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Kanji finden / SKIP-Methode
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Beitrag #41
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Zitat:Die mit der japanischen Sprache befassten Personen bilden eine Pyramide mit breiter Basis: Die schmale Spitze der Pyramide zeigt, dass nur ganz wenige – konkreter: von 100 Anfängern vielleicht einer – ein Niveau erreichen, das ihnen erlaubt, einsprachige japanische Wörterbücher (Kan-Wa jiten) zu benutzen. Für die Masse ist sogar das "Japanisch-deutsche Zeichenwörterbuch" zu umfangreich, und ganz wenige benötigen das Langenscheidtsche Großwörterbuch. Es interessiert diese vielleicht 99% der Lernenden doch überhaupt nicht, wie einsprachige japanische Wörterbücher ordnen. Was ist dabei verwirrend, wenn Kanji-Lernenden auf verschiedenen Niveaus japanisch-deutsche Hilfsmittel zur Verfügung stehen? Es ist doch absurd, einem Anfänger vom einem guten Wörterbuch abzuraten, nur weil er später, falls er Profi-Niveau erreichen sollte, evtl. auf ein anderes System umsteigen soll. Mit einem solchen Abraten – jedenfalls mit der genannten Begründung - und nur damit, verwirrt man Anfänger.

Ich rate niemandem ab, das Hadamitzky zu benutzen. Für diejenigen, die Probleme mit der englischen Sprache haben, ist es die einzig sinnvolle Alternative. Weiterhin ist es auch zutreffend, dass nur wenige Japanisch-Lerner jemals ein einsprachiges Lexikon benutzen werden. Nur sollte der Lerner, der bisher nur mit dem „gekürzten“ Radikalsystem gearbeitet hat, doch mal gezwungen sein, ein einsprachiges Lexikon zu verwenden – ich denke da z.B. an Japanologen vor der Zwischenprüfung, die man durchaus noch als Anfänger bezeichnen kann – wird er mit der Umstellung Probleme bekommen. In meiner Studienzeit habe ich das sehr oft miterlebt. Es mag wohl das Versäumen der Betreffenden sein, das 214-System nicht auch gleich gelernt zu haben, das steht jedoch nicht zur Debatte. Es geht mir hier weder um eine Bewertung noch um eine Diskussion über die theoretischen Implikationen des Hadamitzkyschen Radikalsystems, sondern rein um praktische Aspekte, die, um das einzuschränken, nur für eine best. Gruppe von Lernern relevant sind.


Zitat:An diesen Werken haben auch andere wie Mark Spahn usw. mitgearbeitet. Aber das ist ohnehin egal, denn meine Bemerkung bezog sich lldiglich auf die Aussage von bikkuri "Weiterhin ist das Hadamitzky-System nur mit diesem Wörterbuch anwendbar", und genau das stimmt einfach nicht. Nur das sollte richtig gestellt werden.

Zugegeben eine Ungenauigkeit meinerseits. Mea Culpa. Für mich gehören diese Bücher eben alle zu einer Familie.
09.08.05 14:33
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hara


Beiträge: 7
Beitrag #42
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Zitat: Ich rate niemandem ab, das Hadamitzky zu benutzen. Für diejenigen, die Probleme mit der englischen Sprache haben, ist es die einzig sinnvolle Alternative.
Ich würde die Debatte gern entpersonalisieren, denn es geht hier schließlich nicht um Personen, sondern um Überlegungen dazu, welches Kanji-Wörterbuch für welchen Zweck zu empfehlen ist. Deswegen ziehe ich es vor, vom 214-Radikale-System, vom 79-Radikale-System und SKIP-System zu spechen.
Das mit der "Alternative" scheint mir andersherum korrekter. Formulierungsvorschlag: "Für das Sprachenpaar Japanisch-Deutsch gibt es zwei Zeichenwörterbücher: eins für Anfänger und eins für Fortgeschrittene und Profis. Als Alternative gibt es japanisch-englische Kanjiwörterbücher". Einverstanden? Bei Bedarf könnte man dann jeweils auf die Stärken und Schwächen eingehen oder die Titel angeben und z.B. auf die Rezensionen in Amazon.de verweisen, in denen Leute von ihren Erfahrungen bei der Arbeit mit den einzelnen Wörterbüchern berichten.
Auch wer keine Probleme mit dem Englischen hat, wird deutsche Übersetzungen häufig schon deshalb bevorzugen, weil das Problem oft gar nicht im Verstehen besteht, sondern darin, auf das passende deutsche Wort zu kommen.


Zitat: Nur sollte der Lerner, der bisher nur mit dem „gekürzten“ Radikalsystem gearbeitet hat, doch mal gezwungen sein, ein einsprachiges Lexikon zu verwenden – ich denke da z.B. an Japanologen vor der Zwischenprüfung, die man durchaus noch als Anfänger bezeichnen kann – wird er mit der Umstellung Probleme bekommen.
Warum wird bei der Zwischenprüfung die Verwendung eines einsprachigen Wörterbuchs erzwungen? Was findet man dort, das man in zweisprachigen Wörterbüchern nicht findet? Ist der Lehrkörper vielleicht zu alt und konservativ? Jedenfalls wäre es etwas merkwürdig, wenn man das historsche 214er-System nur deshalb lernen sollte, damit Prüfer befriedigt weden, die der Meinung sind, das haben wir schon immer so gemacht, also bleibt es dabei! Bei einer Prüfung kann es doch nur darum gehen, bestimmte Fertigkeiten zu prüfen. Mit welchem Wörterbuch jemand seine Zeichen und Komposita findet, ist doch völlig egal, oder?
Welche anderen Beispiele außer Uni-Elfenbeinturm gibt es, die es nahelegen, das (unlernbare, weil lexikgrafisch unsinnige) 214-System zu lernen?

Zitat: Es geht mir hier weder um eine Bewertung noch um eine Diskussion über die theoretischen Implikationen des Hadamitzkyschen Radikalsystems, sondern rein um praktische Aspekte
Da sind wir uns ja einig.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.08.05 17:02 von hara.)
09.08.05 16:54
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #43
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Zitat:Warum wird bei der Zwischenprüfung die Verwendung eines einsprachigen Wörterbuchs erzwungen? Was findet man dort, das man in zweisprachigen Wörterbüchern nicht findet? Ist der Lehrkörper vielleicht zu alt und konservativ? Jedenfalls wäre es etwas merkwürdig, wenn man das historsche 214er-System nur deshalb lernen sollte, damit Prüfer befriedigt weden, die der Meinung sind, das haben wir schon immer so gemacht, also bleibt es dabei! Bei einer Prüfung kann es doch nur darum gehen, bestimmte Fertigkeiten zu prüfen. Mit welchem Wörterbuch jemand seine Zeichen und Komposita findet, ist doch völlig egal, oder?
Welche anderen Beispiele außer Uni-Elfenbeinturm gibt es, die es nahelegen, das (unlernbare, weil lexikgrafisch unsinnige) 214-System zu lernen?
Das ist Unsinn. Es geht hier nicht um die Radikal-Systeme und möglicherweise konservatives Gedankengut der Prüfer, die du mit deiner Begriffswahl des "Uni-Elfenbeinturm"es gleich mal flächendeckend diffamierst, sondern darum, daß ein jap. kanwa jiten nunmal einsprachig japanisch ist, Nelson, Hadamitzky (sorry, ich benutz weiter die Namen, die sind für mich so eingebürgert wie die green goddess) und dergleichen hingegen zweisprachig. Und Japanologen sollten in der Lage sein, mit japanischsprachigem Material gut umzugehen, daher werden in solchen Prüfungen normalerweise nur einsprachige Wörterbücher (also kokugo und kanwa jiten) erlaubt. Gäbe es ein einsprachig japanisches Zeichenlexikon nach dem Hada-System, dürfte es den Prüfern wohl ziemlich egal sein, ob nun dieses benutzt wird oder eines, welches dem 康煕字典 folgt.

Anders gesagt: Wie jemand in einer Prüfung ein Kompositum etc. findet, ist zweitranging. Wichtig ist, daß der Prüfling in der Lage ist, ohne seine Muttersprache oder sonstige "Hilfssprachen" wie Englisch auszukommen. Das soll unter anderem geprüft werden. (Das ist übrigens auch in der Schule oder an der Uni in anderen Philologien nicht großartig anders. Parallel zu obiger Situation dürfen Anglisten z.B. zwar einsprachig englische Wörterbücher verwenden, jedoch keine zweisprachigen wie engl.-dt. etc.)

Dann noch zu deiner Frage "Was findet man dort, das man in zweisprachigen Wörterbüchern nicht findet?". Vergleiche mal die zweisprachigen Wörterbücher oder Zeichenlexika mit kokugo bzw. kanwa jiten. In der Regel ist bei letzteren der Informationsgehalt und oftmals auch Präzisionsgrad höher, viele Sachen lassen sich den ganzen dt./engl. Werken gar nicht entnehmen. (Zudem ist die Zielsetzung der jap. kanwa jiten und der westlichen Zeichenlexika eigtl. ausnahmslos verschieden.)


Angura
09.08.05 17:25
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Ma-kun
Administrator

Beiträge: 2.020
Beitrag #44
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Zitat: Uni-Elfenbeinturm..., diffamierst..., Unsinn...

Vielleicht seid Ihr ja schon dabei, die Situation deeskalierend zu lesen. Wenn ja, entschuldigt bitte mein Einmischen.
Ich finde das hier bisher eine sehr interessante Diskussion, auch wenn das Für und Wider zwischen dem traditonellen und dem von Hadmaitzky und Spahn entwickelten System eher ein Randgebiet ist. Ich möchte nur bitten, daß Ihr vielleicht mehr auf Euch zugeht. Jeder von Euch schreibt eigentlich interessante und gute Beiträge. Ich sehe keinen Unsinn sondern allerhöchstens Mißverständnisse.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.08.05 22:19 von Ma-kun.)
09.08.05 18:10
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #45
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Ok, wenn es möglicherweise eine Eskalation vermeiden kann: Man ersetze "Das ist Unsinn." aus meinem letzten Beitrag durch "Die wirklichen Gründe dafür sind anders." oder so. Auch wenn dies an der Bedeutung praktisch nichts ändert.

Ich kenne keinen Professor, Dozenten etc., der seinen Studenten den Gebrauch der Hadamitzky-Werke verweigert, bloß weil die älteren Semester zu ihrer eigenen Studienzeit mit dem Nelson/... gearbeitet haben. Zweisprachige Lexika (egal welcher Art) sind in universitären Prüfungen wie die o.g. nunmal nicht Standard und das meines Erachtens auch zu recht - siehe Erläuterung oben -, mit einem Boykott neu(er)er Systeme der Kanji-Klassifizierung oder dergleichen hat das allerdings nichts zu tun. De facto werden an einigen (allen?) Japanologien ja Kurse zu Hilfsmitteln etc. angeboten, in denen dann für gewöhnlich auch, d.h. natürlich neben anderen Werken, besagtes Zeichenlexikon vorgestellt wird.

Auf einen hoffentlich noch interessanten und produktiven Thread dann.


Angura
09.08.05 18:38
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hara


Beiträge: 7
Beitrag #46
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Ich kann auch ohne Elfenbeintürme leben und nehme das Wort zurück, auch weil ich erkannt habe, dass ich damit Leute verletze, und das war nicht beabsichtigt und ich bedaure es.
Dank an Anonymer User, denn er bestätigt die Aussage von bikkuri, dass man das 214-Radikale-System als Student lernen muss, damit man eine Prüfung besteht. Die Erklärung, dass das in anderen Philologien wie Anglistik bei Prüfungen auch so gemacht wird, geht an der Diskussion vorbei, in der bikkuri betont hatte, dass man bei der Zwischenprüfung noch sprachlicher Anfänger ist. Zumal es in der Anglistik keine fünf oder zehn Kanji gibt, die man nun ihrerseits alle nachschlagen muss, um den Artikel zum Stichzeichen zu verstehen (Schneeballeffekt), und selbst Anglisten im 1. Semester über Sprachkenntnisse verfügen, die i.d.R. besser sind als die von graduierten Japanologen.

Es bleibt der Eindruck, das Nachschlagen in Kan-Wa jiten in diesem frühen Stadium ist ein verbreiteter Selbstzweck. Das erinnert an Zeiten, als es in Schulen verboten war, Taschenrechner zu verwenden, damit die Schüler das Rechnen nicht verlernen. Seit langem hat man erkannt, dass es oft (nicht immer!) wichtiger ist, schnell zu einem Ergebnis zu kommen als wie. Wenn mir dazu der Begriff Elfenbeinturm einfiel, dann deshalb, weil es außerhalb der Uni-Prüfung wohl kaum eine Situation im wirklichen Leben (Übersetzung, wissenschaftliche Arbeit) gibt, an der man nicht ein zweisprachiges Wörterbuch parat hat, sondern nur ein Kan-Wa jiten. Ich habe noch nie Studenten mit einsprachigen Zeichenlexika unterm Arm angetroffen, aber schon viele mit zweisprachigen.
Dass Professoren, Dozenten usw. ihren Studenten ansonsten den Gebrauch bestimmter Wörterbücher verweigern, habe ich auch nicht andeutungsweise behauptet. Auch von Boykottbehauptungen kann ich meinem Beitrag nichts entdecken. Ich habe nicht einmal behauptet, ein bestimmtes Radikalsystem sei bei Prüfungen vorzuziehen, sondern mich lediglich gewundert, dass zu einem so frühen Zeitpunkt Studenten zur Benutzung einsprachiger Wörterbücher gezwungen werden.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.08.05 21:55 von hara.)
09.08.05 21:54
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #47
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Ich kann natürlich nicht wissen, was in den verschiedenen Japanologien in Zwischenprüfungen gefordert wird, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß ein durchschnittlich guter Student darin erstmal 20 Zeichen nachschlagen muß. Die Anforderungen werden wohl kaum allzu hoch sein in dieser Hinsicht. Und selbst wenn man irgendwelche Zeichen nachschlagen muß: In den gängigen einsprachigen kanwa jiten - auch in denen, die sich (mehr oder minder) nach der traditionellen Einordnung richten - gibt es ja durchaus auch Anhänge mit nach Strichzahlen und Lesungen geordneten Zeichenlisten, insofern muß man nicht über den Radikal-Weg suchen.

Das 214-Radikale-System erlernen kann man letztlich sowieso nicht wirklich. Ich weiß, daß es hier und da verlangt wird (nicht nur in der Japanologie, auch in anderen Disziplinen, die mit dem 漢字圏 zu tun haben), daß man irgendwelche Radikalnummern immer parat hat und zu den gelernten Zeichen auch das Radikal (+Nr.) nennen kann und dergleichen, aber darin kann ich kaum einen Sinn erkennen. Wenn ich ein Zeichen sowieso kenne, brauche ich es entweder eh nicht nachschlagen oder kann es (bei Komposita-Suchen oder so) auch über seine Lesung(en) etc finden. Und wenn ich ein Zeichen nicht gelernt habe, kann ich auch nicht dessen Radikal gelernt haben. D.h. das Mitlernen der Radikale bringt eher wenig - und wenn man wirklich ein völlig unbekanntes Zeichen nachschlagen muß, dann kann man sein Glück versuchen oder lieber gleich über die Strichzahl oder so suchen. In diesem Punkt ist das Hadamitzky- oder SKIP-System sicherlich fortschrittlich. Am besten eignen sich m.E. für alle Bereiche elektr. Varianten, die herkömmliche Methoden sowie innovative (wie die Bestandteilssuche) gleichermaßen unterstützen.

Aber trotzdem ist es m.E. nicht haltbar, daß man für eine Zwischenprüfung das 214er-System erlernen müßte (so dies denn möglich ist).

Zum Punkt, ab wann man einsprachige Sachen verwenden sollte: Ich weiß, da gehen die Meinungen auseinander (die meisten Studenten sind sich jedoch einig und wollen bis zum Ende ihren Schinziger/... nicht aus der Hand legen... ^^), aber wenn man die Zwischenprüfung nach dem 4. Sem ansetzt, dann halte ich das nicht gerade für zu früh, um sich einsprachigen Werken zuzuwenden. Es stimmt schon, das Sprachniveau eines Anglisten sollte dank Vorkenntnisse etc nach 2 Jahren Studium weitaus höher sein als bei einem Japanologen nach der gleichen Zeit (allerdings auch nur "sollte"... ein Großteil der Anglistik-Studenten, die ich leider viel zu oft erleben muß, ist genauso unfähig wie ein Groß der Japanologie-Studenten; auch in höheren Semestern bekommt man da oftmals das grottigste Englisch zu hören, das man sich nur vorstellen kann... aber ich schweife vom Thema ab). Aber wenn man bedenkt, daß man mittlerweile schon in etwa 3 Jahren einen Abschluß machen kann, sollte man m.E. innerhalb des 2. Jahres schon verstärkt auf einsprachiges Material setzen. Stünde ich vor der Wahl, so würde ich ohne Zögern zu meinen kokugo und kanwa jiten greifen und auf die zweisprachigen Sachen verzichten. In Wirklichkeit sieht es natürlich so aus, daß ich auch zweisprachige Lexika verwende, allerdings schon lange nicht mehr im kanji-Bereich und allgemein betrachtet auch immer weniger. Wie dem auch sei, vor allem dann, wenn man professionell was mit Japanisch machen möchte, sollte man beim Studium der Sprache so früh wie es nur irgendwie sinnvoll ist (viell. ab dem 3. Sem im Falle eines Studiums an einer Uni) anfangen, seinen Schwerpunkt von zwei- auf einsprachige Lexika zu verlegen - meiner Ansicht nach, ich weiß wie gesagt, daß es abweichende Meinungen hierzu gibt.

(Noch eine Sache am Rande: Die westlichen Zeichenlexika und kanwa jiten sind streng genommen eigtl. gar keine Alternativen. Erstere richten sich nach der japanischen Gegewartssprache z.B. was die Auswahl der verzeichneten Komposita und Lesungen angeht, letztere sind hingegen primär als kanwa > chin.-jap. Zeichenlexika zu verstehen. Wobei hier nicht modernes Chinesisch, sondern vor allem das sog. klassische Chinesisch gemeint ist, also das, was man in Japan oft im kanbun-Gewand präsentiert bekommt. Der moderne japanische Gebrauch fällt eigtl. nicht in das primäre Aufgabenfeld von kanwa jiten. Zielsetzung und Gebrauch sind also nicht deckungsgleich.)


Angura
09.08.05 23:25
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #48
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Zitat: Auch wer keine Probleme mit dem Englischen hat, wird deutsche Übersetzungen häufig schon deshalb bevorzugen, weil das Problem oft gar nicht im Verstehen besteht, sondern darin, auf das passende deutsche Wort zu kommen.

Das scheint mir ein wichtiger Aspekt zu sein. Ich bekenne, genau aus diesem Grund oft lieber in "Langenscheidts Großwörterbuch" als im 漢和辞典 nachzuschlagen. Und den Umweg über Englisch mag ich überhaupt nicht, auch wenn mein Englisch soo schlecht gar nicht ist.

Im übrigen finde ich es gar nicht so schlimm, 214-Radikale-System und 79-Radikale-System parallel zu verwenden. Mag daran liegen, dass ich kein Japanologe bin, und deshalb meine Ansprüche an Akkuratesse nicht so hoch sind. Andererseits sollte es für einen Japanologen doch umso leichter sein, beide Systeme zu erlernen.

SKIP-System habe ich nie verwendet und kann deshalb nichts darüber sagen. Außer vielleicht, dass ich es nie vermisst habe...

正義の味方
09.08.05 23:27
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #49
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
@angura
Zitat:Bei 黙 gibts nun ein Problem: Das eigtl. Zeichen ist 默

Deine Erklaerung ist natuerlich schluessig, und JETZT koennte ich sie auch geben... also NACHDEM ich das Zeichen gefunden habe. Das heisst: "Hinterher ist man immer schlauer". Wenn man erstmal weiss, wie die urspruengliche Form des Zeichens aussah, kann man viel erklaeren, aber - wie gesagt - das muss man erstmal wissen. Und dazu muss man es erstmal finden. Und wenn man einfach nur 黙 sieht, hat man noch keinen Schimmer davon, dass das Renga sich "eigentlich" nicht ueber die ganze Breite erstreckt. Wie soll man das erkennen koennen? Kann man schlichtweg nicht! Und deswegen sucht man unter dem Renga, und unter Sato und unter Inu. Und auf die Idee zu kommen, dass es unter Kuroi steht... nun ja...

Und genau das ist es, was hier jemand "Radikale-Raten" genannt hat. Meines Erachtens voellig zu recht.

@angura
Zitat:Ich kann natürlich nicht wissen, was in den verschiedenen Japanologien in Zwischenprüfungen gefordert wird, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß ein durchschnittlich guter Student darin erstmal 20 Zeichen nachschlagen muß. Die Anforderungen werden wohl kaum allzu hoch sein in dieser Hinsicht.

Nein, natuerlich nicht 20... VIEL MEHR! Zumindest in Muenchen... Die Zwischenpruefungstexte sind hier Texte zu Gesellschaft, Politik etc. - meist aus japanischen Highschool-Lehrbuechern. Und angesichts der Tatsache, dass man in den Sprachkursen der vier Semester vorher auf ein Niveau gebracht wird, das dem JLPT, Stufe 3, entspricht, ist das schon eine heftige Anforderung! Etwas (aber wirklich nur "etwas"!) ueberspitzt formuliert: Vor vierzehn Tagen noch hat man im Unterricht den Kausativ behandelt, und nun soll man einen Text aus einem japanischen Gesellschaftskundebuch uebersetzen. ... Ich selbst wuerde mich durchaus als "durchschnittlich guten Studenten" bezeichnen und hatte in den Klausuren zu den Sprachkursen auch nichts als Eins-komma-Nullen, aber ohne Woerterbuch und Kanji-Lexikon waere ich mit einem Zwischenpruefungstext auch jetzt noch aufgeschmissen - zumal die Aufgabenstellung ja nicht lautet, so in etwa zu verstehen, worum es wohl im Grossen und Ganzen geht, sondern eine deutsche Uebersetzung des Textes anzufertigen.

@hara
Zitat:Bei einer Prüfung kann es doch nur darum gehen, bestimmte Fertigkeiten zu prüfen. Mit welchem Wörterbuch jemand seine Zeichen und Komposita findet, ist doch völlig egal, oder?

Tja, das denkt man mit gesundem Menschenverstand... die Wirklichkeit in Pruefungsaemtern sieht - sehr auch zu meinem Leidwesen - jedoch anders aus. Und ob da jemand verstaubte Ansichten hat, braucht man nicht zu fragen, das ist m. E. schlichtweg wahr, aendert aber nichts an der Situation fuer die Prueflinge. Ich waere auch sehr dafuer, dass es den Prueflingen freistehen wuerde, die Hilfsmittel zu benutzen, mit denen sie persoenlich am besten klarkommen - Hauptsache, die Loesung ist richtig. Aber so ist das leider nur in wenigen Studiengaengen... (In der Uebersetzungswissenschaft in Leipzig z. B. darf man ALLES nutzen; die sperren fuer die Pruefungen da naemlich eine Zweigstelle der Bibo, und dann stehen den Prueflingen saemtliche Buecher dort zur Verfuegung, sie duerfen ihren eigenen Laptop mitbringen, um eigene elektronische Listen und Woerterbuecher nutzen zu koennen usw. - eben Bedingungen, wie sie spaeter in der Berufswirklichkeit auch bestehen... Aber solche lebensnahen Pruefungsbedingungen sind leider die grosse Ausnahme.)

Die Zwischenpruefung in der Japanologie in Muenchen ist - was das Verwenden von Buechern angeht - so schwer nicht: Schinzinger und Spahn-Hadamitzky sind z. B. erlaubt. Da ist das also kein Thema. Aber z. B. fuers Staatsexamen Lehramt Japanisch, das ich demnaechst ablegen werde *bibber, bibber*, gibt's nur ein einsprachiges Woerterbuch, und seit neuestem (erzwungen durch die heftigen Proteste seitens unseres Institutsleiters) darf man bei einigen (nicht bei allen!) Pruefungsteilen auch ein Kanji-Lexikon verwenden. (Nelson oder Spahn-Hadamitzky stehen zur Auswahl; SKIP-Woerterbuecher "natuerlich" nicht...) Ob man irgendwann einmal soweit kommen wird, dass z. B. auch Denshijisho zugelassen sind? Im Moment noch voellig unvorstellbar... Die Begruendung fuer das alles ist weniger, dass die Dozenten "zu ihrer Zeit" das auch nicht hatten, als vielmehr das Problem der Vergleichbarkeit der Pruefungsleistungen, wenn die Teilnehmer alle mit verschiedenen Hilfsmitteln arbeiten. Man argumentiert eben damit, dass fuer alle dieselben Bedingungen herrschen muessen... Und wenn der eine dann Hilfsmittel hat, mit denen man schneller etwas findet (Denshijisho/SKIP-Kanjilexikon/...), und der andere hat sie nicht...

Kurz noch als Kontrastprogramm: Im Lateinlehrer-Staatsexamen, das ich 1997 in Leipzig gemacht habe, durften wir bei saemtlichen Pruefungen KEINERLEI Woerterbuecher verwenden... alles hatte im Kopf zu sein. (Damals blickte ich immer neidisch auf die angehenden Englischlehrer, die zur Pruefung ihre saemtlichen Waelzer anschleppen durften...) Verglichen dazu, ist das, was mir jetzt bevorsteht, ja regelrecht ne Badekur... andererseits ist Japanisch fuer mich doch eine Winzigkeit schwerer als Latein...

@atomu
Zitat:SKIP-System habe ich nie verwendet und kann deshalb nichts darüber sagen. Außer vielleicht, dass ich es nie vermisst habe...

Das klingt mir nach einem Fall von "Was der Bauer nicht kennt..." Ich haette noch 1993 auch nicht gedacht, dass ich irgendwann mal der Ansicht sein koennte, dass das Internet wirklich so eine tolle Sache sein soll... Einige meiner Kommilitonen schworen drauf, aber fuer mich waren das damals hypermoderne Spinner, die irgend einem Hype aufgesessen waren... und nun?

Zum Thema SKIP... Ich wuerde sagen, wer's nicht haben will, muss es natuerlich nicht nutzen. Aber wer's mal ernsthaft testet, wird mehr oder weniger zwangslaeufig erleben, dass man damit ohne "Radikale-Raten" zu Ergebnissen kommt und noch dazu wirklich schneller als mit anderen Papier-Lexika - elektronische Systeme sind wieder eine andere Geschichte. (Genauso, wie es mit elektronischen Woerterbuechern - ob nun Denshijisho oder Wadoku oder was auch immer - schneller und bequemer geht, Sachen nachzuschlagen als mit Papier-Woerterbuechern. ... Es faellt mir altem Buechernarren zwar auch schwer, das einzugestehen, aber es ist nunmal eine Tatsache...) Ich bin gern zu einem "Wer findet Kanji schneller? - SKIP gegen XY"-Duell bereit. Wann? Wo? hoho

Uebrigens: Hier im "International Student Center" der Hokudai wird in einigen der Japanisch-Kurse, die hier fuer die verschiedenen Beduerfnisse der auslaendischen Studenten stattfinden, im Unterricht mit dem SKIP-Woerterbuch gearbeitet... nur so als Info, weil ich das letztens gesehen habe.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.08.05 08:59 von Botchan.)
10.08.05 05:46
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #50
RE: Kanji finden / SKIP-Methode
Zitat:
Zitat: SKIP-System habe ich nie verwendet und kann deshalb nichts darüber sagen. Außer vielleicht, dass ich es nie vermisst habe...
Das klingt mir nach einem Fall von "Was der Bauer nicht kennt..."

hoho Ich stamme tatsächlich aus einem jahrhundertealten Bauerngeschlecht mit verbürgter Ahnentafel. Aber du hast Recht. Ich bin vielleicht zu faul. Man könnte auch sagen "Einen alten Baum...", aber das sind natürlich nur dumme Ausreden.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.08.05 10:26 von atomu.)
10.08.05 10:25
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