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Reisversorgung in Privathaushalten
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torquato


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Beitrag #1
Reisversorgung in Privathaushalten
Hallo.

Ich habe zwei Fragen:

1.) Was kostet Reis in Japan?

Ich meine so den Durchschnittspreis für Endverbraucher. Wikipedia http://ja.wikipedia.org/wiki/米価の変遷 gibt die Verbraucherpreise nur bis 1995 an. Weiter bin ich im Netz nicht gekommen. Dann würde mich auch eine gewisse Spannbreite interessieren. Was zahlen Japanische Geringverdiener, die beim Discounter den Groschen, also Yen zweimal umdrehen müssen? Was zahlt man sonst so, wenn man als Gutverdiener nicht unbedingt so sehr aufs Geld achten muß?

2.) Wie kauft man Reis?

Klingt vielleicht lächerlich, aber ich meine, fährt man als vierköpfige Durchschnittsfamilie am Wochenende zum Supermarkt und lädt für den Monat beim Großeinkauf einen 20kg-Sack in den Kofferraum, oder kauft man zwischendurch immer kleinere Einheiten? Kauft man den überhaupt selber ein, oder läßt man den vom Händler des Vertrauens nach Hause liefern? Wie ist das bei kleineren Haushalten, ohne Kinder, oder Singles?

Kurzum, wo kauft man so in der Regel wie welche Verpackungsgröße und zu welchem Preis?

Das B in Rassismus steht für Bildung.
26.09.13 02:47
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junti


Beiträge: 1.560
Beitrag #2
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Ich spreche mal von meinen Reiserfahrungen zwinker

Also man kann Reis ganz normal im Supermarkt kaufen. Dort gibt es meistens 2, 5 und 10kg Abpackungen.
Am beliebtesten sind dabei die 10kg Abpackungen, die die meisten Japaner wohl kaufen.
10kg kosten dabei so 3700 Yen wenn guenstig. Singles kaufen natuerlich auch kleinere Abpackungen, ausserdem ist 無洗米 also vorgewaschener Reis bei Singles recht beliebt, weil die Vorbereitungszeit vorm kochen kurzer wird. Der ist aber (wenn kein ブレンド also Mischreis aus verschiedenen Sorten) etwas teurer, gibt es meist nur in kleineren Abpackungen und schmeckt nicht SO gut.
In dem meisten Supermaerkten gibt es ausserdem Reisspender bei denen man halt einen Sack drunterhaelt und selbst waehlen kann wieviel Reis man da rein moechte und dann nach Kilo bezahlt. Das ist meist eine recht guenstige Variante.
Ausserdem wird Reis auch oft bei Schnapslaeden und in entsprechenden Laeden verkauft die z.B. Reis und (Propan)gas und solche Sachen fuehren... ziemlich eigenartige Laeden hoho

Die meisten Familien die allerdings etwas mehr auf dem Land leben, die kennen meistens jemanden, der jemanden kennt der Reis anbaut, weshalb man dann direkt kauft oder eben per Tauschgeschaeft seinen Reis erhaelt. In dem Fall bekommt man oft auch 20kg-Saecke und oft sehr guten Reis fuer aber den guenstigen Preis wie er auch im Supermarkt zu kaufen ist.

Kaufen tun die meisten den Reis Tatsache oft einfach beim Einkauf. Liefern kann man sich den Reis natuerlich auch lassen, ist aber wohl eher was fuer die aeltere Generation oder wenn man eben einen Reisanbauer hat, bei dem man den Reis abonniert und dann in bestimmten Abstaenden Reis bekommt. Bei 新米 also frischem Reis gibt es das oefters, dass man sich die frische Ernte zuschicken laesst. Auch als Geschenk ist 新米 sehr beliebt. Kann also sein, dass man von Onkel und Tante eben mal 10kg Reis zugeschickt bekommt zwinker

Uebrigens kann bei teurem Reis auch mal der 2kg Beutel 3000 Yen und mehr kosten zwinker

//Nachtrag: Man kann auch 10kg Reis fuer 3000 Yen bekommen. Ist aber meistens Reis aus den Vorjahren und demnach wohl nicht ganz so lecker...

http://www.flickr.com/photos/junti/
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.09.13 04:01 von junti.)
26.09.13 03:57
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Robato


Beiträge: 148
Beitrag #3
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
(26.09.13 03:57)junti schrieb:  Die meisten Familien die allerdings etwas mehr auf dem Land leben, die kennen meistens jemanden, der jemanden kennt der Reis anbaut, weshalb man dann direkt kauft oder eben per Tauschgeschaeft seinen Reis erhaelt. In dem Fall bekommt man oft auch 20kg-Saecke und oft sehr guten Reis fuer aber den guenstigen Preis wie er auch im Supermarkt zu kaufen ist.

So läuft die Reisversorgung auch bei meiner Schwiegermutter. Deren Geschwister bauen selbst Reis an und liefern ihn abgepackt zu je 30 kg (ungeschält) zu Hause an. Mit dem Sack fährt man dann zu einem Supermarkt, wo auf dem Parkplatz ein Reisschälautomat steht. Für 200 Yen wird dort der Reis geschält, wobei man zwischen 3(?) verschiedenen "Schälgraden" aussuchen kann. Bei 30 kg fallen etwa 3 kg Schale an (bei intensivstem Schälgrad), welche in einer extra Box ausgeworfen wird. Die meisten Leute brauchen die Schale nicht und lassen sie da. Wir nehmen meistens etwas davon mit. Diese Reisschale wird dann im Garten als Dünger benutzt oder zur Herstellung von eingelegtem Gemüse (Pickles).
Beim Reispreis bin ich mir nicht allzu sicher, aber ich meine, dass ein 30 kg-Sack etwa 6000 Yen kostet. Dies dürfte dann auch einfach nur der Selbstkostenpreis sein.
In Deutschland zahlen wir für einen 10 kg-Sack 15 bis 20 Euro (italienische Herkunft). Ab und an kaufen wir auch japanische Herkunft, da liegt dann der Preis bei reichlich 30 Euro.

Sports Bakka... wenn schon Sport, dann dieser *^-^*
26.09.13 09:10
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junti


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Beitrag #4
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Ja, genau die "Schaelmaschinen" 精米機 koennen mittlerweile meist bis zu 5 Schaelstufen und sogar 無洗米. Wieso das so guenstig ist und wie diese Automaten ueberleben frage ich mich immer wieder hoho

http://www.flickr.com/photos/junti/
26.09.13 09:42
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torquato


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Beitrag #5
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Danke für Eure Beiträge. Finde ich sehr interessant.

Ich habe gerade gestern hier in Berlin wieder 'Japanischen' Reis gekauft. Diesmal bei einem anderen Hängler als sonst mit einer größeren Auswahl und da habe ich dann mal auf die Auswahl und die Preise geachtet.

Ich meinte mal gehört oder gelesen zu haben, daß Reis in Japan recht teuer sein sollte, aber das klingt jetzt für mich nicht so danach. Eher vergleichbar mit Deutschland.

Bei besagten Händler lag der Preis bei kleinen Verpackungen (1Kg) so zwischen 2,50 und 3,50 EUR / Kg. Das billigste bei einem großen Sack lag bei knapp über 1 EUR.

Ich habe heute mal beim Discounter um die Ecke geschaut, was da so Reis kostet (natürlich andere Reissorten), und der lag auch so in der Größenordnung. Die Billig-Hausmarke gibt es für 90 ct, der Rest war auch so bei 2,50 bis 4,00 EUR.

Mein Fazit: 'Japanischer' Reis in Deutschland ist nicht unbedingt teurer, als anderer Reis und er ist preislich anscheinend auch auf dem Niveau wie in Japan.

Leider steht beim Reis hier nicht das Herkunftsland drauf, nur der Importeur. Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann. Mir ist doch egal, ob der Reis von einem Holländischen oder sonstwelchen Kaufmann gehandelt wurde. Ich will wissen, ob der aus Thailand oder USA stammt.

Einen echten Japanischen Reis hatte der Asiamarkt auch. Angeblich aus Akita. Für 6,50 EUR das Kilo!

無洗米 klingt wie für mich faule Socke geschaffen zu sein. zwinker Habe mich inzwischen aber an das Reiswaschen gewöhnt. Wußte nicht, daß es sowas überhaupt gibt.

Diese Schälmaschinen am Supermarkt verwundern. Eigentlich wollen die doch, daß man da Reis kauft und nicht, daß man andernorts gekauften Reis dorthin mitbringt. kratz

Das B in Rassismus steht für Bildung.
26.09.13 21:33
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nekorunyan


Beiträge: 438
Beitrag #6
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Wenn du faul bist, geht es sogar noch besser: Schon gekochter Reis, der nur noch in der Mikrowelle aufgewärmt werden muss...augenrollen
[Bild: jc101-ricepack1.jpg]
Ansonsten kochen manche Leute Reis auch in großen Mengen und frieren dann kleine Portionen ein.
Diese Schälmaschinen gibt es nicht nur an Supermärkten, die stehen auch mal einfach so in der Gegend rum~ Ist halt ganz praktisch, wenn man selber Reis anbaut oder den geschenkt/ günstig vom Erzeuger bekommt.
Was leider nicht sehr erschwinglich ist, ist 玄米 Oder gar 黒米 :'(

♫ くちびるから星がこぼれ夜空に潜り込んだら 閉じ込めてた言葉たちを広げて羽に変えるのさ ♫
26.09.13 22:06
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junti


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Beitrag #7
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Anmerkung zum 無洗米: Ein, zwei mal spuelen muss man den schon, aber eben nicht "polieren" also richtig waschen.

http://www.flickr.com/photos/junti/
26.09.13 23:44
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torquato


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Beitrag #8
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Ich glaube, dieser komplett vorgekochte Reis wäre dann doch nichts für mich. Soooo faul bin ich dann ja nu auch nich.... zwinker Aber danke für den Hinweis, das es sowas überhaupt gibt. War mir nicht bewußt.

Frage mich jetzt, was der Unterschied zwischen 玄米 oder 黒米 sein soll? Das Wörterbuch sagt eigentlich das gleiche. Ersteres kenne ich aus 玄米茶. Da ist dieser Reis wohl mit drinn. 黒米 stelle ich mir schwarz vor?

'Spülen', 'Waschen', 'Polieren'... Wenn als nächstes noch 'Föhnen' und 'Legen' kommt, dann befürchte ich mich im falschen Thread. hoho Nein, im Ernst. Was heißt jetzt richtig 'Reis waschen/ polieren'? Ich habe den Reis im Kochtopf, gebe in der Spüle Wasser dazu und rühre mit der Hand und 'knete' dabei so ein bißchen den Reis beim Umrühren, so daß die Reiskörner etwas aneinander reiben. Das wiederhole ich dann so ca. 5+ Mal. Bis halt das Wasser nicht mehr ganz so milchig trübe wird.... Ist das jetzt richtiges Reiswaschen? Das Ergebnis ist auf jeden Fall bestens. grins

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27.09.13 00:50
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nekorunyan


Beiträge: 438
Beitrag #9
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
玄米 ist einfach brauner Reis, also die Vollkornversion vom 白米. 黒米 sieht schwarz aus, färbt allerdings violett und wird auch eher mit anderem Reis gemischt. Hier gibt es eine schöne Übersicht zum Thema Reissorten~

Jaja, die Sache mit dem Waschen...Da schwören ja manche drauf, dass der Reis je nach Technik anders schmeckt augenrollen

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27.09.13 01:20
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junti


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Beitrag #10
RE: Reisversorgung in Privathaushalten
Wie man den Reis "richtig" waescht da streiten sich auch Japaner, bzw. wie oft man was macht.
Generell nimmt man als erst den Reis und spuelt ihn (お米をすすぐ). Und das am besten so schnell wie moeglich!
Ganz am Anfang saugt der Reis am meisten Wasser auf, deswegen wirklich Wasser rein, von unten kurz einmal durchwirbeln und das Wasser wegschuetten (水をきる). Das macht man zwei, drei mal bis das Wasser etwas sauberer geworden ist. Wichtig ist wirklich am Anfang das Wasser mehrere Male zu wechseln.
Dann schuettet man das Wasser nocheinmal weg und poliert dann den Reis (お米を研ぐ). Dabei sollte so wenig Wasser wie moeglich mit dem Reis zusammen sein. Das "polieren" ist eben eine Art kneten bzw. "schubbern" des Reises zwinker
Dann spuelt man den Reis wieder, da sollte das Wasser ziemlich weiss sein. Ich spuele dann nurnoch sauber, manche Leute polieren daraufhin nochmal, kommt aber immer auf den Reis und die Jahreszeit an.
Dann eben nurnoch einweichen lassen (浸水させる) und kochen hoho

玄米 ist uebrigens der geschaelte aber nicht gereinigte Reis (also 籾 ist noch dran, 籾殻 ist aber ab), der wie du schon gut erkannt hast auch in 玄米茶 fuer das Aroma sorgt.
黒米 ist halt eine schwarze Sorte Reis grins

http://www.flickr.com/photos/junti/
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.09.13 01:27 von junti.)
27.09.13 01:25
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Reisversorgung in Privathaushalten
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