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Blindenschrift
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moustique


Beiträge: 1.811
Beitrag #51
RE: Blindenschrift
29.12.17 20:25
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yamaneko


Beiträge: 3.092
Beitrag #52
RE: Blindenschrift
irgendwo muss hier "Japanisch ohne Kanji" zu finden sein. der moustique hat sicher dazu etwas geschrieben.

(28.05.12 12:29)Hellstorm schrieb:  Werden solche japanischen Braille-Texte eigentlich auch inhaltlich konvertiert? Viele schriftsprachliche Ausdrücke, die in Kanji ohne Probleme gehen, würden ja in Hiragana (bzw. allgemein ohne Kanji) unverständlich werden. Für solche Vokabeln würde man in der gesprochenen Sprache ja eher etwas längere, eindeutigere Vokabeln verwenden. Ist das bei japanischen Texten dann auch so?

Und kann man Braille eigentlich als „Sehender“ einfach lernen? Ich interessiere mich da auch schon seit einiger Zeit für, frage mich aber, wie man das gut lernen kann.

das zum Thema "Lernen ohne Kanji"

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.08.18 08:01 von yamaneko.)
20.08.18 07:58
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Phil.


Beiträge: 443
Beitrag #53
RE: Blindenschrift
(20.08.18 07:58)yamaneko schrieb:  irgendwo muss hier "Japanisch ohne Kanji" zu finden sein. der moustique hat sicher dazu etwas geschrieben.

(28.05.12 12:29)Hellstorm schrieb:  Werden solche japanischen Braille-Texte eigentlich auch inhaltlich konvertiert? Viele schriftsprachliche Ausdrücke, die in Kanji ohne Probleme gehen, würden ja in Hiragana (bzw. allgemein ohne Kanji) unverständlich werden. Für solche Vokabeln würde man in der gesprochenen Sprache ja eher etwas längere, eindeutigere Vokabeln verwenden. Ist das bei japanischen Texten dann auch so?

Und kann man Braille eigentlich als „Sehender“ einfach lernen? Ich interessiere mich da auch schon seit einiger Zeit für, frage mich aber, wie man das gut lernen kann.

das zum Thema "Lernen ohne Kanji"

Ich kann euch beiden hier schon mal eine Antwort geben.
Ich bin Sehender, dh. nicht blind.
Und ich habe die Blindenschrift gelernt.
Das geht.

Es gibt sogar 2 Blindenschriften. Wie das?
Nun wenn man mit der Tablette arbeitet und mit der Nadel, muss man die Schrift in Spiegelverkehrter Weise eingeben.
Anstatt dass ein a den Punkt 1 hat, hat es in Spiegelverkehrter den Punkt 4. etc.
Das c was die Punkte 1,4 hat, bleibt unveraendert.

Wenn man das durchstocherte Blatt aus der Tablette nimmt und umdreht, fuehlt man die gemachten Punkte mit den Fingerspitzen.
Diese sind dann in der richtigen Schreibrichtung. So wie sie im Internet in den Wiki's auch gezeigt werden.

Wenn die Blindenschrift, mit der Braille-Schreibmaschine geschrieben wird, dann lernt man die Spiegelverkehrte Schrift nicht.
http://www.marland.eu/produkte/c/braille...maschinen/

Bilder dazu.
https://www.bing.com/images/search?q=bli...&FORM=IGRE

Hier sieht man wie die Finger auf der Tastatur liegen.

http://www.goettinger-tageblatt.de/Die-R...-Verbandes

Um nun aber selber als Sehender gut lesen zu koennen, gibt es einige Moeglichkeiten.
Man liest bei Dunkelheit, oder in der Nacht.
Oder aber man verbindet sich die Augen.

Oder aber man ist stur und sieht nicht auf die Schrift, genau so, haben wir die Schribmaschine gelernt.
Da bekamen wir eine Sichtschablone auf die Schreibmaschine gelegt und mussten Uebungen schreiben.

Dauer, die benoetigt wurde um diese Schrift zu erlernen. Eben solange bis man die Punkte auswendig wusste.
Das Gefuehl zu bekommen, bis man die Punkte auch ertasten konnte, dauert etwas laenger.
Da unsere Fingerspitzen nicht sensibel sind. Die Hornhaut auf den Fingerspitzen muss runter.
Und das braucht seine Zeit.

Beim Lesen, helfen sich die beiden Haende. Der Zeigefinger der rechten Hand, liest die Zeichen.
Der Zeigefinger der linken Hand dient als Fuehrer um die naechste Zeile zu finden. Denn wenn die rechte Hand am Ende der zu lesenden Zeile ankommt, verliert er zu schnell Zeit, die darunterliegende Zeile zu finden und auch den ersten Buchstaben anzusteuern.

Da aber die linke Hand das schon tut, kann der Lese-Zeigefinger sofort neben dem Fuehrungs-Zeigefinger aufgesetzt werden und es kann weitergelesen werden.

Zu der Funktion, Japanisch ohne Kanji, da kann ich nur sagen, das geht ja auch.
Blinde sehen die Kanji nicht, ihre Kanji sind dann wie Punktschrift. Kann sein, dass sie diese im Relief lernen.
Aber da eine Zeitung doch nicht im Relief gedruckt wird, hat das nicht viel Sinn.

Nein sie lesen das in Punktschrift. (Hiragana und Katakana haben ganz sicherlich ein Vorzeichen, das ihnen aussagt, dass das a, あ、ア gelesen wird. Um in der Punktschrift, ein Grossbuchstabe anzuzeigen, gab es bestimmte Punkte. So auch zu zeigen dass aus einem "a" die Ziffer 1 gelesen wurde.

https://de.wikipedia.org/wiki/Brailleschrift

Blinde koennen ja bekanntlich nicht sehen.
Und Kinder wenn die in die Schule gehen, koennen alle Japanisch sprechen, vielleicht koennen sie bereits das eine oder andere Kanjizeichen. Aber sie koennen sprechen.

Ich hab mal einen Beitrag eroeffnet mit "japanisch lernen wie Franzoesisch".
Also nur mit den Romaji. (Rômaji, nur wo liegt der Buchstabe ô, ach verflixt, ich bleib bei dem Romaji, auch wenn es dem einen oder anderen nicht gefaellt).

Ja Kanji sind da um gezielt auf den Sinn hinzudeuten.
Aber gesprochenes Japanisch hat keine Kanji.
Gehoertes Japanisch hat keine Kanji.
Kanji sind in etwa gleichzustellen wie das mit Zahlenraetsel funktioniert.
Wo bei diesem Spiel das A eine 15 hat und ein einem anderen Spiel dann eventuell 35.

23.9.2019 Offline Datenbank mit 1.3 Mio. Datensaetzen. wadoku-4.jar = Prg.
Japanisch Suche mit Kleinbuchstaben, Deutschsuche mit erstem Buchstaben Gross geschrieben. Alles Romaji, ausser Kanji.
https://www.japanisch-netzwerk.de/attachment.php?aid=1313
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.08.18 10:39 von Phil..)
20.08.18 10:10
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yamaneko


Beiträge: 3.092
Beitrag #54
RE: Blindenschrift
Meine Perkins-Braille-Maschine mit sechs Punkten kann man noch kaufen:
HW-52040 Perkins Brailler Standard, mechanische 6-Pkt. Blindenschriftmaschine 975,00

Das war das letzte Muttertagsgeschenk meines Mannes 1985. Ein Kollege aus dem Institut für Arabistik hat mir einige Suren darauf geschrieben. Seither ruht sie, aber zu lange ohne Service. Ich würde gerne wieder schreiben, aber das Papier lässt sich nicht einziehen.

PS am 3.9.2019
Man muss nur lange genug warten, dann findet man eine Lösung im Internet: mit einem Video von fünf Minuten konnte ich "reparieren". Die Machine ist neuwertig und ich kann sie verwendengrins aber ich buchstabiere dabeigrinsgrins

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.09.19 10:29 von yamaneko.)
20.08.18 14:51
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yamaneko


Beiträge: 3.092
Beitrag #55
RE: Blindenschrift
und die Blindenschrift im japanisch-netzwerk.de ist mir wieder eingefallen, weil in der letzten Nummer in der Blindenzeitschrift der Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro (2017)
erwähnt wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kazuo_Ishiguro

Sir Kazuo Ishiguro OBE (jap. 石黒一雄 Ishiguro Kazuo; * 8. November 1954 in Nagasaki, Japan) ist ein britischer Schriftsteller japanischer Herkunft. Sein dritter und berühmtester Roman,[1] Was vom Tage übrigblieb, wurde 1989 mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Er wurde ebenso verfilmt wie der 2005 erschienene Roman Alles, was wir geben mussten. Im Jahr 2017 erhielt Ishiguro den Nobelpreis für Literatur.
Was in der Zeitschrift steht, werde ich erst erfahren, aber im Forum kennt vielleicht jemand die Werke des Japaners mit britischer Staatsbürgerschaft.

(20.08.18 10:10)Phil. schrieb:  
(20.08.18 07:58)yamaneko schrieb:  irgendwo muss hier "Japanisch ohne Kanji" zu finden sein. der moustique hat sicher dazu etwas geschrieben.

(28.05.12 12:29)Hellstorm schrieb:  Werden solche japanischen Braille-Texte eigentlich auch inhaltlich konvertiert? Viele schriftsprachliche Ausdrücke, die in Kanji ohne Probleme gehen, würden ja in Hiragana (bzw. allgemein ohne Kanji) unverständlich werden. Für solche Vokabeln würde man in der gesprochenen Sprache ja eher etwas längere, eindeutigere Vokabeln verwenden. Ist das bei japanischen Texten dann auch so?

Und kann man Braille eigentlich als „Sehender“ einfach lernen? Ich interessiere mich da auch schon seit einiger Zeit für, frage mich aber, wie man das gut lernen kann.

das zum Thema "Lernen ohne Kanji"

Ich kann euch beiden hier schon mal eine Antwort geben.
Ich bin Sehender, dh. nicht blind.
Und ich habe die Blindenschrift gelernt.
Das geht.

Es gibt sogar 2 Blindenschriften. Wie das?
Nun wenn man mit der Tablette arbeitet und mit der Nadel, muss man die Schrift in Spiegelverkehrter Weise eingeben.
Anstatt dass ein a den Punkt 1 hat, hat es in Spiegelverkehrter den Punkt 4. etc.
Das c was die Punkte 1,4 hat, bleibt unveraendert.

Wenn man das durchstocherte Blatt aus der Tablette nimmt und umdreht, fuehlt man die gemachten Punkte mit den Fingerspitzen.
Diese sind dann in der richtigen Schreibrichtung. So wie sie im Internet in den Wiki's auch gezeigt werden.

Wenn die Blindenschrift, mit der Braille-Schreibmaschine geschrieben wird, dann lernt man die Spiegelverkehrte Schrift nicht.
http://www.marland.eu/produkte/c/braille...maschinen/

Bilder dazu.
https://www.bing.com/images/search?q=bli...&FORM=IGRE

Hier sieht man wie die Finger auf der Tastatur liegen.

http://www.goettinger-tageblatt.de/Die-R...-Verbandes

Um nun aber selber als Sehender gut lesen zu koennen, gibt es einige Moeglichkeiten.
Man liest bei Dunkelheit, oder in der Nacht.
Oder aber man verbindet sich die Augen.

Oder aber man ist stur und sieht nicht auf die Schrift, genau so, haben wir die Schribmaschine gelernt.
Da bekamen wir eine Sichtschablone auf die Schreibmaschine gelegt und mussten Uebungen schreiben.

Dauer, die benoetigt wurde um diese Schrift zu erlernen. Eben solange bis man die Punkte auswendig wusste.
Das Gefuehl zu bekommen, bis man die Punkte auch ertasten konnte, dauert etwas laenger.
Da unsere Fingerspitzen nicht sensibel sind. Die Hornhaut auf den Fingerspitzen muss runter.
Und das braucht seine Zeit.

Beim Lesen, helfen sich die beiden Haende. Der Zeigefinger der rechten Hand, liest die Zeichen.
Der Zeigefinger der linken Hand dient als Fuehrer um die naechste Zeile zu finden. Denn wenn die rechte Hand am Ende der zu lesenden Zeile ankommt, verliert er zu schnell Zeit, die darunterliegende Zeile zu finden und auch den ersten Buchstaben anzusteuern.

Da aber die linke Hand das schon tut, kann der Lese-Zeigefinger sofort neben dem Fuehrungs-Zeigefinger aufgesetzt werden und es kann weitergelesen werden.

Zu der Funktion, Japanisch ohne Kanji, da kann ich nur sagen, das geht ja auch.
Blinde sehen die Kanji nicht, ihre Kanji sind dann wie Punktschrift. Kann sein, dass sie diese im Relief lernen.
Aber da eine Zeitung doch nicht im Relief gedruckt wird, hat das nicht viel Sinn.

Nein sie lesen das in Punktschrift. (Hiragana und Katakana haben ganz sicherlich ein Vorzeichen, das ihnen aussagt, dass das a, あ、ア gelesen wird. Um in der Punktschrift, ein Grossbuchstabe anzuzeigen, gab es bestimmte Punkte. So auch zu zeigen dass aus einem "a" die Ziffer 1 gelesen wurde.

https://de.wikipedia.org/wiki/Brailleschrift

Blinde koennen ja bekanntlich nicht sehen.
Und Kinder wenn die in die Schule gehen, koennen alle Japanisch sprechen, vielleicht koennen sie bereits das eine oder andere Kanjizeichen. Aber sie koennen sprechen.

Ich hab mal einen Beitrag eroeffnet mit "japanisch lernen wie Franzoesisch".
Also nur mit den Romaji. (Rômaji, nur wo liegt der Buchstabe ô, ach verflixt, ich bleib bei dem Romaji, auch wenn es dem einen oder anderen nicht gefaellt).

Ja Kanji sind da um gezielt auf den Sinn hinzudeuten.
Aber gesprochenes Japanisch hat keine Kanji.
Gehoertes Japanisch hat keine Kanji.
Kanji sind in etwa gleichzustellen wie das mit Zahlenraetsel funktioniert.
Wo bei diesem Spiel das A eine 15 hat und ein einem anderen Spiel dann eventuell 35.
Ich möchte dazu etwas schreiben: ich habe in meiner Bibliothek ein Buch gefunden, das hier im Forum von einem der Japanologen zitiert wurde: Jens Rickmayer, EINFÜHRUNG IN DAS KLASSISCHE JAPANISCH 百人一首
Helmut Buske Verlag Hamburg.1985
und dieses Buch hat einen Schlüssel zu den 100 Gedichten mit Japanisch in Lateinschrift, die nicht Rōmaji ist, sondern die von Japanern verwendete Lautschrift und die Vokabellisten zu den einzelnen Lektionen und im Anhang sind alle ohne Kana!
@zongoku, da gibt es die Bestätigung; dass auf den Universitäten nicht immer auf Kana bei der Lautschrift bestanden wurde.
Zugriffe: 17.650 Heute 11:50
Letzter Beitrag: yamaneko

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.09.19 00:13 von yamaneko.)
03.09.19 10:23
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yamaneko


Beiträge: 3.092
Beitrag #56
RE: Blindenschrift
(29.11.13 00:33)yamaneko schrieb:  Ixxxxx
Und ganz OT: heute habe ich mit dem Blindeninstitut in Wien gesprochen auf der Suche nach russischsprechenden Blinden in Wien, weil es eine Ausstellung mit Beschreibung von Van Goghbildern durch den Künstler in Form von Briefen an seinen Bruder gibt. Diese Briefe sind in russischer Blindenschrift, die ich einmal gelernt habe. Im Gespräch habe ich erwähnt, dass ich 1987 die Matthäuspassion in japanischer Blindenschrift buchstabiert hätte und erwähnt, dass Japanisch die einzige Blindenschrift hat, in der keine internationalen Zeichen vorkämen. Und da sagte mir die Blinde, dass sie in Japan war zu einem Studienaufenthalt, dass es eine eigene Hiragana und Katakanablindenschrift gäbe und dass für ein Kanji drei Blindenschriftzeichen benötigt werden.
Und jetzt gehe ich schlafen und lösche den OT-Beitrag im anderen Thread nicht mehr. gähn
und heute gibt es eine Sendung zu den Van Gogh Briefen und auf der Suche habe ich auch verschiedenes über Vann Gogh und Japn gefunden - das irrtümlich wieder gelöscht wurde, bevor ich es gesendet habe. Aber hier:
Vincent van Gogh (1853-1890) malte die "Mandelblüte" 1890 kurz vor seinem Tod. Es war ein Geschenk für seinen Bruder Theo zur Geburt von dessen Sohn. Das berühmte Gemälde ist auch ein typischer "japanischer Vincent". Die Blüten, der farbenfrohe Hintergrund und die ungewöhnliche Perspektive nach oben weisen unverkennbar auf japanische Vorbilder.

Japan war Vincents Traum, sein Ideal, sagt der Direktor des Van Gogh Museums, Axel Rüger. Die japanische Druckkunst prägte den niederländischen Maler nicht nur, sie veränderte seine Kunst entscheidend. "Es gibt eine stilistische und vielleicht auch eine Seelenverwandtschaft", sagte Rüger bei der Präsentation der Ausstellung "Van Gogh & Japan", die vom 23. März bis zum 24. Juni zu sehen ist

Über den Einfluss japanischer Kunst auf das Werk des niederländischen Malers ist viel geschrieben worden. Doch noch nie gab es eine so umfassende Ausstellung zu dieser "Seelenverwandtschaft". Gut 60 Gemälde und Zeichnungen von Van Gogh - darunter viele internationale Leihgaben - hängen nun in den Räumen im "japanischen Anbau" des Amsterdamer Museums. Und mit ihnen gut 40 japanische Drucke, die den Maler einst so berührt hatten.

Angefangen hatte alles in Paris 1886. Van Gogh, der zuvor eher dunkle holländische Landschaften und das Bauernleben gemalt hatte, erlebte dort den Japan-Hype. Nicht nur die Beau Monde war von der östlichen Magie betört und stillte ihre Sehnsucht mit allen möglichen Parafernalia wie Blumen, Vasen oder Stoffen. Auch die Künstler der Moderne waren überwältigt. Und Vincent van Gogh fand seine Muse.

Er sammelte gut 660 Drucke. Es sind Farbholzschnitte aus dem 19. Jahrhundert - nicht alle von bester Qualität, aber preiswert. Und er studierte sie eingehend. "Ich beneide die Japaner um die enorme Klarheit, die alle Dinge bei ihnen haben", schrieb er an seinen Bruder Theo. Die Liebe zu Japan ging bis zur Identifizierung, als er sich 1888 selbst als japanischen Mönch malte.

Der Niederländer geriet in den Bann der ungewöhnlichen Kompositionen, der Farbflächen, der Landschaften, der starken klaren Farben. Die Kunstform der Drucke, ukiyo-e, heißt soviel wie "flüchtige Welt", erklärte Nienke Bakker, die die Ausstellung mit zusammengestellt hat. Motive sind Geishas, Vögel, Blumen, elegante Damen in Kimonos, Landschaften.

Mehr noch als die Motive war es die exotische Darstellungsweise, die den Blick des Malers veränderten. "Nach einiger Zeit ändert sich deine Sichtweise, du schaust mehr mit einem japanischem Blick, du erfährst die Farben anders", so schrieb er seinem Bruder.

Um die Kunst besser zu durchdringen, malte Vincent drei Gemälde direkt nach japanischer Vorlage. Darunter "Kurtisane (nach Eisen)" (1887) - nach dem Titelblatt einer Pariser Illustrierten. Van Gogh lebte sich aus auf seiner bunten Palette und malte eine Frau im farbenfrohen Kimono und verzierte den Rahmen um sie mit Fröschen, Bambus und Seerosen.

Doch Malen nach Vorlage blieb die Ausnahme. "Van Gogh stellte keine Kopien her, er machte sich die japanische Kunst zu eigen", sagte Konservatorin Bakker. "Er schuf daraus seine eigene Kunst." Sein Ziel war es, die Kunst nach japanischem Vorbild zu modernisieren.

Trotz seiner großen Faszination wollte der Maler nie selbst nach Japan reisen. Das war natürlich auch weit weg und eine Reise für ihn viel zu teuer. Es war auch nicht nötig. Denn 1888 fand er "sein Japan", wie er selbst sagte, in Arles, in Südfrankreich.

Die weiten Landschaften, klaren Farben, das helle Sonnenlicht, die Blumenfelder, Schwertlilien, Sonnenblumen, das Meer - das waren auch die Motive seiner japanischen Drucke.

In Van Goghs farbenfrohen Gemälden aus Südfrankreich erkennt man die japanischen Einflüsse - ob in Stillleben, Landschaften oder Porträts. Auf dem "Selbstporträt mit verbundenem Ohr" (1889) etwa, eine sehr seltene Leihgabe aus den USA, verewigt er seine Liebe sogar ganz explizit: Wir sehen den Maler, kurz nachdem er sich selbst bei einem psychotischen Anfall sein Ohr abgeschnitten hatte. Im Hintergrund hängt ein japanischer Holzschnitt an der gelben Wand.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!
Ich weiß, OT, aber

aktuell: ORF Tonspuren 7.1.2020 16:05 literarische Bilder -Van Gogh

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.01.20 15:21 von yamaneko.)
07.01.20 15:13
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