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"Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
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Pantitlan


Beiträge: 49
Beitrag #11
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
nein, ich meine nicht, dass man überempfindlich ist, weil man kritisiert. Sondern die Kritik stammt aus überempfindlichkeit, wie mir scheint. Denn die Statements oben haben fast alle die Gleichung: krass --> deswegen Scheisse! Das habe ich gemeint.

Dass ein Film nicht gut sein MUSS, nur weil er einen Preis ist mir schon klar. Man denke nur an die Oscarverleihung! Aber: wenn ein Film einen Preise gewinnt und sich gegen die anderen durchsetzt (sorry: aber das Statement, dass die anderen "noch schlechter" sind, ist einfach dumm), will schon heissen, dass irgendwas dran sein muss. Ob uns dieses gefällt oder nicht, bleibt uns überlassen. Ganz klar!

Ich weiss nicht, ob die Legende irgendwo niedergeschrieben wurde, aber ich habe den Film mit einer japanischen Freundin geschaut und sie hat mir erzählt, dass ihr solche Geschichten in ihrer Kindheit erzählt worden seien und das auch vielen anderen. Ich vermute, es ist so ein bisschen wie unsere Grimmmärchen irgendwie im öffentlichen Diskurs...

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05.06.04 06:00
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Mangus


Beiträge: 254
Beitrag #12
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Pantitlan, die einzige Überempfindlichkeit sehe ich in Deiner Reaktion auf die anderen Meinungen hier. Du liest genau das Gegenteil aus unseren Posts heraus. Die behandelte Thematik des Filmes ist wichtig und einer Verfilmung und krassen Sozialkritik durchaus angemessen. Trotzdem ist der Film schlecht gemacht, nicht deswegen. Es ist die uninspirierte und langweilige Verfilmung, die stört, nicht das Radikale des Inhalts.

Zitat: sorry: aber das Statement, dass die anderen "noch schlechter" sind, ist einfach dumm

Ist Dir kein besseres Argument als "dumm" eingefallen? Eigentlich sollte der Smilie zeigen, daß der Satz nicht todernst gemeint ist.
Aber wenn es sein muß: Offenbar wurde die Goldene Palme für die damalige Skandalträchtigkeit der Darstellung von Gewalt und Sexualität vergeben. Welche Aussagekraft hat der Preis zwanzig Jahre später noch?

Wenn man Grimms Märchen so langweilig und unispiriert erzählte wie dieser Film, liefe das Publikum weg.

Baustelle
05.06.04 10:45
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Pantitlan


Beiträge: 49
Beitrag #13
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
okay, nehmen wir das mit dem Smiley ernst, dass es nicht ernst war, oder so... und Friede! Ich mag das Forum hier und will nicht böses Blut sähen. Ich glaube, im Kern sind wir eigentlich der gleichen Meinung.

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05.06.04 15:41
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Denkbär


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Beitrag #14
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Jawohl, Friede im Forum. Ich denke allerdings auch, dass du die vorherigen Beiträge anders gedeutet hast, als sie gemeint waren. Ich habe mir jetzt alle Beiträge noch einmal durchgelesen und kann nicht erkennen, dass das Krasse der Gestaltung die Kritik hervorgebracht hat. Der Film ist nunmal schwere Kost und er ist brutal. Aber es ist ja offenbar einigen so wie mir gegangen, dass beim Sehen eines - ganz offensichtlich als schockierend gedachten - Geschehens die Schockwirkung gerade ausblieb. Vielleicht war das ja so gewollt, aber mich hat das nunmal nicht erreicht.
Sehr interessant finde ich aber die Erinnerungen deiner Freundin an Kindheitserzählungen. Da fragt man sich, ob das als Abschreckung gedacht war oder tatsächlich so ähnlich zu werten ist wie Hänsel und Gretel.
05.06.04 18:55
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Pantitlan


Beiträge: 49
Beitrag #15
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Naja... missverständnisse gibts halt. Das ist die Crux der sprachlichen Verständigung, dass sie über nicht-eindeutige Informationseinheiten übertragen wird... oder so ähnlich...

Ich bin nicht so ganz sicher, wieso diese Geschichte erzählt wird. Aber ich kann mir vorstellen, dass es darum geht, bei den Kindern ein moralisches Fundment aufzubauen. Ich weiss auch nicht, wie alt diese Geschichten sind und wie sie entstanden sind. Das wäre auch noch ganz spannend. Werde mal nachfragen, ob sie noch mehr dazu weiss...

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07.06.04 02:01
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chiisai hakuchoo


Beiträge: 530
Beitrag #16
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Zitat:Der Film ist nunmal schwere Kost und er ist brutal. Aber es ist ja offenbar einigen so wie mir gegangen, dass beim Sehen eines - ganz offensichtlich als schockierend gedachten - Geschehens die Schockwirkung gerade ausblieb. Vielleicht war das ja so gewollt, aber mich hat das nunmal nicht erreicht.

Genauso sehe ich das auch, und so war auch meine Kritik gemeint. Der Film war eine Ansammlung provozierender und schockierender Szenen. Das ist eigentlich eine gute Taktiv, wenn man den Zuschauer aufrütteln möchte, der durch die täglichen Nachrichten völlig abgestumpft ist. Bei diesem Film aber hatte ich den Eindruck, dass es nur um solche Szenen geht und man vor lauter Provokation vergessen hat, dass es mehr braucht als schockierende Bilder, um zum Zuschauer durchzudringen.

Eine fremde Sprache zu beherrschen knüpft ein Band zwischen den Menschen, das ohne dieses Wissen niemals existieren könnte.
www.edition-ginga.de
07.06.04 07:05
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Christof


Beiträge: 111
Beitrag #17
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Da frage ich mich doch, was es denn mehr braucht.
Ich finde das jap. Kino teilweise gerade so gut, weil die Charaktere eben nicht nur die Standards erfüllen, sondern häufig Außenseiter und extreme Existenzen die Protagonisten sind und die Schicksale voll beleuchtet werden. (es gibt auch jap. „Dreck“)
Extreme Existenzen: sie gibt es zwar in vielen "westlichen" Filmen auch, doch neigt man bis auf wenige Ausnahmen (welche dann Kultfilme werden) allzu sehr dazu, die Situation in Happy Ends aufzulösen.
Meistens vermiesen einem jedoch diese schmierigen Happy Ends den Film, der vorher einen schönen Einblick in ein "Milieu" oder in eine Fiktion gegeben hat.
Wenn ein Mensch erschossen wird oder in irgendeiner Weise stirbt, dann ist auch in der Realität nicht nach 30 Minuten alles wieder gut. (das extreme Gegenbeispiel sind die modernen Bond-Filme, bei denen sich Mord und Geschlechtsverkehr und heiteres Vergnügen ohne Sicht auf die Opfer ein "Stelldichein" geben)
Das „Abflachen“ ist sehr gefährlich beim Kino. Wer nur nett unterhalten werden will, sollte abends vielleicht eher beim Fernseher bleiben.
15.06.04 00:14
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Christof


Beiträge: 111
Beitrag #18
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Ich möchte noch nachtragen, daß man auch im Kino "nett" unterhalten werden kann.
Aber deswegen setze ich (rein subjektiv) mich doch nicht in Kino. (gerade wenn es so teuer geworden ist)
15.06.04 00:23
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Denkbär


Beiträge: 677
Beitrag #19
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Ja, aber wo wurden denn in der 'Ballade' die Schicksale voll beleuchtet?? Welcher der Charaktere wurde denn verständlich geschildert? Und wo wurde auf die Geschichte näher eingegangen? Und gab es überhaupt eine Geschichte?

Es geht ja hier nicht darum, Happy endings zu verteidigen, sondern darum, dass diese Geschichte vielen hier nicht nahegegangen ist und zwar trotz der vielen Schockmomente. Ist denn dieser Film tiefgründig, nur weil er auf diese Art gemacht ist? Also, ich finde nicht, wobei ich wiederum niemandem das Recht absprechen will, ihn gut zu finden. Aber für mich reicht es nicht, dass mit Schock und Brutalität gearbeitet wird, wenn im Endergebnis für mich persönlich nicht mehr als das geboten wird.

Und gerade was du über die Opfer sagst, ist in der 'Ballade' doch gegeben. Da gibt es nämlich keine Sicht auf die Opfer, sondern die Handelnden und die Zuschauer fahren einfach so fort. Ich finde nicht, dass in der 'Ballade' Reflektion gefördert wird. Gerade hier ist sozusagen nach weniger als 30 min alles wieder gut (nicht nur in Bond-Filmen). Ich weise nur auf den Ehemann hin, der über den Mord an seiner schwangeren Frau samt gesamter Familie furchtbar entsetzt ist, aber einige Szenen später schon wieder mit einer neuen Flamme erwischt wird.
15.06.04 15:48
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Christof


Beiträge: 111
Beitrag #20
RE: "Die Ballade von Narayama" am 19.05. um 22.40 auf Arte (OmU)
Mit "Sicht auf die Opfer" ist nicht nur die Trauer gemeint, sondern die Gesamtheit der Grausamkeit, welche z.B. im jap. Mittelalter (auch in unserem) geherrscht hat.
Es giebt einen Unterschied zw. der Darstellung des Leides und der Darst. des Kampfes/Brutalität. Leid ist der menschliche Faktor, er wird nur allzu oft ausgeklammert.
Ausserdem hat man damals keine Zeit gehabt für Trauer, es waren archaische Zeiten.
Es ist eine Milieustudie, welche sich auf keine romantischen Beschönigungen einlassen darf. (Mittelalterromantik)
Wenn man auf der anderen Seite einen Anime nimmt, dann hat man dort eine "expressionistische" Sicht auf die Geschehnisse. In "Die Ballade von Narayama" wird diese Zeit eben "vermutlich" so realistisch (aufgeklärt) wie möglich abgebildet. Das kann den Zuschauer auch mal betroffen machen und zum Weinen bringen. Ich finde diesen Film daher, genau wie "Schindlers Liste" gut gelungen. Die Betroffenheit und Trauer muss auch nicht immer in melodramatischer Selbstbemittleidung enden, wobei ja damit ein Klischee bedient wird, sondern ist je nach Zeitgeist ausgeprägt. Wer z.B. die historischen Filme der 70er mit denen der 90er vergleicht wird feststellen, das alles zwar brutaler und bildgewaltiger geworden ist ,aber leichter verdaulich. Man behält keinen faden Nachgeschmack, sondern nur die tollen Explosionen und Effekte im Sinn.
15.06.04 16:22
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