Antwort schreiben 
Dialektformen der dt. Sprache
Verfasser Nachricht
edokko


Beiträge: 188
Beitrag #21
RE: Dialektformen der dt. Sprache
auch wenn der Tiroler ethnisch gesehen zu den Bayowaren zählt, sind die Dialekte kaum bis nicht dem bairischen (auch wenn´s die Wissenschaft so bezeichnet) zuzuordnen - bei allem Respekt zum (gesunden) Nationalismus. Wenn einige Sprachwissenschaftler dies so gerne sehen, sind doch die meisten Tiroler Dialekte (bis auf das Kufsteiner Grenzgebiet) sehr unterschiedlich zum Bairischen - sicherlich gibt es Verschleifungen zu Vokalen und Konsonanten, doch wer sagt, dass sie "bairischen" Ursprungs sind? Und da jedes Tal zudem einen eigenen (mehr oder weniger stark ausgeprägten) Dialekt spricht, wird die Verbindung zum Bairischen immer wager. Aber es war wohl ein Bayer/Deutscher, der die Schubladisierung vornahm ... und das Steirische als Südbairisch zu bezeichnen, halte ich nun mal für sprachwissenschaftlichen Nonsens (es fällt den Akademikern zu allem was ein, aber für diese Sprachegruppe hat es wohl zu nichts Anderem gereicht?!)

Zu den Niederbairischen Dialekten ist so viel zu sagen, dass der Einfluß aus dem Gebieten, in denen ehemals deutsch gesprochen wurde (besonders aus dem tschechischen Raum), sehr groß ist - auch historisch gesehen. Jedoch in den nicht zu sehr von Zuagroasdn beeiflußten Gegenden wird das herrlich derbe Niederbairisch noch gepflegt. Eine Sprache, die nicht nur durch seine dialektspezifischen Worte lebt, sondern vor allem durch seinen sozialen Gebrauch - da fällt dann das "Altbairische" als "Ur-Mutter" des Bairischen wieder ab (braucht man aber als Klischee für den Tölzer Bullen). Ein Aspekt, der oft in der Sprachforschung bzw. in den Resultatesammlung von irgendwelchen "Wörterbüchern" vernachlässigt wird.

mia ham no ned mitananda sau gfuadad ... sag´ ich nur
zwinker

Allerdings frage ich mich nun auch, was es soll, sich über Dialekte zu unterhalten, in einer Zeit, in der Dialekte verpönt sind, die Eltern mit einem Pseudohochdeutsch die Kinder erziehen wollen und die ureigene Sprache (Sprachkultur) als Museumsgut im Regal verstaubt?
Dialekt wird belächelt, weil es (besonders hier in Bayern) als Brauchtunspflege mit Lederhosenflair für den Touristen wie die blau-weiße Flagge hochgehalten wird, gleichzeitig aber dem Ganzen ein Hauch von Dialekt=blöd anhaftet?

Ich höre immer noch den Zollbeamten am Flughafen, der in einem bairischen Hochdeutsch "haben Sie was zu verzollen?" fragt (Betonung immer auf die -en-Silbe, Bayern, verstehen mich hier vielleicht, was ich meine)?

Wir machen uns Gedanken über "Karnakisch" und "Du bist meinen Sonnenlischt" und vergessen gleichzeitig unsere sprachlichen Wurzeln, verbannen sie aus den Schulzimmern, aus unserem Zuhause, aus unseren Familien. Armes Deutschland.

@Kanjiquäler
die "Gruppenergebnisse" zu den Dialekten (danke übrigens für die Links) stimmen mich traurig - siehe Tabellen (mich würde hier interessieren, was für Leute es waren, sprich aus welchem sprachlichen Umfeld sie stammten, die Ergenisse lieferten)
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.04.06 00:44 von edokko.)
18.04.06 00:29
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
cornix


Beiträge: 79
Beitrag #22
RE: Dialektformen der dt. Sprache
Naja aber es ist wohl auch nicht richtig nur die eine Seite zu erwaehnen...
Ich finde es ebenso traurig, dass es Deutsche gibt, die sich untereinander nicht richtig verstaendigen koennen, weil sie kein Hochdeutsch koennen. (heutzutage immer weniger - bzw nurnoch aeltere Leute)

Sollten wir also wieder anfangen uns in unserem Leben nicht weiter als bis zum Nachbardorf zu bewegen, koennen wir gerne wieder anfangen nur im Dialekt zu babble...
An sonsten ist die gesunde Mischung wohl das Einzige dem ich zustimmen will. Zu Hause oder im Heimatdorf Dialekt und in der Grossstadt oder in der Arbeit Hochdeutsch zwinker

Auf der anderen Seite was sollen Familien machen, bei denen nicht beide Teile aus einem Dorf kommen und den gleichen Dialekt sprechen?
Also ich denke, dass es relativ natuerlich ist, dass der, ich nenne es mal "Urdialek", verschwindet und sich eine abgeschwechte Form bildet, die dann Regional eine andere Betonung oder anderes Verbinden von Buchstaben aufweisst. Aber das Dialekt spezifische Vokabular wie "Grummbiere"(Kartoffel in einem der badischen Dialekte) oder aehnliches, dass nur eine handvoll Menschen verstehen, passt einfach nichtmehr ins globalisierte Deutschland, bei dem man heute nicht weiss wo man morgen von der Firma hingeschickt wird.

The circle of hatred continues unless we react. [Zack De La Rocha]
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.04.06 01:00 von cornix.)
18.04.06 00:58
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
edokko


Beiträge: 188
Beitrag #23
RE: Dialektformen der dt. Sprache
Zitat: Aber das Dialekt spezifische Vokabular wie "Grummbiere"(Kartoffel in einem der badischen Dialekte) oder aehnliches, dass nur eine handvoll Menschen verstehen, passt einfach nichtmehr ins globalisierte Deutschland, bei dem man heute nicht weiss wo man morgen von der Firma hingeschickt wird.

so nebenbei: in einem serbischen Dialekt heißt Krumpie auch Kartoffel! (bitte i und e getrennt lesen - weiß nicht wie man die zwei Punkte über das e bringt)

ich will nicht sagen, dass man nur noch Dialekt sprechen soll (ist ja wirklich nicht sinnvoll); vielmehr befürworte ich eine "zweisprachige" Erziehung zumindest in der Grundschule
18.04.06 09:18
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Dialektformen der dt. Sprache
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema: Verfasser Antworten: Ansichten: Letzter Beitrag
fortgeschrittene Bücher zur dt. Sprache? irgendwer 1 1.084 07.07.06 08:39
Letzter Beitrag: Anonymer User