das Hauptquartier befand sich im libanesischen Bekka'a-Tal, weitere Lager gab es in Damaskus, in Libyen, dem Gebiet von Pakistan und Afghanistan sowie in Nordkorea. Die Mitgliederstärke lag bei etwa 80 bis 100 Personen.
Mit der Auslöschung der Rengô sekigun im Februar 1972 geriet die Nihon sekigun in einen Zugzwang, infolgedessen sie nun ihre Solidarität sowie ihre eigenen terroristischen Fähigkeiten vor den neuen arabischen Verbündeten unter Beweis stellen mußte. Schon wenige Wochen später machte die Organisation international Schlagzeilen.
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gokiburi, dem hier "Das Leben des Brian" einfällt...

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29.07.04 21:06
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Der Linksterrorismus der japanischen "RAF"
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