Antwort schreiben 
Berufsaussichten für Japanologen
Verfasser Nachricht
Hachiko


Beiträge: 2.572
Beitrag #1
Berufsaussichten für Japanologen
Einleitung von Hellstorm:
Dieser Thread wurde aus dem Thread Wie viele Menschen lernen Japanisch? herausgelöst. Für den vorhergehenden Kontext bitte dort nachschauen.



Ursprünglicher Beitrag von Hachiko:

Unsere Uni beispielsweise bietet nur mehr Chinesisch-Kurse an, die sehr intensiv besucht werden, und hat den Japanisch-
Unterricht total eingestellt, da es sich aufgrund der immer weniger werdenden Interessenten nicht mehr lohnte einen
Lektor zu unterhalten.
Wie es an anderen Hochschulen aussieht, entzieht sich meiner persönlichen Kenntnis, dürfte sich aber in diesem Rahmen
bewegen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.07.13 11:04 von Hellstorm.)
13.07.13 09:16
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
dieLegende


Beiträge: 118
Beitrag #2
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
Das ist interessant weil in Bonn ist die Japanologie noch um ein gutes Stückchen größer als die Sinologie, wobei das auch nur durch die ganzen Manga und Anime Leutchens zustande kommt... Ich frage mich eh seit Jahren was Comics und Japanisch für einen Zusammenhang haben, ich hoffe das hört irgendwann mal auf, weil es echt anstrengend ist -.-

(Sorry für diese persönliche Anmerkung, aber ich bekomme bei solchen Leuten immer einen Hals. Ich studier doch auch nicht Anglistik weil ich Donald Duck Comics mag oder?!^^)

*offtopic-ende*
13.07.13 11:57
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Hellstorm
Moderator

Beiträge: 3.897
Beitrag #3
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
Naja, das sehe ich persönlich nicht mal als Problem an. Viele Leute kommen halt durch irgendeinen Grund zu einer Sprache. Früher hat man Englisch gelernt, damit man Videospiele besser versteht zwinker

Das Problem ist nur eher, dass sie direkt Japanologie studieren. Das liegt aber, so denke ich, vor allem an den folgenden Gründen:

1. Die Leute wissen nicht, was Japanologie überhaupt ist.
2. Sie wissen nicht, wo man woanders vernünftig Japanisch lernen könnte, bzw., dass sie es auch ohne Japanologie-Studium lernen könnte.

und vor allem, der größte Punkt (meine persönliche Meinung):
3. Die betreffenden Personen wollten halt „irgendwie mal was studieren“, und da sie sich für Anime und Manga interessiert haben, kam dann halt so etwas bei heraus. Wahrscheinlich hatten sie keine anderen Interessen in der Schule.

Besonders der dritte Punkt wird wohl nicht zu klein sein. Ich kenne einige Anime-/Manga-Fans, die aber auch noch andere Interessen hatten. Die haben dann eben Chemie o.ä. studiert, aber kein Japanologie.

やられてなくてもやり返す!八つ当たりだ!
13.07.13 12:10
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
dieLegende


Beiträge: 118
Beitrag #4
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
Da hast du wohl Recht...

Ich habe jetzt nur die Angst, dass nachdem, vor allem hier in NRW, jetzt ein flächendeckender NC eingeführt worden ist, und Gerüchten zufolge die Zulassungen auf ein Drittel!! reduziert werden sollen, dass bald nur noch unengagierte Mangafans in den Japanischkursen sitzen und den kompletten Studiengang ruinieren. Denn was ich vor allem hier erlebe ist, dass die, die sich in der Schule für wenig begeistern konnten, und ein dementsprechend nicht allzu tolles Abi haben, jetzt im Japanisch/Japanologie-Studium richtig aufblühen. Und die (ich würde ebenfalls zu dieser Fraktion gehören) haben bald keine Chance mehr dieses (wunderschöne) Fach zu studieren... :-/
14.07.13 01:03
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Reizouko


Beiträge: 634
Beitrag #5
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
(13.07.13 12:10)Hellstorm schrieb:  3. Die betreffenden Personen wollten halt „irgendwie mal was studieren“, und da sie sich für Anime und Manga interessiert haben, kam dann halt so etwas bei heraus. Wahrscheinlich hatten sie keine anderen Interessen in der Schule.

Das war auch bei mir ein entscheidender Faktor warum ich mich letztendlich für Japanologie entschieden habe, neben der Tatsache dass ich eigentlich Philosophie studieren wollte und Japanologie nur als Nebenfach, aber dann nach einigen Komplikationen dank Magister/Bachelor es doch andersrum gewählt hab bzw. keine andere Wahl hatte. Ich hatte mein Abi und wusste nichts mit meinem Leben anzufangen...Also dachte ich, dass ich 'einfach irgendwas' studiere und kam auf die oben genannte Fächerkombination. Im nachhinein finde ich es so besser. Philosophie Studium war meiner Meinung nach extrem langweilig. Auf Japan bzw. Japanologie kam ich zwar nicht durch Anime und Manga, aber ich kann schon zu einem gewissen Grad verstehen warum gerade solche Leute Japanologie studieren und ich finde es auch nicht schlimm solange sie nicht verblendet an das Studium rangehen d.h. sich (grob) darüber bewusst sind, was ein Japanologie Studium überhaupt ist. Irgendwie muss man ja anfangen sich für etwas (in diesem Fall Japan) zu interessieren und in der westlichen Welt ist Anime und Manga von allen Dingen, die aus Japan kommen und die es hier auch gibt, am weitesten verbreitet.
14.07.13 02:02
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Woa de Lodela


Beiträge: 1.538
Beitrag #6
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
(14.07.13 01:03)dieLegende schrieb:  Ich habe jetzt nur die Angst, dass nachdem, vor allem hier in NRW, jetzt ein flächendeckender NC eingeführt worden ist, und Gerüchten zufolge die Zulassungen auf ein Drittel!!

Ach, da werden dann doch so gut wie alle zugelassen. So hoch wird der nicht sein bei Japanologie. Ein Drittel, glaube ich nicht. Dann macht das ja fast keiner mehr und die können alle dicht machen. Allerdings denke ich schon, dass es heute wesentlich mehr studieren als noch vor 10, 15 Jahren.

Zitat:reduziert werden sollen, dass bald nur noch unengagierte Mangafans in den Japanischkursen sitzen und den kompletten Studiengang ruinieren. Denn was ich vor allem hier erlebe ist, dass die, die sich in der Schule für wenig begeistern konnten, und ein dementsprechend nicht allzu tolles Abi haben, jetzt im Japanisch/Japanologie-Studium richtig aufblühen. Und die (ich würde ebenfalls zu dieser Fraktion gehören) haben bald keine Chance mehr dieses (wunderschöne) Fach zu studieren... :-/

Das glaube ich auch nicht. Vielleicht wollen sie ja auch unbedingt Japanologie studieren und sind deshalb schon im Abi engagierter (und bekommen auch deshalb bessere Noten). Merkwürdige Logik... Leute mit besseren Schulnoten = schlechtere Japanologiestudenten.

Zitat:Philosophie Studium war meiner Meinung nach extrem langweilig.

Damit kann man vor allem noch weniger machen als mit Japanologie. (Schreibt man übrigens zusammen, ganz wichtig.) Davon kann ich nur dringend abraten. Es gibt in der Philosophie so intelligente Menschen, die dort ihr Talent und ihre Lebenszeit vergeuden und später keinen Job finden.

Leute, ich wünsche euch viel Glück bei all euren Vorhaben und kann auch absolut verstehen, wieso man das studieren will, aber ich würde es nicht mehr studieren. Was wollt ihr denn werden? Selbst Japanologie-Professoren sagen unter vorgehaltener Hand, dass man als Japanisch-Übersetzer heute nicht mehr seinen Lebensunterhalt bestreiten könne (und letzteres können die meisten eh nicht werden, dazu gehört dann noch einiges mehr als nur Japanologie studiert zu haben).

Ach so, zum Thema: Heute wird mehr Chinesisch gelernt (chinesische Nanny usw.). Ist ja sooo wichtig. Glaubt man der Tagespresse, geht es mit der chinesischen Wirtschaft wieder bergab... was kommt als nächstes?

Sind es tatsächlich wirtschaftliche Beweggründe, die einen veranlassen, eine Sprache zu lernen, sollte man sich einmal die Außenhandelsstatistik zu Gemüte führen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.07.13 09:50 von Woa de Lodela.)
14.07.13 09:41
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
cat


Beiträge: 872
Beitrag #7
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
(13.07.13 11:57)dieLegende schrieb:  Das ist interessant weil in Bonn ist die Japanologie noch um ein gutes Stückchen größer als die Sinologie, wobei das auch nur durch die ganzen Manga und Anime Leutchens zustande kommt... Ich frage mich eh seit Jahren was Comics und Japanisch für einen Zusammenhang haben, ich hoffe das hört irgendwann mal auf, weil es echt anstrengend ist -.-

(Sorry für diese persönliche Anmerkung, aber ich bekomme bei solchen Leuten immer einen Hals. Ich studier doch auch nicht Anglistik weil ich Donald Duck Comics mag oder?!^^)

*offtopic-ende*

Was berechtigt dich, japanisch studieren zu dürfen? Wie rechtfertigst du deine Erhabenheit gegenüber den Mangafans?
14.07.13 10:27
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
dieLegende


Beiträge: 118
Beitrag #8
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
@Woa: ich hätte "glaubwürdige" vielleicht vor die Gerüchte setzen sollen..
Außerdem darfst du die Aussage bezüglich der Noten nicht umdrehen.
Alles was ich bzgl. des Studiums von mir gebe basiert auf Erfahrungswerten, und zumindest bei uns ist es nunmal so, dass die, welche ein besseres Abi haben (in der Regel, aber natürlich nicht immer) zu einem Großteil diese "ich studier mal irgendwas" Studenten sind, und die, die in der Schule konsequent nichts gemacht haben, jetzt mit vollem Herzen dabei sind und top Leistungen erzielen (und vor allem konsequent lernen).

@cat: das ist relativ leicht zu erklären. Ich bin fleißig! Ich lerne jeden Tag abseits von Tandem und Unterricht meine 5-6 Stunden. Und genau das tun meine "Manga-Kommilitonen" nicht. Sie sind, ohne eine einzige Ausnahme die ich kennen würde, unglaublich faul, behindern den Unterricht, weil sie einfach nichts können, und fangen an zu gackern sobald irgendwo eine Referenz zu einem Anime/Manga, etc zu sehen ist.
Ich hoffe du kannst verstehen warum ich mittlerweile so frustriert bin und im Laufe der Zeit solche extremen Antipathien entwickelt habe...
14.07.13 11:12
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Woa de Lodela


Beiträge: 1.538
Beitrag #9
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
(14.07.13 11:12)dieLegende schrieb:  @Woa: ich hätte "glaubwürdige" vielleicht vor die Gerüchte setzen sollen..
Außerdem darfst du die Aussage bezüglich der Noten nicht umdrehen.

Na ja, es gibt ja schon Japanologie-Studiengänge mit NC. Da werden hinterher dann doch alle zugelassen, oder der NC liegt dann bei 3,3 oder so. Und Gerüchten an der Uni sollte man mit Vorsicht begegnen. Viele wissen ja nicht einmal, was ein NC überhaupt ist.


Zitat:Ich bin fleißig! Ich lerne jeden Tag abseits von Tandem und Unterricht meine 5-6 Stunden.

So ist es richtig, weiter so. Die meisten können hinterher leider überhaupt kein Japanisch. Ist wirklich schade, wenn man nicht einmal das kann. Deine Lernzeit ist realistisch. Mal kurz morgens 30 Minuten Anki ist definitiv zu wenig.
14.07.13 13:02
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Hellstorm
Moderator

Beiträge: 3.897
Beitrag #10
RE: Wie viele Menschen lernen Japanisch ?
(14.07.13 09:41)Woa de Lodela schrieb:  Leute, ich wünsche euch viel Glück bei all euren Vorhaben und kann auch absolut verstehen, wieso man das studieren will, aber ich würde es nicht mehr studieren. Was wollt ihr denn werden? Selbst Japanologie-Professoren sagen unter vorgehaltener Hand, dass man als Japanisch-Übersetzer heute nicht mehr seinen Lebensunterhalt bestreiten könne (und letzteres können die meisten eh nicht werden, dazu gehört dann noch einiges mehr als nur Japanologie studiert zu haben).

Wobei ich so eine ähnliche Diskussion in einem anderen Forum schon mal hatte. Dort meinte ich auch, dass man doch lieber etwas „sinnvolles“ studieren sollte, wurde da allerdings sehr niedergemacht, in dem Sinne dass Uni eben nicht nur ein Ausbildungsbetrieb ist (Da sollte man dann vielleicht eher einfach eine berufliche Ausbildung machen). Auch einige Gespräche mit meinen Japanologie-Kumpeln haben mir gezeigt, dass die Leute (die teilweise sogar schon lange arbeitslos sind – super Studium kann ich da nur sagen hoho) teilweise gar nicht unglücklich damit sind. Die wollen halt oft nicht unbedingt so viel Geld verdienen, sondern sind eher am Fach interessiert, bzw. es macht ihnen Spaß, etwas beizubringen o.ä., was sie dann mit einigen unregelmäßigen Nebenjobs in der VHS oder Museen aufbessern.

Das Problem ist halt nur, dass das vielleicht als Alleinstehender ohne großartigen Anspruch ans Leben funktioniert (Nichts gegen so eine Lebensführung), aber an z.B. eine Familie ist da wohl kaum zu denken.

Ich glaube, bei Geisteswissenschaften ist oft das Problem, dass sich die Leute nicht abseits dieser Sachen weiterbilden, und das auch nicht von der Uni gefördert/erzwungen wird. Ich finde es ja schon z.B. krass, dass in der Japanologie z.B. gar kein Praktikum vorgeschrieben zu sein scheint – Obwohl das doch gerade für Japanologen wichtig ist. Es wäre doch im Grunde sehr sinnvoll, wenn die Studenten mal einige Berufserfahrung abseits dieser Rosa-Geisteswissenschaftler-Brille bekommen sollten.
Oder dass man auch im Studium als Wahlpflichtbereich einige methodischere Fächer als kleinerer Nebenschwerpunkt wählen müssen sollte: Ein wenig BWL, etwas Informatik, irgendetwas mathematisches... Wobei da wahrscheinlich sehr viele Japanologiestudenten gnadenlos versagen würden hoho
Umgekehrt wünschte ich mir bei Maschinenbauern z.B. auch, dass mal einige geisteswissenschaftliche Sachen zur Pflicht würden.

(14.07.13 11:12)dieLegende schrieb:  @cat: das ist relativ leicht zu erklären. Ich bin fleißig! Ich lerne jeden Tag abseits von Tandem und Unterricht meine 5-6 Stunden. Und genau das tun meine "Manga-Kommilitonen" nicht. Sie sind, ohne eine einzige Ausnahme die ich kennen würde, unglaublich faul, behindern den Unterricht, weil sie einfach nichts können, und fangen an zu gackern sobald irgendwo eine Referenz zu einem Anime/Manga, etc zu sehen ist.
Ich hoffe du kannst verstehen warum ich mittlerweile so frustriert bin und im Laufe der Zeit solche extremen Antipathien entwickelt habe...

Ja, doch, das Muster konnte ich auch sehen. Allerdings lichtet sich das Feld auch relativ schnell wieder, da diese Leute sehr schnell merken, dass die Uni vielleicht gar nichts für sie ist. Im 3. Jahr hast du da eigentlich keine derartigen Leute mehr sitzen (bzw. nur noch wenige). Das Problem ist nur irgendwie, dass für die ganzen Leute, die es schnell wieder aufgeben, zu Beginn halt sehr viel von den knappen Ressourcen aufgewendet werden muss. Allerdings hast du das Problem ja praktisch in jedem Studienfach. Was denkst du, wieviele Leute bei Maschinenbau abspringen, weil sie merken, dass sie es nicht schaffen?

Aber es ist echt blöd, dass die meisten Leute so unglaublich faul sind. Wenn man nicht wirklich einen sehr starken Eigenwillen hat, dann passt man sich leider dem übrigen Niveau an. Man wird ja wesentlich stärker mitgezogen, wenn die Umgebung auch gut Japanisch kann. Wenn die alle allerdings total schlecht sind, dann denkt man sich, dass das eigene mittelmäßige Niveau eventuell ausreicht.

やられてなくてもやり返す!八つ当たりだ!
14.07.13 13:13
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Berufsaussichten für Japanologen
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema: Verfasser Antworten: Ansichten: Letzter Beitrag
Berufsfelder für Japanologen shijin 0 897 09.07.04 16:23
Letzter Beitrag: shijin