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Japanisch Lehrmethoden
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Katatsumuri


Beiträge: 88
Beitrag #1
Japanisch Lehrmethoden
Hallo!

Entschuldigt, wenn ich das nur noch nicht gefunden habe, oder im falschen Unterforum poste.
Mich beschäftigt eigentlich schon fast genauso lange wie ich selbst Japanisch lerne die Frage, wie man eigentlich anderen Lernern das Erlebnis Japanischlernen besser, effektiver, motivierender und spaßiger gestalten kann, als ich das in meiner Lernodyssee erlebt habe.
Was ich an Unterrichten besucht habe, war im besten Fall japanischer Drill mit lustigen Elementen, im schlechtesten Fall erinnerte es an Lateinunterricht aus der Schule, nur ohne sinnvolles Grammatikkompendium. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass nicht jedermann fürs Selbststudium gemacht ist. Manch einer (ich inklusive) blüht erst in einem Kurs auf.

Da ich eigentlich davon ausgehe, dass eigentlich alle Forenmitglieder entweder auch schon mal jemand anderem geholfen haben, Japanisch zu lernen oder aber doch zumindest selbst einiges durchprobiert haben und wissen, was sie in ihren Kursen vermisst haben bzw. sich von einem Kurs/Lehrer wünschen würden, fände ich es schön, wenn man sich austauschen könnte, wie denn der ideale Unterricht aussehen könnte (das ist natürlich auch von Person zu Person verschieden).
03.09.15 20:29
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moustique


Beiträge: 1.811
Beitrag #2
RE: Japanisch Lehrmethoden
@Katatsumuri,
Hallo und herzlich willkommen im Forum.
Nun hier sind viele Mitglieder unterwegs, die jedoch alle von irgendwo hinzugekommen sind.
Sowohl aus dem deutschsprachigem Raum, wie auch aus Japan.
Richtige Lehrer hatten wir auch schon. Und einige sind es im Leben noch immer.

Manche lernen Autodidaktisch und andere in VHS Schulen.
Einige haben Kurse besucht. Andere waren sogar schon in Japan.
Einige schon des oefteren. Dann gibt es welche die JLPT Tests mitgemacht haben und auch bestanden haben. Aber wie das Leben so spielt, waren es nicht alle.

Japanisch lernen und lehren sind zwei verschiedene paar Schuhe.
Nun du hast dich bislang an manchen Ecken hier im Forum vorgestellt.
Und auch mitgeteilt dass du gerne unterrichten willst.

Da musst du doch Japanerin sein, um so ziemlich alle Floskeln zu kennen oder irre ich mich da?
Na ja so etwas braeuchten wir hier im Forum schon, denke ich, jedoch wie sowas umsetzen, ist die Frage?

Es stellen sich allgemein, viele Fragen zu deinem Unterricht, aber wie waere es, wenn du etwas mehr darueber erzaehlen wuerdest?

Im Japonicum in Bochum, haben sie uns japanisch gelehrt, (ohne Buch), sondern eher mit Sketchen und Pantomime. Im Ceran (Belgien), ist eine Privatschule fuer alle moeglichen Fremdsprachen, da wird auch nicht so viel Wert, auf Buecher gelegt. Da ist Konversation gefragt.
Das Spiel der Vernehmung hat mir deshalb immer gut gefallen, da man auf leichte Art und Weise, auf jedes Wort im Satz einen Fragesatz stellen konnte.

Leider kann man nicht genug wegschleppen, innerhalb von 2-3 Wochen.
Da muesste man tiefer in die Sprache einsinken koennen.

Immersion totale. Nur ist sowas, nur in Japan moeglich.
Ich hab es selber mal mit dem Saito Silberstein probiert.
Leider gibt diese Methode, nicht genug an Erklaerungen zu jedem verwendeten Begriff aus. So dass man bald nicht mehr weiterkommt.

Na warten wir mal ab, wie du das siehst.
03.09.15 21:18
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Leyata
Unregistriert

 
Beitrag #3
RE: Japanisch Lehrmethoden
Ich finde, das ist immer eine Sache der Sichtweise, jeder Mensch ist da anders. Gerade bei Einzelunterricht kann man ja dann gezielt auf seinen Schüler eingehen, in der Gruppe wird es natürlich etwas schwieriger. Aber da du ja scheinbar eher "lockeren" Unterricht für Hobbyjapanischlerner halten möchtest, wäre so ein Konzept aus Spaß und Ernst bestimmt nicht schlecht. Was ich vorallem bei solchen Konstellationen wichtig finde, ist dass auf die Interessen der Schüler eingegangen wird. Vielleicht Lektionsthemen mit ihren Interessen o.ä. Das spornt gerade am Anfang unglaublich an. Ist bei mir alles schon etwas länger her, aber ich gedenke mich zu erinnern, dass mir in meinen ersten Kursen am meisten die Offtopic-Sätze gefallen haben, die mit mir und meinem Leben zu tun hatten. Mehr, als die Lektionstexte.
03.09.15 21:53
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Nia


Beiträge: 3.637
Beitrag #4
RE: Japanisch Lehrmethoden
Ich habe noch keinen Kurs besucht, gerade aus dieser Perspektive gesehen, finde ich das 'sprechen' wichtig.
Auch spielerisch die Scheu vielleicht mancher Teilnehmer zu überwinden, es zu versuchen.

“A poet is a musician who can't sing.”
― Patrick Rothfuss, The Name of the Wind
03.09.15 22:00
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moustique


Beiträge: 1.811
Beitrag #5
RE: Japanisch Lehrmethoden
Das lernen in der Gruppe hat wie alles andere auch immer zwei Seiten.
Man kommt nicht so oft dran.
Aber man lernt auch an den Fehlern der anderen.
Man muss dann nicht alle Fehler selber produzieren.
03.09.15 22:10
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cat


Beiträge: 861
Beitrag #6
RE: Japanisch Lehrmethoden
Für mich wäre das auf jeden Fall freies Sprechen üben und Fehler korrigieren.
Gerne habe ich auch immer Info über Land und Leute.
03.09.15 22:17
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Katatsumuri


Beiträge: 88
Beitrag #7
RE: Japanisch Lehrmethoden
Vielen Dank für die Gedanken! Im Endeffekt sehe ich das ähnlich. Der große Vorteil eines Gruppenkurses ist die Möglichkeit, auch Kommunikation zu üben. Das sollte man daher auch machen.

Ich bin tatsächlich KEINE Japanerin (auch nicht halb), ich habe andererseits Lehrerfahrung für Deutsch als Fremdsprache und einige Lernerfahrungen in Japanischkursen (in Deutschland und Japan).
Ich habe auch schon Japanisch-Schnupperworkshops (wie auf Messen etc.) gegeben und auch anderen Deutschen im Einzelunterricht Japanisch-Nachhilfe gegeben (sehr viel davon unbezahlt, natürlich). Ich denke nicht, dass man nur von Muttersprachlern richtig die Grundlagen einer Sprache lernen kann, allerdings gibt es natürlich für den Lehrer Unterschiede für die Unterrichtsplanung.
Z.B. will ich in meinem Kurs auch gerade weil ich keine Muttersprachlerin bin, zusätzlich sehr viel anderes Audiomaterial verwenden. (Allerdings habe ich das auch für Deutsch gemacht.)
Mein Kurs wird nur zwei Wochenstunden haben und geht über vier Monate. Es ist ein reiner "Freizeitkurs". In der wenigen Zeit kann man natürlich nicht viel schaffen. Meine Ziele für diesen Kurs sind:
- den Schülern Spaß an der Sprache vermitteln und einen unterhaltsamen Unterricht zu bieten, wo man gern hingeht
- den Schülern Zutrauen zu vermitteln, dass sie es schaffen können, Japanisch zu lernen (dass das kein Hexenwerk ist)
- möglichst IM Unterricht den Stoff so ordentlich zu vermitteln, dass es nicht 8 Stunden Nachbereitung zu Hause braucht und dass mir auch nicht die Niveaustufen dadurch ratzfatz auseinanderklaffen.
- Lesen üben
- Aussprache üben
- Hörverständnis üben
- Grundverständnis für japanischen Satzbau und Grammatik vermitteln
- Sprechhemmungen abbauen
- verschiedene Lernmethoden vorstellen, sodass man für sich was raussuchen kann, was funktioniert. (z.B. Mnemotechnik für Kanji ansprechen und vorstellen, die Radikale erklären, schreiben üben, Anki vorstellen, wer am Ende womit am besten klarkommt, kann ich nicht wissen, ich weiß aber, dass man, mit ungeeigneten Lernmethoden manchmal jahrelang Kanji büffelt und doch bei 100 steckenbleiben kann)

Ich werde versuchen, möglichst viel Japanisch im Unterricht zu sprechen/hören/lesen, damit möglichst viel Input erfolgt. Vokabelarbeit etc. nimmt richtig viel Zeit im Unterricht ein (wird deswegen auch gerne weggelassen und als Hausaufgabe gestellt), abhängig davon, wie meine Schüler so sind, werde ich das aber dennoch im Unterricht machen. Mir ist tatsächlich wichtiger, dass sie dran bleiben und verstehen, worum es geht, als dass wir sehr schnell fortschreiten. Das Selbstsprechen und vor allem Praxisbezug ist mir daher auch sehr wichtig. Es gibt da ja etliche Spiele fürs Selbstsprechen, da gibt es schon genügend amüsante Möglichkeiten.
Ich habe mir auch überlegt, teilweise mit TPRS zu arbeiten, das ist eine Methode, bei der Geschichten erzählt werden und durch Nachfragen immer wieder dieselben Satzstrukturen wiederholt werden, leicht abgewandelt, sodass sie am Ende wirklich sitzen. Solche Geschichten (oder ähnliche, allerdings ohne die ganze Fragerei) werden auch aufgeschrieben und mit den Schülern gemeinsam gelesen. Das halte ich grade auch für Japanisch sehr wichtig, denn es ist ja immer schwierig an wirklich einfache, verständliche Lesetexte zu kommen und dabei ist ja gerade die Schrift etwas, was man lange und ausgiebig üben muss.
Als Beispiele:

https://www.youtube.com/watch?v=-HvYcL6PqtI

https://www.youtube.com/watch?v=lB8orYq2bks

https://www.youtube.com/watch?v=ENWQTPDK5oo

Im Unterrichtssetting bezieht man natürlich die Schüler und ihre Antworten mit ein, auf Japanisch gibt es da leider keine so guten Beispiele... Die Geschichten lassen sich auch leicht personalisieren je nach Interesse der Kursteilnehmer.
Allerdings glaube ich auch, dass das allein zu wenig "interessantes" für den Kurs ist und dass ich auch auf Deutsch Landeskunde mit einschieben muss, damit einfach mehr "aha!"-Erlebnisse vorkommen und das Erlebnis "zum Kurs gehen" spannender ist. Am Ende sind eben so wenig Stunden auf vier Monate verteilt doch ein ziemlich langsames Tempo und das kann, glaube ich, auch langweilen, wenn man eben dann nur Sprache auf Anfängerniveau macht in der Zeit.
Gleichzeitig muss man aber eben auch aufpassen, dass sich ambitioniertere Schüler nicht langweilen, aber ich hoffe, dem kann man entgegenwirken, wenn der Unterricht eben in den Bereichen hören/sprechen/lesen mehr neues und kreatives bietet, als man zu Hause im Grammatikbuch finden kann.
04.09.15 09:31
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Hellstorm
Moderator

Beiträge: 3.892
Beitrag #8
RE: Japanisch Lehrmethoden
Hm, ich finde deine Vorangehensweise eigentlich ganz gut, aber denkst du nicht dass in der kurzen Zeit das alles gar nicht möglich ist?

Entweder lässt du die Leute viel Zuhause vorbereiten (was in der VHS wohl kaum passieren wird), oder du musst wirklich alles haarklein im Unterricht erzählen. Je nach Alter der Teilnehmer wird es doch wahrscheinlich auch so sein, dass die Kursteilnehmer sich gar nicht mehr an die Sachen von letzter Stunde erinnern können werden, weil sie sich (höchstwahrscheinlich) die Sachen kein weiteres Mal angeschaut haben werden. Grob überschlagen sind das doch insgesamt auch nur 32 Stunden.

Musst du dich da aber nicht auch an einen „Lehrplan“ halten? Ich würde deine Ziele eher auf 3-4 aufeinander aufbauende Kurse verteilen.

やられてなくてもやり返す!八つ当たりだ!
04.09.15 11:02
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Katatsumuri


Beiträge: 88
Beitrag #9
RE: Japanisch Lehrmethoden
Na, sicher werde ich nicht in allen Punkten sehr weit kommen innerhalb eines Kurses. Ich muss mich allerdings an sich an keinen Lehrplan halten bzw. an kein Tempo, das Buch ist ja vorgegeben, aber wie viel ich daraus mache, kann ich flexibel entscheiden.
Es kann durchaus auch Aufbaukurse geben, das ist noch offen.

Hauptpunkte sind für mich tatsächlich Lesen, Hören und Sprechen. Ich werde vermutlich als Einführungsstunde ein wenig mehr Grammatiktheorie mal erklären, aber danach eher so aus dem Kontext heraus behandeln.
Auf die Landeskunde würde ich ehrlich gesagt gern verzichten können, weil sowieso so wenig Unterrichtszeit ist und ich auch davon ausgehe, dass zu Hause nichts gelernt wird, aber das ist glaube ich eine schlechte Idee. Nach meiner Erfahrung haben die meisten Leute wirklich 1. sehr obskure Vorstellungen von Japan und 2. lernen sie die Sprache, weil sie sich für das Land interessieren. Deshalb muss man das auch behandeln. Vielleicht gebe ich aber als Hausaufgabe dann auch auf, dass man sich mal einen Film über Japan auf Youtube anguckt... hoho (wenn das klappt)

Ansonsten sollte man aber auch nicht unterschätzen, wie viel man in zwei Wochenstunden unterkriegen kann, das ist nämlich doch schon einiges. Es gibt so ein paar Zeitfresser im Unterricht, aber ich werde dann eben versuchen, diese möglichst zu umgehen...
Z.B. als eine Grobaufteilung: 10 Minuten Einstimmung und Wiederholung von Grammatik/Vokabeln (durch Spiele/gelenkte Konversation) 20 Minuten Geschichte entwickeln, 15 Minuten Lesen und Grammatik, 15 Minuten Aussprachetraining/Hörverständnis, 20 Minuten interaktive Spiele/Konversation, 10 Minuten neue Kanji und Kana. Wären 90 Minuten. Das kann natürlich von Stunde zu Stunde auch etwas unterschiedlich aussehen.

Ich berichte dann gerne in ein paar Wochen, wie es läuft, würde mich aber auch freuen, hier noch andere Vorschläge oder Unterrichtsideen zu lesen! :-)
04.09.15 12:36
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yamaneko


Beiträge: 2.562
Beitrag #10
RE: Japanisch Lehrmethoden
(04.09.15 09:31)Katatsumuri schrieb:  ....
Nachfragen immer wieder dieselben Satzstrukturen wiederholt werden, leicht abgewandelt, sodass sie am Ende wirklich sitzen. Solche Geschichten (oder ähnliche, allerdings ohne die ganze Fragerei) werden auch aufgeschrieben und mit den Schülern gemeinsam gelesen. Das halte ich grade auch für Japanisch sehr wichtig, denn es ist ja immer schwierig an wirklich einfache, verständliche Lesetexte zu kommen und dabei ist ja gerade die Schrift etwas, was man lange und ausgiebig üben muss.
Als Beispiele:

https://www.youtube.com/watch?v=-HvYcL6PqtI

Erklärung zu maneki-neko, Text mit vielen Wiederholungen, Ausprache vielleicht etwas unnatürlich langsam
ich habe dazu unser Thema im Forum dazu gesucht und den Link noch einmal zitiert.

https://www.youtube.com/watch?v=lB8orYq2bks
Learn Real Japanese ,Effortless Japanese
Dauer 7:45, Test nur in rōmaji, Aussprache: die Endungen -su werden zu gesprochenem -se was ich dann als -sen verstehe.

https://www.youtube.com/watch?v=ENWQTPDK5oo
Nan ko? Nan mai? Nan bon? , Effortless Japanese 17 Minuten, keine Schrift, nur gesprochenes Japanisch. Man zählt Teller, Gabel und Löffel mit den Zählwörtern.
Das möchte ich nicht in den ersten Stunden lernen!
Wie wichtig sie sind, weiß ich nicht.

05.09.15 23:39
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Japanisch Lehrmethoden
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