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Lost in Translation
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Peter_GB


Beiträge: 3
Beitrag #1
Lost in Translation
Hi ich habe gesehen, dass hier vor einiger Zeit Kill Bill diskutiert wurde und wollte mal einen Thread zu einem anderen, meiner Meinung nach, tollem Film starten.

Gestern Abend habe ich mir endlich den Film Lost in Translation von Sofia Coppola angeschaut. Bill Murray spielt hier einen Hollywood Star so um die 50 der, wie so viele andere Schauspieler auch, in japanischen Werbespots auftreten soll. (im Westen machen die ja so etwas ja eher ungern).Alles spielt sich mitten in Tokyo ab.
Die 2. Protagonistin (Scarlett Johansson bekannt aus Ghost World) wohnt im selben Hotel und ist die Frau eines bekannten amerikanischen Fotografen, welcher aber immer mit Shootings beschäftigt ist.

Das ganze ist als Romanze ausgelegt, welche allerdings auch viele lustige Momente zu bieten hat ( z.B Muss Murray einen Whiskey-Spot drehen und keiner am Set kann Englisch, oder der Auftritt in einer völlig überdrehten Talkshow). Allerdings wurde hier, Gott sei Dank, nicht auf die Hollywood Art eine weitere Schnulze alla „Julia Roberts“ produziert.

Was den Film interessant macht, ist die Art, wie die Hauptcharaktere auf diese „fremde“ Welt reagieren. Beide Personen sind eher unfreiwillig in Tokyo und können dieses hektische Treiben einfach nicht verstehen. Die Kamera folgt immer auf Distanz und vermittelt den Kontrast zwischen diesen „Besuchern“ und Japan. Natürlich darf da ein Besuch in einer Spielhalle oder ein Karaoke Abend nicht fehlen.

Es wird aber keineswegs eine Anti-Japanische Stimmung aufgebaut ( wie bei vielen anderen amerikanischen Filmen), sondern einfach nur der doch schon gewaltige Unterschied beider Kultur-Kreise nahezu dokumentarisch veranschaulicht.

Der Film bietet sehr schöne und gewaltige Bilder des Tokyoer Nachlebens und auch kleinere Szenen in Kyoto.

Würde mich sehr interessieren was ihr so von dem Film haltet. grins
02.01.04 11:23
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Toji


Beiträge: 603
Beitrag #2
RE: Lost in Translation
Ich werde den Film in den nächsten Tagen besuchen. Bevor ich meine Meinung kundtue möchte ich euch aber auf diese zwei SPON-Artikel aufmerksam machen:

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,280953,00.html
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,280711,00.html
08.01.04 17:43
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #3
RE: Lost in Translation
In Stuttgart heute angelaufen, und ich hoffe ich finde Zeit reinzugehen.

正義の味方
08.01.04 21:15
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jiro.b


Beiträge: 25
Beitrag #4
RE: Lost in Translation
Hi, ich habe den Film letzten Freitag sehen können und fand ihn sehr gelungen. Ich kann den Film jedem empfehlen, der an Japan interressiert ist (ok, eigentlich eher Tôkyô) und dazu nicht nur auf Actionfilme steht. Der Film wird oft als Komödie bezeichnet, in der die - manchmal komischen - Sitten und Gewohnheiten der Japaner und deren Unterschiede zur westlichen Kultur in einer witzigen weise aufzeigt. Ich finde die Einordnung als Komödie aber unzutreffend, da die Handlung zwischen den beiden Hauptfiguren durchaus ernst gemeint und eher tiefgründig ist. Auch weiß ich nicht ob das eine richtige Romanze sein soll. Denn entwickelt sich nicht zwischen Bob und Charlotte mehr eine Art Freundschaft, die in den persönlichen Krisen der Beiden seine Begründung hat? Was meinst Du, Peter_GB? Hast du den Film mittlerweile gesehen, atomu?

Wenns euch interressiert schaut einfach mal bei http://www.kino.de/kinofilm.php4?typ=inh...p;nr=71447 vorbeischauen. Es sollen aber nicht so viele Kinokopien im deutschen Raum erhältlich sein, also nicht wundern, wenn es im nächstgelegenen Kino nicht läuft.

Ich kanns nur jedem empfehlen. In diesem Sinne: Lupf' meinen Schlumpf hoho
13.01.04 15:22
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #5
RE: Lost in Translation
Ich hoffe, am Donnerstag reinzugehen und freu mich einfach auf Tokyo.

正義の味方
13.01.04 19:00
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asodesuka


Beiträge: 241
Beitrag #6
RE: Lost in Translation
Alsooo,

ich hab ihn kurz vor weihnachten gesehen und....
mir persönlich hat er gut gefallen, da ich ihn im Orginalton gesehen habe und somit viel japanisch zu hören bekamzwinker Über die Handlung lässt sich bestimmt streiten, aber mir gefiel die Freundschaft von zwei grundauf verschiedenen Personen. Ich denke das die Gegensätze den Film dominieren und es auch das ist, was den Film ausmacht. Komisch ist der Film schon - oder sagen wir zum schmunzeln. All die stereotypen der einzelnen Kulturen, die aufeinander prallen,... ich weis nicht ob existentialistisch das richtige wort ist - aber mir kam die Frage nach dem: "Was will ich wirklich", ist Ruhm und Geld denn alles? Macht Geld glücklich? Was ist Liebe? ect pp... all das scheint mal mehr oder weniger durch und ist in schöne Bilder verpackt.

soweitsogut und gutenacht, asodesukagrins

Wir verbringen so viel Zeit mit dem Ziel mehr Zeit zu haben, so das wir in Wirklichkeit gar keine mehr übrig haben diese zu genießen. ...
14.01.04 02:24
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Peter_GB


Beiträge: 3
Beitrag #7
RE: Lost in Translation
Ich stimme dir zu jiro.b das die Einordnung Komoedie eher unzutreffend ist. Die beiden Personen sind einfach zu sehr an ihr normales Leben gebunden als das sie einfach so davon rennen keonnten. Schoen finde ich die letzte Szene in welcher er ihr etwas ins Ohr fluestert, der Zuschauer aber nicht hoert was er nun sagt grins

Uebrigens habe ich den Film auch im Original gesehen. Dadurch wirkt die kurze Szene in der Sauna in der sich 2 Deutsche unterhalten noch lustiger.
14.01.04 14:04
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jiro.b


Beiträge: 25
Beitrag #8
RE: Lost in Translation
Ich wünschte ich könnte ihn auch im Original sehen. Leider hat das nächste Kino in meiner Nähe, was sich auf Originalversionen spezialisiert hat, den Film nicht im Angebot. Vielleicht hole ich mir aber auch irgendwann mal die DVD.
Mich wundert es wirklich was er ihr am Ende zugeflüstert hat. Man wird es aber wohl nie erfahren zunge .
Mir fällt aber auf, dass nicht in allen Szenen geredet wird, vielmehr lässt man die Bilder für sich sprechen. Und die Bilder sind, wie asoudesuka schon erwähnt hat, wirklich schön. Ich erinnere mich z.B. an die Szene mit dem Golfplatz vor dem Fuji-San ( huch ), an die vielen Ausschnitte aus dem geschäftigen Treiben Tôkyôs, an die Kyôto-Reise von Charlotte oder an die Szene mit Charlotte und Bob sitzed vor diesem Karaoke-Raum. Man möchte meinen diese Szenen sind nichtssagend da keine richtige Handlung gezeigt wird, aber irgendwie üben sie einen Reiz aus. Die Musikuntermalung hat mir persönlich auch gut gefallen.

Vielleicht gehe ich demnächst wieder rein - muss noch Ausschau nach einer Vorstellung im Originalton halten hoho

cu,
-jiro
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.01.04 18:26 von jiro.b.)
14.01.04 18:25
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #9
RE: Lost in Translation
Ein wunderbarer Film, der ganz von Stimmungen, grossartigen Bildern, Humor und der schauspielerischen Leistung der beiden Protagonisten getragen wird. Handlung: na ja…

Was das Japan bzw. Tokio-Bild angeht, dass hier aufgefaltet wird, so ist das mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. Sofia Coppola praesentiert ein so facettenreiches Kaleidoskop von Tokios Tag- und Nachtleben, dass der Zuschauer, der noch nie dort war (das Kino war uebrigens voll!) leicht Gedanken wie "So also ist Tokio" oder "Diese Japaner sind wirklich unglaublich!" erliegen kann. Aber obwohl das Bild, das hier von der Stadt und seinen Bewohnern gezeichnet wird, auf den ersten Blick ziemlich vielgestaltig daherkommt, so ist es doch aus einer einseitigen Perspektive entstanden. Und zwar bewusst, wie ich glaube. S.Coppola benutzt Tokio nur als Hintergrund, als Unterlage fuer die melancholischen Stimmungen einerseits und die skurrilen Begebenheiten andererseits, die sie davor bzw. darueber ausbreitet. Sie wollte nicht einen Film ueber Japan und Japaner machen, sie hat nur das "Ambiente Tokyo" genutzt, weil der bizarre Kontrast zum Innenleben der beiden Helden sowohl den Witz als auch die Melancholie intensiver hervortreten laesst. Und das ist ja auch ganz legitim. Nur habe ich mich wie gesagt oft gefragt bei dem Film, was die Leute, die keine Ahnung von Japan haben, jetzt wieder fuer ein Bild von dem Land, von der Stadt, und von den Menschen in den Kopf kriegen.

Ich war begeistert von den Kamerafahrten die da ueber das Haeusermeer und durch das Nachtleben geflogen wurden. Ich habe selten so schoene und aufregende Bilder dieser Stadt gesehen. Und doch, es ist irgendwie immer ein Japan von oben. Auch wenn es scheinbar in die Unterwelt geht. Die Perspektive bleibt auch da immer die eines westlichen (immerhin finde ich den Film gar nicht mal soo amerikanisch) Betrachters aus den oberen Stockwerken eines ziemlich hohen Luxushotels in Shinjuku. Diese Perspektive fuer sich genommen allerdings ist ziemlich authentisch eingefangen, ich selbst war mal drei Wochen in einem vergleichbaren Hotel in Tokio-Shinagawa und ich weiss, wie einsam man sich da fuehlen kann. Aber ich kenne Tokio auch ganz anders und mich stoert es immer, wenn Klischeevorstellungen verbreitet werden. Der Film spielt zwar geschickt mit einigen Klischees, indem es sie ironisch hinterfragt, er produziert aber auch elegant neue.

Und die Japaner kommen mal wieder nicht besonders gut weg. Ich habe selten so viel gelacht in einem Film, es sind umwerfend komische Szenen dabei. Aber nicht selten gehen die Witze auf Kosten der Bevoelkerung dieser Stadt, dieses Landes. Meine Frau neben mir hat sich uebrigens mindestens genauso amuesiert wie ich, d.h. die Darstellung der Charaktere ist also durchaus treffend. Es gibt sie alle, diese Typen, das hat S.Coppola sehr gut beobachtet. Und doch ist das nur ein kleiner Ausschnitt japanischer Menschen. Dessen ist sich S.Coppola sicherlich bewusst, nicht aber jeder Kinobesucher.

Jetzt habe ich viel gemeckert...

Der Film ist gut. grins


P.S.: Ach ja, wer sein Tokio- und Japan-Bild nach diesem Film etwas abrunden moechte, und dabei auf westliche (hier sogar ausgesprochen deutsche) Perspektive angewiesen ist, weil er wegen irgendwelcher faulen Ausreden zwinker selbst nicht nach Tokio gehen kann, dem empfehle ich als Ausgleich, zur Videothek zu gehen und sich den Film "Erleuchtung garantiert" von Doris Doerrie aus dem Jahre 1999 auszuleihen. Ein richtiges Road-Movie mit Uwe Ochsenknecht, G.-P. Woehler und Heiner Lauterbach. Japan von unten. (Nur auch hier wieder, nicht denken: Das ist also Japan) Spass garantiert!

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.04 00:22 von atomu.)
17.01.04 00:19
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Ulf


Beiträge: 29
Beitrag #10
RE: Lost in Translation
Ist es dir in Tokyo wirklich nie passiert, dass du gedacht hast "Diese Japaner sind wirklich unglaublich"? Ich war bisher nur eine Woche da, aber ich finde, der Film passte zu dem, was ich da gesehen habe.

Aber es ist ja auch nur ein Film. Wenn ein Spielfilm jetzt zum Beispiel in Frankreich oder New York spielt, glaubt doch auch niemand, dass der Alltag dort wirklich so ist, wie im Film gezeigt.

Ich fand "Lost in Translation" jedenfalls gut. grins
17.01.04 13:59
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Lost in Translation
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