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Lebensgewohnheiten
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Yano


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Beitrag #11
RE: Lebensgewohnheiten
(02.01.15 12:58)Hachiko schrieb:  Meschpoke sich die Mägen vollgefüllt hat, die Ehre haben den ganzen Mist zu beseitigen. Ging mir jetzt über die Feiertage nicht
anders.hoho
Was mich besonders nervt ist dieses unzureichende Geschirrspülen und dann oder unter Verzicht darauf den Schmutz eintrocknen zu lassen.
Wenn ich dann einen Kochtopf aus dem Schrank ziehe, ist er unbrauchbar verkrustet, in meinen Augen. Nihonjin hingegen sind hinsichtlich der Küchenhygiene sehr tolerant und sagen, hab dich nicht so, es wird eh alles letztlich Pipi und Kaka.
Als ich klein war, hatten Gastwirtschaften in T oft so in einem Loch in der Wand einen Ventilator, aus dem Fett auf die Straße tropfte, was manchem Ungeziefer attraktiv erschien.
Es wird schon aus dem 19. Jahrhundert berichtet, daß es in J so dreckig zugeht. Aber die Leute selber halten viel auf Körperhygiene. Grob gesagt: man kann jedes Mädchen auf jeden ihrer Quadratzentimeter küssen, aber in einem Ryokan sollte man nur voll angezogen schlafen und das Fenster öffnen wegen dem muffigen Bettzeug, dann kanns aber sein, daß ein riesenhafter Gokiburi reinfliegt (so bis zum 3. Geschoß kommen die durchaus, dann sind sie aber erwachsen und man kann ihnen nachstellen, ich spinne das jetzt nicht weiter).

Doch, ein bißchen weiter schon: es gab mal einen historischen Moment (von den Medien unbeachtet), in dem hätte man mit einem starken Feldstecher von der Aussichtsplattform des Tokyo Tower aus mich beobachten können, wie ich unbekleidet einen Gokiburi jagte. Ich meine so einen großen schwarzen, der gerade durchs Fenster hereingekommen war. Ich hab ihn auch erlegt. Irgendwie sind wir später auch mit den kleineren braunen fertiggeworden, die im TV und im Küchenmobiliar wohnten (womit wir wiederum beim Stichwort "japanische Küchenhygiene" wären). Das war aber schwierig, weil die waren recht viele und haben sich rapide vermehrt. Doch ich schreckte zum Entsetzen meiner Frau nicht vor dem Einsatz chemischer Waffen zurück (ich hatte ja mal ABC-Kampfausbildung).
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.01.15 18:05 von Yano.)
02.01.15 16:20
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Yano


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Beitrag #12
RE: Lebensgewohnheiten
Was mich nervt, ist die Unfähigkeit, aus dem Fenster zu schauen. In meinem Haus sind die Fenster durchsichtig, es sind nicht mal alle mit Vorhängen versehen. Meine Frau steht am Fenster, ich komme gerade die Kellertreppe herauf, und sie fragt mich, ob es regnet.
:
Was anderes ist das Anziehen von Schuhen. Man kann sich (und tut das auch) geschlossene Schuhe herunterreißen. Wenn man diese geschlossenen Schuhe wieder anziehen möchte, muß man sie öffnen, um sie nachher wieder zu schnüren. Das lernt Nihonjin nicht. Man muß jedesmal erst versuchen, ob man in den geschlossenen Schuh hineinkommt. Jedesmal mißlingt das, mit "jedesmal" meine ich hunderte Male bzw. immer. Nach dem Fehlversuch hockt man sich halt hin und machts richtig.
:
Oder gupage, das ist meine eigene Wortschöpfung, ich weiß jedoch nicht ob das typisch japanisch ist oder nur typisch Yanoke. Du mußt den Zug erreichen. Vorher macht man noch ein gemütliches Frühstück, trödelt herum guuzu-guuzu, irgendwann wird es zeitlich eng, man beginnt damit, hektisch zu packen, bata-bata. Steht man endlich mit dem Gepäck vor Haustüre, hat man jedesmal was vergessen, man sperrt wieder auf und sucht eine Zeitlang herum. Schließlich verläßt man doch das Haus, muß aber zum Bahnhof schon rennen, gege. Und da ist ein Gaijin dabei, größer und stärker als jeder von der ganzen Mischpoke, und der hatte gesagt, gehen wir mal rechtzeitig aus dem Haus, zehn Minuten am Bahnhof warten tut nicht weh, man kann sich da noch einen Kaffee kaufen. Und jetzt die Preisfrage: Wer hat im Lauftempo die Koffer geschleppt, bis nahe ans Verrecken?
02.01.15 18:55
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cat


Beiträge: 850
Beitrag #13
RE: Lebensgewohnheiten
(02.01.15 18:55)Yano schrieb:  Oder gupage, das ist meine eigene Wortschöpfung, ich weiß jedoch nicht ob das typisch japanisch ist oder nur typisch Yanoke. ...

Nö, das mach ich auch so zwinker
02.01.15 19:13
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Hachiko


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Beitrag #14
RE: Lebensgewohnheiten
(02.01.15 18:55)Yano schrieb:  Steht man endlich mit dem Gepäck vor Haustüre, hat man jedesmal was vergessen, man sperrt wieder auf und sucht eine Zeitlang herum. Schließlich verläßt man doch das Haus, muß aber zum Bahnhof schon rennen, gege. Und da ist ein Gaijin dabei, größer und stärker als jeder von der ganzen Mischpoke, und der hatte gesagt, gehen wir mal rechtzeitig aus dem Haus, zehn Minuten am Bahnhof warten tut nicht weh, man kann sich da noch einen Kaffee kaufen. Und jetzt die Preisfrage: Wer hat im Lauftempo die Koffer geschleppt, bis nahe ans Verrecken?

Bei diesem Gewusel dürfte das Gepäck vor der Haustüre verblieben seinzunge
02.01.15 19:29
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Yano


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Beitrag #15
RE: Lebensgewohnheiten
Mal hab ich eine Wohnung gemietet, die war kostengünstig und in einer ruhigen und sehr zentralen Lage in Bunkyoku. Als ich nach Jahren wieder auszog, habe ich den Makler gefragt, ob er wüßte, wie ich den ganzen Dreck wieder reinmachen soll, den ich vorgefunden aber in den ersten Monaten entfernt hatte. Der hat diesen Zynismus natürlich nicht verstanden, aber ich mußte die kaputten Tatamis nicht bezahlen, das war schon im Preis drin.
Das waren keine Müllhaufen, sondern kumulierte Schmutzablagerungen. Das Linoleum in der Küche hatte so eine Zierprägung, diese Rillen waren schwarz, drüberwischen hat nichts gebracht. Ging ich hin und fand auch tatsächlich im Ladengeschäft eines uralten Mannes eine Bürste, etwas größer als meine Handfläche, damit hab ich das Schwarze entfernt (hat zwei Tage gedauert). Das verkrustete Klo habe ich auch sauber gemacht und den blechernen Toilettenschrank entrostet, neu lackiert und mit einem neuen Spiegel versehen.
Das hätte nach deutscher Denkungsart eigentlich alles der Vormieter tun/veranlassen müssen oder der Eigentümer, der selber in dem Haus wohnte. Der hatte gerade Balkone und Dach mit frischer Betonfarbe streichen lassen, ist auch liberal reingegangen in meine Wohnung. Nihonjin sehen nicht so den Dreck. Und Dreck, den man nicht sieht, ist sauber.
Als die Verlängerung des Mietvertrags anstand, habe ich gesagt, ich ziehe aus, wenn ihr nicht den Wassertank auf dem Dach erneuert, der ist löcherig gerostet, und die Vögel können reinscheißen. Dann hat der Eigentümer einen neuen Wassertank bestellt. Wie gesagt, die Eigentümerfamilie hätte die Vogelscheiße grad wie ich ins Leitungswasser bekommen. Doch hat es einer extra Aufforderung bedurft.
02.01.15 23:48
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torquato


Beiträge: 2.660
Beitrag #16
RE: Lebensgewohnheiten
Also ich habe Japan in diesen Bereichen jetzt nicht als so dreckig in Erinnerung.

Gut, bei zwei Küchen meiner verschieden Gasteltern war es leicht, ähhh... wie soll ich sagen... speckig. Die eine Gastmutter trägt mir das bis heute noch nach und fühlt sich ob dieser Worte eines Teenagers immer noch verletzt. Ist aber eigentlich kein Wunder. Gasherd und viel offenes Frittieren. Da kann man wirklich kaum gegen putzen, und wenn so eine Küche dann noch 30 Jahre oder so alt ist... Das halte ich also eher noch für nachvollziehbar. Abgesehen davon habe ich das ansonsten anders erlebt.

Die Gokiburi sind halt ein landesspezifisches Problem für sich. Die kommen einfach überall hin. Das hat absolut nichts mit Hygiene und Sauberkeit zu tun.


Was mich ansonsten eher bei den Japanern aufregen kann ist diese teilweise ins Pathologische gesteigerte Hyperkorrektheit. Etwas muß so gemacht werden, weil es einfach so ist, egal wie unsinnig es auch sein mag.

Ich hab das Beispiel hier schon einmal vor Jahren im Forum erzählt. Ich war anläßlich einer Hochzeitsfeier in Japan. Beim Einchecken ins Hotel haben wir (Gasteltern und ich) uns für Japanisches Frühstück entschieden. Am nächsten Morgen nach feuchtfröhlicher Nacht war mir erstmal nach einem Espresso zumute. Den konnte man mir aber nicht bringen, weil zum Japanischen Frühstück kein Kaffee serviert wird. Kaffe gibt es nur in dem anderen Frühstücksraum, wo das westliche Frühstück serviert wird. Nach einigem hin und her habe ich auf das Frühstück verzichten, bin an die Bar, meinen Doppio bar bezahlt und habe mich ins Foyer gesetzt. Das war die einzige Mölichkeit den Betriebsablauf nicht massivst zu stören.
Ein anderer Gast, der mich dort sah, war ganz neidisch auf meinen Espresso. Er konnte keinen bekommen, weil man ja im westlichen Frühstücksraum nur dürre Bohnenplärre serviert, und etwas anderes natürlich nicht geht.

In solchen Punkten können Japaner wirklich nervig sein.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.01.15 00:32 von torquato.)
03.01.15 00:17
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Yano


Beiträge: 2.028
Beitrag #17
RE: Lebensgewohnheiten
Die übriggebliebenen Reste vom warmen Abendessen am nächsten Tag kalt als Frühstück zu servieren. Da fragst dich ehrlich.
Aber in der Stadt findest du Lokale, wo du für wenig Geld frühstücken kannst. Da gibts dann Kaffee, so irrsinnig dicken Toast mit sowas ähnlichem wie Butter drauf oder etwas drauf, das entfernt an Pizza erinnert. Mein Stammlokal hat (das nennen die Morning Service) auch eine Tütensuppe gereicht, warm oder kalt, je nach Jahreszeit.
Nicht weit von wo ich wohnte, war ein Gourmet-Kaffeehaus, da gabs nicht "eine Tasse Kaffee", sondern du hast die Lage auswählen müssen, Niederkolumbien oder Oberkolumbien oder weiß der Geier. Mit speziellen Maschinen und hohem Zeitaufwand hat man dort den Kaffee kalt zubereitet und erst zum Servieren erwärmt. Was das Geld gekostet hat, und sie hatten nur eine winzige Toilette, die ständig dreckig war.
In meiner unmittelbaren Nachbarschaft gab es auch eine Nudelkneipe. Die hatte eigentlich angeblich normale Öffnungszeiten, da war auch jemand da, wo mich aber abgewiesen hat, es sei kein Platz frei, aber es war leer.
Manchmal aber kamen Gäste. Die haben mit ihren extrem teuren Autos unseren Garagenhof zugestellt; machte aber nichts, weil die Fahrer sind den ganzen Abend in den Autos geblieben. Ob die Kunden Verbrecher oder Politiker waren oder beides entzieht sich meiner Kenntnis.
Man kann fragen, was fressen diese Großkotze? Soba, meiner Seel.
03.01.15 03:33
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Hachiko


Beiträge: 2.529
Beitrag #18
RE: Lebensgewohnheiten
Einzelnen Beiträgen hier ist zu entnehmen, dass die Japaner es mit der Toilettenhygiene nicht so genau nehmen. Wundert mich
eigentlich bei einem Volk, das sich als das Nonplusultra der Sauberkeit verstanden haben möchte. Da paart sich ganz schön
Arroganz mit Ignoranz, wenn man bedenkt, was für ein gesundheitlicher Mist durch die übertragenen Escherichia coli-
Bakterien angerichtet werden kann. Da scheint wohl verbreitet die Regel zu gelten "vor dem Toilettengang und nach dem Essen
die Hände reinigen", ohne Seifenspender, versteht sich. Kennen die auch kein Sagrotan?
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.01.15 12:25 von Hachiko.)
03.01.15 12:04
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Mayavulkan


Beiträge: 511
Beitrag #19
RE: Lebensgewohnheiten
(03.01.15 00:17)torquato schrieb:  Was mich ansonsten eher bei den Japanern aufregen kann ist diese teilweise ins Pathologische gesteigerte Hyperkorrektheit. Etwas muß so gemacht werden, weil es einfach so ist, egal wie unsinnig es auch sein mag.

Ich war nicht dabei, die Geschichte klingt zumindest nicht unglaubwürdig.
Einer unserer Professoren reiste im November nach Sapporo. Über Nacht legte starker Schneefall den gesamten Verkehr lahm. Das sollte nun in Sapporo niemand vom Sessel hauen. Allerdings räumte auch niemand den Schnee weg, der Verkehr bliebt zwei Tage bis zum nächsten Tauwetter chaotisch.
Auf die erstaunte Frage nach dem warum gab es die Antwort: "Im November schneit es nicht."
03.01.15 12:22
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junti


Beiträge: 1.560
Beitrag #20
RE: Lebensgewohnheiten
(03.01.15 12:04)Hachiko schrieb:  Einzelnen Beiträgen hier ist zu entnehmen, dass die Japaner es mit der Toilettenhygiene nicht so genau nehmen. Wundert mich
eigentlich bei einem Volk, das sich als das Nonplusultra der Sauberkeit verstanden haben möchte. Da paart sich ganz schön
Arroganz mit Ignoranz, wenn man bedenkt, was für ein gesundheitlicher Mist durch die übertragenen Escherichia coli-
Bakterien angerichtet werden kann. Da scheint wohl verbreitet die Regel zu gelten "vor dem Toilettengang und nach dem Essen
die Hände reinigen", ohne Seifenspender, versteht sich. Kennen die auch kein Sagrotan?

Mittlerweile gibt es auf fast jeder oeffentlichen Toilette in Japan Desinfektionsmittel.
Vor dem Essen waschen sich fast alle Japaner die ich kenne die Haende. Außerdem gibt es ja desinfizierte おしぼり in jedem Laden.

http://www.flickr.com/photos/junti/
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.01.15 13:07 von junti.)
03.01.15 13:03
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Lebensgewohnheiten
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