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verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
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Bitfresser


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Beitrag #11
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Zitat:
Zitat:Und wenn bei einem Gewaltverbrechen der Täter deshalb schnell gefunden wird, ist das doch eher positiv!

Manche Leute versuchen, Lösungen zu finden.
Wie meinst Du das?

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10.03.06 15:56
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filter


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Beitrag #12
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Antonio meint wahrscheinlich, daß es wohl besser ist, die Verbrechen zu verhindern, als jeden ohne Ausnahme zu kriminalisieren. Das gleiche Schema betreibt z.B. auch die Film- und Musikindustrie mit den Leuten, die BEZAHLEN dafür daß sie ins Kino gehen und sich trotzdem noch wie ein Verbrecher fühlen, wenn die Spots vor dem Film kommen.
Beispiel Japan:
Ich war im letzten Jahr für 5 Wochen an der Chuo-Universität. Dort hingen überall Plakate auf denen es hieß: "Stop sexual harassment!" und ein Text darunter. Was mir nun selbst zuerst überhaupt nicht auffiel war, daß das Plakat komplett in Englisch gehalten war. Wer den einen oder anderen Japaner kennt, weiß daß das Lesevermögen bezüglich Romaji unter den Japanern häufig recht dürftig ist. Ergo: das Plakat richtet sich an MICH! An den bösen Ausländer, der dort die japanischen Frauen begrabscht. Das ist genau daß, was ich mit der latenten Kriminalisierung von Ausländern meine. Im Zweifelsfall wird dann einfach mal geschaut wo denn der nächste Gaijin war, als die arme Frau belästigt wurde.
10.03.06 16:40
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Bitfresser


Beiträge: 1.702
Beitrag #13
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Zitat:Im Zweifelsfall wird dann einfach mal geschaut wo denn der nächste Gaijin war, als die arme Frau belästigt wurde.
Davon spreche ich ja die ganze Zeit. Aber in der Grundnaivität einiger Menschen dieser Erde wird Unvoreingenommenheit erst einmal als Grundsätzlichkeit dargestellt. Dem ist leider nicht so.

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10.03.06 17:00
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Anonymer User
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Beitrag #14
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Zitat:Ich war im letzten Jahr für 5 Wochen an der Chuo-Universität. Dort hingen überall Plakate auf denen es hieß: "Stop sexual harassment!" und ein Text darunter. Was mir nun selbst zuerst überhaupt nicht auffiel war, daß das Plakat komplett in Englisch gehalten war. Wer den einen oder anderen Japaner kennt, weiß daß das Lesevermögen bezüglich Romaji unter den Japanern häufig recht dürftig ist. Ergo: das Plakat richtet sich an MICH! An den bösen Ausländer, der dort die japanischen Frauen begrabscht.
Unsinn!!! Ich war dort ein Jahr als Austauschstudent und es hingen sehr viel mehr Plakate auf Japanisch zu diesem Thema rum. All die Veranstaltungen die es zu diesem Thema an der Uni gab waren auch ausnahmslos auf Japanisch! Das "sexual harassment" auf einigen Plakaten stand ist schlichtweg eine Frage des Designs! Man kann es auch echt uebertreiben mit dem "ich fuehle mich ja so diskriminiert in Japan"
Die wahrscheinlich einzige spuerbare Benachteiligung die 99% aller Einreisenden durch die Kontrollen haben werden sind die langen Wartezeiten am Flughafen. Womit ich nicht sagen will das ich so einen Unsinn unterstuetze, ich habe auch durchaus Verstaendniss fuer die Bedenken einiger hier, aber kuenstliches Aufplustern halte ich fuer genauso verwerflich grr

Atze
10.03.06 20:38
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Bitfresser


Beiträge: 1.702
Beitrag #15
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Zitat:... aber kuenstliches Aufplustern halte ich fuer genauso verwerflich grr
Das künstliche Aufplustern kommt daher, dass man nichts dagegen machen kann. Als das Amerika eingeführt hat, bin ich einfach nicht mehr über den Teich geflogen. Aber in Japan habe ich grundsätzlich keine Alternative (privat gesehen).

Nun, dass Japan kein Palästina ist, in dem die Kinder teilweise dazu aufgefordert werden Steine nach westlich aussehenden Fremnden zu werfen (ist keine Aufplusterei sondern passiert wirklich) ist klar. Deshalb hat Du schon recht, man sollte das Ganze schon irgendwie ins rechte Licht rücken.
Aber ganz so unwahrscheinlich halte ich diese Sache, die "Vincent Filter" da anbringt auch nicht. Immerhin gibt es genug Belege dafür, wie minderwertig Ausländer, Ainus und andere Randgruppen in Japan behandelt werden. Nur weil wir als Europäer einen "etwas besseren Stand" ind Japan haben, heisst das noch lange nicht, dass Japan zu allen Ausländern so freundlich und unvoreingenommen ist.

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10.03.06 21:59
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shinobi


Beiträge: 920
Beitrag #16
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Ich weiß nicht, was die ganzen Argumentationen contra Speicherung der Fingerabdrücke soll.
Gespeichert ist man als Gaijin sowieso: Man weiß, dass man im Land ist und wo. Will man einem etwas ungerechtfertigt anhängen, braucht man keine Fingerabdrücke.

bittfresser:
Zitat: Es ist halt viel einfacher Dich einzukassieren.
Inwiefern ist es dann einfacher??? Das ist unlogisch.

Zitat: Im Zweifelsfall wird dann einfach mal geschaut wo denn der nächste Gaijin war, als die arme Frau belästigt wurde.
Das ist doch völlig an den Haaren herbeigezogen!

Entspringen diese Sätze der individuellen paranoiden Überlegungen, wurde dies "irgendwo gehört/gelesen" oder habt ihr Ähnliches konkret erlebt?
11.03.06 00:41
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Anonymer User
Gast

 
Beitrag #17
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Zitat: Immerhin gibt es genug Belege dafür, wie minderwertig Ausländer, Ainus und andere Randgruppen in Japan behandelt werden. Nur weil wir als Europäer einen "etwas besseren Stand" ind Japan haben, heisst das noch lange nicht, dass Japan zu allen Ausländern so freundlich und unvoreingenommen ist.

Ich verstehe zwar (oder glaube es zu verstehen) was Du sagen willst, aber trotzdem muss ich ein bisschen rumnoergeln.
Zuallererst, was bedeutet "Japan" in Deinem Post? Das Staatsgebilde "Japan", eine Anzahl von Inseln im Pazifik mit ihren geographischen und klimatischen Eigenschaften, das japanische Volk in seiner Gesamtheit, eine gewisse Clique Politiker mitsamt ihrer Klientel, Dein persoenlicher Eindruck vom Land? So wie es jetzt dasteht ist es eine unzulaessige Verallgemeinerung, die Deine Aussage sehr leicht angreifbar macht. Das gleiche gilt fuer die "minderwertigen Behandlungen". Auch hier lassen sich ebenso genug Gegenbeispiele finden, z.B. wurde der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai sehr viel Respekt und Hochachtung waehrend ihres Japanaufenthaltes entgegengebracht. Sie ist sogar die Begruenderin einer ganzen Bewegung. Natuerlich ist sie ein Sonderfall, aber ich denke nicht, dass sich jeder indische Computerspezialist in Japan unterdrueckt und diskriminiert fuehlt. Oder man denke nur mal an "Yonsama"(wie schreibt man den in lat. Buchstabenkratz ) und den Koreaboom in letzter Zeit. Wenn Unterdrueckung, dann richtet sie sich meiner Meinung nach in den meisten Faellen (Aussagen mit 100%er Gueltigkeit gibt es hierbei natuerlich nicht) weniger nach dem Herkunftsland, sondern vielmehr nach der sozialen Stellung eines jeden Einzelnen. Ich bin zwar kein Spezialist in Sachen Ainu, denke aber das dieses "Problem" auch oft auf unzulaessige Weise thematisiert wird. Ganz sicher hatten die Ainu seinerzeit ihre Probleme mit dem Matsumae-Clan (und er mit ihnen) und auch bei der Besiedlung Hokkaidos wird man sich wenig um Menschenrechte und Minderheitenschutz geschert haben. Aber als ein Beispiel von heutiger Benachteiligung von Randgruppen in (ganz) Japan ist es m.M.n. unzulaessig.

Eine andere Frage ist, was man unter "Diskriminierung" versteht. Werden nicht auch sehr viele Japaner von ihrem Chef diskriminiert? Sicher wird einem als Auslaender in Japan oft eine andere Behandlung zuteil als einem Japaner in der selben Situation. Und manchmal wird das einem auch sauer aufstoßen. Aber dafuer gibt es die vielfaeltigsten Gruende und in den seltensten Faellen, so jedenfalls meine persoenliche Erfahrung, steckt dahinter Auslaenderfeindlichkeit. Das es diese trotzdem gibt, oft einhergehend mit einem stark ausgepraegten Nationalismus, steht außer Frage, als Filmempfehlung dazu waere z.B. "Go" von Yukisada Isao zu nennen, der die Probleme der "zainichikankokujin" zum Thema hat. Aussagen der Art "Japan ist auslaenderfeindlich" finde ich aber viel zu einfach. Man koennte dann genausogut sagen "Die ganze Welt ist auslaenderfeindlich".

Was die verschaerften Einreisebestimmungen angeht halte ich sie fuer Stimmungsmache und Aktionismus von mir oefters unangenehm auffallenden politischen Gruppierungen. Ein Beleg fuer ein generell auslaenderfeindliches Land sind sie nicht. Zwar wohne ich momentan nicht in Japan, trotzdem denke ich das es auch viele Gegner dieser Bestimmungen gibt. Das sie in Kraft treten werden, davon ist auszugehen, wie lange sie aufrecht gehalten werden steht auf einem anderen Blatt.

Atze

P.S. 長くなったなぁ huch
11.03.06 01:25
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Bitfresser


Beiträge: 1.702
Beitrag #18
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Zitat:長くなったなぁ huch
いろいろ教えてありがとう。

Ich glaube auch, dass es falsch wäre sich einfach auf den Standpunkt zu stellen Japan sei ausländerfeindlich. Ich habe einfach 2 Gründe, warum ich so emotional reagiere:
1. Ich habe keine Möglichkeit diese Datenerfassung zu umgehen, zumindest nicht ohne ein privates Chaos anzurichten.
2. Ich weiss aus privater Erfahrung wie schwer es ist, wenn man in Japan in Verdacht gerät. Ich selbst hab zwar noch nicht auf einer Polizeiwache gesessen, aber dafür einige Bekannte (Japaner). Und bei solchen "Verhören" kann es richitg rund gehen. Natürlich halten Japaner auch die Menschenrechte ein und verprügeln nicht einfach so ein paar Verdächtige um Geständnisse zu erhalten aber ich möchte trotzdem nicht in so einer Situation stehen.

Ich bin der Meinung eine solche Datenerfassung hilft dabei Verdächtige in die Beweispflicht zu zwingen.

PS: Das der Sonderstatus "Ausländer" auch seine guten Seiten hat, hab ich im Laufe dieser Diskussion ehrlich gesagt ein bischen verdrängt. Aber er wird leider meist nur Nichtasiaten zuteil, meine ich.

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11.03.06 11:13
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #19
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Ich finde gut, dass Atze die Sache ein bisschen relativiert und in ein sachlicheres Licht gerückt hat. Fakt ist trotzdem, dass die japanische Administration mit personenbezogenen Daten noch sorgloser umgeht als die deutsche. Es gibt in der dortigen Bevölkerung aber anscheinend durchaus ein wachsendes Bewusstsein für die Problematik. Und Kritiker dieses Umgangs mit sensiblen Daten. Leider habe ich auch durch Befragen von Japanern und Googeln immer noch nicht herausbekommen, was aus diesen Chipkarten geworden ist:

http://www.123recht.net/article.asp?a=3226

Weiß da jemand mehr? Hier der volle Wortlaut der Meldung vom 05.08.2002 (falls der Link wieder hops geht):

Japan: Bürger werden zur Nummer

Im Land des Lächelns soll von dieser Woche an jeder Bürger mit einer Nummer versehen und mit seinen personenbezogenen Daten zentral erfasst werden. Wie die Süddeutsche Zeitung diesen Montag meldete, hebt Japans Regierung mit dem Gesetz die Vorteile für die Verwaltung und eine "neue elektronische Ära" hervor. Bürger und Oppostion würden gegen das neue Gesetz allerdings Sturm laufen.

Persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Adresse sollen landesweit von Beamten abrufbar sein. Die Lokalbehörden erhoffen sich anscheinend eine massive Einsparung und eine Erleichterung der Bürokratie, da künftig der Ausdruck von Melde- und sonstigen Bescheinigungen in vielen Fällen entfalle.

Jeder Bürger erhalte außerdem eine Chipkarte, mit der die Krankendaten jedes Einzelnen offen gelegt und an einem Automaten ein neuer Pass beantragt werden könne, so die Süddeutsche. Gleichzeitig soll die Karte auch bei alltäglichen Geschäften benutzt werden können.

Kritiker sehen so den gläsernen Bürger realisiert, von dem Aufenthalts- und Persönlichkeitsprofile erstellt werden können.


Und ein anderer Link dazu: http://www.de.emb-japan.go.jp/presse/jb_..._0226.html

正義の味方
11.03.06 11:36
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shinobi


Beiträge: 920
Beitrag #20
RE: verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
Nette Diskussionen sind immer etwas Schönes.
Aber man kann Reden, ohne konkret zu werden.

Halten wir mal fest:

Wenn ich nach Japan (oder wie auch immer) reise, wird mein Pass registriert:
Man weiß, dass ich da bin, meinen Namen, Geburtstag, Tag der Einreise, evt. mein Foto, meine Adresse, Tag der Ausreise, in Zukunft vielleicht meine Fingerabdrücke.

Was hat das bitte mit Diskriminierung zu tun?
Nur, weil man jetzt spekulativ denkt: "Japaner denken, Gaijins sind potentiell böser als Japaner". Meine Güte ... wen interessiert das, was da ein paar japanische Holzköpfe sich dabei gedacht haben.

Was hat das bitte mit Verhörmethodiken zu tun?
Die ist, wie sie ist und ändert sich nicht die Speicherung weiterer Daten!

Achtung, das ist keine Diskussion "wie ausländerfeindlich ist Japan", sondern
"verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung".

So, und vielleicht kann mir jemand diese Fragen beantworten:

1) Welche konkreten Nachteile oder Einschränkungen habe ich, wenn in einer japanischen Datenbank meine Fingerabdrücke, Blutbild und sonst etwas steht?
2) Was ist unter "verschärfte Einreisebestimmungen" zu verstehen?
11.03.06 13:04
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verschärfte Einreisebestimmungen, verstärkte Datensammlung
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