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Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
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Ayu


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Beitrag #31
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Danke Denkbär für die Ergänzung, und Datenshi für die weitere Erklärung. Wieder was gelernt grins

@asodesuka
Ich muss es zwar noch überlegen, wie atomu und Datenshi weiter hingewiesen habt, aber deine Kommentare sind für mich völlig die neue Aspekte. Danke erstmals!

"Tu was du willst!" - M. Ende: Die unendliche Geschichte
05.05.04 15:12
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asodesuka


Beiträge: 241
Beitrag #32
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Ok, Du hast recht, ich habe den geschichtlichen Zusammenhang nicht beachtet. Ich glaube dennoch das ein Meister nicht befiehlt - als viel mehr einen Ratschlag erteilt. grins

Wir verbringen so viel Zeit mit dem Ziel mehr Zeit zu haben, so das wir in Wirklichkeit gar keine mehr übrig haben diese zu genießen. ...
05.05.04 15:18
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #33
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
befehlen: Das Präfixverb mhd. bevelhen "übergeben, anvertrauen, übertragen", ahd. bifelahan "übergeben, anvertrauen, begraben" enthält ein heute untergegangenes einfaches Verb, das in got. filhan "verbergen" und aisl. fela "verbergen, übergeben" erhalten ist und auch dem Präfixverb empfehlen zugrunde liegt. ... Aus mhd. Wendungen wie `ein Amt befelhen´ "ein Amt anvertrauen, übertragen" hat sich erst im Nhd. der heutige Sinn "gebieten" entwickelt, anfänglich in höflicher Sprache wie `auftragen´. Nur im religiösen Bereich ist der Sinn "anvertrauen" erhalten: `seine Seele Gott befehlen´.

Soweit der Duden, Herkunftswörterbuch.

Sprache ist immer im Fluss. Ich finde für eine Legende passt so ein rückwärtsgerichteter Sprachgebrauch perfekt. Im vorliegenden Fall ist damit doch bestens beschrieben, wie ein Meister der östlichen Sphäre seinem Schüler befiehlt.

Dass wir heute etwas anderes mit "Befehlen" assoziieren ist natürlich richtig. Trotzdem würde ich jetzt rein gefühlsmäßig bei der Übersetzung bleiben.

Der Satz im Original: 飛衛は新入の門人に、まず瞬(またた)きせざることを学べと命じた

命じる "meijiru" hat im modernen Japanisch bestimmt ähnliche Assoziationen (sicher bin ich mir da natürlich nicht) wie das deutsche "befehlen", also kann man es getrost so übersetzen.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.05.04 16:35 von atomu.)
05.05.04 16:17
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Ayu


Beiträge: 257
Beitrag #34
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Hallo! Heute habe ich den Magisterkurs erst durchgemacht. Während meiner Arbeitzeit habe ich mich bei diesem Forum selten gemeldet, aber darauf doch nie vergessen. Manche Leute hier haben mir viel geholfen und geben mir die große Motivation... wirklich danke!

Und jetzt möchte ich mein ewiges Projekt (hier schreibe ich nach 3 Jahren!) , die Übersetzung von „Meisterlegende“, wieder beginnen. Ich freue mich, wenn ihr sie kommentieren würdet.

[bis hierher]

Atsushi Nakajima: Die Meisterlegende

Ein Kisho aus Kantan, der Hauptstadt von Cho, nahm sich vor, der beste Meisterbogenschütze der Welt zu werden. Bei der Suche nach einem, dem er als Lehrmeister vertrauen könne, kam er zu der Überzeugung, dass momentan keiner den Fähigkeiten im Umgang mit dem Bogen dem Meister Hiei gewachsen sei. Es hieß, er sei ein solcher Experte, dass er auf hundert Schüssen hundert Treffer erziele, wenn er aus hundert Schritt Entfernung nach einem Weidenblatt schieße. Kisho besuchte Hiei aus weiter Ferne und trat zu ihm in die Lehre.
Hiei befahl seinem neuen Schüler, er solle zunächst nicht zu blinzeln lernen. Kisho ging nach Hause zurück, kroch unter den Webstuhl seiner Frau und legte sich auf den Rücken. Seine Idee war es, unverwandt das geschäftige Auf und Ab des Webeschiffchens nahe seiner Augen zu beobachten, ohne dabei zu blinzeln. Seine Frau, die nicht wußte, warum er das tat, war sehr verwundert.

[Fortsetzung]

第一、妙(みょう)な姿勢を妙な角度から良人(おっと)に覗(のぞ)かれては困るという。厭(いや)がる妻を紀昌は叱(しか)りつけて、無理に機を織り続けさせた。

Es sei zunächst verlegen, wenn sie ihre komische Körperhaltung von ihrem Mann mit seinem komischen Blickwinkel geguckt würde. Kisho schalt seine widerstrebende Frau und zwang sie, das Weben fortzusetzen.

来る日も来る日も彼(かれ)はこの可笑(おか)しな恰好(かっこう)で、瞬きせざる修練を重ねる。二年の後(のち)には、遽(あわた)だしく往返する牽挺(まねき)が睫毛(まつげ)を掠(かす)めても、絶えて瞬くことがなくなった。彼はようやく機の下から匍出(はいだ)す。

Tag für Tag mit dieser komischen Haltung wiederholte er die Schulung, nicht zu blinzeln. Zwei Jahre später kam er niemals mehr zu blinzeln, auch wenn das rastlose Hin und Zurück des Webeschiffchens seine Wimper streifte. Erst kroch er unter dem Webstuhl hervor.

"Tu was du willst!" - M. Ende: Die unendliche Geschichte
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.07 16:35 von Ayu.)
23.03.07 18:49
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Pinkys.Brain


Beiträge: 420
Beitrag #35
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Ist zwar 'ne Kleinigkeit, aber da fehlen im ersten Absatz meines Erachtens zwei Kommata: "...,wohnhafte Mann, ein Kisho, nahm..." und bei "...Weidenblatt schoß, auf hundert...". Und hundert sollte man kleinschreiben, denke ich.

Bei Deiner Forsetzung stimmt beim deutschen Satz die Grammatik nicht so ganz...meinst Du: "...es behindere sie (oder "mache sie verlegen"), wenn ihre ungewöhnliche ("seltsam" klingt irgendwie komisch, "ungewöhnlich" oder "unnatürlich" finde ich passender) Körperhaltung von ihrem Ehemann aus ungewöhnlichem Blickwinkel betrachtet würde"?

"Betrachten" ist natürlich nicht gerade die beste Übersetzung für 覗かれて, aber mir fällt kein Verb ein, das das durch den Webstuhl verdeckte Anblicken der Frau, was 覗く hier ausdrückt, irgendwie ausdrücken kann.

Ich frage mich auch gerade ob es hier wirklich nötig ist, passivisch zu übersetzen. Außerdem soll es ja hier im Japanischen, wie es das "を" andeutet, "nur" das 困る verstärken (oder liege ich hier jetzt total falsch). => "es behindere sie, daß ihr Mann ihre unnatürliche Körperhaltung aus ungewöhnlichem Blickwinkel betrachte."

Dem Gebrauch von Konjunktiv entnehme ich, daß Du Indirekte Rede benutzen willst, um das という auszudrücken. Ich würde dann auch "sagte sie" hinzufügen, weil sie es ja auch ihrem Mann zugewandt sagt.

Das "widerstrebend" paßt auch nicht ganz, weil das 厭がる nur ausdrückt, daß ihr das Verhalten ihres Mannes mißfällt. So wie du "widerstreben" benutzt, kommt es "widersetzen" gleich. Also vielleicht eher "sein Frau, der es mißfiel".

"Wissen ist, wenn man weiß, wo's steht!"
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.07 09:31 von Pinkys.Brain.)
24.03.07 16:39
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Ayu


Beiträge: 257
Beitrag #36
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Hallo Pinkys.Brain, danke für deine Kommentare! Ich habe den Anfang ein bisschen anders formuliert. An anderen Kommentaren werde ich weiter überlegen.

"Tu was du willst!" - M. Ende: Die unendliche Geschichte
25.03.07 08:53
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Pinkys.Brain


Beiträge: 420
Beitrag #37
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Habe noch ein bissel was hinzugefügt. Ich bin mir aber bei machem noch nicht so sicher. Mal sehen was die anderen (Ma-kun, AU,...) sagen.

Du schreibst: "Es heißt, er sei ein solcher Experte gewesen, dass er...".
Wieso benutzt Du Präsens, wenn Du die gesamte Geschichte im Präteritum erzählen willst...? => "Es hieß, er sei ein solcher Experte [], dass er, wenn er aus einhundert Schritt Entfernung auf ein Weidenblatt schieße, (er) auf hundert Schüsse hundert Treffer erziele."
Und wenn du "gewesen" schreibst, bedeutet daß, daß er zu Zeiten Kishôs schon längst tot ist.
Statt "aus hundert Schritt Entfernung" ginge auch "auf hundert Schritt".

"Wissen ist, wenn man weiß, wo's steht!"
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.07 10:02 von Pinkys.Brain.)
25.03.07 09:11
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Ayu


Beiträge: 257
Beitrag #38
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Ich habe gerade diesen Satz korrigiert. Es wurde ja eine Diskussion, entweder Indikativ oder Konjunktiv. Darauf hat Ma-kun einmal seine Meinung (s. unten) geäußert, und ich habe jetzt Konjunktiv angenommen.

Zitat: Handelt es sich dabei um das, was Kisho auf seiner Suche nach dem besten Bogenmeister erfahren hat ist es eine Wiedergabe der Meinung der Leute, die er gefragt haben muß und der Satz sollte im Konjunktiv stehen.

Das Präsens "Es heißt" kommt also aus gleichen Grund. Nämlich ist es Kishōs Gesinnung.

"Tu was du willst!" - M. Ende: Die unendliche Geschichte
25.03.07 12:51
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Pinkys.Brain


Beiträge: 420
Beitrag #39
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Die Diskussion bezog sich nur darauf, was nach "es heißt" folgte (und ja, Ma-kun hat da definitiv recht mit dem Konjunktiv, weil Hörensagen). Das bezieht sich aber nur auf das Gesagte, nicht aber auf das "という". Es klingt seltsam, wenn man eine Geschichte, wie etwa ein Märchen, in der Vergangenheitsform erzählt, und dann Dinge, die innerhalb dieser Geschichte passieren, plötzlich in der Gegenwartsform schildert.

"Virtuose" klingt unpassend, weil dieses Wort normalerweise im Zusammenhang mit künstlerischen Tätigkeiten verwendet wird (z.B. Musiker) oder aber eine künstlerisch anmutende bzw. wie eine Kunst ausgeführte Tätigkeit schildert ("er bewegte sich in der Küche wie ein Virtuose"). Kisho ist aber Bogenschütze (nicht wirklich eine Kunst im engeren Sinne) und es wird nur gesagt, daß er ein sehr guter ist, nicht aber, daß er dabei sehr viel Brimborium (=Überflüssiges) macht.

"Wissen ist, wenn man weiß, wo's steht!"
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.07 13:14 von Pinkys.Brain.)
25.03.07 13:14
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Ayu


Beiträge: 257
Beitrag #40
RE: Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
Zitat: Die Diskussion bezog sich nur darauf, was nach "es heißt" folgte

Ja, und ich habe das Ergebnis (dass der Satz eine erlebte Rede ist) auch für einen Grund gehalten, damit man hier die Form des Präsens verwenden kann. Aber ich habe jetzt verstand, dass es nicht so ist. Also du hast recht.

Und danke für den Tipp über "Virtuose" grins

"Tu was du willst!" - M. Ende: Die unendliche Geschichte
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.07 18:11 von Ayu.)
25.03.07 16:34
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Meisterlegende: Eine Novelle von A. Nakajima
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