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Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
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Plasmo


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Beitrag #1
Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
Dies soll einen sehr kurzen Abriss der Morphosyntax von Rickmeyer darstellen, welcher die Grundzüge erfasst und sie gebündelt wiedergibt. Ich habe mich extra kurz gefasst und nur das Wichtigste erläutert, alles andere würde hier sicherlich den Rahmen sprengen. Die dadurch entstandenen Ungenauigkeiten bitte ich zu entschuldigen.
Mein Ziel ist es eine Alternative zur Schulgrammatik zu bieten, die sicherlich für den ein oder anderen interessant sein könnte, der sich nicht gleich das ganze Buch kaufen möchte. Ich will hier übrigens nicht eine „bessere Grammatik“ anbieten, sondern lediglich zum Andersdenken anregen.

Anmerkung vorab:
Selbstständige Wörter werden von Suffixen mit einem Punkt getrennt, Enklitika mit einem Gleichheitszeichen! Als Umschrift verwende ich nach der Gewohnheit des Forums Hepburn, obwohl eine modifizierte Kunrei Umschrift wohl um einiges sinnvoller wäre.


Unterteilung in 7 Wortarten:
(ungefähre schulgrammatische Entsprechungen in Klammern)


Zitat:Selbstständige Wortklassen (Jiritsugo)
Code:
+Flexion (Katsuyōgo):    V – Verb (Dōshi)
                         A – Adjektiv (Keiyōshi)

-Flexion (Hikatsuyōgo):  K – Nominaladjektiv (Keiyoudōshi)
                         N – Nomen (Meishi, Daimeishi, Sūshi)
                         M – Adverb (Fukushi, Setsuzokushi)
                         D – Adnomen (Reintaishi)
                         I – Interjektion (Kandōshi)
-----------------------------------------------------
-------------------------------------------------------------------------
Zitat:Abhängige Wortklassen (Fuzokugo)


Zitat:Suffixe
Code:
+Flexion (Katsuyōgo):   -v – Suffixverb (Jodōshi)
                        -a – Suffixadjektiv (Jodōshi)
                                       
-Flexion (Hikatsuyōgo): -k - Suffixnominaladjektiv (Joshi)
                        -n - Suffixnomen (Joshi)
                        -m - Suffixadverb (Joshi)
                        -d - Suffixadnomen (Joshi)
                        -f - Flexiv (Katsuyōkei)

Zitat:Enklitika
Code:
+Flexion (Katsuyōgo):   =v – Partikelverb (Jodōshi)
                        =a - Partikeladjektiv (Jodōshi)

-Flexion (Hikatsuyōgo): =k – Partikelnominaladjektiv (Joshi)
                        =n - Partikelnomen (Joshi)
                        =p - Partikel (Joshi)


Zu den Verben:
Es wird unterschieden zwischen:
1) Vokalischen Verben (Ichidan Katsuyō)
2) Konsonantische Verben (Godan Katsuyō)
3) Unregelmäßige Verben (Gyōhenkaku Katsuyō)

Wichtig!
-Ru, bezeichnet alle Varianten des Präsensflexivs, also -ru, -u, -uru. Ähnlich steht -Ta für alle Varianten des Partizips inklusive der obligatorischen Lautverschleifung bei konsonantischen Verben. Ähnlich mit allen anderen Suffixen.

Es gibt zwei mögliche Anschlussformen der Suffixe und Enklitika and das Verb: Stamm und Basis. Bei den vokalischen Verben sind diese identisch, bei den konsonantischen ist der Unterschied wie folgt:
Stamm: Präsensform des Verbs ohne -ru (kaer.u, Stamm kaer)
Basis: Stamm des Verbs plus i (kaer+i, kaeri)

Es folgen nun die Definitionen der Wortklassen. Wichtiger Punkt hierbei ist, dass jeweils alle Bedingungen erfüllt werden müssen und dass die Liste wie eine Hierarchie aufgebaut ist. D.h. hat man ein unbekanntes Wort fängt man zuerst mit der Frage "Ist es ein Verb?" an und arbeitet sich dann der Reihe nach runter.

Definitionen der selbstständigen Wortklassen

Verb
1) Kann mit -Ru stehen (tabe.ru)
2) Kann mit -Ta stehen (tabe.ta)

Adjektiv
1) Kann mit -i stehen (atsu.i)
2) Kann mit -ku stehen (atsu.ku)

Nomen
1) Kann direkt nach kono/sono/ano stehen (kono hon)
2) Kann mit den Partikeln =ga oder =o stehen (hon=ga)

Nominaladjektiv
1) Kann adnominal mit =na stehen (shizuka=na heya)
2) Kann adverbal mit =ni stehen (shizuka=ni nar.u)

Adnomen
1) Kann direkt vor einem N stehen (kono hon)
2) Kann niemals direkt vor einem V stehen (*kono tabe.ru)

Adverb
1) Kann direkt vor einem V stehen (yukkuri hanas.u)
2) Kann adverbal mit =to oder =ni stehen (hakkiri=to mi.ru / jiki=ni k.uru)

Interjektion
1) Alles andere sind Interjektionen



Weitere Beispiele für die selbstständigen Wortklassen sind nicht von Nöten, weil es immer mindestens eine schulgrammatische Entsprechung für die Wortklassen gibt. Anders hingegen bei den Suffixen und Enklitika, die in der Schulgrammatik größtenteils alle in einen Topf geworfen werden.
Allgemein sei hierzu erstmal gesagt, dass Enklitika lockerer an das Wort angefügt sind, als die Suffixe.

Ein Beispiel:

1) tabe.mas.u
2) tabe.mas.u=ka

In 1) kann weder das -mas- noch das -u einfach weggelassen werden (allerdings kann es durch andere Suffixe ausgetauscht werden), wobei hingegen das =ka ohne Probleme weggelassen werden kann. Die Bedeutung verändert sich natürlich, aber es bleibt weiterhin ein natürlichsprachlicher Ausdruck.

Morphemanalyse zu 1)
tabe- (Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb)
-mas- (Ist nicht selbstständig -> Suffix + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Suffixverb)
-u (Hängt direkt an einem V (bzw. –v) + Das V wäre ohne es kein Wort = Flexiv)

3) yame.sase.rare.na.kat.ta=rashi.i=des.u=yo

Morphemanalyse zu 3)
yame- (Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb)
-sase- (Ist nicht selbstständig -> Suffix + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Suffixverb)
-rare- (Ist nicht selbstständig -> Suffix + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Suffixverb)
-na- (Ist zwar selbstständig, steht aber unmittelbar nach einem flektierbaren Wort, welches kein Flexiv hat -> Suffix + Kann mit –i /-ku stehen -> Adjektiv = Suffixadjektiv)
-kat- (Ist nicht selbstständig -> Suffix + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Suffixverb)
-ta- (Hängt direkt an einem V (bzw. –v) + Das V wäre ohne es kein Wort = Flexiv)
-rashi- (Ist locker angefügt (Wort könnte nach –ta aufhören) -> Partikel + Kann mit –i /-ku stehen -> Adjektiv = Partikeladjektiv)
-i- (Hängt direkt an einem A (bzw. =a) + Das A wäre ohne es kein Wort = Flexiv)
-des- (Ist locker angefügt (Wort könnte nach -i aufhören) -> Partikel + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Partikelverb)
-u- (Hängt direkt an einem V (bzw. =v) + Das V wäre ohne es kein Wort = Flexiv)
-yo (Ist locker angefügt (Wort könnte nach -u aufhören) -> Partikel)

Anregungen und Kritik erwünscht!
Bei Fragen stehe ich natürlich jederzeit gerne zur Verfügung!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.04.08 21:04 von Plasmo.)
24.04.08 18:48
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shinobi


Beiträge: 920
Beitrag #2
RE: Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
Also,
ich finde es schonmal gut, dass du hier den Unterschied zwischen Schul- und "richtiger" ( zunge ) Grammatik darstellen möchtest.
Fragen:

1. muss eine Wortart beide Bedingungen erfüllen (ich denke ja)

2. welche Wortart wäre z.B. (ni) yotte?

3. wie sieht's hier aus:

Zitat: Nomen
1) Kann direkt nach kono/sono/ano stehen (kono hon)
2) Kann mit Partikeln stehen (hon=ga)

"kono atarashii no ha utsukushii."
Demnach müsste atarashii ein Nomen sein.

4.

Zitat: Nominaladjektiv
1) Kann adnominal mit =na stehen (shizuka=na heya)
2) Kann adverbal mit =ni stehen (shizuka=ni nar.u)

Ich meine, es gäbe Wörter die darüberhinaus auch mit "no" stehen können. Mir fällt spontan keins ein.

5.

Zitat: Adnomen
1) Kann direkt vor einem N stehen (kono hon)
2) Kann niemals direkt vor einem V stehen (*kono tabe.ru)

Gilt das nicht auch für andere Wortarten, z.B. Adjektive?

6.

Zitat: Interjektion
1) Kann alleine für sich eine Äußerung bilden (hai)

Kann "utsukushii !" auch. Aber vielleicht kann man bei Interjektionen sich einigen, weil es recht plausibel ist.

7. wie ist "locker" angefügt definiert?

8. was ist ein Adnomen? Etwas Japanisch-spezifisches?

9.

Zitat: -mas- (Ist nicht selbstständig -> Suffix + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Suffixverb)

-kat- (Ist nicht selbstständig -> Suffix + Kann mit –Ru / -Ta stehen -> Verb = Suffixverb)


Wie wird hier "selbständig" definiert?

10. (gleiches Beispiel)

-mas- + -Ta = masta ??
-kat- + -Ru = kat®u ??

11.

Zitat: -yo (Ist locker angefügt (Wort könnte nach -u aufhören) -> Partikel)

yo / you : sind das nicht 2 verschiedene Baustellen? kratz
24.04.08 19:35
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Plasmo


Beiträge: 38
Beitrag #3
RE: Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
Zitat: 1. muss eine Wortart beide Bedingungen erfüllen (ich denke ja)
Ja, ferner muss auch die Hierarchie eingehalten werden.
Zitat: 2. welche Wortart wäre z.B. (ni) yotte?
Ein Beispielsatz würde helfen zwinker
Zitat:3. "kono atarashii no ha utsukushii."
Demnach müsste atarashii ein Nomen sein.
Erster großer Fehler von mir, ich meinte NUR die Partikeln =ga und =o. Werde das umgehend korrigieren. Danke!
Zitat: 4. Ich meine, es gäbe Wörter die darüberhinaus auch mit "no" stehen können. Mir fällt spontan keins ein.
Mir auch nicht. hoho =no steht ja für gewöhnlich nur nach Nomen. (das "Genitiv" =no)
Zitat:5. Gilt das nicht auch für andere Wortarten, z.B. Adjektive?
Stimmt, deswegen muss man die Hierarchie der Regeln einhalten. Werde das auch noch nachträglich editieren.
Zitat: Kann "utsukushii !" auch. Aber vielleicht kann man bei Interjektionen sich einigen, weil es recht plausibel ist.
Rickmeyer schreibt auch eigentlich am Ende der Hierarchie "alles andere ist eine Interjektion", also wieder ein Problem der Hierarchie...
Zitat: 7. wie ist "locker" angefügt definiert?
Habe ich versucht mit dem Beispiel tabe.mas.u <-> tabe.mas.u=ka zu erklären. Ist leider nicht sehr ausführlich ich weiss. Wenn Bedarf besteht kann ich da nochmal ausholen, dachte nur es wäre in etwa klar.
Zitat: 8. was ist ein Adnomen? Etwas Japanisch-spezifisches?
Weiss nicht genau was du mit "Japanisch-spezifisches" meinst?! Ein Adnomen wäre z.B. kono/sono/ano...
Zitat: 9. Wie wird hier "selbständig" definiert?
Selbstständig meint in etwa soviel wie "Wortfähig", oder Jiritsugo nach SG. du kannst mas.u z.B. nicht als eigenes Verb, sondern NUR als Suffix verwenden. Gleiches gilt für kat (<kar.u).
Zitat: 10. (gleiches Beispiel)

-mas- + -Ta = masta ??
-kat- + -Ru = kat®u ??
Das Problem ist auf Platzmangel zurückzuführen bzw. darauf, dass ich es simpel halten wollte. Es gibt zwei allgemeine Anschlussformen für Suffixe und Enklitika: Verbstamm und Verbbasis. Einige Flexive werden z.B. an den Stamm suffigiert kear.oo, andere an die Basis z.B. keat.ta
Verbstamm ist definiert als die Form des Verbs OHNE Flexiv.
Verbbasis ist definiert als die Form des Verbs OHNE Flexiv +i.
(Bei vokalischen Verben ist Stamm und Basis gleich, gilt also nur für konsonantische bzw unregelmäßige)
In diesem Falle wäre Stamm von kaer.u also kaer und Basis kaeri.
->kaer.oo (an den Stamm)
->kae(ri>t).ta (an die Basis)
Zitat: 10. yo / you : sind das nicht 2 verschiedene Baustellen?
In dem Beispiel meine ich =yo wie in ik.u=yo!

Danke schonmal für die vielen Denkanstösse zur Verbesserung. Werde mich sofort dran machen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.04.08 19:09 von Plasmo.)
24.04.08 20:18
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Yamada_Ayumi


Beiträge: 24
Beitrag #4
RE: Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
Ich weis nicht so genau in wie fern ich jetzt richtig liege.
Aber zu dem oben genannten Punkt dass "no" nur nach Nomen steht ... also ich denke es gibt da noch mehr.
"no" kann auch einen Satz nominalisieren d.h. es müsste auch hinter Verben stehen können und hinter Adjektiven auch ... wenn ich an die Phrase "ooku no XY" denke (was so viel heist wie "viel (e) XY"
"ooku" kommt von "ooi" = viel (bin nicht sicher ob das ein Adjektiv ist, aber ein Nomen doch auch nicht kratz )

lg
29.04.08 23:37
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Plasmo


Beiträge: 38
Beitrag #5
RE: Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
Es gibt mehrere Arten von =no . Prinzipiell kann =no nach JEDER Wortklasse stehen. Ich bezog mich aber nur auf das "Genitiv" =no der adnominalen Zuorndung und dieses tritt in 95% der Fälle an Nomen auf.
30.04.08 09:56
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Yamada_Ayumi


Beiträge: 24
Beitrag #6
RE: Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
Ach so ^^
Dann habe ich das falsch verstanden.
Aber du hast recht. Das Genitiv "no" tritt definitiv am häufigsten auf.

lg
30.04.08 10:05
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Kleiner Überblick zur Morphosyntax (Rickmeyer)
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