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"Job-Hunting" in Japan als Gaijin
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chochajin


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Beitrag #21
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
Mit "Blödsinn" meinte ich lediglich, dass viel zu viele Leute, die Berufschiene "Sprachlehrer" unter einen Kamm scheren und das ist einfach falsch.
Natürlich ist das für viele nur ein Sprungbrett. Gerade für die vielen Muttersprachler (Englisch), die einen Uniabschluss fernab von Pädagogik oder Spracherziehung haben, ist das sowieso kein Traumjob.

Wie Horuslv6 aber schon richtig erwähnte gibt es da große Unterschiede!
Man kann auf gar keinen Fall sagen, dass der Job als Sprachlehrer nur als Übergangslösung gut ist.
Es kommt wirklich auf den jeweiligen Job and und auch auf die eigenen Qualifikationen und Ziele.

Ich selbst arbeite seit über 5 Jahren als Sprachlehrerin hier in Japan. Das geht auch stark in die Richtung, was ich ursprünglich studiert habe.
Viele der erwähnten "Muttersprachler" unterrichten als Sprachlehrer, weil ich kein Japanisch können.
Mein Japanisch ist ziemlich gut. Ich KÖNNTE diverse andere Jobs machen, aber ich MÖCHTE nicht!

Man kann - wenn man wirklich daran interessiert ist - wirklich einiges aus dem Job machen und es gibt auch Karrierechancen, aber es gibt auch die "Einbahnstraßen-Sprachleherer-Jobs".

Leben und Reisen in Japan: https://zoomingjapan.com

Verkaufe mehrere 100 Sachen direkt aus Japan: http://chochajin.livejournal.com/261458.html
16.01.13 11:51
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dieLegende


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Beitrag #22
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
(16.01.13 07:18)global mind schrieb:  Welche Berufsfelder meinst du denn? Das solltest du erstmal klaeren. Wenn du, nur als Beispiel, im Pflegebereich arbeiten willst, benoetigst du dafuer die entsprechenden Qualifikationen. Genau so sieht es in vielen anderen Bereichen auch aus. Hast du dir mal japanische Stellenangebote angeschaut?

Dein Beispiel mit deiner Bekannten zielt glaube ich auf den Typ "Generalist" in grossen Firmen ab. Da wuerde ich deine Chancen gegenueber deinen japanischen Mitbewerbern als eher gering einschaetzen. Und das nicht nur aufgrund der Sprachkenntnisse. Bessere Chancen haettest du meiner Meinung nach als Spezialist. Wenn deine Qualifikationen allerdings nur aus Sprachkenntnissen bestehen sollten, bleiben halt nicht sehr viele Bereiche um deine Staerken auszuspielen.

Genau diese "Generalisten"-会社員 Berufe meine ich. Ich persönlich würde mich zum Beispiel für Berufe in der Finanzbranche interessieren (jaja, Aasgeier, aber höchst interessant!).

Aber ich dachte, damit es auch für andere interessant bleibt könnten hier allgemeine Einschätzungen/Erfahrungen! zu diesen Generalistenjobs abgegeben werden.

Mfg
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.01.13 18:29 von dieLegende.)
16.01.13 18:28
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Hellstorm
Moderator

Beiträge: 3.897
Beitrag #23
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
Das Problem ist aber doch, dass du in Japan zwar Generalisten hast, weil du in der Firma ausgebildet wirst. Aber dieses „typische“ Idealbild vom japanischen Angestellten mit lebenslanger Anstellung und Seniorität steht sowieso nur den männlichen Absolventen einer guten Uni offen (Soweit ich weiß irgendwie 20% eines Jahrgangs). Die Firmen wollen ja die Investitionen, die z.B. in Deutschland zum Teil in der Uni gemacht werden, ja später auch wieder hereinholen. Ich glaube nicht, dass du in deren Zielgruppe passt. Die müssen sich doch auch immer denken, dass du vielleicht nach ein paar Jahren wieder weg bist, weil es dir in Japan nicht gefällt. Außerdem bist du vielleicht auch nicht so „aufopferungsbereit“ (blabla) wie ein Japaner.

Wenn du dich für die Finanzbranche interessierst, würd ich dir empfehlen, BWL zu studieren zwinker

Ich persönlich wäre unglaublich skeptisch mit der Aussicht so einen Job in Japan zu bekommen, dorthin zu reisen.

やられてなくてもやり返す!八つ当たりだ!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.01.13 18:59 von Hellstorm.)
16.01.13 18:58
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irgendwer


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Beitrag #24
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
(14.01.13 01:29)dieLegende schrieb:  Wie stehen die Chancen für einen Ausländer, welcher Fach X oder halt in meinem Fall Japanisch studiert hat, des Japanischen auf JLPT 1 oder 2er Niveau mächtig ist, und ansonsten, bezogen auf dieses Japanische Unternehmen nur Englisch und Deutsch als Bonusqualifikationen mitbringt, und sich wie ein japanischer Universitätsabgänger (oder zu mindest auf einem ähnlichen Weg ["normales" 就職活動 ist, für eine im Ausland studierte Person ja soweit ich weiß unmöglich]) direkt beim japanischen Unternehmen bewirbt?

Wie so immer, das kommt darauf. Die grundsätzliche Frage, die man sich stellen muss: Will man in Richtung seishain, also auf einer "normalen" Karriere mit Japanern konkurrieren? Nicht unmöglich, aber sicher schwierig. Und da wäre auch die Frage, ob man das überhaupt will (man fängt in der Hierarchie ganz ganz unten an. Ich empfehle mal so Bücher wie http://en.wikipedia.org/wiki/Fear_and_Tr...28novel%29 - da gibt es auch noch das eine oder andere von US-Amerikanern afaik). Ein großer Nachteil ist hier auch, wenn man nicht asiatisch aussieht, weil man dann zu stark als Ausländer gilt. Es gibt aber durchaus (große) japanische Firmen, die auch Ausländer rekrutieren, im ganz normalen shushoku-katudou-Prozess. Wichtig wäre:
- Was ist das Fach X? Ich meine, hast Du noch 'was außer Japanisch studiert? Zum Beispiel BWL, besser noch Informatik, Elektrotechnik, Bauingenieur, etc.? Irgendwas "handfestes"? Wenn ja, steigen Deine Chancen automatisch. Aber auch nicht übermäßig, denn am Anfang wird man sowieso eher wie ein Trainee behandelt und startet bei Null.
- Was heißt JLPT 1 oder 2? Ich hatte einen guten Freund, der mit JLPT2 nach Japan kam. Konnte zwar halt JLPT2, aber realistisch nicht wirklich sprechen/verstehen. Nach ca. einem halben Jahr Intensivkurs, ging es so langsam los. Nach 1 Jahr ist er knapp an JLPT1 gescheitert, aber sprach schon fließend. Ein halbes Jahr später hatte er dann auch Level 1. Ich meine, wenn Du wirklich in die "normale" Karriereschiene willst, stell Dich auf so Dinge wie Gruppendiskussion auf Japanisch, 1:1 Interviews auf Japanisch ein, bei denen Du glänzen musst. Auf dem Level muss das funktionieren. Ein befreundeter Taiwaner, der absolut fließend Japanisch und Englisch spricht, ist daran oft gescheitert. Also Du musst Dich _auf_ Japanisch präsentieren können. Da kommen dann natürlich auch noch kulturelle Dinge hinzu, bei denen Du ohne echte Lebenserfahrung in Japan wahrscheinlich scheitern wirst. Eigentlich logisch. Wie in Deutschland halt auch, wenn Du Dich bei, sagen wir Siemens etc. bewirbst. Aber: Wenn Du Dir das zutraust, und mit Fach $X etwas "echtes" kannst, dann sind die Chancen sicherlich gut. Übrigens selbst wenn Du dann in so eine Firma kommst, wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem alle Übersetzungen der Firma machen müssen etc., also in einem Bereich für "Ausländer" eingesetzt werden.

Die andere Möglichkeit wäre halt einen Job zu suchen, bei dem man seine Funktion als Ausländer ausnutzt. Übersetzer, Lehrer, Forscher, Experte in $X etc. Allerdings - Berufserfahrung ist dann alles, und einen frischen Uniabgänger stellt dann kaum jemand so ein. Vorstellen könnte ich mir z.B. einen Informatiker, der in einem bestimmten Bereich sehr gute Kenntnisse hat, und dann dort einen Job bekommt. Oder eine deutsche Niederlassung einer Firma die den japanischen Kunden einen deutschen Ingenieur präsentiert. Anwaltskanzelei, die international arbeitet. usw.

Meine Empfehlung wäre: Erstmal nach Japan auf anderem Wege (Working Holiday, Uniaustausch, Masterstudium über Monbusho etc.), Japanisch fließend sprechen lernen und einen echten Eindruck von Japan gewinnen. Dann weitersehen.

Aus meiner eigenen Erfahrung: Der Großteil der in Japan lebenden weißen Ausländer hat irgendeinen Job in der zweiten Kategorie. Der restliche Teil geht nach einiger Zeit wieder zurück nach Europa bzw. Amerika.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.01.13 19:59 von irgendwer.)
16.01.13 19:42
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dieLegende


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Beitrag #25
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
(16.01.13 18:58)Hellstorm schrieb:  Das Problem ist aber doch, dass du in Japan zwar Generalisten hast, weil du in der Firma ausgebildet wirst. Aber dieses „typische“ Idealbild vom japanischen Angestellten mit lebenslanger Anstellung und Seniorität steht sowieso nur den männlichen Absolventen einer guten Uni offen (Soweit ich weiß irgendwie 20% eines Jahrgangs).

Wenn du dich für die Finanzbranche interessierst, würd ich dir empfehlen, BWL zu studieren zwinker

Ich persönlich wäre unglaublich skeptisch mit der Aussicht so einen Job in Japan zu bekommen, dorthin zu reisen.

(16.01.13 19:42)irgendwer schrieb:  - Was ist das Fach X? Ich meine, hast Du noch 'was außer Japanisch studiert? Zum Beispiel BWL, besser noch Informatik, Elektrotechnik, Bauingenieur, etc.? Irgendwas "handfestes"? Wenn ja, steigen Deine Chancen automatisch. Aber auch nicht übermäßig, denn am Anfang wird man sowieso eher wie ein Trainee behandelt und startet bei Null.
- Was heißt JLPT 1 oder 2? [...] stell Dich auf so Dinge wie Gruppendiskussion auf Japanisch, 1:1 Interviews auf Japanisch ein, bei denen Du glänzen musst. Auf dem Level muss das funktionieren. Ein befreundeter Taiwaner, der absolut fließend Japanisch und Englisch spricht, ist daran oft gescheitert. Also Du musst Dich _auf_ Japanisch präsentieren können. Da kommen dann natürlich auch noch kulturelle Dinge hinzu, bei denen Du ohne echte Lebenserfahrung in Japan wahrscheinlich scheitern wirst. [...] Übrigens selbst wenn Du dann in so eine Firma kommst, wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem alle Übersetzungen der Firma machen müssen etc., also in einem Bereich für "Ausländer" eingesetzt werden.

Die andere Möglichkeit wäre halt einen Job zu suchen, bei dem man seine Funktion als Ausländer ausnutzt. Übersetzer, Lehrer, Forscher, Experte in $X etc. Allerdings - Berufserfahrung ist dann alles, und einen frischen Uniabgänger stellt dann kaum jemand so ein. Vorstellen könnte ich mir z.B. einen Informatiker, der in einem bestimmten Bereich sehr gute Kenntnisse hat, und dann dort einen Job bekommt. Oder eine deutsche Niederlassung einer Firma die den japanischen Kunden einen deutschen Ingenieur präsentiert. Anwaltskanzelei, die international arbeitet. usw.

Meine Empfehlung wäre: Erstmal nach Japan auf anderem Wege (Working Holiday, Uniaustausch, Masterstudium über Monbusho etc.), Japanisch fließend sprechen lernen und einen echten Eindruck von Japan gewinnen. Dann weitersehen.

Soo, ich habe die (für mich) wichtigen Dinge mal rausgepickt und versuche die mal vielleicht etwas genauer zu erläutern.

Zunächst @Hellstorm:
Dass das nur für die besten Abgänger der guten Universitäten gilt, dessen bin ich mir bewusst! Kurz zur Uni: die europäische fällt ja nun mal komplett aus dem Rahmen, aber ich nehme dabei dann jetzt einfach mal meine Austausch Uni: Die Tsukuba ist vielleicht nicht die absolute Spitze, steht laut einem Internationalen (ich weiß, das müsste ein Knackpunkt sein) Ranking derzeit aber immerhin vor Rikkyo und der Jóchi (beide immerhin Teil der 東京六大学), ist zumindest schon einmal eine gewisse Referenz.
Zu den "20% Besten": Ist natürlich ebenfalls schlecht vergleichbar, aber mehr als mir den "Hintern aufzureißen" kann ich nicht, und das hat mich immerhin schon mal in die Sektion der besten 3% des Semesters in meinem Studiengang gebracht (und damit im Endeffekt auch das Stipendium für das Austauschjahr). In der Hinsicht kann ich also nur mein bestes geben...

Bezüglich der Studienempfehlung: Ich belege bereits sogenannte Importmodule "VWL" und "BWL", hatte mir im übrigen auch ein zweites Wirtschaftsstudium nach dem jetztigen vorgestellt, aber aufgrund der Funktionsweise des japanischen Arbeitsmarktes Hoffnung geschöpft, dass ich mir dies im Endeffekt vielleicht sparen könnte.

Und skeptisch sein ist natürlich erlaubt, und ich sehe das auch realistisch genug um zu wissen wie schwierig das ist, aber bei allem Realismus bleibe ich doch von Grund auf ein alter Optimist, und damit der Meinung dass man mit sehr viel Anstrengung auch noch sehr viel erreichen kann. grins (und ja, ich habe blaue Augen zunge )



@irgendwer:
1."Fach X" sollte nur stellvertretend für ein beliebiges Studienfach (Stichwort "Generalisten") stehen, damit das Thema nicht nur speziell auf mich bezogen bleibt, sondern eine gewisse Allgemeingültigkeit für derlei Ausgangssituationen wahrt, damit es auch für andere Personen interessant bleibt. grins

2. Der JLPT ist natürlich immer nur ein grober Richtwert von dem Können eines einzelnen. Ich bin darauf eingegangen, da ich davon ausgehe, dass ich bei Ende des Bachelors minimum den JLPT2 schaffe, ob der 1er durch tägliches Lernen alleine erreichbar ist, weiß ich nicht, deshalb die vage Angabe.
Ansonsten bezieht es sich einfach zunächst primär auf die allgemeinen Kommunikationsfähigkeiten des Studierenden. (Wie du schon meintest: Partizipation bei Gruppendiskussionen, etc.)

3. Natürlich ist die Übersetzerrolle, etc. natürlich der wahrscheinlichere Weg, keine Frage, aber mir geht es jetzt speziell um den (für japanische Uni-Abgänger) "normalen" Weg. Da hab ich derzeit diesbezüglich einen sehr starken Ehrgeiz entwickelt. Wie es im Endeffekt laufen wird kann ich dann mal in 10 Jahren berichten hoho

4. Bzgl. deiner Empfehlungen: Denen leiste ich schon seit ein paar Monaten folge. Hab mich, wie oben ja schon angedeutet, für ein Austauschstipendium beworben, und bin dann ab nächsten Sommer für 1 Jahr drüben. --> halt mit dem ganz konkreten Ziel "erst mal fließend Sprechen lernen" und einen langfristigen Eindruck vom Land zu gewinnen (auch wenn es nicht mein erster Aufenthalt dort ist, aber mein mit Abstand längster).


Ich hoffe ihr könnt meiner Fragestellung und den Gedanken dahinter jetzt einigermaßen folgen. Ich weiß dass dieser Gedanke wahrscheinlich noch um einiges exotischer ist, als es ein Gaijin in Japan alleine schon ist, aber ich habe mich nunmal mit diesem Gedanken angefreundet und freue mich deswegen weiterhin auf Erfahrungen oder realistische Einschätzungen. grins

Mfg
17.01.13 03:08
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global mind


Beiträge: 173
Beitrag #26
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
[quote='irgendwer' pid='100515' dateline='1358358179']
Was heißt JLPT 1 oder 2? Ich hatte einen guten Freund, der mit JLPT2 nach Japan kam. Konnte zwar halt JLPT2, aber realistisch nicht wirklich sprechen/verstehen. Nach ca. einem halben Jahr Intensivkurs, ging es so langsam los. Nach 1 Jahr ist er knapp an JLPT1 gescheitert, aber sprach schon fließend. Ein halbes Jahr später hatte er dann auch Level 1. Ich meine, wenn Du wirklich in die "normale" Karriereschiene willst, stell Dich auf so Dinge wie Gruppendiskussion auf Japanisch, 1:1 Interviews auf Japanisch ein, bei denen Du glänzen musst. Auf dem Level muss das funktionieren...[quote]

Das sehe ich auch so. Die meisten Firmen haben schriftliche Aufnahmetests. Aus eigener Erfahrung (habe den Test nicht absolviert, aber die Testfragen meines Arbeitgebers gesehen), es ist mit Sicherheit nicht unmoeglich, aber ziemlich schwierig. Die fachliche Bandbreite, die dort abgefragt wird, kann man als Zweitsprecher in so kurzer Zeit vermutlich nur unter sehr sehr grossem Aufwand lernen. Ich habe vor ueber 10 Jahren angefangen Japanisch zu studieren, komme im Alltag in Japan und meinem beruflichen Bereich sprachlich gut zurecht. Aber bei Themen selbst auf Grundschulniveau mit denen ich normalerweise nichts zu tun habe, z.B. Naturwissenschaften oder Philosophie muss ich passen, weil mir die Vokabeln fehlen.

Natuerlich kann man sich auf solche Test vorbereiten, indem man die entsprechende Literatur paukt. Da musst du dich und deine Sprachfaehigkeiten mal ganz ehrlich einschaetzen. Wenn du in den Finanzbereich willst, sind Fachwissen und relavente Fachausdruecke ein Muss. Aber eben nicht alles. Stell dich drauf ein, in Pruefungen und Gespraechen auch zu anderen Bereichen gefragt zu werden.

Die andere Frage waere, ob es sich "lohnt" in diese Schiene einzusteigen. Wie alt wirst du denn zu deinem Abschluss sein? Die interne firmeninterne Hierachie und der eigene Arbeitsbereich bzw. Handlungsbereich ist meist abhaengig von der laenge der Firmenangehoerigkeit und dem Alter und nicht von den persoenlichen Kompetenzen und Leistungen. Aus eigener Erfahrung moechte ich nichts pauschalisieren, es haengt wie immer auch von den Persoenlichkeiten der Vorgesetzen ab, wie sie ihre Untergebenen fuehren und einsetzen, aber es kann schon frustrierend sein, eine Aufgabe zwar bewaeltigen zu koennen, aber nicht zu duerfen, weil man nicht in der entsprechenden Position ist, und somit nichts bleibt als zuzusehen, wie andere sie versemmeln.

Um dir mal ein (reales) Beispiel zu geben: eine japanische Bekannte von mir, die mehrere Jahre in Korea gearbeitet hat und dementsprechend sprachliche und interkulturelle Kompetenzen besitzt, hat seit letztem Jahr, nachdem sie drei Jahre die Koreabeauftragte war, nun mit pflegebeduerftigen alten Menschen zu tun. Wenn sie Glueck hat, war das nur ein kurzer Ausflug und es geht wieder zurueck. Wenn nicht, gehts mit der naechsten Transferierung zur Bauvorschriftenabteilung.

Bitte versteh mich nicht falsch: unmoeglich ist nichts. Und wenn du es willst und alles dafuer tust, wird es einen Weg geben. Du solltest dir nur im Klaren sein, dass du vorhast durch ein 4 jaehrigen Studium inklusive einem einjaehrigen Austauschstudium (bitte korrigiere mich falls ich falsch liegen sollte) sprachlich auf das Level zu kommen, das andere in 20 Jahren durch aktives und passives Lernen erreicht haben.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.13 03:48 von global mind.)
17.01.13 03:30
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irgendwer


Beiträge: 198
Beitrag #27
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
Stimmt, wo ich globalminds Beitrag lese muss ich noch ergänzend zustimmen:

- Wenn Du nichts kannst (klingt jetzt ein bisschen gemein, aber...) nutzt man bei japanischen Firmen im Prinzip den gleichen Kram wie in Deutschland oder so auch. Man braucht halt ein Auswahlkriterium. Also Hesse/Schrader auf Japanisch. Setzen Sie diese Buchstabenreihe fort... oder so... :-)
- Wenn Du was kannst (sagen wir, Master in Ingenieurwissenschaften von Tohoku-dai, oder auch generell ein Masterabschluss) kann es sein, daß Du um einen solchen Eingangstest herumkommst.
- Manche (große) Firmen rekrutieren wie gesagt speziell Ausländer. Da kann man dann ebenfalls um solche Tests herum kommen. Das Augenmaß ist da aber eher in Richtung asiatische Ausländer.

Schlussendlich: Die Frage ist wirklich, ob Du in einer japanischen Firma am Anfang erst 'mal für 220.000 Yen Grundgehalt/Monat Bock hast, kräftig Dreck zu fressen. Das Leben als seishain ist nicht so rosig, selbst für Japaner.

Klingt alles sehr negativ, ich wünsche Dir trotzdem viel Glück. Lass' Dich nicht entmutigen, aber bleibe auch nie starr auf genau eine Sache fixiert, sondern nutze _alle_ Möglichkeiten, die sich in Japan ergeben.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.13 04:06 von irgendwer.)
17.01.13 04:02
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Reizouko


Beiträge: 634
Beitrag #28
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
Zwar ein etwas älteres Thema, aber wahrscheinlich für mehrere Interessant, also hol ichs mal wieder nach oben.

Bin jetzt seit ca. einem Monat in Japan und habe bisher folgende Erfahrungen mit dem Japanischen Arbeitsmarkt gemacht:
Bisherige Qualifikationen sind nur weitgehend irrelevant beim 新卒採用. Für alle Leute, die bereits ihren Abschluss gemacht haben (also keine Studenten oder Schüler mehr sind) ist das irrelevant. Es gibt zwar auch immer wieder Stellenanzeigen bei denen 未経験者歓迎 dabei steht, aber das ist eher die Ausnahme. In der Regel sind das dann aber auch Jobs für die nichtmal ein Uni Abschluss benötigt wird.

Schlussfolgerung: Wenn man "nichts kann" dann ist es verdammt schwer Arbeit zu finden.
02.04.13 14:57
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Woa de Lodela


Beiträge: 1.538
Beitrag #29
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
Also muss man sich bewerben, wenn man a) noch studiert oder b) nach dem Abschluss schon Erfahrungen hat? Direkt nach dem Abschluss geht nicht? Doof...
03.04.13 08:25
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Reizouko


Beiträge: 634
Beitrag #30
RE: "Job-Hunting" in Japan als Gaijin
Das mit dem "wenn man noch studiert" weiß ich nicht. Den normalen 就職活動 machen ja nicht viele Ausländer, wobei ich auch jemanden kenne, der so einen Job gefunden hat.
Was ich auch davor schon wusste aber jetzt anhand von der Realität im Arbeitsmarkt erneut feststelle ist, dass wenn man seinen Abschluss macht ohne einen Job zu haben man ein Problem hat, da der Arbeitsmarkt nicht für Leute ausgelegt ist, die einen Abschluss aber keinerlei Erfahrung haben. Ergo sucht man, was ja auch (fast) jeder Japaner macht, während der Schule/Uni schon Arbeit. Wer keine findet und trotzdem seinen Abschluss macht endet als Freeter und ich habe mal eine Statistik gesehen, dass etwa 50% der Leute dann auch ihr Leben lang Freeter bleiben, also keine feste Anstellung finden.

Als Ausländer ist das ganze schon ein bisschen anders. Kommt auch immer darauf an wo man sich bewirbt, etc. Bei japanischen Firmen z.B. (im Gegensatz zu internationalen Firmen) ist es wohl nicht die Regel, dass sich Ausländer bewerben und dann kommt es eben immer auf die Leute, die dort das sagen haben an, ob sie, ich nenne es mal "konservativ" sind und "ihr" System auch auf Leute anwenden, auf die es nicht wirklich zutrifft, oder ob ihnen bewusst ist, dass du als Nicht-Japaner völlig andere Voraussetzungen mit der bringst (keine Jobsuche während dem Studium) als ein Japaner.

Neben der oben genannten Person kenne ich noch eine andere Person, die mehr oder weniger "normalen" 就職活動 gemacht hat und einen Job gefunden hat, und diese Person ist schon seit knapp 2 Jahren kein Student mehr (und hat keine Berufserfahrung, aber Praktikumserfahrung). Allerdings hat die Firma, bei der er bald anfängt, auch explizit nach Ausländern mit bestimmten Qualifikationen gesucht. In dem Fall war der Firma dann egal, ob er noch studiert oder nicht. Was ich sagen will: Es kommt immer darauf an, was die einzelnen Firmen suchen.

Ich persönlich gehe nicht die Route mit dem "normalen" 就職活動 (da gibt es ja zwei Saisons im Jahr und man fängt entweder im Oktober oder April an zu arbeiten) sondern suche nach Jobs die unabhängig davon sind, die man immer anfangen kann bzw. dann, wenn die Firma eben jemanden braucht. Also im Prinzip ist das die Route, die Leute gehen (können), die kein Glück beim 就職活動 hatten und als Freeter dastehen, aber trotzdem eine feste Anstellung wollen.

Ist alles irgendwie ziemlich kompliziert und ich kann es nicht so gut in Worte fassen. Hoffe es ist ansatzweise verständlich.

Die einfachste Methoden an einen Job zu kommen ist wenn man sich als ALT (Assistant language teacher) bewirbt. Da langt meistens einfach nur ein Bachelor als Voraussetzung.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.04.13 09:13 von Reizouko.)
03.04.13 09:10
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"Job-Hunting" in Japan als Gaijin
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