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Erdbeben
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Erdbebenopfer
Gast

 
Beitrag #11
RE: Erdbeben
(15.04.13 08:47)adv schrieb:  Das wäre total unverantwortlich. (...) Das Krisenmanagement war phantastisch!

Ist das jetzt wieder eine typische Trotzreaktion der Ausländer in Japan á la "sag bloß nichts Schlechtes über mein schönes Japan"? Es sollte in jedem industrialisierten Land Standard sein, Notfallpläne parat zu haben.

Ich kann jedoch nicht von einem phantastischen Krisenmanagement sprechen, wenn in einen Zug so viele Menschen "hineindrückt" werden, dass einige Insassen drohen zu ersticken. Ich kann auch nicht von einem phantastischen Krisenmanagement sprechen, wenn ich am Bahnsteig allein gelassen werde, weil die Frage, ob und wann der nächste Zug abfährt nur mit "einfach warten" beantwortet wird. Insbesondere die Mütter mit ihren übermüdeten und teils total ausrastenden Kindern haben mir dabei richtig leid getan. Aber vielleicht gehört das zum "phantastischen Krisenmanagement" dazu, Standartsituationen perfekt zu beherrschen und wenns wirklich aufs Improvisieren ankommt total zu versagen.

Ich jedenfalls konnte mich in diesen Moment sehr gut in die Situation vor 13 Jahren hineinversetzen, als die Zugangsstraßen von und nach Kobe verstopft waren, weil es die Regierung nicht hinbekommen hat, diese freizuräumen und weil ausländische Hilfe konsequent abgelehnt wurde. Die bedauerlichen 500 bis 1000 Einzelschicksale, die bei einem phantastischen Krisenmanagement hätten gerettet werden können ... sho ga nai, wie der Japaner sagt.

So nebenbei, in Fukushima hat sich die japanische Regierung mit ihrem phantastischen Krisenmanagement auch nicht mit Ruhm bekleckert.

Sorry, aber Japan und Krisenmanagement verbinde ich nun wirklich nicht mit phantastisch. Glücklicherweise hatte ich am Samstag nur mit einem zeitweise nicht funktionierendem japanischen Zugsystem zu kämpfen.
15.04.13 10:19
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Yano


Beiträge: 2.145
Beitrag #12
RE: Erdbeben
(14.04.13 12:16)chochajin schrieb:  wackelt. Mir ist schon klar, dass man sich daran gewöhnt, aber ......
Sehr richtig. Und wenn Du im Blog schon fragst:
Daß es Bücher aus dem Regal wedelt, kommt in Tokyo schon mal vor. Meist ist es schnell vorbei, dann setzt man sich ans Gerät, um zu erfahren, ob es sich womöglich um einen Ausläufer eines schlimmen Bebens in Tohoku oder Hokkaido gehandelt hat.
Ich habe in T zwei Beben erlebt, wo es das Gas zugemacht hat, eines davon mit signifikanten Gebäudeschäden und Todesopfern. Es sind auch schon Beben der Stärke 4 von mir unbemerkt geblieben - solange nichts von den Fassaden fällt, ist man draußen weniger empfindlich als im Haus.
Mal habe ich in Tokyo in der Nähe einer alten Stadtautobahn gewohnt. Wegen deren Schwingungen hatte unsere Wohnung unaufhörlich Erdbeben reichlich der Stärke 1.

Edit
Für Wortliebhaber: dieser segensreiche Apparat heißt bei Klempnern Blasengel und tut die Leitung "abdrücken".
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.04.13 23:42 von Yano.)
15.04.13 11:15
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adv


Beiträge: 973
Beitrag #13
RE: Erdbeben
@"Erdbebenopfer"

Es hat sicher wenig Sinn hier weiter zu schreiben. Über die
Notfallpläne gäbe es sicher viel und auch Kritisches zu diskutieren.

In den letzten 2 Jahren habe ich in Tohoku soviel Leid und Elend gesehen,
das es für ein Leben reichen sollte, aber in aller Zerstörung und allem
menschlichen Leid auch viel Spontanität und Improvisation.

Das Du dich "Erdbebenopfer" nennst, weil Du " mit einem zeitweise nicht
funktionierendem japanischen Zugsystem zu kämpfen" hattest, empfinde
ich angesicht der abertausenden Toten die die Erdbeben in Japan schon
gefordert haben, sehr unpassend. Aber dabei lassen wir es dann, wir
reden eh aneinander vorbei.
15.04.13 11:52
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Hachiko


Beiträge: 2.596
Beitrag #14
RE: Erdbeben
(15.04.13 11:52)adv schrieb:  @"Erdbebenopfer

Das Du dich "Erdbebenopfer" nennst, weil Du " mit einem zeitweise nicht
funktionierendem japanischen Zugsystem zu kämpfen" hattest, empfinde
ich angesicht der abertausenden Toten die die Erdbeben in Japan schon
gefordert haben, sehr unpassend. Aber dabei lassen wir es dann, wir
reden eh aneinander vorbei.

Es gibt nur eine Erklärung für diese Selbstbemitleidung, "Erdebenopfer" mangelt es schlicht und
ergreifend an Empathie.
15.04.13 12:15
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Heulsuse
Gast

 
Beitrag #15
RE: Erdbeben
(15.04.13 11:52)adv schrieb:  Das Du dich "Erdbebenopfer" nennst, ..., sehr unpassend. Aber dabei lassen wir es dann, wir
reden eh aneinander vorbei.
Hoffentlich passt der nun gewählte Name besser in das Bild dieses Forums hier.

Unabhängig ob ich mich tatsächlich als Opfer fühle oder nicht, hört sich Aussage an wie: "Mach mal halb lang, es gibt Leute, denen geht es dreckiger als Dir". Für Leute, die die Dinge nicht mitgemacht haben, ist das immer leicht zu sagen, weil sie das Gefühl (in meinem Fall Platzangst gepaart mit Hilflosigkeit) nicht mitgemacht haben. Aber vielleicht wird der Begriff "emphatisch" hier eher derart ausgelegt, dass man sich zunächst immer an denen orienteren muss, die noch mehr Probleme hatten. Insofern wäre meine Exkursion am Samstag verglichen den armen Leuten in den norkoreanischen Konzentrationslager tatsächlich eher einem Kaffeekränzchen gleichzusetzen.

Entschuldigt bitte meinen kleinen Erfahrungsbericht. Ich werde mich in Zukunft hüten, über meine emotional aufgewühlten Erfahrungen zu schreiben, wenn man danach mit den Worten "es geht nicht anders" und "die Japaner machen alles blendend" nur als Heulsuse abgestempelt wird. Ich empfand und empfinde jedenfalls den ersten Beitrag von ADV als Demütigung.

Was die Improvisation und Spontanität der Regierung in dem Tohoku, das ich kenne angeht, so hält sich diese jedenfalls in Grenzen. Ich kenne dort aus meinem persönlichen Hintergrund Ofunato sehr gut und habe dort ebenfalls als freiwilliger Katastrophenhelfer mitgewirkt. Von "Spontanität und Improvisation" seitens der Regierung war und ist dort rein gar nichts zu spüren. Die haben es nicht einmal geschafft, die Bahnhöfe in dieser Gegend wieder richtig in Gang zu bringen. Die meisten werden auch heute noch nur spontan und improvisiert von einem Bus angefahren. Die einzigen, die wirklich spontan improvisieren müssen, sind die Einheimischen selbst. Und die sind mittlerweile ziemlich verbittert über Tokyo und deren Leute die dort leben.
16.04.13 07:22
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shakkuri


Beiträge: 1.387
Beitrag #16
RE: Erdbeben
In der Tat hast du dir nun einen wirklich passenden Namen gewählt. Glückwunsch!

接吻万歳
16.04.13 09:01
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Respit


Beiträge: 176
Beitrag #17
RE: Erdbeben
Hat in Japan "jeder" Haushalt bzw. die Hauptversorgung für einen Bereich ein Gerät das Erschütterungen erkennt und dann das Gas zu macht?
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.04.13 09:02 von Respit.)
16.04.13 09:02
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Hachiko


Beiträge: 2.596
Beitrag #18
RE: Erdbeben
@Heulsuse

Ich habe jetzt deine jeweiligen Posts verglichen und da überschneiden sich die Aussagen, einmal beschreibst du jetzige
Situation und zum anderen die von vor 2 Jahren. Was meinst du denn eigentlich.
Und dass adv dich gedemütigt haben soll, da überreibst du gewaltig, er betrachtet die ganze Sache eben etwas
nüchterner.
16.04.13 10:17
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Yano


Beiträge: 2.145
Beitrag #19
RE: Erdbeben
(16.04.13 09:02)Respit schrieb:  Hat in Japan "jeder" Haushalt bzw. die Hauptversorgung für einen Bereich ein Gerät das Erschütterungen erkennt und dann das Gas zu macht?
Wenn wir die Bilder vergleichen, hat es in Kobe ungleich mehr gebrannt als in Fukushima.
Man kann sich aber im Einzelfall leicht vergewissern, weil ohne hat der Gaszähler kein einziges Bedienungselement. Der Erdbebensensor jedoch zeigt sich als ein Hebelchen da dran. Er wird wohl nicht ganz billig sein.
16.04.13 11:34
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adv


Beiträge: 973
Beitrag #20
RE: Erdbeben
(16.04.13 07:22)Heulsuse schrieb:  Ich kenne dort aus meinem persönlichen Hintergrund Ofunato sehr gut und habe dort ebenfalls als freiwilliger Katastrophenhelfer mitgewirkt. Von "Spontanität und Improvisation" seitens der Regierung war und ist dort rein gar nichts zu spüren. Die haben es nicht einmal geschafft, die Bahnhöfe in dieser Gegend wieder richtig in Gang zu bringen. Die meisten werden auch heute noch nur spontan und improvisiert von einem Bus angefahren.

Wie Hachiko schon schrieb, ist die Frage worüber wir hier eigentlich reden. Über das Krisenmanagement
(das ich im Falle Tokyo und 11.3.11 gelungen fand) oder jetzt über die Phase des Wiederaufbaus in Tokohu,
bei der tatsächlich viele Menschen von der Zentralregierung sehr enttäuscht sind.

Sowohl beim Krisenmanagement/Notfallplänen als auch Wiederaufbau gibt es Licht und Schatten und die
konkreten Situationen sind von Ort zu Ort vollkommen verschieden.
Da Du dich da auskennst: Nimm zum Vergleich die benachbarten Städte Ofunato und Rikuzentakata.
Da Rikuzentakata im Gegensatz zu Ofunato beim Chile-Tsunami relativ verschont geblieben war, hatte
man in den Folgejahren in Ofunato viel mehr Tsunami-Vorsorge als in Riku getrieben, ua. wurden etliche
öffent. Einrichtungen verlegt und mehr Wert auf Fluchtwege gelegt.
Ofunato wurde 2011 wieder schwer getroffen, aber in Riku sind nicht nur mehr als 4-mal soviele Menschen
gestorben, auch die gesamte Infrastruktur ist förmlich vernichtet worden.
Die Stadtverwaltung von Ofunato (nicht die Tokyoter Zentralregierung) hat dann nach der Katastrophe
sehr schnell reagiert. Schon im Juli 2011 waren neue Bebauungspläne fertiggestellt und inzwischen liegt
eine Liste von 150 Wiederaufbauprojekten vor, von denen bei meinem letzten Besuch (Oktober 2012) ca.10%
der Projekte fertig gestellt und 66% begonnen wurden. Keine Ahnung, ob sie ihr "10-Jahresziel" einhalten
können, da bin ich skeptisch. Über 5000 Gebäude wurden beschädigt, fast 3000 völlig zerstört und nun
sollen ca. 1500 wieder aufgebaut werden, davon mindestens 650 an höheren Standorten.

Das die Leute, die kein Arbeit haben, alles verloren haben und weggezogen sind, oder wie meine Freunde
dort zT in den temporären Siedlungen hausen, oft am verzweifeln sind ist keine Frage.
Aber wenn ich lese "Die haben es nicht einmal geschafft, die Bahnhöfe in dieser Gegend wieder richtig in
Gang zu bringen." Was heißt denn "nicht mal"? Der größte Teil der Küstenstrecke wurde weggespült,
inklusive Gleisbett und Dämmen. Natürlich hat JR-East nicht gleich wieder die Bahnstrecke aufgebaut,
wo es in Kesenuma, Rikuzentakata ua noch keine Bebauungspläne gab oder gibt und die Stadtverwaltungen
nicht mal sagen konnten und zT können, wo sie wieder Bahnhöfe haben wollen. Aber seit letztem Jahr
haben sie nun auf dem alten Bahnkörper der JR大船渡線 als Provisorium eine straßenunabhängige バス高速輸送
(BRT-Linie) eingerichtet und Anfang März eröffnet. Alles kleine Schritte, aber bei soviel Zerstörung.. auf über
500 km Küstenlinie ...

.. als ich die Verwüstungen das erste Mal sah, raubte es mir den Atem. Seitdem versuche ich, wie Tausende
anderer ganz prakmatisch beim Wiederaufbau mitzuhelfen und freue mich auch über jeden kleinen Fortschritt
dort.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.04.13 01:13 von adv.)
17.04.13 01:07
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Erdbeben
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