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Lebensgewohnheiten
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Hellstorm
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Beitrag #71
RE: Lebensgewohnheiten
(08.01.15 14:56)Woa de Lodela schrieb:  Beheizte Klobrille, Stoffbezug... Ich finde, so ein Tand muss nun wirklich nicht sein. Wir haben ja im Winter normalerweise eine Heizung, auch im Bad. Und so schlimm ist es nun auch nicht, wenn die Klobrille für ein paar Sekunden mal ein bisschen kalt am Gesäß ist.

Naja, man gewöhnt sich aber schnell an den Komfort.

やられてなくてもやり返す!八つ当たりだ!
08.01.15 20:02
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Yano


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Beitrag #72
RE: Lebensgewohnheiten
Es ist auch so, daß es in einem alten japanischen Siedler- oder Bauernhaus richtig kalt werden kann. Wärmeisolierung ist eine neuere Zeiterscheinung, Zentralheizung gibt es kaum, FBH ist teurer Luxus. Man kann mit der Klimaanlage heizen, sie sozusagen in den Rückwärtsgang schalten, aber das ist auch nix. Erstens fressen die viel Strom und befinden sich zweitens im Raum oben, weil ihre eigentliche Zweckbestimmung das Kühlen ist. Drittens richtet man das Klo möglichst weit entfernt von der Küche ein, die Wohnzimmer mit der Klimaanlage sind eher anschließend an die Küche.
Ich fand es erstaunlich, wie gering die landschaftlichen Unterschiede sind in der Bauweise. Mal war ich auf Hokkaido in einem Geschäft, das war ganz ähnlich wie Yano Saketen. Ich begehrte Bier, der Automat draußen hatte keins hergegeben, und dann sagt der, um diese Jahreszeit gibts doch kein Bier, das würde ja einfrieren. So macht man das. In dem Haus wäre ich nicht so gern aufs Klo gegangen, man kann sich da wahrscheinlich leicht was abfrieren.
08.01.15 22:51
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Hachiko


Beiträge: 2.556
Beitrag #73
RE: Lebensgewohnheiten
Im ländlichen Bayern war es vor nicht allzulanger Zeit auch so, dass das "Häuserl" noch vor dem Haus stand, da konnte man
sich im Winter auch ziemlich was abfrieren, Gott sei Dank gab es da noch den Nachttopf, wo die ganze Familie vom Opa bishin zum
jüngsten Enkel ihre Geschäfte hinterliess. War am französischen Hofe oder beim Luggi nicht anders, nur trugen da die Zofen diese Haferl
mit hochgezogener Nase aus den Räumlichkeiten, honi soit qui mal y pense.
Ach ja, mag wohl bei den jeweilgen Tennos nicht anders gelaufen sein, man stelle sich da mal den Hirohito und seine Vorfahren bis zurück
auf Amaterasu auf so einem Thron sitzend vor, unglaublich aber wahr, dass es sich da um gemeine menschliche Wesen und keine
Göttlichkeiten handelte.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.01.15 00:16 von Hachiko.)
09.01.15 00:03
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Yano


Beiträge: 2.054
Beitrag #74
RE: Lebensgewohnheiten
Das mit den Göttlichkeiten siehst Du wohl monotheistisch. Es laufen aber in J Götter herum, niederklassige, und Geister der Natur, die höheren sind halt höherklassig und omnipräsent. Eine niedere Gottheit habe ich mal kennengelernt, das war der Abt von Kosugi, natürlich auf Shikoku.
Ich bin jedoch auch schon als Gottheit 神様 bezeichnet worden, nachdem ich meine Freundin oft genug aus irgendeiner Bredoullie herausgehauen hatte, unter Inkaufnahme erheblicher persönlicher Nachteile. Vielleicht ist besser, man differenziert beim Sprachgebrauch auf Deutsch zwischen Geistern, Engeln, Heiligen und Göttern (Teufel gibts ja auch) und folgt nicht genau den japanischen Ausdrucksweisen.
:
Den jetzigen Tenno sah ich mal aus der Nähe. Da ging er mit seinem Gefolge ins Rathaus München. Er sah aus wie ein Bräutigam, der sich auf dem Weg zur standesamtlichen Trauung ein bißchen verspätet hatte.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.01.15 04:51 von Yano.)
09.01.15 04:49
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Nia


Beiträge: 3.637
Beitrag #75
RE: Lebensgewohnheiten
Im shinto heißt es ja auch

Zitat:Die Kami sind zwar wesentlich „perfekter“ als Menschen, aber nicht perfekt in einem absoluten Sinne, wie etwa im Monotheismus. Kami begehen Fehler und sogar Sünden

Ein 'Gott' ist dort nun mal nicht das Gleiche wie z.B. im Christentum.

“A poet is a musician who can't sing.”
― Patrick Rothfuss, The Name of the Wind
09.01.15 20:02
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torquato


Beiträge: 2.702
Beitrag #76
RE: Lebensgewohnheiten
(08.01.15 09:22)Yano schrieb:  Die japanischen Hockklos mit Druckspüler haben weniger Platz gebraucht als die heutigen Schüsseln. Das führt zu dem Problem, daß nach der Umrüstung auf die Schüssel die Räumlichkeit eigentlich zu klein ist.

Mmhh.... Darüber habe ich nie nachgedacht. In dem Tempel wurde gleich der ganze Gebäudetrackt umgebaut. Das Klo war da nicht das einzige Thema und wohl auch nicht der alleinige Anlaß. Die Toilette befindet sich jetzt 20 Meter weiter in einem ganz anderen größerem Raum, zu dem inzwischen auch eine Badewanne gehört. Ist eher für Gäste, Bedienstete...

In dem Stadthaus war das Hockklo in einem ganz schlanken Raum längs untergebracht. Ob das Pissoir (das einzige Pissoir, das ich jemals in einem Privathaus gesehen habe) auch in dem Raum war, oder separat, weiß ich nicht mehr. Das moderne Washlet steht jetzt quer in einem Raum, der mir größer vorkommt. Gut möglich, daß da zwei kleine Klos zusammengelegt wurden. Aber meine Gasteltern sind auch älter geworden. Sie haben sich etwas Kompfort verdient. Sie sind auch schon in mein altes Zimmer, das 外人部屋 umgezogen, weil die Treppe so steil ist...

(08.01.15 09:22)Yano schrieb:  
(08.01.15 05:15)torquato schrieb:  Diese Washlets finde ich immer noch sehr befremdlich. Daß die Japaner aber auch immer gleich vom einen Extrem ins nächste springen müssen... kratz Irgendwie hat man da das Gefühl, man müsse erst ein akademisches Seminar bestehen, bevor man sein Geschäft erfledigen dürfe... grins
Als die aufkamen, kursierte unter uns Expats der Spruch Never touch any button.

Ich habe mich bis heute an diese Regel gehalten. hoho

Ich habe bisher echt noch nie einen anderen Knopf bedient als 'Spülen'. Das ist der einzige, den man sofort erkennt. grins
10.01.15 05:51
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Hellstorm
Moderator

Beiträge: 3.892
Beitrag #77
RE: Lebensgewohnheiten
Ach solche magischen Knöpfe sind das doch nicht.

Wassertemperatur, Sitzheizung, Vorne (braucht man als Mann nicht unbedingt, deswegen noch nicht ausprobiert hoho), Hinten, Massage (hoho) und das war es doch.

Kann man meiner Meinung nach auch mit einfachen Japanischkenntnissen entziffern. Außerdem wird schlimmstenfalls nur der Hintern etwas nass. Und wenn man nicht mehr draufsitzt, dann kommt eh kein Wasser heraus, die Geräte haben ja eine Sicherung dagegen.

Mal ein bisschen Abenteuerfreude zeigen, Leute!

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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.01.15 11:09 von Hellstorm.)
10.01.15 11:08
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Yano


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Beitrag #78
RE: Lebensgewohnheiten
(10.01.15 11:08)Hellstorm schrieb:  Mal ein bisschen Abenteuerfreude zeigen, Leute!
Abenteuer? Belieben wohl zu scherzen.
Wenn du in einer dünnwandigen Hose unterwegs bist, die nicht schwarz ist, sieht man doch eine Zeitlang jeden Tropfen - wem das abenteuerlich genug ist, ok.
Dieses Abenteuer konnte man auch früher schon erleben. Wie ich schon sagte, war bei den alten japanischen Druckspülern die Vorstellung, daß man die Spülung mit der Hand, also noch im Hocken, betätigen sollte. Die haben aber immer ein wenig gespritzt. Wenn man den bodennahen Spülhebel doch von der Seite her mit dem Fuß oder erneut gebückt betätigte, ließ sich das umgehen, aber es bildeten sich mit der Zeit so kleine, braune Flecken an der Innenseite der Klotüre. Diese bekam man unschwer wieder weg, mit Geschirrschwamm und Spülmittel. Ich forderte, daß hierzu zum Ausschluß einer Verwechslungsgefahr ein deutlich anderer Typ von Geschirrschwamm als der in der Küche eingesetzt werde, kam aber damit nicht durch.
10.01.15 16:35
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Yano


Beiträge: 2.054
Beitrag #79
RE: Lebensgewohnheiten
(10.01.15 05:51)torquato schrieb:  In dem Stadthaus war das Hockklo in einem ganz schlanken Raum längs untergebracht. Ob das Pissoir (das einzige Pissoir, das ich jemals in einem Privathaus (...) Aber meine Gasteltern sind auch älter geworden. Sie haben sich etwas Kompfort verdient. Sie sind auch schon in mein altes Zimmer, das 外人部屋 umgezogen, weil die Treppe so steil ist...
Urinale sind in japanischen Privathäusern tatsächlich gar nicht mal so selten, vor allem auf dem Land, wo mehr Platz ist. Mein Schwiegeropa hatte sogar ein zusätzliches, das war draußen montiert, ist halt frostfrei in der Gegend, und man braucht sich nicht die Schuhe ausziehen. Ging alles in die Versitzgrube. In alter Zeit hatte er auch Vieh, damals ist es wohl nicht so genau gegangen. Stell dir vor, das waren Zugochsen, noch in den 1970er-Jahren.
Die steilen Treppen sind wohl ein flächendeckendes Problem in J, das sind ja manchmal Hühnerleitern, für sowas würdest du in D in den Knast kommen, bildlich gesprochen.
Achja, und mit was man in sehr alter Zeit die Felder gedüngt hat, sage ich jetzt nicht. Jedenfalls soll es Leute geben, die Gemüse lieber erstmal unter Einsatz von Geschirrspülmittel säubern.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.01.15 18:03 von Yano.)
10.01.15 18:01
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Nia


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Beitrag #80
RE: Lebensgewohnheiten
Viehdung wird doch auch hierzulande viel verwendet. Soviel anders ist das auch nicht...

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― Patrick Rothfuss, The Name of the Wind
10.01.15 18:32
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Lebensgewohnheiten
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