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Japanische Häuser
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irgendwer


Beiträge: 198
Beitrag #1
Japanische Häuser
Wieso sind japanische (Einfamilien)häuser bzw. Häuser generell so sch***?

Also ich hoffe, mitlesende Japaner fühlen sich nicht beleidigt oder so, aber aus deutscher Sicht sind japanische Häuser teuer und wirklich sehr schlecht:
- kein Keller
- keine Isolierung (d.h. im Winter kalt, im Sommer heiß)
- keine Heizung
- häßlich wie die Nacht
- weder wirklich aus Stein gemauert noch aus Holz, mehr so Wände aus Pappe (bei diesem Punkt habe ich schon gedacht, daß es mit Erdbeben zu tun hat, aber auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, daß diese normalen Papphäusschen einem echten Erdbeben widerstehen)

vor kurzem kam eine Frau aus Rumänien (!) nach Japan und meinte zu mir, die Häuser, und nicht nur die Einfamilienhäuser, sondern auch die in der Stadt, sähen ja so trostlos und traurig aus.

Ich meine, die kam aus Rumänien (!) und kannte auch noch die Zeit vor der Wende.

Ich dachte immer, es läge am Preis, d.h. daß solche Häuser wenigstens preiswert wären. Aber wenn man ein bisschen nachhört, geht es ab 20 bis 25 Millionen Yen los - ohne Grundstück. Das erscheint mir nicht so viel billiger (insb. wenn man die Kaufkraft berücksichtigt) als z.B. in Deutschland.

Würde mich wirklich mal interessieren. Können mich mitlesende Japaner mit Insiderinformationen versorgen? ;-)
21.06.09 07:47
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shakkuri


Beiträge: 1.387
Beitrag #2
RE: Japanische Häuser
Ich denke, das Thema Erdbeben dürfte schon das Hauptargument sein. In Rumänien (!) gibt es halt einfach deutlich weniger davon...

接吻万歳
21.06.09 10:41
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Robato


Beiträge: 148
Beitrag #3
RE: Japanische Häuser
Ich denke auch, dass die Bauweise auf Erdbebensicherheit beruht. Daher wohl auch keine Keller. Ein Heizungssystem nimmt vielleicht auch relativ leicht einen Schaden, wenn ein Haus bei einem Erdbeben durchgeruettelt wird. Dann sind die kleinen mobilen Heizgeraete schon etwas im Vorteil, denke ich.

"haeeslich wie die Nacht" ... Das duerfte wohl eher Geschmackssache sein. Speziell die Einfamilienhaeuser finde ich doch schon recht anschaulich, vor allem, wenn noch ein schoener Garten drumherum angelegt ist. Wobei die Neubauten unter den Einfamilienhaeusern auf mich etwas zu schlicht wirken.

Sports Bakka... wenn schon Sport, dann dieser *^-^*
21.06.09 13:27
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Teskal


Beiträge: 826
Beitrag #4
RE: Japanische Häuser
In der Serie Shogun wurde das schön erklärt. Papier/Holzhütten lassen sich leichter wieder aufbauen nach einem Erdbeben. Ok, stimmt zeitlich nicht, aber dafür hat sich der Ort nicht geändert. D.h. die Erdbeben gibt es immer noch.

Man darf auch nicht vergessen, das in Japan bebaubarer Platz Mangelware ist. Deswegen ist es dort deutlich teurer etwas zu bauen. Damit dann auch nicht günstiger als bei uns.
21.06.09 20:48
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zendent


Beiträge: 86
Beitrag #5
RE: Japanische Häuser
Also ich habe hier einige Folgen der "Es muss nicht immer Sushi sein"-Dokumentationsreihe rumliegen (sehr gut übrigens). Da geht es einmal um einen deutschen Geschäftmann, der klassische Bauernhäuser kauft. Da wird die Behauptung aufgestellt, diese sind auf Grund der traditionellen Baukunst besonders stabil und sicher bei Erdbeben. Deshalb ist es vielleicht ein Kurzschluss, davon auf moderne Bauten zu schließen.

Diese werden im Film als billig zu errichtende "Wegwerfhäuser" mit einer geplanten Lebensdauer von 20 Jahren bezeichnet - dementsprechend dann auch die Qualität.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.06.09 23:24 von zendent.)
21.06.09 23:24
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irgendwer


Beiträge: 198
Beitrag #6
RE: Japanische Häuser
Die Doku kenn ich auch, ich habe sogar mal versucht, den Menschen bzw. die Holzhausbauart (was für ein Wort) zu ergoogeln, aber nichts gefunden.
Ich erinnere mich noch daran, daß es keine üblichen Holzhäuser waren, es waren irgendwelche "vergessenen" Bauarten auf Hokkaido, wenn ich mich recht erinnere.

Denn "normale" traditionelle japanische Holzhäuser sind in Japan verrufen, eben ob der Gefahr bzgl. Erdbeben. Es gibt da auch einen mehr oder weniger wissenschaftlichen englischen Artikel zu (Link vergessen, läßt sich aber ergoogeln) der die Situation nach dem Erdbeben in Kobe analysiert und zu dem Schluss kommt, daß man sich in einem solchen traditionellen Holzhaus nicht aufhält.

Es gibt aber ein paar Dinge, die für mich immer noch nicht klar sind:

- bebaubarer Platz ist in der Tat Mangelware, allerdings nicht im Inaka. Und der genannte Preis (wie sehr und ob ich da falsch liege weiß ich nicht) ist eben ohne das Grundstück
- Was Erdbeben angeht: Wie gesagt, ich glaube nicht, daß diese "Papphütten" (die Wände sind wirklich nur zwei Platten, manchmal sogar Wellblech, mit ein ganz kleines bisschen Füllung dazwischen) besonders erdbebensicher sind.
- ich kenne die Probleme der Heizungsverleger nicht, aber Gasleitungen werden ja auch in jedes Haus gelegt - Warum ist eine Heizung dann so ein Problem?

Also grundsätzlich verstehe ich das Mißverhältniss zwischen Leistung und Preis nicht.
22.06.09 09:41
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zendent


Beiträge: 86
Beitrag #7
RE: Japanische Häuser
(22.06.09 09:41)irgendwer schrieb:  Die Doku kenn ich auch, ich habe sogar mal versucht, den Menschen bzw. die Holzhausbauart (was für ein Wort) zu ergoogeln, aber nichts gefunden.
Ich erinnere mich noch daran, daß es keine üblichen Holzhäuser waren, es waren irgendwelche "vergessenen" Bauarten auf Hokkaido, wenn ich mich recht erinnere.
Die Folge handelt von der schneereichen "Westküste" und es fällt mal der Name Akita. Fände ich etwas seltsam, wenn nur diese Art der traditionellen Häuser so "stabil" sind (wenn überhaupt).. aber gut, traditionell ist ja auch nicht gleich traditionell.
Ich hab den Ausschnitt mal hochgeladen, falls jemand interessiert ist:
http://www.youtube.com/watch?v=a86lOdPb_iU

EDIT: Es handelt sich um Takedokoro in Niigata - sucht man nach dem Namen findet man noch ein paar Berichte etc, auch über den Herr Bengs.
http://www.k-bengs.com/
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.06.09 10:08 von zendent.)
22.06.09 10:03
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mile


Beiträge: 2
Beitrag #8
RE: Japanische Häuser
(21.06.09 07:47)irgendwer schrieb:  ...Also ich hoffe, mitlesende Japaner fühlen sich nicht beleidigt oder so, aber aus deutscher Sicht sind japanische Häuser teuer und wirklich sehr schlecht:
...
Können mich mitlesende Japaner mit Insiderinformationen versorgen? ;-)

Hallo,

Deine Anfrage stammt schon aus der Vorzeit, aber vielleicht ließt Du noch Deine Chatseite.

Mich hat die Frage auch nicht in Ruhe gelassen, die Antworten sind aber Klimmer- Geographisch bedingt.

1.Wie schon geschrieben sind die Erdbeben ein sehr wichtiger Faktor. Auch wenn die Häuser zusammenbrechen sind viele Bestandteile der Gebäuden immer noch gut zu verwerten. Das heißt man kann die Trümmer noch immer zum wiederaufbau sehr gut verwenden. Was bei Beton/Ziegelbauten schlecht möglich ist. Da bleibt mehr Schutt.

2.Japan ist von Gewässern umgeben. Das führt auf fast allen Inseln zu feuchten heißen Sommern. Diese Kombination ist unerträglich, wie in der Karibik im Sommer. Die Japanisch Weißheit besagt: „wenn es zu kalt ist, kann man sich wärmer anziehen. Wenn aber zu warm kann man nicht mehr ausziehen“. Daher diese leicht, zügige Bauweiße auf Sommer ausgerichtet. Die Japanische Häuser besitzen noch Fensterläden um sich vor Kälte und Taifunen zu schützen. Man baut sie vor den Papierfenstern, wenn es notwendig ist. Gegen Durchzug besitzen diese Häuser Paravans, die den Luftzug bei Kälte verhindern.

In modernen Japanischen Bauweiße spielen diese Häuser keine Rolle mehr. Sie sind out. Zu kalt, zu umständlich im Unterhalt. Beton hält den Siegeszug schon seit Jahren.

Ich lebe seit 1981 in Japan und habe ein Haus dieser Art auf dem Lande –übrigens von einem Deutschen Unternehmer in Japan in stand gebracht. Ich habe Freunde, die auch nur in solchen Häusern leben, oder ein Sommerhaus dieser Art besitzen. Ich kann es nur eins sagen. Im Sommer kann man dort ohne Klimaanlage auskommen, in den Betonbunkern nicht! Fürs Winter habe ich mein Haus unauffällig umgerüstet, z.B. Fenster aus Glas.

Nicht zu trotz sind die Holzhäuser phantastisch gut und den damaligen Möglichkeiten der Japaner angepasst. Außerdem sind die Räume freier und durch verbautes Holz ansprechender. Meine Japanische Frau, ein Stadtkind ist absolut gegen alles Japanische gewesen. Sie lehnte, wie die meisten modernen Japaner, Kimonos, Tatamimatten, alte Häuser, hiesige Religionen, Traditionen etc. ab. Erst durch meine Begeisterung der Japanischen Kultur gegenüber ist ihr klar geworden, dass die alten nicht dumm, oder primitiv waren – sie beugten sich einfach der Natur. Kimonos sind trotzdem unbequem!

Heute besuchen wir nach Möglichkeit alle sechs Sumo-Turniere im Jahr, nehmen wir an Bogenschießen (Kyudo) teil, bei Feiertagen ziehen wir Kimonos an – eine Art von Weihnachten, protestieren gegen Walfang und Abschlachtung von Delfinen. Nicht alles ist Gold was glänzt.

Die Ablehnung den Ausländern (Gaijin) gegenüber hat sich auch gemildert. So wie nur manche alte Franzusen immer noch unfreundlich dem Deutschen gegenüber sind. Meine Schwiegereltern, eine ältere Samurai, in Traditionen aufgewachsene Familie, lehnte mich als gleichwertig ab. Ich war auch nie bestrebt dessen Achtung zu erlangen. Aber erst als ich meine Schwiegervater in seinen Lieblingssport – Kendo besiegt habe und andere Dan meine nennen konnte sprechen sie mit mir ungewöhnlich, fast Europäisch, offen.

Das schreibe ich nur um zu sagen, dass das alte Japan am sterben ist und das neue nicht immer besser ist.

von Miller
Zitat-Tag korrigiert, Zitat gekürzt und an den Anfang gesetzt.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.02.11 13:07 von mile.)
17.02.11 10:32
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sushizu


Beiträge: 367
Beitrag #9
RE: Japanische Häuser
Faellt das Haus um dich herum tatsaechlich zusammen, hast du viel bessere Chancen, aus einer japanischen Streichholzschachtel zu kommen als dich unter einem Betonklotz hervorzuwuehlen. Auch wenn oberstes Gebot beim Bauen natuerlich sein sollte, dass das Konstrukt zwar Schaeden davontragen kann, ein Kollaps aber vermieden wird.

Wen so was motto kuwashiku interessiert, der lese sich z.B. das pdf hier durch:
Erdbebensicherheit von Holzbauten
17.02.11 10:51
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mile


Beiträge: 2
Beitrag #10
RE: Japanische Häuser
Ein Nachteil hat die Holzgeschichte und Erdbeben – das ist das Feuer.

Oft reichte ein Haus, das in Brand geraten ist um ganze Stadtteile zu Asche zu verwandeln. Das ist nicht schwer, in den meisten Häusern war irgendwo eine offene Feuerstelle. Aber auch dort waren die Japaner gezwungen, etwas dagegen zu unternehmen.

In Küchen, wo der Boden meistens aus Lehm. Die einzige Stelle übrigens, wo sich die Menschen innerhalb des Hausen mit Schuhen bewegen konnten.

Es gibt Bürgerwehren, die im Brandfall einschreiten sollten etc. Am Ende waren die Menschen oft machtlos, manchmal aber hatten sie Glück.

Dann hast Du recht, ich denke es gebe mehr tote unter dem schweren Beton, als unter den Mikado Häusern.

Zu dem Thema habe ich ein Mechanismus entdeckt, dessen Sinn ich nicht verstehen konnte. Erst ein alter Bauer aus dieser Gegend erkläre mir die Funktion.

An der offenen Feuerstelle, die zum aufwärmen im Winter diente, war ein dünner Stock eingespannt. Sollte das Feuer zum ausbreiten kommen, brannte das Stock durch das wiederum setzte ein Tonkrug in Bewegung und ca. 50 l Wasser ergoss sich über die Feuerstelle.

Ich weiß nicht, ob das irgendwann zu Einsatz kam, oder nicht, aber es gab einen Nebeneffekt, den man erreicht hat - das speichern der Restwärme. Der Tonkrug war warm genug um die Hände an ihm aufzuwärmen.


(17.02.11 10:51)sushizu schrieb:  Faellt das Haus um dich herum tatsaechlich zusammen, hast du viel bessere Chancen, aus einer japanischen Streichholzschachtel zu kommen als dich unter einem Betonklotz hervorzuwuehlen. Auch wenn oberstes Gebot beim Bauen natuerlich sein sollte, dass das Konstrukt zwar Schaeden davontragen kann, ein Kollaps aber vermieden wird.

Wen so was motto kuwashiku interessiert, der lese sich z.B. das pdf hier durch:
Erdbebensicherheit von Holzbauten
18.02.11 11:26
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Japanische Häuser
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