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Japanische Vergangenheit...
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Anonymer User
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Beitrag #21
RE: Japanische Vergangenheit...
An den ersten Anonymen User,

ich komme aus Japan, lebe in Deutschland ca. zehn Jahre und arbeite die ganze Zeit mit Deutschen bei dt. Firmen.

1. Wie jemand bereits gesagt hat, ist Japanisch, also meine Muttersprache, eine Sprache, bei der die Formulierung sehr stark auf den Kontext bezieht und es weniger darauf ankommt, was der Sprecher wörtlich gesagt hat.
Ein Japaner, der nicht im deutschen Kulturraum aufgewachsen ist, bringt diese sprachliche Konvention sowie sein Verhaltenskodex selbstverständlich nach Deutschland mit, auch wenn er super toll Deutsch sprechen kann.
Du sagst "scheissfreundlich" schliesslich deshalb, weil Du als Nichtjapanischsprachler die sprachliche und gesellschaftliche Spielregel des Japanischen und der Japaner nicht kennst.

Je länger ich in Deutschland lebe, desto größer meine Verzweifelung daran, ob ich Euch alle Deutsche jemals richtig verstehen kann. Wenn Du glaubst, Ihr seid alle sprachlich "direkt" und es gäbe keine komplizierten Verhantelnskodexe, so ist es ein grosser Irrtum. Ihr habt auch Eure Art, kontextbedingt und -bezogen Dinge schwammig, indirekt, euphemistisch, diplomatisch, höflich, höflich-unhöflich, unverständlich zu formulieren. Nur, weil Ihr wisst als Muttersprachler, was sie in der Tat bedeuten - und wir Nichtmuttersprachler oft nicht.

Viele in Deutschland lang lebenden (oft mit Deutschen verheirateten) Japanerinnen leben in der Tat in einer engen japanischen Gesellschaft am Ort und haben extrem wenig Freunde in Deutschland. Weisst Du, warum? In meinem Auge nicht deshalb, weil sie schlecht Deutsch sprächen, sondern weil sie die gesellschaftliche und sprachliche Spielregel nie verstanden haben und auch nie verstehen werden.

2. Ich könnte, wenn ich gewollte hätte, als lang in Deutschland lebender Ausländer schon längst ein Gegenstück zu jenem "Darum hasse ich Japaner" schreiben.

Denkstu ernst, die Deutschen seien milenweit von Japanern, was die Vergangenheitbewältigung angeht? Sei froh über Deine Blindheit. Du wärest an meiner Stelle schon längst depressiv geworden. Ihr habt "formell", d.h. diplomatisch und erziehungspolitisch besser als wir, aber wie es im Alltag in der Tat aussieht? Ich kann die Statistiken, auf die Warai hingewiesen hat, nur bestätigen. Und ich habe als Ausländer völlig andere Erfahrungen als "schöes, sauberes Deutschland".
Wenn ich an manche Kollegen oder Leute denke, die ich bisher geschäftlich kennengelernt hatte, haben sie die in der Schule gelernten Tatsachen völlig aus dem Gedächstnis gedrängt und reden viele Sachen wie Neonazis. Angefangen mit "Ohne den Holocaust und die Niederlage im 2.WK hätte man hier in diesem Land eigentlich eine bessere Zukunft gehabt". Ich kann nicht mit einer Hand zählen, wie oft mir gesagt wurde "Du weisst, was ich über die Ausländer denke.", "Ihr seid Unnutz in unserer Gellschaft und verderbt Deutsche." "Asiaten mag ich überhaupt nicht, weil sie sich an unseren Kommunikationsstil nicht anpassen können und sich auf Parties nicht korrekt verhalten können."
Womit habe ICH als Einzelperson das verdient?

Auf jeden Fall, wenn ich in Japan bin und Leute mich fragen, ob Deutschen wirklich so vorbildlich ihre Geschichte verarbeitet haben, sage ich immer laut und deutlich: NEIN.

Ich sehe in Dir leider nur den gleichen Menschentyp.
Deine Einstellung, auch die der zitierten Chinesin, nennt man eine Diskriminierung.
(Schlage WAHRIG oder DUDEN nach, was Diskriminierung bedeutet. Man muss nicht "braun" sein.)

3. Im Gegensatz zu Dir - trotz allem mag ich Deutsche, und trotz wachsender Verzweiflung daran, ob ich je in diesem Land glücklich werden kann, versuche ich, die Menschen und die Gesellschaft hier selber zu erleben und näher kennenzulernen.
Dafür brauche ich weder BILD noch SPIEGEL.

Ciao.
05.10.03 19:44
Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #22
RE: Japanische Vergangenheit...
Entschuldige, ich habe die Regel zur Gross- u. Kleinschreibung nicht beachtet habe.
Außerdem, heißt das Buch ja "Darum nerven die Japaner"...?
05.10.03 19:56
atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #23
RE: Japanische Vergangenheit...
Hallo An. User !

Derjenige, der diesen Thread eröffnet hat, wird Deine Antwort leider sicher nicht mehr lesen: ich glaube nicht, dass sich so einer lange im Japanisch-Netzwerk herumtreibt. Ich hoffe aber, daß möglichst viele andere Deinen Beitrag lesen, denn ich weiß genau, daß sich viele Japaner und Japanerinnen in Deutschland so fühlen, auch wenn sie noch so integriert zu sein scheinen. Du hast einige Probleme schön auf den Punkt gebracht.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.10.03 00:11 von atomu.)
06.10.03 00:11
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Gai-jin


Beiträge: 100
Beitrag #24
RE: Japanische Vergangenheit...
Hallo Anonymer User Nummer zwei!
Ich würde mir wünschen, dass Du unserem Forum noch lange erhalten bleibst. Was Du schreibst, kann uns allen als Spiegel dienen und uns ein wenig zum Nachdenken bringen. Es kann nicht falsch sein, sich selbst mal ein bisschen "von außen" beleuchtet zu sehen. Ich würde wirklich gern mehr über Deine Sichtweise wissen (magst Du nicht "Warum nerven die Deutschen" schreiben?). Aber ich glaube auch, dass es bereits sehr schwer ist, sich von Mensch zu Mensch innerhalb eines Kulturkreises zu verstehen, geschweige denn zwischen verschiedenen Kulturkreisen. Nur weil eine Aufgabe schwer ist, heißt das jedoch nicht, dass man es nicht zumindest versuchen sollte.
In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Du bald registriertes Mitglied bist, recht oft hier vorbeischaust und wir alle durch Dich ein wenig mehr "interkulturelle Einblicke" bekommen können. Eine Sprache lernen zu wollen ist schließlich erst der Anfang der Verständigung.
Viele Grüße
Gai-jin
06.10.03 12:20
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Jarek


Beiträge: 233
Beitrag #25
RE: Japanische Vergangenheit...
@Anonymer User
Vielen Dank für Deinen interessanten Beitrag. Vielleicht willst Du uns noch mehr von Deinen Erfahrungen in D erzählen? Und auf ein Gegenstück zu jenem "Darum hasse ich Japaner" wären hier bestimmt alle sehr neugierig. Du kannst Dein Gastland ruhig mal aufs Korn nehmen, das wird Dir hier niemand verübeln - vielmehr findest Du hier bestimmt ein dankbares Publikum, das nicht unbedingt Deiner Meinung zu sein braucht.

Beispielsweise schreibst Du: Ihr habt "formell", d.h. diplomatisch und erziehungspolitisch besser als wir, aber wie es im Alltag in der Tat aussieht? Ich kann auf Anhieb nicht erkennen, dass die anderen User etwas Gegenteiliges behaupten würden. In D wurde die Vergangenheit formell aufgearbeitet, was sich vielleicht nicht unbedingt im Alltag niederschlägt. In J wurde die Vergangenheit aber nicht mal formell aufgearbeitet, geschweige denn im Alltag.

Viele Grüße

Was am schnellsten vergeht, sind die Jahre...
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.10.03 17:54 von Jarek.)
06.10.03 17:54
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #26
RE: Japanische Vergangenheit...
Hallo,

Ich habe eigentlich nicht vorgehabt, noch einmal hier was zu schreiben (^^);
Gaijin-san, ich werde nie das Gegenstück von "Darum nerven..." schreiben und es veröffentlichen.
Grund 1: Es hat etwas mit meinem gesunden Überleben zu tun. Ich habe enorme Angst davor, eines Tages von Neonazis angegriffen zu werden. Ich möchte die Wahrscheinlichkeit, daß es mir jemals passieren kann, nicht unnötigerweise größer machen.
Grund 2: Meine Moral erlaubt mir nicht, mich damit reich zu machen und meinen Namen zu verkaufen.
Grund 3: Jemand, der sich in Fragen von Japanern u. Japan auskennt oder sich etwas damit auseinandergesetzt hat, kann sich vom Inhalt des Buches "Darum nerven..." leicht distanzieren, aber nicht diejenigen, die keine Ahnung von Japanern und Japan haben, und auch nicht diejenigen, die sowieso durch den dämlichen Journalismus beeinflußt eine fixtierte Meinung über Japan und Japaner haben (darüber schreibe ich ganz am Ende dieses Beitrages).
Das Buch ist für mich kein Einzelphänomen in Punkto Meinungsbildung der Deutschen. Es ist vielmehr eine eskalierte Form des Destruktivismus, den am stärksten vom SPIEGEL vertreten wird. (Ich kenne viele Ausländer, die Jahre lang in Deutschland gelebt hatten und diese Zeitschrift verdammen.)
Der Schaden, den das Buch den Lesern zufügt, insbesondere denen, die unkritisch und naiv alles zu glauben neigen (sind leider ein großer Teill der Menschen), was von irgendeinem namenhaften Verlag gedruckt wird, ist zu enorm. Diese Art provokativer, destruktiver und kulturrassistischer (und für mich "kulturimperialistischer" hinsichtlich der Art des Autors, Gewohnheiten eines nichtwestlichen Landes nach westlichen Werten mit Selbstverständlichkeit zu verurteilen und die westlichen Werte wie global allgemeingültig zu betrachten) Schriften beeinflussen sehr schnell Leute, die rassismus-anfällig sind (sind auch leider ein großer Teil der Menschen).
Solange keine Sitten- u. Gesetzwidrigkeiten begangen werden, darf jeder was sagen, was er will. Daher würde ich nie die Veröffentlichung dieses Buchs verbieten.
Aber man muß das nicht mitmachen.

Jarek-San, iIch werde auch nie das "ausbleibende" Gegenstück auf diesem Forum veröffentlichen. Erstens weiß ich nicht, wer meine Sachen liest, und zweitens, ich bin einfach zu müde, nach der Arbeit so viel Zeit mit unerfreulichen Themen zu verbringen.
(Ich möchte nicht mißverstanden werden: Ich gehöre definitiv nicht zu den Japanern, die alles Unangenehme nicht wahrnehmen wollen. Meine Regale sind voll von (Auto)biographien und historischen Quellen aus den Themenbereichen das Dritte Reich, NS-Täter, Taiwan, Korea, 731, Ohshima, Tojo, Ishihara, etc.)

@Jarek
Ich bin ein Pragmatiker, daher sehe ich keinen Unterschied mehr, ob die Vergangenheit formell aufgearbeitet wurde oder nicht, wenn sie in der Tat alles vergessen wurde und im Alltag die gleiche Situation entsteht, als hätte man sie nicht aufgearbeitet.

Was ich hier sehr bedauerlich finde, ist, daß der die Vergangenheitbewältigung im Schulwesen und in der Politik unter vielen Deutschen wie ein "Alibi" funktioniert, etwa "Schau mal, wir hatten alle so viele Jahre im Geschichtsunterricht das Thema NS gehabt".
So wie jemand, der vielleicht vor 30 Jahren mal fünf Jahre lang Spanisch gelernt hatte und auch dies auf dem Zeugnis steht, wobei er heute kein Wort mehr sprechen kann. Gut, wenn er eine 1 auf seinem Zeugnis sieht. Manche haben im Unterricht geschnarcht, manche haben die Schule geschwänzt, manche haben bei der Klausur gemogelt und die der Nachbarn abgeschrieben, haben im Unterricht der guten Note zuliebe nur das vollgelabert, was den Lehrern gefällt. Manche schimpfen, sie hätten ohne den Zwang von der Schule nie Spanisch gelernt (den gleichen Satz höre ich sehr oft, was die NS-Vergangenheit angeht!)....trotzdem sagen sie "Ja, ich habe Spanisch gelernt."
- oder? Sobald ein Spanier auftaucht, sagen sie schweißgebadet "Äh, es ist schon lage her...", aber wenn ein Japaner kommt (Spanischsprechende Japaner gibt es sehr selten), dann schreiben sie ihre schulsche Leistung groß.
So kommt's mir vor. Eine Tragikomödie.

Ich prädiere auf keinen Fall für die japanische Lösung (einfach schweigen).
Was hat man denn aber von tollem "Geschichtsunterricht"?
Ich an Stelle eines Deutschen würde mich niemals mit dem Ergebnis der Geschichtsunterrichte und der Vergangenheitsbewältigung zufrieden geben.

Zum Schluss erzähle ich Euch von einem Erlebnis von mir, um zu verdeutlichen, daß die "Deppen" nicht immer Leute aus dem niedrigeren Bildungs- u. Sozialniveau sind.

Ich habe ganz am Anfang meines Deutschlandsaufenthaltes in einer WG gewohnt, wo die Mitbewohner ausschließlich studiert haben und sich für "linksliberal, intellekt, alternativ" gaben. Sie waren sehr nett zu mir, aber einige ihrer Gäste (auch Gleichgesinnte) überhaupt nicht. Ein paar von ihnen grüßten mich nie, tauschten mir mir keine Worte, waren wirklich unzugänglich. Ich habe irgendwann meine Mitbewohner gefragt, warum.
Sie haben mir zögernd, aber am Ende auf meinem Drängen hin gestanden. Sie finden Japan und Japaner schrecklich. Die machen alle Wälder kaputt, sie fressen alle lieben Tiere aus dem Meere, sie sind so unehrlich mit ihrem Lächeln, sie sind geldgierig, sie sind undemokratisch und unpolitisch (tja, woher kennt man dies? Eine gewisse Bibel namens S...) und haben Leute mit gleicher Hautfarbe getötet (? das habe ich nie verstanden! Hätten wir also ohne Bedenken Afrikaner oder Juden töten dürfen?!?!?), und so weiter, und so weiter. Also hätten sie keine Lust, jemals in ihrem Leben Japaner kennenzulernen.

Der Rassismus und die Diskriminierung haben mit dem Bildungs- und Sozialstand nichts zu tun. Eine Freundin von mir, meine beste Freundin aus Deutschland und auch eine meiner besten Freunde und Freundinnen meines Lebens, hat nicht mal einen Realschulabschluß.

Ich wünsche Euch viel Erfolg mit Japanisch.
Ich wünsche mir, daß Ihr viele Japaner kennenlernt und die Kultur und die Menschen selber anfaßt und umarmt, sie selber miterlebt und selber denkt, wer wir sind und was Japan ist.
Ich habe die Zuversicht, daß Ihr's schafft. Tschüß.
06.10.03 21:31
Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #27
RE: Japanische Vergangenheit...
noch mal zur Korrektur. "prädiere" heißt "plädiere", nicht wahr?
Solange ich l mit r verwechsele, werde ich nicht meinen japanischen Paß abgeben (^_^)
06.10.03 21:49
atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #28
RE: Japanische Vergangenheit...
!!!

正義の味方
06.10.03 22:36
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Aikou


Beiträge: 311
Beitrag #29
RE: Japanische Vergangenheit...
Ich finde, dass Menschen dazu neigen, in Kategorien zu denken. Ob es nun Native oder Ausländer sind, es wird immer verallgemeinert, übersimplifiziert und katalogisiert.

Ich selber mag keinen Geschichtsunterricht, was nicht bedeutet, dass ich nicht an Geschichte interessiert bin, auf keinen Fall.
Trotzdem ist es einfach nur unsinnig zu sagen, dass der Geschichtsunterricht nicht dazu beitrüge, uns zu orientieren. Er hilft uns wenigstens ein wenig dabei, unsere Vergangenheit formal aufzuarbeiten. Dass das nicht reicht, das ist völlig klar.
Neben technischen Informationen gehört auch noch die eigene Einstellung und nicht zuletzt das geistige Vermögen. Aber wie sollen wir unsere Kategorien öffnen, ohne ein wenig Hintergrundinformationen zu haben?
Tja, das geht auch auf die japanische Methode: Ignorieren. Das klappt, aber dann ist man im Kant'schen Sinne kein aufgeklärter Mensch. Was stört mich das? Solche Menschen nennt man im Allgemeinen naiv, oder halt ignorant, im eigentlichen Wortsinne (ignorare = nicht beachten). Unsere Geschichte gehört zu uns wie unsere Sprache. Wir müssen sie kennen, akzeptieren und überdenken. Nur dann kann man sich tatsächlich von derselben distanzieren.
Wenn dann irgendein Ausländer zu mir kommt, mich schief ansieht und sagt: "Deine Bildung ist nur Alibi, deine Geschichtskenntnis hält dich trotzdem nicht davon ab, ein verdammter Nazi zu sein!", und ich dann auch noch Sprüche höre wie "Moral hängt nicht vom Bildungsstand ab!". Wer hat das denn schon wieder behauptet (ich meine die Antithese dieses Satzes)? Und das Antonym der Sätze?
Sind denn deshalb alle gebildeten (oder pseudo-gebildeten) Nazis?

Die Einstellung hängt von so vielen Faktoren ab, dass es unmöglich ist, zu kategorisieren. Man kann nicht sagen, dass alle mit schiefen Nasen Nazis sind, und alle mit einem akademischen Abschluss einen Heiligenschein zu tragen würdig sind.
Es hängt nicht nur von Intelligenz, sozialen Umfeld, Bildung, den Eltern, den Medien und all dem ab. Meiner Meinung nach müssen Nazis einfach nur das Gefühl lieben, anderen die Schuld zu geben, nicht mal nur deshalb, weil weil sie ihre eigene Schuld loswerden möchten, oder wegen überhöhter patriotistischer Einstellung. Es handelt sich um Egozentriker mit einem Hang zur Hybris. Sie glauben dadurch, dass sie meinen, sie seien anderen überlegen, wären sie es auch. Sie fühlen sich stark, in der Gruppe, selbst in der Gesellschaft.
Denn das wirklich Schlimme ist doch nicht die imaginäre Ignoranz der Nazis, sondern unsere Ignoranz, und unsere Unfähigkeit und unsere Feigheit, etwas dagegen zu tun. Nein, wir unterstützen sie nur noch, indem wir sie in den Medien erwähnen, indem wir sie fürchten!!

Soll ich dich mal desillusionieren, lieber her Nippon-Sama? Die Ausländerfeindlichkeitsrate ist in Deutschland weit unter dem Durchschnitt, nach dem statistischen Amt für Tendenzforschung.

Noch etwas: Wie sollen wir eigentlich eine Vergangenheit verarbeiten können, die uns nicht tangiert? Wenn andere Völker meinen, wir seien das Volk der Nazis, uns solle man nicht trauen und schon garnicht unterstützen, dann möchte ich die mal fragen, wie viele Juden ich getötet habe, wie viele Zigeuner ich verbrannt habe, wieviele Schwarze ich erstochen habe.

Deine Moral erlaubt dir nicht, über solche Dinge zu schreiben?
Meine Moral erlaubt mir nicht, über solche Dinge nicht zu schreiben. Überall, wo ich die Möglichkeit habe, schreibe ich dazu, überall, wo ich gefragt werde, antworte ich. Wenn ich deshalb mal sterben sollte, dann wenigstens nicht unter dem Mantel der Feigheit und scheinheiliger moralischer Kategorien, denn, um es mal noch krasser auszudrücken, mithilfe solcher, auch wenn es völlig andere waren, wurde auch die Inquisition, die Hexenverbrennung und nicht zuletzt auch der Nazismus legitimiert.
Man muss nur genug Menschen von der Richtigkeit einer Kategorie überzeugen, alle anderen interessiert dann nicht mehr, was richtig ist, sondern was die Allgemeinheit sagt. Nazis sind gefährlich? Ja! Aber: Noch gefährlicher ist es, diesen auch Tür und Tor zu öffnen, indem wir schweigen, uns verstecken und anonym kluge Reden schwingen!

- Aikou

P.s.: Ich habe keinen speziefischen Respekt vor Ausländern, ich habe Respekt vor Mensch!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.10.03 12:09 von Aikou.)
06.10.03 22:44
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Aikou


Beiträge: 311
Beitrag #30
RE: Japanische Vergangenheit...
Falls ich etwas sehr Rüde geklungen haben sollte, entschuldige ich mich. Ich will auch niemanden vertreiben, im Gegenteil. Aber ich beherrsche es nicht so gut, meine Meinung, die immer vehement vertrete, lieb und freundlich herüberzubringen. Normal würde ich so etwas auch nicht extra sagen, aber ich weiß, dass sehr viele hier sehr empfindlich sind und ich gleich wieder Ärger von bestimmten Leuten bekommen werde. Es handelt sich deshalb um reine Profilaxe. Ich hätte auch mehr geschrieben, aber bei 40 Grad Fieber, Kopfschmerzen als wär' ich gegen eine Wand gelaufen, und nach 12 Stunden Schule leichtem Konzentrationsmangel kann ich einfach nicht mehr. Ich gehe schlafen. Hoffentlich gibt es reichlich Antwort zu diesem Thema, auch wenn es eigentlich nichts mit Japan zu tun hat. Es ist meiner Meinung nach ein Subthema, das überall hinpasst und hinmuss!

- Aikou
06.10.03 22:49
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