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Prozentsatz Schuluniformen?
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JK


Beiträge: 189
Beitrag #31
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Zitat:Aber nur von oberflächlichen Mitmenschen. Wenn man früher jemanden im FDJ-Hemd sah, dachte man eher: Noch so eine arme Sau, die zum Fahnenappell oder sonstigem Unsinn antreten muß.

Ach, woher weißt du, wer was früher dachte? Ich kenne eine Menge Leute, die noch heute stolz darauf sind, in der FDJ gewesen zu sein.

Jana (früher Miki)
28.08.04 13:22
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #32
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Ganz genau! Die gab es nämlich auch. Es ist doch keineswegs so, daß ich früher, wenn ich jemanden im FDJ-Hemd sah, sofort wußte, daß der das auch nur "gezwungenermaßen" anhat und daß er somit ein "Bruder im Geiste" ist, mit dem ich mich wirklich verbunden fühlen kann. Das konnte ja auch ein 150%iger Nachwuchskader sein. Nur vom FDJ-Hemd her konnte man das von vornherein nicht wissen - dazu mußte man ihn schon kennenlernen.
"Erzwungene Uniformierung erzeugt sehr starken Zusammenhalt - genau andersherum, aber immerhin." stimmt also nur dann, wenn damit die Leute gemeint sind, die das wirklich ablehnten. Aber das waren ja bei weitem nicht alle. Die Mitglieder der FDJ waren in ihren Ansichten so verschieden, wie verschiedene Menschen bloß sein können. Es gab von der Sache überzeugte, die das Hemd gern trugen, es gab Gegner, die das Hemd erzwungenermaßen trugen, und es gab Mitläufer oder Uninteressierte, denen das Hemd im Grunde egal war. Das FDJ-Hemd SUGGERIERTE zwar Einigkeit und Kameradschaft, aber das war - wie ich schon schrieb und wie es für ALLE Uniformen gilt - lediglich ein Scheingebilde. De facto waren die Menschen im FDJ-Hemd genauso unterschiedlich wie Menschen ohne FDJ-Hemd - von einem "sehr starken Zusammenhalt" unter allen FDJ-Hemd-Trägern konnte keine Rede sein.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.08.04 13:59 von Botchan.)
28.08.04 13:57
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Mangus


Beiträge: 254
Beitrag #33
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Zitat:Ach, woher weißt du, wer was früher dachte?
Daher, daß ich dabei war und während und nach dieser Zeit mit Betroffenen geredet habe, vielleicht? Und woher weißt Du, daß es anders war? zwinker

Zitat:... Das konnte ja auch ein 150%iger Nachwuchskader sein. ...
Wenn ihr so von den Menschen denkt, bitte schön. Ich unterstelle meinem Gegenüber prinzipiell nicht gleich Schlechtes. Ich sehe auch nicht in jedem Passanten auf der Straße einen potentiellen Verbrecher, nur weil er mir nicht das Gegenteil beweist.

Na klar gab es massenhaft Freiwillige in der FDJ, wie im Rest der DDR, so gar so viele, daß die Regierung eine Mauer gebaut hat, damit sie noch freiwilliger dort sein konnten. Denkt mal drüber nach, ob eine Uniform in einer Diktatur nicht vielleicht doch was anderes ist, als die vom Dackelzuchtverein um die Ecke.

Baustelle
28.08.04 15:14
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Nora


Beiträge: 2.091
Beitrag #34
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Wir wollen jetzt hier bestimmt keine DDR-Diskussion anfangen, nicht wahr?
28.08.04 15:27
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Mika die Große


Beiträge: 98
Beitrag #35
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Ich denke doch, Schuluniformen sind für Japan ein sehr wichtiges Thema (obwohl sie vielleicht eher Kultur sind?), das sollte hier schon vertreten sein zwinker
Ausserdem denke ich, das man obige Disskussion auch auf Japan bezugon weiterführen kann. Immerhin wird den Japanern allgemein nachgesagt, ein bisschen ameisenähnlich zu sein: uniform, hart arbeitend und so. Nicht, das sie dieses Vorurteil nicht selbst stützen würden: Wir haben heute von unserem Counselor ein Buch über Japan erhalten, in dem auch ein Kapitel "Why are Japanese People working hard?" vorkam. Zum schlechtwerden, echt.

Dazu wollte ich noch mal zwei Thesen in den Raumstellen:
These 1) besagt, durch Uniformierung wird die freie Meinung unterdückt, um sich selbst auszudrücken, Charakter zu entwickeln und seine Persöhnlichkeit zu bilden ist verschiedene Kleidung wichtig.
These 2) besagt, durch gleiche Kleidung kann man die Leute eben nicht von aussen beurteilen (wie ihr ja erwähntet) und muss sich seine Meinung anders bilden.

Übrigens, die Thesen sind nicht von mir. Wir haben sie in mehrstündigen Deutsch-Disskussionen zum Thema "Problemerörterung" in der Klasse erarbeitet.

Faitto!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.08.04 16:28 von Mika die Große.)
28.08.04 15:42
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #36
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Zitat:Wir wollen jetzt hier bestimmt keine DDR-Diskussion anfangen, nicht wahr?
Stimmt. Das wäre sogar nach meinem Geschmack zu OT. Gomen!

Zitat: These 1) besagt, durch Uniformierung wird die freie Meinung unterdückt, um sich selbst auszudrücken, Charakter zu entwickeln und seine Persöhnlichkeit zu bilden ist verschiedene Kleidung wichtig.
These 2) besagt, durch gleiche Kleidung kann man die Leute eben nicht von aussen beurteilen (wie ihr ja erwähntet) und muss sich seine Meinung anders bilden.

Hier meine Ansicht zum Thema:
zu 1) Hm... Ich denke da stimme ich zu. Sicher ist es nicht unmöglich, auch dann Persönlichkeit und Charakter zu entwickeln, wenn man eine Uniform tragen muß - zumal man sie ja im Falle von Schuluniformen nur einen Teil des Tages trägt -, aber daß für viele Menschen ihre Kleidung EIN Mittel ist, um ihre Individualität auszudrücken, ist wohl unbestreitbar.
Daß es in Japan Schuluniformen gibt, ist ursprünglich weniger ein Teil der japanischen Kultur als vielmehr einer der deutschen. Denn diese Uniformen wurden in der Meiji-Zeit zusammen mit vielen anderen Aspekten aus dem damaligen deutschen Kaiserreich übernommen. Der "Matrosenlook" der Uniformen in Japan erinnert ja auch heute noch stark an seine Herkunft - sehr Euch mal Bilder von deutschen Schulkindern um 1900 an! Und daß diese Uniformen ursprünglich NICHT eingeführt wurden, um die Identifikation mit der Klasse oder Schule zu fördern, sondern EBEN GERADE, um die Schüler von oben herab "gleichzuschalten", ist auch kein Geheimnis. "Der Nagel, der heraussteht, wird eingeschlagen" ist ja auch heute noch eine japanische "Schul-Weisheit". Soviel man auch an Positivem in die japanischen Schuluniformen heutzutage hineininterpretieren möchte, es ist und bleibt eine Tatsache, daß dahinter damals wie heute auch durchaus suppressive Intentionen stecken. Wie wären sonst die mitunter grotesken Regelungen betreffs der Schulkleidung und die bizarren Formen der Kontrolle ihrer Einhaltung erklärbar, wenn Lehrer tatsächlich mit dem Maßband auf dem Schulhof stehen und z. B. Rock-, Hosen- oder Haarlängen nachmessen? Wer dahinter KEINE individualitätsfeindliche Ideologie erkennen kann, bei dem bin auch ich mit meinem Latein am Ende.

zu 2) Das halte ich GRUNDSÄTZLICH für wichtig. Ich glaube, man kann NIEMANDEN von außen "beurteilen" - jedenfalls nicht, wenn einem an mehr als einem oberflächlichen Vorurteil gelegen ist. Ob jemand nun eine Uniform anhat oder eine selbstgewählte Kleidung... Wer ihn wirklich aufgrund seines Äußeren "beurteilt", verhält sich nicht gerade weise. Hinter einem Uniformierten kann sich ein genauso wertvoller Mensch verbergen wie hinter einem, dessen selbstgewählten Kleidungsstil man unmöglich findet. Oder eben auch andersherum.

PS: Das Buch, das ihr bekommen habt, heißt nicht zufällig "Japan as it is", oder?
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.08.04 18:53 von Botchan.)
28.08.04 18:31
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Mika die Große


Beiträge: 98
Beitrag #37
RE: Prozentsatz Schuluniformen?
Zu Punkt 1)- ich weiß nicht, aber Bedeutungen können sich wandeln.
Zu Punkt 2)- Aber wie heißt es so schön? Der erste Eindruck ist häufig der wichtigste und sehr schwer wieder abzuändern.

Das Buch heißt "Nippon".

Faitto!
29.08.04 13:21
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Prozentsatz Schuluniformen?
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