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女性名詞と男性名詞
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Thomie
Gast

 
Beitrag #21
RE: 女性名詞と男性名詞
Hallo 梨ノ木, danke für deinen Beitrag. Du bist natürlich nicht derjenige, von dem ich mir eine etwas ausführlichere Stellungnahme erwartet hätte, aber so ist das nun mal. Eigentlich fände ich es schön, wenn im Forum nicht so viel Stammtisch passieren würde. Aber wenn man hier ein bisschen stöbert, merkt man, dass es dafür wohl schon immer bekannt war und ist (Thread-Wieso-möchten-hier-so-viele-Leute-über-äh-politisch-brisante-Themen-sprechen).

Wenn man sich hier allerdings gar nicht äußert, dann laufen Themen, wie man in diesem Thread sehr schön sehen kann, schnell einseitig in eine Richtung, und es ist auch nicht der erste, bei dem ich das Gefühl hatte, man sollte es mal tun (KZ-Vergleich gabs neulich irgendwann auch schon).

Na ja, ich sehe durchaus einiges wie du, insbesondere die Tatsache, dass Taten entscheidender sein sollten als Worte.

Wenn ich mir zu einem deiner Punkte eine zweite Sichtweise erlauben dürfte:

Zitat:Nur zur Einordnung: laut einer Erhebung von 2019 bei den Standesämtern der 11 größten Städte Deutschlands kamen diese gerade mal auf 20 Anträge von Menschen, die sich weder als Mann/Frau sehen. Rechnet man das auf das Bundesgebiet hoch, kommt man auf etwa 150 Menschen bundesweit. Bei 83.000.000 Einwohnern sind das satte 0,00018%...

Wenn ich zum betroffenen Personenkreis gehören würde, würde ich mir wohl zwei-, drei-, viermal überlegen, ob ich mich nun unbedingt gleich "standesamtlich" als "divers" eintragen lasse. Das bedeutet nämlich doch gerade, dass man mich mit Geschlecht, Name und Wohnort erfasst. In einer Zeit, in der es irgendwo anders in Europa LGBT-freie Zonen gibt und man durchaus um sein Leben fürchten muss (!!!), wenn rauskommt, dass man schwul, trans oder dergleichen ist, würde ich nicht als Erstes zum Standesamt rennen. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die Zahl in Wirklichkeit etwas höher liegt.

Wenn ich mir einen zweiten Punkt erlauben darf: Zahlenspiele sind immer eine gefährliche Sache. All der Aufwand für nur 150 Menschen bundesweit? Da schwinkt immer eine ungute Marginalisierung mit (die ich dir aber nicht unterstellen will, keine Angst zwinker). Schutzbedürftig ist immer die Minderheit, nicht die Mehrheit.
21.06.21 20:57
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梨ノ木


Beiträge: 183
Beitrag #22
RE: 女性名詞と男性名詞
(21.06.21 20:57)Thomie schrieb:  
Zitat:Nur zur Einordnung: laut einer Erhebung von 2019 bei den Standesämtern der 11 größten Städte Deutschlands kamen diese gerade mal auf 20 Anträge von Menschen, die sich weder als Mann/Frau sehen. Rechnet man das auf das Bundesgebiet hoch, kommt man auf etwa 150 Menschen bundesweit. Bei 83.000.000 Einwohnern sind das satte 0,00018%...

Wenn ich zum betroffenen Personenkreis gehören würde, würde ich mir wohl zwei-, drei-, viermal überlegen, ob ich mich nun unbedingt gleich "standesamtlich" als "divers" eintragen lasse. Das bedeutet nämlich doch gerade, dass man mich mit Geschlecht, Name und Wohnort erfasst. In einer Zeit, in der es irgendwo anders in Europa LGBT-freie Zonen gibt und man durchaus um sein Leben fürchten muss (!!!), wenn rauskommt, dass man schwul, trans oder dergleichen ist, würde ich nicht als Erstes zum Standesamt rennen.

Es sind Erhebungen aus Deutschland, und es handelt sich um Eintragungen in deutschen Standesämtern. Ich glaube eher weniger, dass sich jemand in Hamburg darüber Sorgen macht, ob er mit seinem in Deutschland eingetragenen Status in irgendeinem Hinterwäldler-Kaff irgendwo in Europa Probleme bekommen könnte.

(21.06.21 20:57)Thomie schrieb:  Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die Zahl in Wirklichkeit etwas höher liegt.

Daher hatte ich auch den Artikel in der Ärztezeitung verlinkt. Man geht von "einigen Hundert aus". Da man nun aber im Regelfall nicht so ohne weiteres an Patientendaten herankommt (aus gutem Grund), und sich vermutlich auch nicht alle dieser Menschen in Behandlung befinden, muss man eben schätzen. Die standesamtlichen Daten (20 Personen) sind aber belastbar und dienen somit zumindest der groben Einordnung.


Zitat:Wenn ich mir einen zweiten Punkt erlauben darf: Zahlenspiele sind immer eine gefährliche Sache. All der Aufwand für nur 150 Menschen bundesweit? Da schwinkt immer eine ungute Marginalisierung mit (die ich dir aber nicht unterstellen will, keine Angst zwinker).

Das sind keine Zahlenspiele sondern schlicht Fakten. 20 Menschen in Deutschlands 11 größten Städten, die sich weder als weiblich noch als männlich bezeichen/sehen, wollten ihren Status amtlich machen. Der Rest sind Hochrechnungen und Spekulation.

Und bezüglich ungute Marginalisierung: wenn es sich bei 0,00018% (also 1,8 Personen pro 1.000.000) der Bevölkerung nicht um eine marginale Gruppe handelt - um was dann?

Zitat: Schutzbedürftig ist immer die Minderheit, nicht die Mehrheit.

Siehst Du, genau so etwas nervt. Schutzbedürftig sind grundsätzlich alle - wenn es um Menschenwürde und Menschenrechte geht.

Und was heißt im aktuellen Kontext eigentlich schutzbedürftig? Es ging um die Frage, ob man für geschätzt ein paar hundert Menschen in Deutschland eine eigene offizielle Anrede einführen sollte. Ich denke nein. Und was wäre, wenn sich diese weder männlich/weiblichen Menschen nicht alle gleich definieren? Wollen wir dann etwa für jede Definitionsvariante eine eigene Anrede?

Ich denke es sollte klar geworden sein worauf ich hinaus will. Hier wird ein nicht vorhandenes Problem (wir benötigen eine offizielle Anrede für nicht männliche/weibliche Menschen) großgeredet.
Auch mein anderer Link zur Wortneuschöpfung "Gästin" (die nicht aus dem Volk kommt, sondern durch irgendwelche selbsternannte Gremien eingeführt wurde) geht in diese Richtung - ebenso wie der Link zur Neuausrichtung der Nachrichtenportale.

Wir reden hier oft darüber, dass Sprachen lebendig sind und sich dynamisch entwickeln. Das sehe ich durchaus auch so, allerdings habe ich ein Problem damit, wenn sich irgendwelche *** in Politik und anderswo erdreisten ihre Weltanschauung per Verordnung anderen aufdrücken zu wollen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.06.21 09:57 von 梨ノ木.)
22.06.21 09:55
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Lasse-kun


Beiträge: 22
Beitrag #23
RE: 女性名詞と男性名詞
Ich denke es gibt auch zu wenige nachweisbare Gründe dafür, dass es für die betroffenen Personen tatsächlich notwendig wäre, eine eigene Ansprache einzuführen, um ihre Gesundheit zu verbessern. Gäbe es eindeutige Indizien für mehr als zwei Geschlechter, die nicht nur auf Gefühlen basieren, wäre es eine andere Situation.

Ich denke auch viele Leute wenden sich von LGBT ab, wegen genau solcher Menschen, die eigentlich nicht viel mit den LGBT-Grundlagen zutun haben. Mit den ganzen neuen Buchstaben blickt da doch niemand mehr durch und eine Community, die eigentlich für die Durchsetzung von Grundrechten für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Personen steht, wird nun von jedem als Outlet missbraucht, der sich irgendwie besonders fühlt.
22.06.21 13:54
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Thomie
Gast

 
Beitrag #24
RE: 女性名詞と男性名詞
Hallo 梨ノ木,
noch mal danke für deine Reaktion auf meinen Post. Ich versuche, so viel ich Zeit habe, auf deine Punkte einzugehen.

Zitat:Es sind Erhebungen aus Deutschland, und es handelt sich um Eintragungen in deutschen Standesämtern. Ich glaube eher weniger, dass sich jemand in Hamburg darüber Sorgen macht, ob er mit seinem in Deutschland eingetragenen Status in irgendeinem Hinterwäldler-Kaff irgendwo in Europa Probleme bekommen könnte.

Ich habe das etwas anders gemeint:
Ich hoffe, wir sind uns einig darüber, dass man auch in Deutschland schnell Opfer von Gewalt werden kann, wenn man zur Gruppe LGBTQ gehört. Als Beispiel:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft...29574.html

Dafür muss ich nicht in ein Kaff nach Polen fahren, das kann ich auch in Berlin haben. Ich überlasse dir gern die Suche nach No-go-Areas, wo ich mich zum Beispiel nicht als Schwuler zeigen darf, habe aber auf die Schnelle von Marzahn, Neukölln oder Wedding gelesen.

Digitale Daten haben natürlich auch das Problem, dass sie alle Zeit lang mal im großen Stil abhandenkommen, sprich: leaken.

Zitat:Das sind keine Zahlenspiele sondern schlicht Fakten. 20 Menschen in Deutschlands 11 größten Städten, die sich weder als weiblich noch als männlich bezeichen/sehen, wollten ihren Status amtlich machen. Der Rest sind Hochrechnungen und Spekulation.

Das sehe ich anders als du, weil ich mir viele gute Gründe ausmalen kann, mit meinem geschlechtlichen Status gerade nicht hausieren zu gehen. Das Stichwort, das mir persönlich dazu einfällt, ist „strukturelle Gefährdungslage“:

https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/g...eutschland

Es gibt da ja nun auch andere Zahlen, die du vielleicht kennst. 1 Person in 5000, 0,2 % der Bevölkerung etc.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Intersexualität
Der Artikel aus dem Ärzteblatt nennt ja nun eigentlich nur die Zahlen und geht nicht darauf ein, welche Gründe gegen eine Meldung beim Amt sprechen. „Zahlenspiele“ sage ich deshalb, weil es von allen Zahlen, die so herumschwirren, die niedrigsten sind, und das Ärzteblatt auch nur diese Zahlen nennt, eine Dunkelziffer gar nicht erst vermutet usw. (habe den Zeit-Artikel noch nicht lesen können, hole ich nach). Ich stelle mir vor, dass die Wahrheit wohl eher irgendwo dazwischen liegt. Du kannst das jetzt "Spekulation" nennen. Dann ist die Auswahl deiner "Fakten" aber in meinen Augen "selektiv" und für deine Thesen "optimiert", denn es gibt ja auch andere Zahlen, die auch von Fachärzten kommen, zum Beispiel bei Kindergeburten, die deutlich höher ausfallen und die du dann vernachlässigst.

Mit „ungute Marginalisierung“ meine ich: Zu sagen, das betrifft uns alle nicht, weil es eine kleine Randgruppe ist. Und dann zu sagen, dass diese Gruppe eventuell keine Rechtsansprüche hätte, was politisch durchaus immer wieder gemacht wird (Stichwort bei Homosexuellen: gleichgeschlechtliche Ehe vs. eingetragene Lebenspartnerschaft). Und dann eventuell …, und dann könnte man eventuell noch … usw. Da fallen dir bestimmt auch ein paar gute Beispiele ein, in Japan zum Beispiel: burakumin.

Für die betroffene Gruppe im Speziellen gilt, dass sich erst aus der 3. Option der Rechtsanspruch ableitet, nicht von Medizinern bei Geburt „verstümmelt“ zu werden. Richtig verboten ist das auch erst seit Mai 2021 (!). Wie Betroffene dazu stehen, gibt es unter anderem in der Kommentarleiste deines Ärzteblatt-Artikels. Ich hoffe, du kannst ein wenig Empathie für diese Menschen aufbringen.

Zitat:Siehst Du, genau so etwas nervt. Schutzbedürftig sind grundsätzlich alle - wenn es um Menschenwürde und Menschenrechte geht.

Ja, da hast du recht. Dann anders: Minderheiten haben historisch wie aktuell weniger Möglichkeiten, ihren gleichen Anteil an Menschenwürde und Menschenrechten abzubekommen als die Mehrheit der Bevölkerung. Deshalb ist es im Recht entscheidend, dass es für alle gilt, aber auch für die Minderheiten (was oft nicht der Fall ist, siehe oben) und auch für nur 150 und gerade auch für den Einzelnen. So besser?

Ja, so was nervt. Mich nervt aber umgekehrt auch, dass man hier im Forum mit "genderverseucht", "Gendersternchenbenutzer sind alle kacke" u.Ä. durchkommt. Deshalb schreiben wir ja. Ich finde auch, dass wir eine gute Diskussion haben. Wir sind nur nicht einer Meinung bei allem. Und wir sehen mit zwei, drei Posts, dass es doch ein wenig komplexer ist.

Zitat:Es ging um die Frage, ob man für geschätzt ein paar hundert Menschen in Deutschland eine eigene offizielle Anrede einführen sollte. Ich denke nein. Und was wäre, wenn sich diese weder männlich/weiblichen Menschen nicht alle gleich definieren? Wollen wir dann etwa für jede Definitionsvariante eine eigene Anrede?

Ich finde, das ist deine Interpretation des Threads, und ich stimme nur teilweise zu. Es ging um Gendersternchen und Schreibweisen. Das Gendersternchen setzt sich gerade durch, weil es eben alle, die sich unter der männlichen und weiblichen Variante nicht angesprochen fühlen, zusammenfasst. Das Marketing ist da längst weiter (aber vielleicht aus den falschen Gründen), da heißt es meist nur noch „alle Bäuer*innen“ und gemeint sind alle Bauern, Bäuerinnen, divers etc. und alle wissen das auch. Auch bei der Ansprache von Personen gibt es sehr einfache schnelle Lösungen.

Das Gendersternchen hat aber auch eine andere Aufgabe, nämlich auf alle diese Themen, die hier angrenzen und über die wir gerade sprechen, aufmerksam zu machen.

Das tun wir gerade, hat also funktioniert. zwinker

Von eventuell gezwungenen Wendungen wie „Gästin“ (gibt es übrigens seit den 1960ern) halte ich, wenn sie gezwungen sind, nichts und von Verordnungen, die einen bestimmten Sprachgebrauch vorschreiben, ebenso wenig.

Wenn jemand das nun aber benutzen und „liebe Forist*innen“ schreiben möchte, verliere ich dadurch in meinem Leben rein gar nichts und ich glaube, das Problem ist dann auch nicht so schlimm, wie es viele machen.
22.06.21 16:02
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AwesomeSepp


Beiträge: 103
Beitrag #25
RE: 女性名詞と男性名詞
Ne, ich lösche das wieder, habe mit meiner Zeit besseres zu tun.

「ペーター、お帰り。字は読めるようになったかい?」「ううん、まだ読めないよ。字を読むのは、すごく難しいんだ。」(-- Zitat aus アルプスの少女ハイジ --)
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.06.21 18:42 von AwesomeSepp.)
22.06.21 18:30
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梨ノ木


Beiträge: 183
Beitrag #26
RE: 女性名詞と男性名詞
(22.06.21 16:02)Thomie schrieb:  Es gibt da ja nun auch andere Zahlen, die du vielleicht kennst. 1 Person in 5000, 0,2 % der Bevölkerung etc.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Intersexualität

Tatsächlich mal ein +- brauchbarer Wikipediaartikel. Was ich daraus entnehme, entspricht in etwa dem, was ich mir auch gedacht hatte. Der entscheidende Punkt bei der ganzen Sache:

wikipedia schrieb:Betroffene Menschen lehnen zumeist den pathologisierenden medizinischen Begriff der Störung ab und bezeichnen sich selbst als intersexuelle Menschen.

Und das ist der Kern des ganzen Problems. Um diesen Anspruch durchzudrücken werden alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, Intressensvertretungsgruppen gegründet und Scharen von unglaublich (* an dieser Stelle jedes beliebige positive Attribut einfügen) Bürgern setzen sich unter Federführung politischer Kräfte oder der vorgenannten Intressensgruppen für "die gute/richtige/wichtige" Sache ein. Und deshalb wühlt man auch so lange, saugt sich irgendwelche Zahlen aus den Fingern (oder sonstwo her) und bläht die Sache so auf, damit man sie der Allgemeinheit unter die Nase halten und behaupten kann "das ist ein großes Problem, das uns alle betrifft!".

Nüchtern betrachtet handelt es sich aber um eine (je nach Ausprägung) schwere, aber dennoch ziemlich seltene Entwicklungsstörung = Krankheit.

Und das war es auch schon.

Mit der selben Argumentation könnte man dann auch Persönlichkeitsstörungen, die auf eine psychische Erkrankungen zurückzuführen sind, als "normal" definieren und fordern, dass man für Menschen, die sich als was auch immer betrachten, spezielle offizielle Begriffe einführt, Toiletten/separate Eingänge/Sitzplätze etc. zur Verfügung stellt.

Zitat:Mit „ungute Marginalisierung“ meine ich: Zu sagen, das betrifft uns alle nicht, weil es eine kleine Randgruppe ist. Und dann zu sagen, dass diese Gruppe eventuell keine Rechtsansprüche hätte, was politisch durchaus immer wieder gemacht wird.
Wenn sich Menschen, die an einer Krankheit leiden selbst (oftmals dürfte das eher durch außenstehende "engagierte" Bürger geschehen) als etwas Spezielles einordnen und Sonderrechte fordern, bedeutet das noch lange nicht, dass sich daraus automatisch ein besonderer Rechtsanspruch ergibt.

Wenn intersexuelle Menschen verlangen, dass sie ebenso wie andere Kranke auch, vollumfängliche Unterstützung durch unser Gesundheitssystems bekommen, finden sich wahrscheinlich nur wenige, die diesem natürlich völlig berechtigten Anspruch widersprechen würden.

Zitat:Ja, da hast du recht. Dann anders: Minderheiten haben historisch wie aktuell weniger Möglichkeiten, ihren gleichen Anteil an Menschenwürde und Menschenrechten abzubekommen als die Mehrheit der Bevölkerung. Deshalb ist es im Recht entscheidend, dass es für alle gilt, aber auch für die Minderheiten (was oft nicht der Fall ist, siehe oben) und auch für nur 150 und gerade auch für den Einzelnen. So besser?

Das Problem dabei ist die Definitionshoheit. Wenn ich mich als Einzelner als "Breitmensch", der 10 Meter breit ist definiere und deshalb der Meinung bin am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben zu können, habe ich dann das Recht einzufordern, dass bitte darauf von den restlichen 82.999.999 Rücksicht genommen wird, und jeder im öffentlichen Raum bitte mindestens 10,5m Abstand von mir hält? Von den baulichen Veränderungen in öffentlichen Gebäuden, die sich daraus ergeben fange ich erstmal gar nicht an...

Nicht falsch verstehen, ich bin mir durchaus bewusst, dass es sich für die Betroffenen um ein ernstes Problem handelt, aber in "funktionierenden" Gesellschaften (ob unsere noch so gut funktioniert kann sich jede/r/s/*/** selbst beantworten) müssen Kompromisse eingegangen werden und oftmals siegt dann eben der Pragmatismus. Im Einzelfall nicht schön für Minderheiten, auf deren Belange dann nicht ausreichend eingegangen werden kann.

Aber an anderer Stelle klappts mit dem Minderheitenschutz aber doch schon ganz gut. Einige Politiker können z.B. Milliarden von Steuergeldern in den Sand setzen und dennoch ihre hochdotierten Jobs behalten, auch mache ich mir um die Minderheit der Superreichen nicht wirklich Sorgen - hoffen wir mal alle, dass das so bleibt.

Hey und die Minderheit der rechten/verstrahlten/antisemitischen "Bürger", die sich erdreistet seit mehr als einem Jahr Kritik an der C-Politik der Bundesregierung zu üben - die lassen wir mal einfach außen vor - da gibt's echt wichtigeres...


Zitat:Ja, so was nervt. Mich nervt aber umgekehrt auch, dass man hier im Forum mit "genderverseucht", "Gendersternchenbenutzer sind alle kacke" u.Ä. durchkommt. Deshalb schreiben wir ja. Ich finde auch, dass wir eine gute Diskussion haben. Wir sind nur nicht einer Meinung bei allem. Und wir sehen mit zwei, drei Posts, dass es doch ein wenig komplexer ist.

Wenn solche Begriffe auftauchen, könnte man sich auch fragen, warum das wohl so ist. Meine Vermutung ist eben, dass einige Leute durchschauen, dass hier spezielle "Wohlfühlpolitik" (wer gilt nicht gern als tolerant, weltoffen und aufgeklärt?) gemacht wird, oft auf dem Rücken der eigentlich Betroffenen. Und wenn mir z.B. jemand fortwährend weismachen will Intersexualität wäre genauso "normal" wie z.B. Heterosexualität, dann denke ich mir meinen Teil und ignoriere das i.d.R. Andere sind aber vermutlich irgendwann so genervt, dass sie ihren Unmut mit drastischen Begriffen zum Ausdruck bringen.



Zitat:Ich finde, das ist deine Interpretation des Threads, und ich stimme nur teilweise zu. Es ging um Gendersternchen und Schreibweisen. Das Gendersternchen setzt sich gerade durch, weil es eben alle, die sich unter der männlichen und weiblichen Variante nicht angesprochen fühlen, zusammenfasst. Das Marketing ist da längst weiter (aber vielleicht aus den falschen Gründen), da heißt es meist nur noch „alle Bäuer*innen“ und gemeint sind alle Bauern, Bäuerinnen, divers etc. und alle wissen das auch. Auch bei der Ansprache von Personen gibt es sehr einfache schnelle Lösungen.

Ich hatte mir das Zitat mit der gewünschten offiziellen Ansprache für Intersexuelle herausgesucht, weil mir das geeignet schien zu verdeutlichen, wie man aus einer Mücke einen Elefanten machen kann, der aber aufgrund des "Zeitgeistes" von einigen Gruppen dann unhinterfragt angenommen und unter politisch korrektem Beifall durch die öffentliche Diskurs-Arena gezerrt wird.



vielleicht denkst Du doch nochmal darüber nach dich anzumelden. Hat z.B. einen ganz praktischen Grund. Durch die Zeitverzögerung bis zur Veröffentlichung deiner Antwort erschien diese nicht an der richtigen Stelle innerhalb der Liste: "neueste Forenbeiträge". Hätte ich nicht zufällig nochmal in diesen Thread geschaut, hätte ich nicht mitbekommen, dass Du noch etwas gepostet hattest.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.06.21 09:39 von 梨ノ木.)
23.06.21 09:29
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Thomie
Gast

 
Beitrag #27
RE: 女性名詞と男性名詞
Hallo nashinoki, hallo liebes Forum,

tut mir leid, das hier ist mein letzter Post hier. Ich weiß leider ganz genau, warum ich hier nicht angemeldet bin und werde es vorziehen, hier nicht mehr zu scheiben.
Ich musste leider auch bei "Das ist eine Krankheit" aufhören, deinen Beitrag noch mit Muße und Ernsthaftigkeit zu lesen. Da ich durchaus ein oder zwei "Betroffene" kenne, die eines dieser "Krankheitsbilder" haben (Homosexualität sollte auf jeden Fall auch wieder korrigiert werden!!! zwinker), bin ich von deiner Meinung einigermaßen entsetzt.

Ich schätze aber, dass du sie so offen dargelegt hast. Jetzt gibt es hier zumindest nicht allzu verkürzt zwei divergierende Meinungen zum Thema und nicht nur zwei, drei abgehackte Sätze.

Na ja, so ist das halt. Schön, dass wir das trotzdem einigermaßen artikuliert über die Bühne gebracht haben - so ist es beim späteren Lesen sehr viel unheimlicher. zwinker

Apropos "unheimlich" und damit noch ein bisschen Japanisch im Japanforum passiert: Wer erinnert sich eigentlich noch daran, dass Sadako aus "za ringu" böse ist, weil sie als Zwitter geboren wurde …
23.06.21 10:08
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梨ノ木


Beiträge: 183
Beitrag #28
RE: 女性名詞と男性名詞
(23.06.21 10:08)Thomie schrieb:  tut mir leid, das hier ist mein letzter Post hier. Ich weiß leider ganz genau, warum ich hier nicht angemeldet bin und werde es vorziehen, hier nicht mehr zu scheiben.
Ich musste leider auch bei "Das ist eine Krankheit" aufhören

wikipedia schrieb:Intersexualität oder Intergeschlechtlichkeit bezeichnet zusammenfassend sehr unterschiedliche klinische Phänomene mit unterschiedlichen biologischen Ursachen, so beispielsweise Abweichungen der Geschlechtschromosomen oder genetisch bedingte hormonelle Entwicklungsstörungen.

Das klingt für mich nicht wie die Beschreibung eines kerngesunden, "normal"-entwickelten Menschen... auch seltsam, dass sich Publikationen wie die Ärztezeitung damit befassen, wo es doch gar kein Gesundheitsthema ist?! Sollte es dann nicht doch besser unter der Rubrik "Lifestyle-Choices" diskutiert werden?


Thomie schrieb:, deinen Beitrag noch mit Muße und Ernsthaftigkeit zu lesen. Da ich durchaus ein oder zwei "Betroffene" kenne, die eines dieser "Krankheitsbilder" haben (Homosexualität sollte auf jeden Fall auch wieder korrigiert werden!!! zwinker), bin ich von deiner Meinung einigermaßen entsetzt.

Und nun willst Du mir also unterstellen, ich hätte behauptet Homosexuelle wären krank?!
So einfach ist die Welt - kommt man mit einer anderen Meinung nicht klar, ist der andere halt intolerant etc.
Und damit das eigene Weltbild auch ja nicht anfängt zu wackeln, wirft man kurz noch mit etwas Dreck und beendet kurzerhand die Diskussion.

okay...
23.06.21 13:11
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Thomie
Gast

 
Beitrag #29
RE: 女性名詞と男性名詞
Zitat:Und nun willst Du mir also unterstellen, ich hätte behauptet Homosexuelle wären krank?!
So einfach ist die Welt - kommt man mit einer anderen Meinung nicht klar, ist der andere halt intolerant etc.
Und damit das eigene Weltbild auch ja nicht anfängt zu wackeln, wirft man kurz noch mit etwas Dreck und beendet kurzerhand die Diskussion.

okay...

Warte, ich bitte dich um Entschuldigung. Das war ein voreiliger Schluss von mir. Es tut mir leid.
Ich erkläre mich ein letztes Mal.

Den Zusammenhang, die sind eigentlich "krank" und müssten "nur geheilt" werden, kennt man von Homosexuellen exakt so mit allen seinen Konsequenzen. Und du hast - weil ich "Betroffene" kenne, finde ich: sehr pauschal - diese ebenfalls als "krank" abgestempelt, die nur geheilt werden müssen, und damit wäre dann alles wieder gut. Es liegt sehr nahe, dass du bei anderen Gruppen ähnlich denken könntest, weil das nun leider auch immer wieder getan wird.

Ja, aber du hast das nicht gesagt, das ist richtig. Ich entschuldige mich vielmals dafür. Ich hoffe, du kannst das trotzdem annehmen. Das war sehr voreilig von mir.

Ich teile einige deiner politischen Punkte durchaus. Die Geschichte mit den Toiletten finde ich persönlich aber äußerst unnötig. Eine oder zwei Unisextoiletten, in die jeder reindarf, inklusive Wickeltisch für Familien mit Kind, Ausstattung für Behinderte, und das Problem ist gelöst. Deutschland ist geradezu armselig ausgestattet, was das angeht und in Japan gibt's das eigentlich an jeder Ecke (womit es in Japan, was das angeht, auch überhaupt kein Problem gäbe).

Was deine Einschätzung dieser Personen als "krank" angeht, die dann meinen Freundes- und Bekanntenkreis betrifft (und nicht nur mein Weltbild), so erfüllt diese mich trotzdem mit einigem Unbehagen - entschuldige, sie widert mit tatsächlich geradezu an, denn du redest dabei auch über Menschen, die ich kenne. Ich will dich damit nicht mit Dreck bewerfen, kann es aber auch nicht anders ausdrücken.
Vielleicht kann ich dich ja dazu bewegen, den Kommentar des Intersexuellen unter deinem Ärzteblatt-Artikel noch einmal genauer zu lesen und dir vielleicht auch ein paar andere Geschichten aus der Community durchzulesen, damit du siehst, dass nicht alles nur ein "Lifestyle-Choice" ist, auch wenn das bei dem einen oder anderen tatsächlich so sein mag.

Ich persönlich freue mich jedenfalls, dass das Bundesverfassungsgericht aufgrund der medizinischen-biologischen Lage damals anders geurteilt hat, und das korrigierende Operationen, Folgeoperationen, damit einhergehende Traumata usw. der Vergangenheit angehören (auch erst seit Mai). Damit bekommt eine, wenn auch relativ kleine Gruppe das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zurück. Du und das Forum dürft das aber gern anders sehen (ich will dir jetzt nicht wieder etwas unterstellen, aber solange es eine "Krankheit" ist, dürfen Mediziner eben in ihrem Ermessen "heilen" - und so wurde das dann auch gehandhabt). Ich verbiete niemandem seine Meinung.

Bitte entschuldige also nochmals, ich hoffe, du kannst das so besser akzeptieren.

Thomie
23.06.21 14:11
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Thomie
Gast

 
Beitrag #30
RE: 女性名詞と男性名詞
Hier kannst du einige Geschichten solcher Menschen finden, falls du möchtest.
Ich möchte auch auf die kurze Einleitung zum Thema "krank" und auf die Einschätzung des Vereins dazu verweisen:
https://im-ev.de/intergeschlechtlichkeit/

Zitat:Wenn gleich die Medizin oft schon ab Geburt eines intergeschlechtlichen Menschen eine Rolle in seinem Leben spielt, ist die weit überwiegende Mehrzahl der intergeschlechtlichen Menschen nicht per se krank oder behandlungsbedürftig.

Fast alle Mitglieder unseres Vereins wurden jedoch medikamentös oder operativ und ohne umfassende Aufklärung von Ärzten behandelt. Die folgenden Gesundheitsstörungen sind Resultat dieser Behandlungen. Nach der Auffassung des Vereins ist diese medizinische Behandlungspraxis auch in Übereinstimmung mit den UN- Expert_innen rechts- und menschenrechtswidrig.

Vielleicht hilft dir das ja, noch eine andere Sichtweise auf die Thematik kennenzulernen.

Cheers, Thomie
23.06.21 16:17
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女性名詞と男性名詞
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