Antwort schreiben 
Aufforderungen, Imperative
Verfasser Nachricht
Warai


Beiträge: 670
Beitrag #1
Aufforderungen, Imperative
Mal wieder eine kleine Grammatikfrage von mir grins

Als erstes dazu eine kleine Übersicht dessen, was ich über Aufforderungen schon weiß.

Möglichkeiten der Aufforderung

1. Verb (kihon) + te-Form + kudasai/kureru
Beispiel: Misete kudasai.
Da "kudasai" ja das sonkeigo-Synonym für "kureru" ist und "geben" heißt, benutzt man diese Struktur, wenn man etwas "getan [bekommen]" haben möchte. Hier im Beispiel also "gib mir zeig". Also eigentlich ist es falsch, wenn einem ein Anfängerlehrbuch beibringt, "kudasai" würde "bitte" heißen. Soweit ich weiß, gibt es "bitte" nämlich gar nicht, zumindest nicht so, wie wir es aus dem Deutschen/Englischen/Französischem etc kennen.
Diese Struktur ist ziemlich höflich, besonders wenn man "kudasai" benutzt. Mit "kureru" ist es immer noch relativ höflich, allerdings gebraucht man "kureru" nur Gleichgestellten gegenüber.
Beispiel: Zwei Schüler in einem Japanisch-Kurs unterhalten sich.
Seito A zu seito B: Kono kanji no yomikata wo oshiete kure.
(Ok, blödes Beispiel, am besten gehen wir davon aus, dass beide männlich sind! Ich glaube, Frauen würden das eher nicht sagen)

2. (Ichidan-Verben) Infinitiv, minus -u und ein "o" ranhängen
(Godan-Verben) Infinitiv, minus -u und ein "e" ranhängen
Beispiel: (Ichidan) Nero. (von neru, schlafen)
(Godan) Yome. (von yomu, lesen)
Diese Form kann man auch im Tangokikai sehen, als "meirei-key".
Eher weniger höflich, da sehr direkt, daher nur Gleichgestellten gegenüber zu benutzen.

3. Verb (kihon) + nasai
Beispiel: Erabinasai. (Bitte wählen Sie aus.)
Und hier meine Bitte: Erzählt mir doch bitte etwas über diese Form! Ich bin zwar schon öfters darauf gestoßen und mich hat diese Form irgendwie immer geärgert, aber jetzt interessiere ich mich allmählich dafür! Soll ja die gebräuchlichste Form sein unter den Aufforderungen, und da höflich, kann man sie praktisch überall verwenden. Ich selbst würde vom Gefühl her sagen, dass man diese Form einfach immer dann nimmt, wenn -te kudasai nicht passt. Also z.B. dass -te kudasai meistens in der gesprochenen Sprache vorkommt (Verkaufsgespräche z.B.) und -nasai wohl eher in der schriftlichen Sprache. Das entspräche auch meinen Erfahrungen, weil mir aufgefallen ist, dass auf den Arbeitsblättern im Japanischunterricht nur -nasai vorkommt.
Inzwischen gefällt mir diese Form ganz gut. Darf man sie überhaupt nicht in der gesprochenen Sprache benutzen?

So, und wenn jemand noch eine Form der Aufforderung weiß oder mich korrigieren will (mache schließlich auch noch Fehler), bitte posten!
Bye
Warai

EDIT: Hab meinen kleinen unbeabsichtigten Fehler bei dem Beispielsatz mit "kure" behoben.

古紙配合率100%再生紙を使用しています。
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.09.03 10:04 von Warai.)
13.09.03 11:32
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Anonymer User
Gast

 
Beitrag #2
RE: Aufforderungen, Imperative
Hallo Warai!

-te kudasai (ohne kudasai bei Gleichgestellten) bildet eine Bitte, wogegen yome, nero usw. Befehle sind. -nasai ist auch eine Befehlsform, aber höflicher. Ein Professor würde so zum Beispiel seine Studenten auffordern, etwas zu tun.

Fallen mir noch andere Formen ein?

"mite yo" zum Beispiel wäre ein umgangssprachlicher Befehl, aber nicht so hart wie zum Beispiel miro. "mite ne" wäre eine liebe Bitte ("Schau mal her, ja?"). Männer können zum Beispiel "mite kure" sagen.

Das waren bestimmt nicht alle, vielleicht fällt den Anderen noch mehr ein. grins

Hon
13.09.03 19:18
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
nanashi


Beiträge: 198
Beitrag #3
RE: Aufforderungen, Imperative
Okay, was die verschiedenen Möglichkeiten für Aufforderungen angeht, hast du glaub ich schon alle grundlegenden aufgezählt. Ansonsten gibt es nur noch Varianten dieser drei.
Zu 1.
"Bitte" als eigenständiges Wort gibt es schon, nämlich "onegai (shimasu)", "(ich) bitte (Sie)". Und natürlich "douzo" für "(hier,) bitte". "kudasai" wäre dann "(geben sie mir) bitte".
Du hast recht, daß kudasai eine höflichere Variante von kureru ist, genau genommen müßte man aber sagen, kudasaru ist die höflichere Variante von kureru. kudasai ist dann die ren'youkei (masu-Form ohne -masu, was du als kihon-Form bezeichnest) von kudasaru. Warum erzähle ich dir das? Weil die Aufforderung mit kureru ebenso meistens die ren'youkei benutzt, also
Kono kanji no yomikata wo oshiete kure.
Deine Variante war nicht ganz verkehrt, ist aber viel seltener. Und könnte auch einfach heißen, "du erklärst mir die Lesung dieses Kanjis." Also ganz ohne Aufforderung, einfach nur eine Beschreibung.
kudasaru/kureru bedeuten also beide "mir geben", in Kombination mit te-Form, "für mich machen", und eine Aufforderung bildet man, indem man die ren'youkei von kudasaru/kureru benutzt.
Beispiele:
yonde kudasai, lies das bitte.
kashite kure, leih mir das mal.
Übrigens Verneinung mit -nai + de + kudasai, z.B.
minaide kudasai, sieh dir das bitte nicht an.
Man kann kudasai/kure auch weglassen,
yonde
kashite
minaide
sind etwas weniger höfliche, umgangsprachliche Aufforderungen.
Zu 2.
Der echte (grammatische) Imperativ.
Verneinung:
"(Infinitiv) na" z.B.
miru na, sieh dir das gefälligst nicht an!
warau na, lach nicht! (kennst du schon, oder?)
Zu 3.
Okay, darüber wolltest du mehr wissen. Erstmal, genau wie kudasai ist auch nasai eine ren'youkei, die Grundform lautet nasaru. Nasaru bedeutet "tun, machen" und ist eine höfliche Variante von suru. Während "-te kudasai" eine freundliche Aufforderung ist (es bleibt letztlich dem Gegenüber überlassen, ob er der Aufforderung nachkommt), ist "(renyou)+nasai" eher schon ein echter Imperativ (man erwartet, daß der Gegenüber der Aufforderung auch nachkommt) Man könnte sagen, es ist das höfliche Gegenstück zu 2. Es drückt also Autorität aus, oder Nachdrücklichkeit, aber ohne den höflichen Ton aufzugeben. Wird von Lehrern, Eltern, Vorgesetzten etc. benutzt.
Nasai ist auch der typische Imperativ für Frauen, da recht weich.
Umgangssprachliche Variante von nasai:
(renyou)+na, z.B.
yomina, lies das bitte!
hayaku shina, mach schnell!
(Wird auch viel von Männern benutzt, nicht besonders weich.)
14.09.03 04:13
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #4
RE: Aufforderungen, Imperative
Zitat:Soll ja die gebräuchlichste Form sein unter den Aufforderungen, und da höflich, kann man sie praktisch überall verwenden.

Also da wär ich sehr vorsichtig. Hab diese Form oft gehört, wenn Mütter mit ihren Kindern schimpfen, besonders wenn´s richtig knallt. Lehrer benutzen das dann aber auch wieder relativ neutral. Hängt scheinbar sehr vom Tonfall ab.


Zitat: Ich selbst würde vom Gefühl her sagen, dass man diese Form einfach immer dann nimmt, wenn -te kudasai nicht passt. Also z.B. dass -te kudasai meistens in der gesprochenen Sprache vorkommt (Verkaufsgespräche z.B.) und -nasai wohl eher in der schriftlichen Sprache. Das entspräche auch meinen Erfahrungen, weil mir aufgefallen ist, dass auf den Arbeitsblättern im Japanischunterricht nur -nasai vorkommt.

s.o. Kommt also sehr wohl in der gesprochenen Sprache vor.


Zitat: "mite ne"

Kommt mir in der Tat sehr weiblich vor.


Zitat: ist "(renyou)+nasai" eher schon ein echter Imperativ (man erwartet, daß der Gegenüber der Aufforderung auch nachkommt)

Genau!

正義の味方
14.09.03 07:41
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Warai


Beiträge: 670
Beitrag #5
RE: Aufforderungen, Imperative
@ nanashi: Ups, "warau na", das hatte ich total vergessen... hoho Obwohl, es betrifft nicht ganz die Imperative, da es ja ein Verbot ist. Naja... ich hatte mich in diesem Beitrag eben auf die positiven Aufforderungen/Befehle spezialisiert.
Der Fehler mit "kure[masu]" in meinem Beispielsatz ist peinlich... das wusste ich schon, warum ich es falsch geschrieben habe, wakarimasen.
(Ich habe mir jetzt übrigens vorgenommen, "kihon" als Ausdruck für die -masu Form ohne -masu zu sagen, weil mir die "-masu Form ohne -masu" einfach zu lang ist vom Sprechen und Merken her. "Kihon" ist schön einprägsam)
Also von "kihon+na" hab ich auch schon mal etwas gehört (auf dieser einen Seite, wo ziemlich viel Grammatik erklärt wird, wie heißt sie noch gleich?), aber da es mir erstens ziemlich unhöflich vorkam und zweitens ich diese Form immer mit "Infinitiv+na" verwechselte, habe ich sie erstmal verdrängt... Dass allerdings das "na" von "nasai" kommt, wusste ich nicht, genauso wenig dass "nasai" von "nasaru" kommt, was wiederum ein höfliches Wort für "suru" ist (sonkeigo, nehme ich an?).
Stichwort "o-negai shimasu". Das hatte ich komplett vergessen, das wollte ich auch noch mal erfragen. Wie/wann genau benutzt man eigentlich diese Form? "o-negai" ist "der Wunsch", also wörtlich "mach mir diesen Wunsch". Kann man vor "o-negai shimasu" auch ein Verb setzen?
Ansonsten, danke nanashi für die Erklärungen grins

Und zu atomu: Tja, bei mir besteht eben noch viel aus "Bauchgefühl" und weniger aus echtem Wissen. Daher versuche ich mir immer, wenn ich auf eine unbekannte Grammatik stoße, gleich zu gucken, warum jetzt ausgerechnet diese Form und keine andere benutzt wird. Da lieg ich manchmal nicht ganz richtig augenrollen Trotzdem danke ^_^

古紙配合率100%再生紙を使用しています。
14.09.03 10:19
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
nanashi


Beiträge: 198
Beitrag #6
RE: Aufforderungen, Imperative
Zitat:(Ich habe mir jetzt übrigens vorgenommen, "kihon" als Ausdruck für die -masu Form ohne -masu zu sagen, weil mir die "-masu Form ohne -masu" einfach zu lang ist vom Sprechen und Merken her. "Kihon" ist schön einprägsam)
Aus demselben Grund sag ich Ren'yôkei.
Zitat:Also von "kihon+na" hab ich auch schon mal etwas gehört (auf dieser einen Seite, wo ziemlich viel Grammatik erklärt wird, wie heißt sie noch gleich?), aber da es mir erstens ziemlich unhöflich vorkam und zweitens ich diese Form immer mit "Infinitiv+na" verwechselte, habe ich sie erstmal verdrängt...
Ja, da besteht Verwechslungsgefahr. 'na' am Ende eines Satzes kann drei verschiedene Bedeutungen ausdrücken:
Verneinter Imperativ, nach Infinitiv, also z.B. warau na, "lach nicht!"
Bejahter Imperativ, nach kihon/ren'yô, z.B. waraina, "lach gefälligst!"
Überlegend, nach shûshi, z.B. okashii na, "das ist aber komisch..."
Zitat:Dass allerdings das "na" von "nasai" kommt, wusste ich nicht, genauso wenig dass "nasai" von "nasaru" kommt, was wiederum ein höfliches Wort für "suru" ist (sonkeigo, nehme ich an?).
Genau.
Zitat:Stichwort "o-negai shimasu". Das hatte ich komplett vergessen, das wollte ich auch noch mal erfragen. Wie/wann genau benutzt man eigentlich diese Form? "o-negai" ist "der Wunsch", also wörtlich "mach mir diesen Wunsch".
Eher die Bitte, aber so solltest du dir das nicht vorstellen. Es ist wirklich nur höflich für "ich bitte Sie!"
Grundform: negau, "ich bitte"
Davon die Ren'yô/Kihon-Form, ein o- vorne anhängen und suru hinten:
o-negai shimasu.
Dieses Muster kannst du grundsätzlich auf alle Verben anwenden. Ist eine allgemeine Höflichkeitsstrategie und fällt unter Teinei.
Zitat:Kann man vor "o-negai shimasu" auch ein Verb setzen?
Du meinst wie mit kudasai? Nein. "O-negai (shimasu)" ist "Bitte" als eigenständiger Satz, und wird in deiner Bitterklärung am Anfang, am Ende oder irgendwo zwischen zwei Sätzen untergebracht.
Mir ist übrigens später noch eine Möglichkeit eingefallen, um den Imperativ zu bilden, und zwar mit Nominalisierung:
1. mit koto
Jikan ha mamoru koto. (Zeit ist einzuhalten.) Seien Sie bitte pünktlich.
Shiba wo fumanai koto. (Der Rasen ist nicht zu betreten.) Rasen betreten verboten.
Wird benutzt um regelartige Aufforderungen zu formulieren.
2. mit "no deha nai"
Nigeru no janai. (Du sollst nicht fliehen.) Bleib gefälligst stehen!
kuru no janakatta. Ich hätte nicht kommen sollen.
Drückt aus, daß jemand etwas nicht tun soll.
20.09.03 04:58
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
icelinx


Beiträge: 716
Beitrag #7
RE: Aufforderungen, Imperative
Ich versuche gerade die Aufforderungen / Imperative in eine gewisse Reihenfolge zu bekommen.

Frage 1:
Ist folgende Reihenfolge richtig (von höflich zu weniger höflich)?

tabe-te kudasai.mase
tabe-te kudasai
tabe-te kure
tabe-te
tabe-te yo
tabe-te nasai
tabe-ro
tabe-yo
tabe-na

Frage 2:
Welche Formen kommen eher selten vor?

Danke!
15.11.04 16:29
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Koorineko


Beiträge: 913
Beitrag #8
RE: Aufforderungen, Imperative
sieht ok aus wobei ich bei den letzten 3 nicht sicher bin. Ich denke aber das es richtig ist dass tabeyo unhöflicher ist als tabero. tabete kudasaimase habe ich noch nie gesehen. kratz
15.11.04 21:23
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
halx


Beiträge: 101
Beitrag #9
RE: Aufforderungen, Imperative
Zitat:tabete kudasaimase habe ich noch nie gesehen

kudasaimase hoert man sehr oft in Geschaeften (siehe den "Sonkeigo und Kenjôgo" thread)
しょうしょうおまちくださいませ
またおこしくださませ

Ob man das auch mit tabete sagen kann? Ich kenne
めしあがってください
16.11.04 05:01
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
halx


Beiträge: 101
Beitrag #10
RE: Aufforderungen, Imperative
Zitat:Zu 3.
Okay, darüber wolltest du mehr wissen. Erstmal, genau wie kudasai ist auch nasai eine ren'youkei, die Grundform lautet nasaru.

Ist das dasselbe nasai wie in oyasuminasai?
16.11.04 05:10
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Aufforderungen, Imperative
Antwort schreiben