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Bücher über Japan
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Beitrag #21
RE: Bücher über Japan
@atomu: "Mit Staunen und Zittern" ist auch kein wissenschaftlich orientiertes Buch bzw. nicht für jmd. geeignet, der zu Anfangs etwas über Japan lernen möchte und für eingeschleischte Japanologen, die mit zuviel Eifer bei der Sache sind, ist es völlig ungeeignet. Finde, man darf sich ohnehin nicht zu sehr an deren Meinung orientieren. Mußt Dir mal im Internet durchlesen, wie Profs von Harvard und Co. sich teils über "Last Samurai" etc. zerpflücken. Da könnte glatt der Verdacht aufkommen, die hätten nix Besseres zu tun.
Man sollte das Buch eher in dem Bereich provokante Sittenstudie/bitterböse Japan-Satire mit autobiographischem Touch verbuchen. Ich habe es vor zwei Jahren irgendwann mal zum Frühstück "verdrückt" und fand' es ganz witzig; als meine "Gaijin"-Freundin ihren neuen Job in Japan angetreten hat, habe ich es ihr mit einem verschmitzten Lächeln zum Abschied geschenkt zwinker
31.03.04 23:44
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #22
RE: Bücher über Japan
@AU: Dachte mir schon sowas in der Art und lese auch durchaus gern mal was "Leichteres", werde sicher Spaß dran haben. Die (mit mir befreundeten) Japanologen, die mir von dem Buch und den Aversionen dagegen in Fachkreisen erzählt haben, haben nun selbst keine allzu enge "japanologische Brille" auf und fanden das Buch trotzdem etwas befremdlich. Aber wie gesagt, ich werde es mir reinziehen. Eine Sache, die einem am Herzen liegt, muss man von möglichst vielen Seiten betrachten...

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.04.04 09:56 von atomu.)
01.04.04 09:55
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gecko


Beiträge: 24
Beitrag #23
RE: Bücher über Japan
Ich moechte voranschicken, dass ich keine Japanologie studiert habe. Bevor ich nach Japan ging, hatte ich nur Murakami Haruki gelesen, der ist natuerlich ein "Muss"!

Inzwischen lese ich aber nur noch japanische Literatur, leider habe ich aber nicht oft Zeit dafuer traurig
Raeusper, kennt Ihr Murakami Ryu? Der hat "Tokyo Dekadence" gedreht, meiner Meinung nach kein guter Film. Bei seinem Buch "69" geht es aber nicht um Sex, zumindest nicht explizit. Hier geht es ums Jungsein im Jahre 1969, ich zitiere vom Buchdeckel:
"1969 waren wir siebzehn. Und wir hatten immer noch unsere Jungfernhaut. In diesem Alter noch Jungfrau zu sein, ist nicht unbedingt etwas, auf das man unbedingt stolz oder über das man unbedingt beschämt sein konnte, aber es war doch etwas, was auf unserer Seele lag.
Neunzehnhundertneunundsechzig war das Jahr, in dem die Studentenunruhen die Tokyoter Universität schlossen. Die Beatles brachten das White Album, Yellow Submarine und Abbey Road raus, die Rolling Stones machten ihre größte Single, "Honky Tonk Women", und Leute bekannt als Hippies trugen ihre Haare lang und redeten von Liebe und Frieden."
Das Buch ist toll lustig, ein bisschen wild und schnoddrig, es liest sich an einem Tag im Schwimmbad weg.
Er hat auch noch "Coin Locker Babys" geschrieben und "In the Miso Soup". Ich kenne beide nicht, aber letzteres will ich auf jeden Fall lesen, da geht es um einen (Gaijin?)Serienmoerder und die dunkle Seite der japanischen Naechte.

Toll fand ich auch "Der Stierkampf" von Yasushi Inoue. Es spielt in Osaka der Nachkriegszeit. Eine kleine Zeitung moechte mit einem Stierkampf(!) ihr finanzielles Ueberleben sichern. Das Buch ist in einem ruhigen Ton geschrieben, aber niemals langweilig. Besonders gefaellt mir der japanische Pragmatismus, der sich in diesem Buch so gut widerspiegelt. Da treffen sich auch meine ganz persoenlichen Interessen: Japan, Spanien und ein Zeitungsverlag...

Wer sich fuer japanische Literatur interessiert, kommt sicher an dem Schoengeist und Nationalisten Yukio Mishima nicht vorbei. Man sollte sich auch nicht von seiner Vita abschrecken lassen. (Er war Tenno-Anhaenger und versuchte in den 70ern mit einem Trueppchen Paramilitaers die demokratische Regierung zu stuerzen. Weil dieser Versuch klaeglich scheiterte, machte Mishima Seppuku.) Ich habe "Nach dem Bankett" gelesen, ein schoenes Buch, in der die Hauptfigur ein "Progressiver" ist, der sich aber auf politischer Buehne nicht durchsetzen kann.
Ich denke aber, dass hier im Forum einige Mishima-Kenner sein werden und vielleicht zu ihm mehr sagen koennen!
02.04.04 14:38
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Anonymer User
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Beitrag #24
RE: Bücher über Japan
"Nach dem Bankett":
Die Protagonistin ist die Frau des Politikers, sie ist die Hauptfigur.
02.04.04 15:52
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Toji


Beiträge: 603
Beitrag #25
RE: Bücher über Japan
Zu "Mit Staunen und Zittern" möchte ich noch anmerken, dass es sich hier nicht um ein Sachbuch sondern um Belletristik handelt. D.h. der Inhalt eines Buches steht eventuell hinter seiner Form zurück. Der Inhalt ist für diejenigen, die sich mit der japanischen Gesellschaft schon etwas auseinandergesetzt haben, eigentlich klar. Aber dennoch lohnt es sich gelesen zu werden, weil es (meiner Meinung nach) so gut geschrieben ist. Gesellschaftskritische Satire mit so viel Witz ist ja eher selten. Meistens wirkt es verbittert boshaft oder schelmisch überheblich, aber hier kam es für mein Empfinden ganz anders rüber.

Wünsche jedenfalls viel Spaß bei der Lektüre
mfG
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.04.04 18:08 von Toji.)
02.04.04 18:08
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #26
RE: Bücher über Japan
Hier gibt´s eine schöne knappe Übersicht über japanische Literatur:

http://www.die-leselust.de/japan.htm

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.04.04 10:45 von atomu.)
04.04.04 10:42
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #27
RE: Bücher über Japan
"Ein Japaner, der sich aufrichtig entschuldigt, das kommt in hundert Jahren nur einmal vor. Ich war erschrocken, dass sich Herr Saito um meinetwillen zu einer solchen Demütigung bereitgefunden hatte."

(Aus: Amelie Nothomb, Mit Staunen und Zittern, Diogenes-Taschenbuch --7,90 €-- S.147)


Das Buch wird sicher tiefe Spuren und (z.T.: leider) unauslöschliche Bilder in mir hinterlassen. In der Tat werden Emotionen geweckt, die beim Lachen angefangen über die Wut bis zur Trauer alles abdecken. Trotzdem blieb mir von der ersten bis zur letzten Seite ein ungutes Gefühl im Bauch. Die Autorin kennt sich gut aus in der japanischen Seele, aber ich finde selbst für eine Satire schießt sie zu scharf und trifft dann eben doch nicht mehr ins Schwarze. Ein ahnungsloser westlicher Leser muss das Buch doch völlig falsch verstehen, es ist wieder mal ein gefundenes Fressen für die Spiegel- und Co.-Journaille, die schon immer wusste, wie abartig die japanische patriarchalische Gesellschaft ist.

Dabei kann ich mir auch die absurdesten Episoden in dem Buch durchaus realiter in einer japanischen Kaisha (Firma) vorstellen, so weltfremd bin ich nicht. Das Problem, dass ich damit habe liegt nicht in der satirischen Überzeichnung von Schwachstellen im japanischen Gesellschaftssystem (da bin ich sogar noch hartgesottener, die ist vollkommen berechtigt) sondern in der Art und Weise wie hier im literarischen Deckmäntelchen von einer ausgewiesenen Insiderin die japanische Mentalität der Lächerlichkeit preisgegeben wird.


Ich empfehle hier noch einmal wärmstens das Buch, das ich in meinem ersten Beitrag in diesem Thread angesprochen habe:

Suzanne Vissier: Das japanische Rätsel
(http://www.wikiservice.at/buecher/wiki.c...__R%E4tsel)

In erster Linie spannende Unterhaltungslektüre ohne größeren literarischen Anspruch, aber intelligent, und obwohl ebenfalls aus Sicht einer westlichen Frau geschrieben sehr ausgewogen.

正義の味方
04.04.04 14:33
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Ex-Mitglied (AU)
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Beitrag #28
RE: Bücher über Japan
Oh je, Atomu in der Krise .... hey, ich hab' Dir doch gesagt, dass es eines von "diesen" Büchern ist. Nix für Anfänger, aber auch nix für die Eingefleischten/Festgefahrenen; gehörst Du denn schon zu der letzteren Sorte? zwinker Nimm es mit Humor ... mehr kann ich Dir auch nicht raten. "Solche" Bücher und andere (die viel schlimmer sind) wird es immer wieder geben ... Japan ist nun einmal wie gemacht dafür. Es läßt sich leider nicht ändern, ob es uns paßt, oder nicht.
04.04.04 19:45
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #29
RE: Bücher über Japan
Hm, glaube nicht, dass ich zu den "Eingefleischten/Festgefahrenen" gehöre, oder hoffe ich jedenfalls nicht. Humor habe ich auch. Ich habe sogar sehr gelacht bei der Lektüre. Es gibt auch schlimmere Bücher über Japan, aber dieses hier hat einen literarischen Anspruch und daran gemessen finde ich es... schlecht! Ein gutes Buch beleidigt niemals eine ganze Volksgruppe. Das Buch ist unterhaltsam und lustig zu lesen, aber wie gesagt gefährlich, insofern es viele Leute lesen, die keine Ahnung von Japan haben und dann von Anfang an mit solchen Vorurteilen und (zugegeben) starken Bildern im Kopf rumlaufen.

Jetzt klingt das wieder so verbissen und ich habe mich schon viel zu oft im Forum in die gleiche Richtung geäußert...

zunge grr zwinker grins

Gruß von atomu, der in keine Schublade gesteckt werden möchte, nur auf dem allerersten Blick beleidigt aussieht, und weit weg von einer Krise ist, weil er sich gerade ein paar Stunden Mozart gönnen durfte.

正義の味方
05.04.04 00:11
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JapanIry


Beiträge: 333
Beitrag #30
RE: Bücher über Japan
Zitat:Einen begeisternden Roman, der in Japan spielt, kann ich noch von einer westlichen Autorin empfehlen:
"Mit Staunen und Zittern" von Amélie Nothomb.
Das Buch ist nur kurz und die Handlung eigentlich auch schnell erzählt. Eine Belgierin arbeitet in einer japanischen Firma (ihre Lebensgeschichte hat sie dahin geführt) und stößt dort auf gewissen Unwägbarkeiten und kulturelle Dissonanzen.

ja das Buch habe ich auch gelesen und zwar hat es mir mein Vater geschenkt, weil er mir vor meinem Japanaufenthalt "Mut" machen wollte (blickte da der Gedanke durch, dass ich seiner Meinung nach nach Amerika gehen sollte oder schlicht Unwissen nach dem Motto ffragen wir mal die Verkäuferin welches Buch zu Japan empfehlenswert wäre)
naja; im Nachhinein gesehen, ist es für einen "Japankenner" nicht zu gebrauchen, ansonsten aber mal ganz interessant

Allerdings schließe ich mich dieser Kritik an:

Zitat: Das Buch wird sicher tiefe Spuren und (z.T.: leider) unauslöschliche Bilder in mir hinterlassen. In der Tat werden Emotionen geweckt, die beim Lachen angefangen über die Wut bis zur Trauer alles abdecken. Trotzdem blieb mir von der ersten bis zur letzten Seite ein ungutes Gefühl im Bauch. Die Autorin kennt sich gut aus in der japanischen Seele, aber ich finde selbst für eine Satire schießt sie zu scharf und trifft dann eben doch nicht mehr ins Schwarze. Ein ahnungsloser westlicher Leser muss das Buch doch völlig falsch verstehen, es ist wieder mal ein gefundenes Fressen für die Spiegel- und Co.-Journaille, die schon immer wusste, wie abartig die japanische patriarchalische Gesellschaft ist.

So kurz vor meinem Japanaufenthalt, zu einer Zeit, in der ich sowieso sehr nervös war, war dieses Buch sicher nicht ganz das Passende...
weil durch meine eigene "Personofizierung" mit dem Charakter in der fremden Kultur Japan habe auch ich es mit einem mulmigen Gefühl im Bauch gelesen; jemandem, der kaum Einblick in die Japanische "Seele", Gesellschaft und Kultur hat, kann dieses Buch einen schlechten ja doch auch falschen Blick auf Japan geben und das wäre nun wirklich schade...
_____

So aber ein anderes Buch, welches in mir erst wirkliches Interess für Japan aufbrachte war Shogun von James Clavell, welches mich wirklich dazu angeregt hat mehr über Japan erfahren zu wollen. Es ist auch mit "Der Roman Japans" untertitelt und so wie ich finde, gar nicht mals zu unrecht
Geschrieben ist es aus der icht eines Niederländers bzw. eigentlich Engländers der Captain eines niederländischen Schiffes ist, welches vor Japan strandet/bzw. wegen Lebensmittelmangels dort landet und dieser muss sich nun auf Japan einstellen, in einer vollkommen fremden Kultur, die er dann doch schätzen lernt
Das Buch ist wirklich toll geschrieben und auch sehr verständlich und anschaulich und beschäftigt sich auch manchmal mit den kleinen japanischen "Macken", die einem sonst kaum auffallen würden
Auch fürs Verständnis der damaligen politischen Lage ist es zu empfehlen (auch wenn hier eher für den Laien, denn einen Politikwissenschaftler)

@--}--}--Iry--{--{--@

日本語を まだ にがてなので、もっと 勉強を したい。 だから entschuldigt bitte meine Fehler...und es heisst ja auch "aus Fehlern wird man schlau"
@--}--}--弥奈--{--{--@
06.04.04 15:10
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Bücher über Japan
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