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Japans Angst vor Nordkorea
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Anonymer User
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Beitrag #1
Japans Angst vor Nordkorea
Hallo,

zur Zeit lebe ich als Austauschschueler in Japan. Das soll jetz aber nich weiter von Bedeutung sein.

Grad laueft hier im Fernsehen eine Sendung in der ueber die potenzielle Gefahr, die von Nordkorea ausgeht "berichtet" und (man mag es kaum glauben) disskutiert wird. Der Bericht ist geschmueckt mit Jahre alten Militaerparaden (es wird natuerlich NICHT gesagt, dass diese aufnahmen sehr alt sind).
Die Kroeung des ganzen war ein computeranimiertes Szenario in dem die Nordkoreaner ihre vermeintlichen Atomwaffen (ist die Existenz solcher waffen von UN-Waffeninspektoren eigentlich bestaetigt oder is es doch lediglich ein verusch von Kimmy sich vor den USA zu profilieren kratz ) auf ganz Japan anfeuern. In wunderschoener 3d Grafik brennen Tokyo, Kyoto, Oosaka etc... (m)ein gesunder Menschenverstand fragt sich jetz doch sofort: Warum zur Hoelle sollte die DVR Korea ganz Japan aus purem Destruktionswahn in Schutt und Asche legen wollen. Es kommt wie es kommen muss, und ich sage meiner Gastfamilie meine Meinung: dieser bericht dient der Panikmache, die Szenarien sind unrealistisch und viel zu emotionsgeladen. Ich frage also die gastfamilie: warum sollte Nordkorea Japan mit Atomwaffen beschiessen wollen?
Die Antowort: weil Japan die Nahrungs und Finanzhilfen stoppen koennte. Nordkorea brauch aber das Geld aus den Finanzhilfen um noch mehr Atomwaffen zu bauen.
Bei dem Wort "Finanzhilfen" spitzten sich meine ohren! Natuerlich ist allgemein bekannt, dass Japan Nahrung und Finanzhilfen an die Unesco und an das WFP gibt. Von Regierung zu Regierung fliesst da aber nix, wo solln die Nordkoreaner da ihr Geld herbekommen wenn internationale! Hilfsorganisationen das Geld verwalten. Als ich ihnen das sagte, kam das leicht laecherliche Argument, dass die Yakuza und die in Japan lebenden Koreaner (600000) an der Zahl Nordkorea geld spenden. Daraufhin hab ich ihnen einen Artikel von dezember 2004 rausgesucht, in dem schwarz auf weiss steht, dass die japanische Regierung seit dem zwischenfall mit der falschen asche sanktionen gegen in japan lebende koreaner verhaengt hat. Diese beinhalten, dass koreaner kein geld von der regierung erhalten.
Wieviele millionen oder gar milliarden dollar erhalt die DVR Korea bloss von den stinkreichen in Japan lebenden 500000 koreanern, die ja auch alle sowas von kommunistisch sind... augenrollen
Daraufhin sah ich im gesicht meiner mutter und gastschwester leichte zuege des zorns und beschloss nich weiter auf das thema einzugehen. Als resumee laesst sich sagen, dass die meisten japaner seeeeehr schlecht informiert sind (sicherlich auch durch berichte dieser art schlichtweg FEHLINFORMIERT) und zu dem antikoreanische ressentiments weitverbreitet sind.

Ich bin Kommunist oder Fan dieser Militaerparaden o.ae.
Ich habe nur etwas gegen Panikmachen und Medienmanipulation.

Hat vielleicht von den im forum anwesenden besagten bericht gesehn, wenn ja, was haltet ihr davon.

Generell wuerde mich sehr interessierun was ihr von dieser ganzen problematik haltet.
Mir jedenfalls rollem sich die zehnaegel hoch, wenn ich hoere wie gefaehrlich doch diese blutruenstigen Nordkoreaner sind, und wie hilflos das arme Opfer Japan...

Eure Meinung is gefragt!

お願いします grins
29.03.05 15:31
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Anonymer User
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Beitrag #2
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Ich bin KEIN! Kommunist... da hab ich wohl ein woetchen vergessen zwinker
29.03.05 15:35
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Shinja


Beiträge: 636
Beitrag #3
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Zu dem Beispiel selbst weiß ich jetzt nichts zu sagen... aber das mit Panikmache etc. ist eigentlich fast überall so, denk ich mal. Die andern sind die bösen Monster, wir die armen Opfer. Geht man ins andere Land sieht es dann genau umgekehrt aus...
So wie du das beschreibst scheint es so, als sei dieser Bericht wirklich Blödsinn gewesen, da ich ihn aber nicht selbst gesehen habe lege ich mich da nicht fest.
Aber ich bezweifle wirklich, dass das sich nur auf Japan beziehen soll...

"Knowing is not enough we must apply. Willing is not enough we must do" (Bruce Lee)
Ob du glaubst etwas erreichen zu können oder ob du nicht glaubst etwas erreichen zu können du hast immer recht.
"The world has enough for everybody's need, but not for everybody's greed" (Mahatma Ghandi)
From the moment you wake you shall seek the perfection of whatever you pursue.
30.03.05 09:03
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Anonymer User
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Beitrag #4
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Ich koennte mir vorstellen, dass die japanische Regierung und sicher auch die Bevoelkerung etwas empfindlich auf Dinge reagiert, die Nordkorea betreffen, nachdem die Nordkoreanische Regierung vor einiger Zeit (muss wohl aber schon 10 oder 15 Jahre her sein) mithilfe von Spionen japanische Kinder entfuehren liess, um diese als Ausbilder fuer weitere Spione in Sachen Japanisch zu nutzen. Vor etwa 5 Jahren, glaube ich, kam so etwas an die Weltoeffentlichkeit, zum Wahrheitsgehalt kann ich aber nichts sagen.

Mixer
10.05.05 08:38
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Ma-kun
Administrator

Beiträge: 2.020
Beitrag #5
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Die Geschichte ist wahr. Im letzten Jahr durften nämlich einige dieser Kinder - nun erwachsen und z.T. auch verheiratet ihre Eltern wiedersehen. Über die Verhandlungen zwischen Nordkorea und Japan und die Besuche selbst ist eigentlich sogar in den deutschsprachigen Medien berichtet worden.
10.05.05 09:05
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Shinnosuke


Beiträge: 16
Beitrag #6
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Zitat:Ich koennte mir vorstellen, dass die japanische Regierung und sicher auch die Bevoelkerung etwas empfindlich auf Dinge reagiert, die Nordkorea betreffen, [...]

Nun, ich gebe dir recht. Nur das du das mit "empfindlich reagiert" eine Spur zu euphemistisch ausgedrueckt hast, wie ich finde. Rassistisch und diskrimminierend sind Terme, die ich eher verwenden wuerde.

600000 in Japan lebende Koreaner von denen die meisten weder eine Koreanische noch Japanische Staatsbuergerschaft haben, sprechen fuer sich. Fuer die hundertausenden Nachfahren der Zwangsarbeiter und Sklaven die 1910 nach Japan verschleppt worden sind, ist also eine Integration, sofern ueberhaupt gewollt, immer noch nicht gelungen. Das Japan nicht das Land der Geschichtsaufarbeitung und historischen Einsicht ist, ist allgemein bekannt, aber ich finde es doch merkwuerdig, dass "einzig" die Entfuehrung von Japanischen Kindern der Grund fuer den weitverbreiteten Hass auf alles koreanische von Japanischer Seite sein soll. Das soll nicht heissen, dass ich Nordkorea fuer einen demokratisch freiheitlichen Modell-Rechtsstaat halte... ganz im Gegenteil.

Man kann diese Thematik ein wenig mit den komplizierten Deutsch-Israelischen Beziehungen vergleichen. Ich bin mir sicher, dass es in Israel viele Menschen gibt, die auf Deutschland nicht gut zu sprechen sind, begruendeterweise. Allerdings ist es in Deutschland nicht ueblich auf Grund dieser Tatsache den andren Staat zu "daemonisieren".

Was Japan meiner Ansicht nach tut, ist durch "Medienmanipulation" (was fuer ein merkwuerdiges Wort) dem unwissenden leicht-beeinflussbaren Durchschnitts Japaner das Bild von einer Megagefaehrlichen destruktionswuetigen Terrornation mit einem Darth Vader namnes Kim Jong Il an der Spitze zu vermitteln. In dem von mir beschriebenen Bericht wurde wirklich die Darth Vader Musik gespielt wenn Kim im Bild war.

Ich halte diese Berichte fuer gezielte Panikmache aehlich einer bushschen "saving the homeland" - Irakkrieg - Panikmache.
Das soll allerdings nicht heissen das ich Japan Kriegsambitionen unterstelle.
10.05.05 13:50
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Anonymer User
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Beitrag #7
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Zitat:seit dem zwischenfall mit der falschen asche

Der Zwischenfall ist sehr bezeichnend. Für alle, die damit nichts anfangen können: Es handelt sich um die Asche einer Japanerin, die von den Koreanern verschleppt wurde und irgendwann dann in Korea gestorben ist und eingeäschert wurde. Die Asche wurde den Japanern dann Anfang diesen Jahres als "Geste guten Willens" zurückgegeben. Genanalysen in Japan haben aber ergeben, daß die Asche nicht von der besagten Person stammt. Die Japaner haben daraufhin Nord-Korea des Schwindels und aller möglicher anderer Dinge bezichtigt und Hilfslieferungen nach Nord-Korea eingestellt. Die ganze Sache wurde in den japanischen Medien ausgeschlachtet bis zum Gehtnichtmehr. Die Nordkoreaner würden es nur auf japanisches Geld und japanische Hilfsgüter abgesehen haben und dafür auch mit den Gefühlen der Hinterbliebenen spielen und überhaupt sei ihnen jedes Mittel recht usw.

Der Clou dabei ist jedoch, daß die Nordkoreaner nach wie vor darauf bestanden, die richtige Asche geliefert zu haben und erneute Untersuchungen forderten. Diese wurden durchgeführt und erbrachten das Ergebnis, daß die Asche eben doch echt ist! Das heißt, das erste Ergebnis war schlichtweg falsch. Die japanische Regierung hat sich bei Nordkorea entschuldigen müssen und die Hilfslieferungen wieder aufgenommen. Allerdings - und jetzt kommt der eigentliche Clou: Von den neuerlichen Untersuchungen der Asche, von deren Ergebnis, von der Entschuldigung an Nordkorea und von der Wiederaufnahme der Hilfslieferungen wurde in der gesamten japanischen Presse NICHTS berichtet. Absolut GAR NICHTS.

Die Sache wurde vom "Time"-Magazine aufgedeckt und publik gemacht. Natürlich gibt es auch in Japan Leute, die dieses Magazin lesen und dann DORT erfahren haben, was ihnen in ihrem eigenen Land niemand erzählt hat. Als Japaner, die sich darüber empörten, wie manipulativ die Presse ihres eigenen Landes offenbar ist, sich an die Behörden wandten und eine Stellungnahme verlangten, haben diese zugeben müssen, daß der "Time"-Bericht den Tatsachen entspricht. (Die Sache ist jetzt vielleicht knapp einen Monat her. Für alle, die die "Time" von vor etwa 3-4 Wochen auftreiben können, eine interessante Lektüre.)

Also, ich will ja nicht meckern, aber wer den japanischen Medien Panikmache und vor allem massive Manipulation der Öffentlichkeit vorwirft, trifft sehr wohl ins Schwarze.

Gruß, Holger
11.05.05 08:00
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yuxel


Beiträge: 299
Beitrag #8
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Zitat: Diese wurden durchgeführt und erbrachten das Ergebnis, daß die Asche eben doch echt ist! Das heißt, das erste Ergebnis war schlichtweg falsch.

Interessant, das habe ich nicht gewusst. Wenn man sich das aber mal durchliest, scheint es so eindeutig nun auch wieder nicht zu sein. Oder hast du eine neuere Quelle?

http://www.time.com/time/asia/magazine/a...08,00.html
11.05.05 09:20
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Shinnosuke


Beiträge: 16
Beitrag #9
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Die Asche war doch echt!!!???!!! Das war mit neu und rueckt die ganze Sache ja nochmal in ein voellig andres Licht, denn meines Wissens hat Japan die Nahrungsmittellieferungen bis heute nicht aufgenommen. Ich hab hier vor 4 Wochen NICHTS im Fernsehen diesbezueglich gesehen oder in den Zeitungen gelesen. Unfassbar.
Ich bin ehrlich "sprachlos", so sprachlos wie man in einem Diskussionsforum eben nur sein kann...
12.05.05 09:21
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #10
RE: Japans Angst vor Nordkorea
Hm. Ich war in der Bibliothek, um die Sache in der "Time" in Augenschein zu nehmen. Alles, was ich da gefunden habe, sind zwei Dinge: Zunaechst einmal in der Ausgabe vom 04. April einen Artikel "Bones of Contention", der identisch zu sein scheint mit dem, den yuxel verlinkt hat.

Wenn man den liest, scheint es, dass Holger wirklich mehr weiss, als wir, denn da steht ja nun nicht explizit, dass die Asche wirklich echt war, sondern es wird gesagt, dass die Japaner - trotz heftiger Proteste Nord-Koreas und trotz deutlicher Worte seitens der Wissenschaft - keine weiteren Tests vornehmen, weil die Asche angeblich beim ersten Test bereits komplett "consumed" wurde. Allerdings weist man in dem Artikel ja explizit darauf hin, dass die Testmethode ungeeignet war und ein falsches Ergebnis wahrscheinlich ist. Der Vater des eingeaescherten Maedchens betont selbst auch, dass "Japan now looks foolish in its negotiations with North Korea".

Und ich muss Holger in einem Punkt auf alle Faelle recht geben: Solange die Sache so aussah, als haetten die Nord-Koreaner wirklich gelogen, war das hier das Top-Thema und wurde wirklich nach allen Regeln der Kunst medial ausgeschlachtet. Aber davon, dass man sich vielleicht (oder sogar wahrscheinlich?) zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und die Nord-Koreaner vielleicht doch die echte Asche geschickt haben, hat man dann kein Sterbenswoertchen gehoert. Solange man also die Sache im Sinne "Wir gegen die verbrecherischen Nord-Koreaner" nutzen konnte, hat man das weidlich getan; aber nun, wo es moeglicherweise heissen muesste "Pardon, wir haben uns vielleicht geirrt. Moeglicherweisse hatten die Nord-Koreaner Recht und WIR sind diesmal die Boesen gewesen", wird das in den Medien einfach totgeschwiegen. SERIOESE Berichterstattung ist ja wohl etwas anderes!

Das Zweite, was ich in der "Time" gefunden habe (und zwar in der vom 02. Mai) ist ein Leserbrief eines Japaners namens Takashi Moriyama, der etwa Shinnosukes Reaktion widerspiegelt. Ich zitiere mal:

"Bones of Contention" [April 4] reported that the North Korean government returned to Japan the cremated ashes and bone fragments of Megumi Yokota, a Japanese girl who was kidnapped by the North Koreans in the 1970s and later commited suicide. After running DNA tests, Japanese officials said the remains were not Yokota's, and they blocked North Korean rice shipments in protest. But now they have announced that the remains might be Yokota's. I am deeply shocked that I have heard nothing of that in the Japanese media. From the very beginning, Japan has handled the case of the kidnapped Japanese citizens very clumpsily, if not slightly dishonestly. The Japanese government does not have the courage to admit that it made a mistake.

Soweit das, was ich zum Thema gefunden habe und weiss...
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 13.05.05 08:20 von Botchan.)
13.05.05 08:17
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Japans Angst vor Nordkorea
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