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IS fordert Japan heraus
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Hachiko


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Beitrag #201
RE: IS fordert Japan heraus
(27.02.15 09:41)Firithfenion schrieb:  
(27.02.15 00:13)moustique schrieb:  Vielleicht interessiert euch dieser Artikel.
Der Moerder, welcher den Leuten die Koepfe abschneidet ist entlarvt.
http://news.yahoo.com/bbc-names-jihadi-j...02366.html

So so, jetzt wissen wir es, ein "Londoner" war das also. Sicherlich ein typischer Brite wie aus dem Bilderbuch. Na ja, Europa wird "bunt und vielfältig". Viel Spaß dabei.

Dieser Schlächter ist nicht nur irgendein "Londoner", vielmehr einer, der aus einer gut situierten Familie stammt, ein abgeschlossenes
Hochschulstudium in der Tasche hat und im feinen Londoner Westen aufgewachsen ist, so gestern in den Nachrichten gehört und
gesehen. Also nix da mit Ghettoisierung und Perspektivlosigkeit, die gängigen Ausreden, warum und wieso sich ein Neueuropäer dem
IS anschließt. Und sein Clan will wieder mal nicht gewusst und bemerkt haben, so brav wie der aussieht...
Man sehe sich nur einmal seine "Portraits" an, gezeigt bei Google/Bilder.
Dies hier gibt auch Grund zur Sorge:
https://www.home.1und1/magazine/politik/...l-30474656
Bei Gelegenheit sei bemerkt, dass Assad in London Medizin studiert und seine Ehefrau ebenda ein katholisches Mädchen-Inernat
besucht hat, ihre piekfeine Familie ist dort immer noch ansässig.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.02.15 13:50 von Hachiko.)
27.02.15 12:19
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Atilladermenschenfreund
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Beitrag #202
RE: IS fordert Japan heraus
(05.02.15 08:21)客人 schrieb:  Als besagter Kurnaz damals aus Guantanamo zurückkam und erzählte, dass ihn die Amis aufgehängt und mit Stromschlägen gefoltert haben, wie haben wir da reagiert? Wir haben zugelassen, dass der, der das ganze zu verantworten nun unser Bundesaußenguru ist.
Wie kommst du auf den dünnen Zweig, daß ausgerechnet der Außenguru das zu verantworten hat ? Wer hat denn diesen Hunnen nach Pakistan gezwängt ?, es ist wohl eher so, daß der besagte Kurnaz aus eigener Entscheidung ins Talibanengebiet gereist ist, um sich dort zum Islamisierungshelfer ausbilden zu lassen.
Und wir haben es zugelassen, daß solche Religionsbereicherer wieder einreisen dürfen.
27.02.15 19:21
Hachiko


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Beitrag #203
RE: IS fordert Japan heraus
(27.02.15 19:21)Atilladermenschenfreund schrieb:  
(05.02.15 08:21)客人 schrieb:  Als besagter Kurnaz damals aus Guantanamo zurückkam und erzählte, dass ihn die Amis aufgehängt und mit Stromschlägen gefoltert haben, wie haben wir da reagiert? Wir haben zugelassen, dass der, der das ganze zu verantworten nun unser Bundesaußenguru ist.
Wie kommst du auf den dünnen Zweig, daß ausgerechnet der Außenguru das zu verantworten hat ? Wer hat denn diesen Hunnen nach Pakistan gezwängt ?, es ist wohl eher so, daß der besagte Kurnaz aus eigener Entscheidung ins Talibanengebiet gereist ist, um sich dort zum Islamisierungshelfer ausbilden zu lassen.
Und wir haben es zugelassen, daß solche Religionsbereicherer wieder einreisen dürfen.

Es wird freundlichst gebeten von solchen Vergleichen Abstand zu nehmen, hier geht es um den Mörder der beiden japanischen Geiseln
und nicht um den Fall Kurnaz.
27.02.15 21:22
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torquato


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Beitrag #204
RE: IS fordert Japan heraus
(27.02.15 21:22)Hachiko schrieb:  hier geht es um den Mörder der beiden japanischen Geiseln und nicht um den Fall Kurnaz.

Den Fall Kurnaz hatte ich als Nebenbemerkung ins Spiel gebracht, ohne ihn allerdings namentlich zu nennen, weil jemand eine Bemerkung zu Steinmeier machte.

Kurnaz hier zu erwähnen halte ich per se nicht für abwegiger, als Margot Käßmann oder Claudia Roth anzuführen, über die sich hier andere meinten, echauffieren zu müssen. Die haben mit dem eigentlichen Thema noch weniger zu tun.

(27.02.15 19:21)Atilladermenschenfreund schrieb:  
(05.02.15 08:21)客人 schrieb:  Als besagter Kurnaz damals aus Guantanamo zurückkam und erzählte, dass ihn die Amis aufgehängt und mit Stromschlägen gefoltert haben, wie haben wir da reagiert? Wir haben zugelassen, dass der, der das ganze zu verantworten nun unser Bundesaußenguru ist.
Wie kommst du auf den dünnen Zweig, daß ausgerechnet der Außenguru das zu verantworten hat ?

Weil zu der damaligen Zeit, wie ich schon sagte, Steinmeier Kanzleramtsminister war. Als Kanzleramtsminister war er verantwortlich für die Geheimdienstkoordination und somit der Ansprechpartner für die CIA-Gegenseite, die den Folterknast in Guantanamo Bay betreibt. Als die CIA erkannt hat, daß Kurnaz vollkommen unschuldig gefangengehalten wurde, haben sie Deutschland angeboten, daß Kurnaz wieder in seine Heimat zurückkehren könne. Steinmeier hat das als zuständiges Regierungsmitglied abgelehnt. Er hat wissentlich dafür gesorgt, daß ein vollkommen Unschuldiger weiterere Jahre in Haft blieb und diesem rechtstaatliche Rechtsmittel verwehrt blieben. So dünn ist der Zweig nicht.

(27.02.15 19:21)Atilladermenschenfreund schrieb:  Wer hat denn diesen Hunnen nach Pakistan gezwängt ?

Wenn Du Volksverhetzung betreiben möchtest, dann mach es bitte richtig. Als 'Hunnen' werden traditionel, speziell im Angelsächsischen die Deutschen bezeichnet.

Ich würde sagen, das ging dann mal nach hinten los. grins
28.02.15 03:44
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Hellstorm
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Beiträge: 3.892
Beitrag #205
RE: IS fordert Japan heraus
So langsam driftet das hier aber mal wieder etwas ab. Ich bitte um etwas gesittete Kommentare, danke (insbesondere @Attilla...)

やられてなくてもやり返す!八つ当たりだ!
28.02.15 12:35
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Atilladermenschenfreund
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Beitrag #206
RE: IS fordert Japan heraus
(28.02.15 03:44)torquato schrieb:  ... Steinmeier hat das als zuständiges Regierungsmitglied abgelehnt.
Steinmeier wäre bestenfalls für Auslandsdeutsche zuständig,
für Auslandstürken - ein türkisches Regierungsmitglied.






(28.02.15 03:44)torquato schrieb:  Wenn Du Volksverhetzung betreiben möchtest, dann mach es bitte richtig. Als 'Hunnen' werden traditionel, speziell im Angelsächsischen die Deutschen bezeichnet.

Ich würde sagen, das ging dann mal nach hinten los. grins
ach was ?, dann zitiere ich mal ein türkisches Forumsmitglied
(23.01.13 01:38)torok schrieb:  ... Höchstwahrscheinlich kommt es auch von den Türken oder den Hunnen, die auch Türken waren, ...
, hierzu gibt es auch ein Link, welches aufzeigt, daß Türken Hunnen (Hunlar), als ihre Vorfahren ansehen
tr.wikipedia.org/wiki/Hiung-nu
@torqu - reicht das ?, oder hättest du gerne mehr Info ?






@8ko & @Hellstorm - bitte um Nachsicht, es ging nur um Klarstellung.
28.02.15 14:39
Mikasa


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Beitrag #207
RE: IS fordert Japan heraus
(21.01.15 12:07)Hachiko schrieb:  Wegen des stärkeren Engagements der japanischen Regierung im Kampf gegen den IS bekommt diese jetzt erste Konsequenzen zu
spüren. Es wird angedroht 2 japanische Geiseln hinzurichten, wenn nicht innerhalb 48 Stunden eine Summe von 200 Millionen Dollar
bezahlt werden. Tokio will standhaft bleiben und sich der Drohung nicht beugen, was bedeuten würde, dass dann die beiden Männer
enthauptet werden. Bilder, die einen vermummten Islamisten mit 2 neben ihm knieenden Männern zeigen, beweisen dies.
Jetzt hat auch Japan ein Problem mit dem IS.

Weil die Diskussion hier bis zur Vertierlichung (oder Dehumanisierung) und Diabolisierung reicht, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass
- der IS offenbar von Beginn an zu einem gewichtigen Teil von Saudi-Arabien finanziert wurde. Also einem der westlichen Hauptpartner in der Region, dem von westlicher Seite alles durchgelassen wird, was er in seiner eigenen Monarchie anstellt.
- sowohl die USA als auch die NATO zusammen mit der Türkei eine Strategie entwickelt hatten, den IS und andere dschihadistische Gruppen in Syrien wie al-Qaida-Gruppen zumindest passiv zu unterstützen, um Assad zu schwächen. Die Türkei hält sich bis heute an diese gemeinsame Linie der NATO, auch wenn plötzlich von deutscher und anderer Seite so getan wird, davon nie gewusst zu haben
- sowohl der Krieg in Syrien als auch die Destabilsierung des Irak (die beiden Hauptquellen für die Entstehung und Etablierung des IS) auf das unmittelbare Engagement der USA und westlicher Verbündeter (unter anderem UK) zurückzuführen ist
- es sich bei der Ideologie des IS um eine wahabitisch geprägte und extreme Minderheitsform des Sunnismus handelt, die ohne westliche Protektion, die unter anderem gegen den Iran zielt, nicht ansatzweise die Bedeutung hätte wie es heute der Fall ist
- kaum jemand im Westen Anstoss daran genommen hatte, als IS(IS) 2014 Dutzende Soldaten der syrischen Armee geköpft und mitten in der Stadt präsentiert hatte (Vorsicht: belastende Videoaufnahme auf http://www.liveleak.com/view?i=190_1406399936), nachdem die 417. Division - wie vom Vice-Nachrichtenmagazin noch gefilmt worden war - mit saudischem Geld umzingelt und ausgehungert worden war. Damals hatte das wohl noch ins Konzept des Westens gepasst, Assad zu schwächen. Der Kurs der Türkei wurde damals gefordert und nicht kritisiert. Und in Logo-TV wurden die ISIS-Kämpfer ganz neutral als "Kämpfer" bezeichnet, ohne jede kritische Note. Wo war damals der Aufschrei der westlichen Medien?
- die erste gewählte Demokratie in Ägypten durch einen Militärputsch im Juli 2013 - wieder finanziert von Saudiarabien mit 18 Mrd. US.-Dollar-Soforthilfe - gestürzt wurde, mit vom ägyptischen Geheimdienst gestützten angeblich "bürgerlichen" Gruppen, die gefakte Zahlen über Volksdemonstrationen veröffentlichten, welche von fast allen westlichen Medien kritiklos übernommen wurden, um das Märchen einer Islamisierung Ägyptens an die Wand zu malen. Das Ergebnis ist die vollständige Unterdrückung der ägyptischen "Revolution" von 2011 und das mörderischste System, das Ägypten jemals in der Neuzeut erlebt hat (das Massaker vom 14. August 2013 mit über 1100 meist in Kopf, Hals oder Brust erschossenen Antiputschdemonstranten wird von westlichen Medien konsequent heruntergespielt, über die anderen kleineren Massaker mit jeweils nur 100, 80 oder 60 ermordeten Demonstranten schreibt praktisch niemand).

Ganz ehrlich: meinem Erschrecken über die Morde an den Japanern durch den IS ging mein Schock über unsere Politik voraus, die all dies hat absehbar werden lassen. Die Förderung der Dschihadisten in Afghanistan, die Destabilisierung des Irak, der Krieg in Syrien, die Unterdrückung der gewählten Systeme nach dem "Arabischen Frühling", die Förderung der Dschihadisten im Irak... all das wurde mit unseren westlichen Steuergeldern bezahlt. Wurde von uns propagandistisch unterstützt. Wie sagte John Kerry noch: im Juli 2013 wurde die Demokratie in Ägypten wiederhergestellt. Der Tod der Japaner geht auf unser Konto. Meine Meinung. Wir halten uns die falschen Freunde. Und Saudi-Arabien zählt dazu.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.02.15 15:41 von Mikasa.)
28.02.15 15:39
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Hachiko


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Beitrag #208
RE: IS fordert Japan heraus
@Attila.....

Hier ebenfalls zur Klarstellung:
https://www.de.wikipedia.org/wiki/Türken
28.02.15 21:31
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Mikasa


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Beitrag #209
RE: IS fordert Japan heraus
(28.02.15 03:44)torquato schrieb:  Wenn Du Volksverhetzung betreiben möchtest, dann mach es bitte richtig. Als 'Hunnen' werden traditionel, speziell im Angelsächsischen die Deutschen bezeichnet.
Die sogenannte "Hunnenrede" von Kaiser Wilhelm II. an die von Bremerhaven nach China in See gehenden Truppen vom 27. Juli 1900 zur internationalen Niederwerfung der sogenannten "Boxeraufstände" unter deutscher Leitung ist von den Briten genüßlich zur Propaganda gegen das preußisch dominierte Kaiserreich benutzt worden, das sich anschickte, der britischen Seemacht Konkurrenz zu machen. Tatsächlich hat Wilhelm allerdings nichts angestellt, das seine Verbündeten nicht ebenfalls getan hätten. Ein anderer - möglicherweise auch nach dem Vorbild des wohl viel bedenklicheren Ludendorff - hätte diese Apostrophierung wesentlich eher verdient als Wilhelm, welcher doch eher ungeschickt getrommelt, denn wirklich geprügelt hat. Wie auch immer: dass das nicht im Sinne einer biologischen Verwandtschaft gemeint war, ist torqato sicher klar.

(28.02.15 14:39)Atilladermenschenfreund schrieb:  [...]ach was ?, dann zitiere ich mal ein türkisches Forumsmitglied
(23.01.13 01:38)torok schrieb:  ... Höchstwahrscheinlich kommt es auch von den Türken oder den Hunnen, die auch Türken waren, ...
, hierzu gibt es auch ein Link, welches aufzeigt, daß Türken Hunnen (Hunlar), als ihre Vorfahren ansehen
tr.wikipedia.org/wiki/Hiung-nu
@torqu - reicht das ?, oder hättest du gerne mehr Info ?
@8ko & @Hellstorm - bitte um Nachsicht, es ging nur um Klarstellung.
Die offiziellen und volkstümlichen Narrative zur Abstammung und Verwandtschaft der Türken sind von Brüchen durchsetzt. Im Volkstümlichen, so bei verschiedenen möglicherweise nicht näher verwandten ursprünglichen Nomadensgruppen, hört man immer wieder traditionell die Herkunft aus "Chorasan".

In den 1920ern, als einer der international sicher bedeutendsten Staatsmänner seiner Zeit, Mustafa Kemal "Atatürk" die Türkei nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches im Zuge des 1. Weltkriegs in einen modernen Nationalstaat wandelte und - wie jede Nation - eine Einheitslegende schaffen musste, liess von Geschichtswissenschaftlern die These einer Herkunft von kleinasiatischen Ureinwohnern erstellen. Ein wichtiger Grund dafür war unter anderem, dass die Europäer und US-Amerikaner zu dieser Zeit die asiatische "Rasse" als erblich minderwertig betrachteten (der "Mongoloidismus" als Bezeichnung für das Trisomie 21-Syndrom wurde sowohl mit einer phänotypischen als auch mit einer Übereinstimmung in der "Wertigkeit" der Betroffenen zu asiatischen "Rassenangehörigen" so benannt). Erst später - in den 1930er Jahren - behauptete die "Türkische Geschichtsthese" dann, ihre aus Asien stammenden "türkischen" Vorfahren hätten die Hochkulturen in Kleinasien erst gegründet. Natürlich ist die türkische Sprache - und sind die Turksprachen - mit der mongolischen Sprache - und mit der hunnischen - verwandt. Die asiatischen Einwanderer nach Kleinasien kamen auch in verschiedenen Wellen, von denen einige nicht zuletzt durch die mongolischen Wanderungsbewegungen ausgelöst wurden. Es gab auch viele Verbindungen dieser Völker. Und der Name At(t)ila ist ebenso wie Cengiz (Dschingis) nach wie vor in der Türkei beliebt. Aber selbst, wenn man mit "türkisch" die "Turkvölker" meint (also erstens eine Sprachverwandtschaft und zweitens eine über Kleinasien und Azerbaidschan nach Asien hinausreichende), dann ist eine Gleichsetzung von "türkisch" und "mongolisch" immer noch unberechtigt. Es sind agglutierende Sprachen aus einer verwandten Sprachgruppe. Es gab historisch zahlreiche Kontakte. Gleichzusetzen ist es nicht.

Aber um den Bogen mal mutig über Japan bis hin zum IS zu schließen. Auch Japaner wurden Opfer der diskriminierenden Rassegesetzte der USA in den 1920ern, auf die Atatürk mit seiner Legendenbildung sehr schnell reagierte: 1853 durch das Geschwader Perrys mit dem Vertrag von Kanagawa von den USA und durch weitere Kanonenbootpolitik von anderen "weißen" Mächten zum Handel nach westlichen Bedingungen gezwungen, gewaltsam aus der selbstgewählten 250jährigen Isolation gerissen, vielfach schlicht beschossen und gedemütigt, hatte in Japan 1867 der letzte Shogun abgedankt, war 1871 die Feudalordnung abgeschafft worden und der letzte Samuraiauftstand von 1877 niedergeworfen ("Kagoshima"). Es kamen europäische Berater, allg. Wehrpflicht nach europäischen Vorbild, staatliche Förderung der Auslandsstudien. Ich darf den japanischen Außenminister Shigenori Togo zitieren (nicht zu verwechseln mit Heihachiro Togo, dem ruhmreichen Flottenadmiral, der Konteradmiral auf dem noch ruhmreicheren Flaggschiff „Mikasa“ war). Togo schrieb (Japan im Zweiten Weltkrieg, 1958) "Japan trat in die Welt; es schuf sich ein neuzeitliches Regierungs- und Verwaltungssystem, modernisierte sein Finanzwesen und legte sich moderne Waffen zu; es baute Eisenbahnen, führte die Telegraphie ein und knüpfte diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern. [...] Japan lernte von der Welt nicht nur, in den ihr geläufigen Sprachformen zu sprechen, es erkannte nicht nur die Bedeutung ihrer Flotten, ihrer Bataillone und der gebändigten Macht des Dampfes, es erlernte auch die Machtpolitik der Welt. Japan begriff, dass Erfolg, um nicht zu sagen: Fortbestand in dieser Welt des 19. Jahrhunderts mit dem Besitz eines Großreiches gleichbedeutend war; so ging es unverzüglich daran, ein solches reich zu erwerben." 1875 konnte Japan sich durch ein Abkommen mit Russland die Kurillen sichern, 1894/95 im Krieg gegen China Formosa und die, Pescadores gewinnen, 1895 eine Kriegsflotte nach japanischem Vorbild begründen, mit der sie nach dem Überraschungsangriff (Mikasa!) auf Port Arthur unter Admiral Togo das russische Ostseegeschwader vernichtete und im Frieden von Portsmouth Südsachalin (Karafuto), die Südmandschurei, Port Arthur selbst und Korea erhielt. Bang! Zur Belohnung gab es 1907 anerkennende Verträge mit Frankreich, Russland und den USA. In 1. WK gab es dann das deutsche Schutzgebiet Kiatschou zur Beute und damit die Chance, den japanischen Einfluß in Nordchine entscheidend auszubauen (1915 "21 Fragen" an China). Aber dann gab es den ersten bösen Rüffel: 1922 im Flottenabkommen mit den USA und den Briten wurde klargestellt, dass Japan nicht im gleichen Salon mit den "Weißen" sitzt: Begrenzung für Flugzeugträger und Schlachtschiffe auf 60% der angelsäschsischen Ausmasse, ausdrückliche Stornierung des japanisch-britischen Bündnisses von 1902. Die systematische Isolierung des Musterknabens Japans durch den Westen hatte begonnen. Der Schüler war zu eifrig gewesen, hatte zu gut gelernt, fand der Lehrer. 1921 brüskierten die rassistisch diskriminierenden Einwanderungsgesetze der USA mit dem ergänzenden Entscheid des Obersten US-Gerichtshofs, der Japanern die Einbürgerungsfähigkeit als "minderwertige" asiatische Rasse absprach. Mehrere Historiker betonen, dass die folgende Entwicklung gerichtet auf eine gezielte Isolation Japans hinauslief, mit dem Ziel Japan entweder vor dem nächsten Krieg zur weitgehenden Unterwerfung unter die "weißen" Herren zu zwingen oder aber die militärisch hoffnungslos unterlegenen japanischen Streitkräfte zu vernichten. Das in die Sackgasse getriebene Japan - aus seiner Tradition der Führungskräfte unfähig zu einer schmachvollen Kapitulation, reagierte mit dem Rückgriff auf die Tugenden des Gestrigen, dem Samurai-Geist des Bushido-Codex, obwohl der Führung klar war, dass eine militärische Auseinandersetzung nicht zu gewinnen war. 1933 trat es aus einem Völkerbund aus, in dem es nur noch Gegnern gegenüberstand. Der japanische Vertreter im Völkerbund und spätere Außenminister, Yosuke Matsuoka, erklärte: "Die Westmächte haben die Japaner das Pokerspiel gelehrt. Nachdem sie die meisten Chips gewonnen hatte, erklärten sie es für unmoralisch und gingen zum Kontrakt-Bridge über." Als Japan 1940/41 nur noch die Wahl zwischen einer politischen Kapitulation oder einem militärisch aussichtslosen Krieg gegen die USA blieb, wählten sie den Angriffskrieg mit der einzig verbliebenen Option des Wunders, das wie beim Kamikaze gegen die mongolische Flotte im 13. Jahrhundert erhofft wurde.

Warum ich das hier ausbreite? Weil das unüberlegte Gerede von "Ratten" wie damals den Propagandavorgaben einer Politik Vorschub leistet, die den Gegenüber erst nach eigenen Vorstellungen aufstellt, ihn dann umwirft, ihm alles nimmt, so dass beim Gedemütigten und in die Enge Getriebenen nur noch die radikalen, die archaisch ideologischen Kräfte übrig bleiben, die dann als Alibi herhalten für einen gnadenlosen Unterwerfungs- und Ausbeutungszug. Wie das möglich sein kann, wo wir doch alle pazifistisch und aufgeklärt sind. Weil wir kein Gedächtnis haben. Weil wir vergessen. Was ist mit Ägypten geschehen. Was mit Irak. Was mit Syrien. Was mit Afghanistan. Wenn man im Badezimmer ein Streichholz anzündet, riecht man den Kot im eigenen Becken nicht mehr. Oder soll ich sagen, ein Räucherstäbchen im Freudenhaus? Das ist Biologie. Ein Gefahrsignal löscht jeden anderen Sinn aus. Alarm macht dumm und engt die Perpektive ein, schneidet Vorgangenheit und Zukunft aus, kennt nur noch Gegenwart.

Alarm. Allein das Wort. Zu den Waffen. Zu den Büchern wäre angemessener. Damit man nachlesen kann, wer uns in diese Situation gebracht hat. Was diejenigen, die jetzt aufhetzen, noch vor einem Jahr, vor einem Monat, was sie gestern noch gesagt haben - und was sie heute sagen. Hat hier jemand gesagt, wir geben Millionen für syrische Flüchtlinge aus? Fragt mal in Jordanien nach. Selbst in der Türkei. Vergleicht die Zahlen nicht nur innerhalb von Europa, sondern seht über den Rand. Deutschland zählt zu den Gewinnern. Waffenverkauf ist nur ein Aspekt. Geopolitik ein viel wichtigerer. Was sagte Volker Kauder: vertraut Sisi in Ägypten. Er bringt die Freiheit.

Ja, wenn Tod frei macht. Nur darf sich Kauder über Islamismus nicht aufregen, wenn er ihn selbst mitzüchtet.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.02.15 23:44 von Mikasa.)
28.02.15 23:31
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Beitrag #210
RE: IS fordert Japan heraus
(28.02.15 23:31)Mikasa schrieb:  Warum ich das hier ausbreite? Weil das unüberlegte Gerede von "Ratten" wie damals den Propagandavorgaben einer Politik Vorschub leistet, die den Gegenüber erst nach eigenen Vorstellungen aufstellt, ihn dann umwirft, ihm alles nimmt, so dass beim Gedemütigten und in die Enge Getriebenen nur noch die radikalen, die archaisch ideologischen Kräfte übrig bleiben, die dann als Alibi herhalten für einen gnadenlosen Unterwerfungs- und Ausbeutungszug. Wie das möglich sein kann, wo wir doch alle pazifistisch und aufgeklärt sind.
....
Alarm. Allein das Wort. Zu den Waffen. Zu den Büchern wäre angemessener. Damit man nachlesen kann, wer uns in diese Situation gebracht hat.

Wer sagt dir denn das wir alle pazifistisch sind? Ich bin es jedenfalls nicht. Pazifismus ist eine zwar eine sehr rührende, aber auch eine sehr einfältige Einstellung. Versuche mal mit deinen Büchern und pazifistischem herumgebarme einen Mörder in seinem Blutrausch zu stoppen, der dich und deine Familie abschlachten will. Viel Erfolg dabei.

Natürlich ist es richtig nach den Hintergründen zu Fragen. Schuld hat aber immer der Täter der die Tat begeht solange er kein ferngesteuerter Roboter ist. Bestenfalls kann es eine Mitverantwortung geben. Ansonsten landet man schnell in der irrationalen Position das niemand an gar nichts Schuld hat, denn es lässt sich für alles eine Entschuldigung finden wenn man es nur will. Mörder als arme in die Ecke getriebene Opfer darzustellen die gar nicht anders können ist eine Verdrehung der Tatsachen. Mit so einer Einstellung könnte man auch die Verbrechen der Nazis entschuldigen und alles auf die historischen Ereignisse schieben die diesen Ereignissen vorangingen und die Entbehrungen und Zurückweisungen die Adolf Hitler in seiner Jugend erleiden musste. So eine Täterentschuldungsphilosophie führt zu nichts.

Ich geben dir insofern Recht, das auch ich vieles an der Aussenpolitik für falsch halte. Auch ich halte Assad nicht für den Unhold, den die hiesige Propaganda aus ihm gemacht hat. Er hat eine gemässigte religiöse Einstellung, hat soweit es ihm möglich war für relative Stabilität in der Region gesorgt und war nie ein ausgesprochener Feind des Westens und der westlichen Lebensart. Zumindest nicht solange bis der Westen ihm heimtückisch in den Rücken gefallen ist. Die Einmischung war falsch und hätte besser unterbleiben sollen. Ich persönlich plädiere für eine strikt neutrale Aussenpolitik. Wir haben genug eigene Probleme und wenn wir uns in alle möglichen Konfliktherde einmischen dann hat das bisher immer nur zu einer Verschlimmerung der Zustände und zu neuen Flüchtlingsströmen geführt die wir dann auch wieder ausbaden dürfen.

Truth sounds like hate to those who hate truth
01.03.15 00:50
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