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Verkanten, verkippen
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Beitrag #11
RE: Verkanten, verkippen
(14.03.14 15:22)Yano schrieb:  Man könnte es ja auch positiv formulieren, das Innengewinde soll bestimmungsgemäß schrauben.

Es ist wohl sehr deutsch, ausdrücklich aufzuzählen, auf welche Weise es denn bekanntlicherweise falsch schrauben könnte.
Das ist vorsichtig ausgedrückt blanker Unsinn.

Der Autor weist auf das Problem hin, dass das Außengewinde winklig in das Innengewinde eingeführt und angeschraubt werden könnte (man spricht vom Verkippen). Dann schließen die beiden Gewinde nicht formschlüssig sondern verschneiden ineinander (man spricht vom Verkanten). Bei einer Schraube (Außengewinde) vermeidet ein geführter Schrauber (Werkzeug), dass die Schraube verkippt ins Innengewinde eingesetzt wird und mit diesem verkantet.

Es geht bei dem zu übersetzenden Text daher um die richtige Wahl des Werkzeuges und nicht um die richtige Wahl der Gewinde.

Aber daran sieht man vielleicht, dass der Text auch für Deutsche ohne technische Hintergrundbildung wohl ganz so einfach zu verstehen ist.
18.03.14 15:20
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Yano


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Beitrag #12
RE: Verkanten, verkippen
Was ist denn ein geführter Schrauber? Ich hätte mir darunter eine Maschine vorgestellt, die ganz genau weiß, wo das Innengewinde ist. Ist denn heutzutage so ein Schrauber in der Lage, die Schraube mit Gefühl einzusetzen, also durch kurzes Drehen in Gegenrichtung den richtigen Sitz zu erkennen und dann erst mit ganzer Kraft loszulegen? Ich weiß das nicht, ich bin seit langem raus aus diesem Geschäft.
Daß der Versuch, mit großer Kraft eine Schraube schief ins Innengewinde zu schrauben, dazu führt, daß die Schraube frißt, durchdreht, auswandert, zerbricht usw., ist altbekannt. Ich kenne halt andere Vokabeln dafür.
18.03.14 16:04
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Beitrag #13
RE: Verkanten, verkippen
(18.03.14 16:04)Yano schrieb:  Was ist denn ein geführter Schrauber?
http://www.bahco-werkzeuge.de/products/5825.html

PS: Ich halte die Wortwahl im Originaltext auch nicht für geglückt. Das hat definitiv kein Maschinenbauingenieur verfasst.
18.03.14 16:10
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Yano


Beiträge: 2.118
Beitrag #14
RE: Verkanten, verkippen
Mannoman, wir sprechen gar nicht über Industrieroboter, sondern über Doofies am Werktisch.
Na dann.
18.03.14 16:33
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Beitrag #15
RE: Verkanten, verkippen
(18.03.14 16:33)Yano schrieb:  ..., wir sprechen gar nicht über Industrieroboter, sondern über Doofies am Werktisch.
kratz Also ich kann aus dem Originaltext weder das eine noch das andere erkennen. Ich kann es aus dem, was Yamada uns gepostet hat, nicht einmal erahnen.
18.03.14 16:47
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Koumori


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Beitrag #16
RE: Verkanten, verkippen
Genau. Aus dem Originaltext würde ich das lesen:

Der Lieferant muss geführte Schrauber einsetzen, welche ein Verkippen, Verkanten bzw. einen
Schrägansatz der Schraube ausschließen.

Der Lieferant muss geführte Schrauber/Schraubendreher (manuell oder technisch wird nicht gesagt, also kann es beides sein, z.B., wie in dem Link oben, ein Schraubendreher mit Führungshülse) einsetzen, damit die Schraube gerade und nicht schräg eingeführt wird.
Wenn sie schräg eingeführt wird (das ist eigentlich ein Schrägansatz), kann es zu Verkanten/Verkippen/Schrägansatz kommen.

Was da nicht steht:
Wenn das passiert, wird die Schraube, das Innengewinde oder beides beschädigt, und dann sind wir nicht schuld. Denn wir haben ja gesagt, dass ein geführter Schrauber benutzt werden muss.

^^;~;^^
18.03.14 17:12
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yamada


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Beitrag #17
RE: Verkanten, verkippen
(15.03.14 01:10)Nia schrieb:  
Zitat:Wir müssen euch in dieser Hinsicht beneiden,
mit einem einzigen Wort etwas ausdrücken zu können.

Ach Yamada, wir müssen euch dafür auch um vieles beneiden. zwinker
Stell dir vor, bei folgenden unterschiedlichen Hinweisen kannst du mit demselben Text auskommen:
[Bild: leui-6-1679.jpg]
Für "Zugang" in beiden Beispielen haben wir jedoch keinen zutreffenden Begriff,
sondern wir sind auf einer anderen, umständlichen Formulierung angewiesen, um diese Hinweise zu übersetzen.
19.03.14 06:12
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Beitrag #18
RE: Verkanten, verkippen
(19.03.14 06:12)yamada schrieb:  Für "Zugang" in beiden Beispielen haben wir jedoch keinen zutreffenden Begriff,
Yamada, auch ein normaler Deutscher, inklusive mir, könnte mit dem Begriff "Zugang" im Zusammenhang mit dem Begriff "Maschinenkomponenten"nichts anfangen, wenn er dazu das Bild nicht sieht, weil die Begriffe völlig falsch verwendet werden.

Der Begriff "Zugang" drückt eigentlich eher das Eindringen in ein geschlossenes System, wie ein von außen verschlossener Raum oder ein von außen abgeschottetes Netzwerk aus (es gibt noch andere Bedeutungen für den Begriff Zugang, die tun hier aber nichts zur Sache). Ohne die Bildchen würde ein Deutscher bei dem Satz "der Zugang zu den Maschinenkomponenten ist verboten" denken, er darf nicht in die Maschinenkomponenten eindringen, was aber völliger Quatsch ist.

Damit ein Deutscher den Text auch ohne Bildchen verstehen kann müsste man entweder schreiben:
- "Zugang zum (Eintreten in den) Maschinenraum verboten", oder
- "Annähern an die Maschinenkomponenten verboten".

Beides ließe sich glaube ich sehr einfach im Japanischen Ausdrücken. Ein befreundeter japanischer Student hat mal feststellend gesagt, dass Japaner eher Probleme haben, die richtigen Kanjis zu wählen, während Deutsche Probleme haben, die richtigen Begriffe zu wählen. Hier hast Du zumindest für die Deutschen ein gutes Beispiel.
19.03.14 10:23
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Nia


Beiträge: 3.679
Beitrag #19
RE: Verkanten, verkippen
Hihi, dass erinnert mich an einen Lehrer aus der Schulzeit. Der wollte immer exakt ein bestimmtes Wort hören, wenn man eines wählte, was im Grunde das gleiche oder fast das gleiche bedeutete, war es falsch.
Also wäre zum Beispiel 'toll' das gesuchte Wort und jemand hätte gesagt: 'super'/'klasse'/'spitze' etc. wäre es falsch gewesen.
^^

Da ist wohl etwas wahres dran, an dieser 'Wortsuche'.

“A poet is a musician who can't sing.”
― Patrick Rothfuss, The Name of the Wind
19.03.14 20:12
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Beitrag #20
RE: Verkanten, verkippen
(19.03.14 20:12)Nia schrieb:  Also wäre zum Beispiel 'toll' das gesuchte Wort und jemand hätte gesagt: 'super'/'klasse'/'spitze' etc. wäre es falsch gewesen.
Ich würde sagen, kommt drauf an. Es gibt schon echte Synonyme, auch in der technischen Fachsprache.

Ich weiß nicht, wie das in anderen Berufsfeldern ist, aber bei uns in der Technik muss man halt aufpassen was man mitteilen möchte. Deutsche technische Fachbegriffe sind leider sehr präzise und können den Gegenüber bei falscher Verwendung schnell verzweifeln lassen. Wenn ich Yamadas Übersetzungen so lese, würde ich sagen, dass das im Japanischen anders ist. Ich habe aber bereits ein paar mal in japanischen Fachbüchern zum Maschinenbau gelesen und da wurden auch (für meine Begriffe) sehr differenzierende Fachtermina verwendet.

Aber die (deutschen) Texte, die Yamada hier gepostet hat, sind in jedem Fall extrem schlecht.

Der Begriff "Zugangsverbot" ist vom Kontext her (also beim Betrachten der Bilder und beim Lesen der weiteren Angaben) falsch gewählt. Eigentlich steht der Begriff für "Nicht eintreten". Es soll aber scheinbar "nicht zu nahe kommen", "nicht anfassen" o.ä. vermitteln. Man könnte jetzt meinen, dass das Haarspalterei ist, weil die Bedeutung schon irgendwie erahnbar scheint. Soll man aber an oder mit einer Maschine, einem Fahrzeug, etc mit so einem Schild arbeiten, kann man mit derartigen Hinweisen schnell verzweifeln, weil nicht mal klar ist, ob hier ein Verbot oder nur eine Warnung ausgesprochen wird.

Die meisten werden solche Probleme sicherlich schon oft erlebt haben, beispielsweise wenn sie ein Möbel nach einer Aufbauanleitung aufbauen oder einen Fernsehr nach einer Betriebsanleitung programmieren wollen, die zwar technisch klingen aber trotzdem völlig unklar bleiben.

Genauso kann ich auch nachvollziehen, warum Yano mit dem ursprünglich geposteten deutschen Text so seine Probleme hat. Die Begriffe "Schrauber" und "Lieferant" scheinen völlig fehlplatziert zu sein. Auf den ersten Blick habe ich auch gedacht, dass dem Lieferant die Verwendung bestimmter Schrauben vorgeschrieben werden soll. Warum soll man einem Lieferant die Verwendung eines bestimmten Werkzeuges vorschreiben? Wer soll das prüfen? Zudem impliziert der Begriff "Schrauber" tatsächlich eine Maschine (Akkuschrauber, ...) macht aber in dem Zusammenhang des Textes überhaupt keinen Sinn.

Das Problem an der Technik ist gegenüber (mir persönlich) völlig unverständlich erscheinenden Berufsfeldern wie Medizin oder Jura, dass die Allgemeinheit die meisten technischen Begriffe kennt und es so schneller zu Verwechslungen kommt. Vielleicht ist das im Japanischen anders und Yamada hat deshalb gesagt, dass er für den Durchschnittsjapaner schreibt. Vielleicht kann Yamada noch mal was dazu schreiben. Es würde mich interessieren.
20.03.14 12:39
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Verkanten, verkippen
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