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lexikalische Inkongruität
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oreoreseijin


Beiträge: 54
Beitrag #1
lexikalische Inkongruität
"lexikalische Inkongruität" bedeutet, dass Wörter in einer Sprache nicht exakt in der anderen Sprache abgebildet werden (können).

Im Deutschen z.B. gibt es "wissen" und "kennen", dass im Englischen nur mit "to know" abgebildet werden kann. Mit verschiedenen Beispielen kann man es recht gut trennen.

Und um bei Japanisch zu bleiben, ist das Wort "ao" nicht exakt dem Wort "grün" oder "blau" zuzuordnen, ließe sich aber über eine Farbpalette darstellen.

Interessanter wäre es, folgende Kongruität herzustellen:
- kangaeru / omou / shinjiru
sind wohl nicht mit den deutschen Wörtern "denken" und "glauben" exakt zu trennen.

Genauso wie folgende Paare verzwickt sind:
- wakaru / shiru bzw. wissen / kennen / verstehen

Sind die letzten 2 Beispiele vielleicht doch einfach zu erklären, oder gibt es dazu erschwingliche Literatur (vorzugsweise auf Deutsch) ?

Etwas hilfreich war dieser Thread:
Thread-wakaru-shiru
Hat aber auch nicht alles beantwortet. Etwa auch das Konzept dahinter, dass bspw. "wakaru" und "shiru" manchmal austauschbar ist und nur aus stilistischen Gründen "wakaru" benutzt wird. Geht also schon in Richtung "Sapir-Whorf-Hypothese", die besagt, dass die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, stark durch Grammatik und Wortschatz (die semantische Struktur) seiner Muttersprache beeinflusst oder bestimmt wird. Diesbezüglich bietet die Japanische Sprache sicherlich genügend Diskussionsstoff. Ich wollte es aber erstmal auf die 2 o.g. Beispiele begrenzen.
08.04.10 16:16
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yakka


Beiträge: 578
Beitrag #2
RE: lexikalische Inkongruität
Die Sapir-Whorf-Hypothese ist, nachdem sie in den späten 60ern und den 70ern belächelt wurde und in der Versenkung verschwand, noch einmal wieder im Rahmen der kognitiven Soziologie aufgewärmt worden, ohne dass sie viel an Überzeugungskraft gewonnen hätte. Man kann heute leichter nachweisen, dass kulturelle Einflüsse Spuren in der Sprache hinterlassen, als umgekehrt, dass die Sprache das Denken beeinflusst.
Ich weiss nicht, welchen Sinn es machen soll, nach einer erklärenden Systematik zu suchen, wenn festgestellt wird, dass einzelne Lexeme in einem Sprachenpaar sich semantisch nicht völlig decken. Mir jedenfalls würde es schon mehr Spaß bereiten, z.B. Unterschieden im Rechstbewusstsein unterschiedlicher Kulturen nachzugehen, und sicher wäre das auch bedeutend ergiebiger.
09.04.10 14:52
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lexikalische Inkongruität
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