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Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #31
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
"Bei den seit Jahren größten Massenprotesten in Peking haben am Samstag Zehntausende von Menschen gegen Japan demonstriert. Die Teilnehmer warfen dem Land eine mangelnde Aufarbeitung seiner Rolle im Zweiten Weltkrieg vor.

Auslöser war die Zulassung eines Schulbuches in Japan, in dem nach Ansicht vieler Chinesen die Kriegsverbrechen der kaiserlichen Armee in Asien verharmlost werden." (NETZEITUNG.DE)

http://www.netzeitung.de/ausland/333280.html

http://derstandard.at/?url=/?id=2009488

http://www.sfdrs.ch/system/frames/news/s...4768640728

Kam eben auch in den ARD-Tagesthemen.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.04.05 23:50 von atomu.)
09.04.05 23:47
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jonny


Beiträge: 2
Beitrag #32
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Zu der Schulbuch-geschichte wollte ich nur sagen, dass das ja eigentlich nicht so schwer sein sollte. In Deutschland konnte man sich im Jahre 1945 kurz nach dem 2. Weltkrieg mit Frankreich auf eine Schulbuchkomission einigen, die die Aufgabe hatte deutschen sowie französischen Kindern die, von gegenseitigem Misstrauen und Ablehnung (das ist sehr euphemistisch ausgedrückt) geprägte, Geschichte der beiden Staaten zu erläutern. Deutsche und Franzosen lernten sich im Laufe der Zeit kennen und lieben wie man heute sieht hoho.
Es wäre schön in Asien eine vergleichbare Szene wie die von Helmut Kohl und Francois Mitterand in Verdun anno 1984 zu sehen. Als sie Hände haltend schworen: "Nie wieder".
Dies zeigt doch das Konflikte die auf der Geschichte basieren beseitigt werden können.
11.04.05 22:56
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #33
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Genau das denke ich auch, und ich werde sehr traurig, wenn ich im Fernsehen Bilder von Peking sehe, in denen eine aufgebrachte Menschenmasse voller Wut die japanische Botschaft am liebsten stürmen möchte. 60 Jahre nach dem Krieg! Ist das wirklich nicht möglich, endlich mal "ehrliche" Geschichtsbücher in Japan in die Schulen zu bringen? Muss statt dessen wieder ein Buch auf die Kinder losgelassen werden, dass die Gefühle eines so nahen Nachbarn in dieser Weise verletzt? Kann man so blind sein?
traurig

正義の味方
11.04.05 23:31
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Fred


Beiträge: 134
Beitrag #34
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Laut einer gestrigen Zeitungsnotiz war es von den USA nach dem 2. Weltkrieg nicht gewollt, dass in Japan eine moralische Aufarbeitung der japanischen Verantwortung stattfindet. Kennt jemand weitere Informationen zu diesen Wünschen der USA? Wie weit hat dieser amerikanische Einfluss das heutige Geschichtsverständnis in Japan beeinflusst?
P.S. (Rolle der USA war auch hier im Forum schon einmal erwähnt.)

Gruß

Fred

Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. (Groucho Marx)
Time’s fun when you’re having flies. (Kermit the frog)
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.04.05 07:15 von Fred.)
12.04.05 07:02
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Shinja


Beiträge: 636
Beitrag #35
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Ich persönlich denke, dass es nicht uninteressant wäre, sich das umstrittene Geschichtsbuch zuzulegen und dann selbst zu vergleichen, was denn nun genau so schlecht daran ist. Leider sind meine japanisch-Kentnisse zu schlecht, das selbst zu tun. Vielleicht hat ein anderes Forummitglied diese Möglichkeit und kann uns dann genauer sagen, was so komplett falsch ist.
Mit anderen Worten: geben die Japaner einige Verbrechen zu? Wenn ja, welche? Und warum nicht andere?

Ich hoffe ich habe jetzt keinen Link übersehen, der den Inhalt des Buches anzeigt. Aber selbst wenn würde ich Informationen aus erster Hand von einem Forumsmitglied vorziehen.

Übrigens ist mir, als ich den Thread durchgelesen habe, aufgefallen, dass irgendwo gesagt wurde, es blieben den japanischen Institutionen nichts anderes übrig, als das Buch anch Überarbeitung zu akzeptieren... Warum denn das?

"Knowing is not enough we must apply. Willing is not enough we must do" (Bruce Lee)
Ob du glaubst etwas erreichen zu können oder ob du nicht glaubst etwas erreichen zu können du hast immer recht.
"The world has enough for everybody's need, but not for everybody's greed" (Mahatma Ghandi)
From the moment you wake you shall seek the perfection of whatever you pursue.
12.04.05 16:06
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #36
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
In einem anderen Forum bin ich auf diesen Link gestoßen, in dem fragliches Buch auszugsweise zu lesen ist:
http://www.tsukurukai.com/05_rekisi_text...ndex.html#
Hatte leider noch keine Zeit, mir selbst ein Urteil zu bilden...

♪♪あぁ蝶になる、あぁ花になる、
恋した夜はあなたしだいなの、♪♪
あぁ今夜だけ、あぁ今夜だけ、
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12.04.05 16:27
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #37
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Das Thema hat heute wieder breiten Raum in den ARD-Tagesthemen eingenommen.

@gokiburi: Ist das folgende die relevante Stelle?

第5章 世界大戦の時代と日本>2.第二次世界大戦の時代>66
日中戦争/p270


盧溝橋<ろこうきょう> における日中衝突

 関東軍など現地の日本軍は,満州国を維持し,ブロック経済圏を建設するために,隣接する華北地域に蒋介石政権の支配のおよばない親日政権をつくるなどして,中国側との緊張が高まっていた。また,日本は北京周辺に4000人の駐屯軍を配置していた。これは義和団事件のあと,他の列強諸国と同様に中国と結んだ条約に基づくものであった。1937(昭和12)年7月7日夜,北京郊外の盧溝橋で,演習していた日本軍に向けて何者かが発砲する事件がおこった。翌朝には,中国の国民党軍との間で戦闘状態になった(盧溝橋事件)。現地解決がは​かられたが,

やがて日本側も大規模な派兵を命じ,国民党政府もただちに動員令を発した。以後8年間にわたって日中戦争が継続した。
 同年8月,外国の権益が集中する上海で,二人の日本人将兵が射殺される事件がおこり,これをきっかけに日中間の全面戦争が始まった。日本軍は国民党政府の首都南京を落とせば蒋介石は降伏すると考え,12月,南京を占領した(このとき,日本軍によって民衆にも多数の死傷者が出た。南京事件)。しかし,蒋介石は重慶に首都を移し,抗戦を続けた。

Der Stein des Anstoßes wäre demnach im vorletzten Satz die Passage in Klammern: (このとき,日本軍によって民衆にも多数の死傷者が出た。南京事件)。 Auf Deutsch ungefähr: "Zu der Zeit gab es durch die japanische Armee verursacht zahlreiche Opfer auch in der Zivilbevölkerung. Nanking-Vorfall."

Mit einer Bewertung sollte man freilich äußerst vorsichtig sein. Man müsste das ganze Schulbuch durchsehen und kann erst dann beurteilen, ob dieser Satz gemessen am gesamten Inhalt falsch gewichtet ist. Auf den ersten Blick entdecke ich keine weitere Erwähnung der Vorfälle von 1937 in Nanking, und dann wäre dieser eingeklammerte Satz wirklich ziemlich dürftig. Aber diese meine Einschätzung teile ich unter großem Vorbehalt hier mit. Ich weiß viel zu wenig über die Zusammenhänge.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 13.04.05 00:25 von atomu.)
13.04.05 00:19
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gokiburi


Beiträge: 1.415
Beitrag #38
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Ja, könnte sein, und nur so für sich ist diese Stelle schon recht dürftig, gemessen an der tatsächlichen Schuld. Ohne einen Vergleich mit anderen relevanten Lehrbüchern will ich mich zurückhalten, in die eine oder andere Kerbe zu hauen.
Ich halte den Umgang Japans (gerade in Bezug auf die Bildung) mit seiner Geschichte in diesem Zusammenhang dennoch für sehr problembehaftet.
Gleichzeitig aber beschleicht mich oft das Gefühl, daß diese Tatsache einigen Machthabern vor allem in China gar nicht so ungelegen ist, läßt sich damit doch ganz vortrefflich eine antijapanische Stimmung anheizen, wie sich ja wieder gezeigt hat. Und ich halte es durchaus nicht für ausgeschlossen, daß China diesen "Opferbonus" auch bereit ist, auszuspielen, selbst wenn dabei mit den echten Opfern Schindluder betrieben wird...

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もうどうにもとまらない!!! ♪♪  山本リンダ
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 13.04.05 00:47 von gokiburi.)
13.04.05 00:47
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #39
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Das befürchte ich auch.

正義の味方
13.04.05 09:18
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chiisai hakuchoo


Beiträge: 530
Beitrag #40
RE: Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
Eigentlich wollte ich mich, wie schon so oft, nicht mehr in so kontroverse Themen einmischen, aber wie schon so oft, kann ich meine Finger nicht bei mir behalten. Mein Vater wäre stolz auf mich...

Vorab muß ich gestehen, daß ich in Sachen Politik keine Expertin bin, in der japanischen Politik noch viel weniger als in der deutschen oder amerikanischen. Ich beschäftige mich lieber mit den Menschen, und deshalb ist es auch hier der menschliche Aspekt, der mich mehr interessiert als der politische. Immerhin wird Politik für Menschen gemacht - zumindest sollte es so sein - daß sich auch von Menschen gemacht wird, daran zweifle ich manchmal.

Hiroshima und Nagasaki in irgendeiner Weise vorzuschieben ist ein Verbrechen an den Opfern, insbesondere weil beide Städte mittlerweile eher Schlagworte als Namen sind. Dieses Thema ist nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich, denn derjenige, der seine Familie beim Bombenabwurf verloren hat, sieht diese Vergangenheit mit ganz anderen Augen als ein Amerikaner, Koreaner, Chinese... Zu Recht! Noch schwieriger wird die Situation, wenn der Japaner in Hiroshima war und der Chinese in Nanking. Die selbe Schlucht herrscht zwischen einem Juden und einem Deutschen. Diese Schluchten gilt es zu überwinden, aber das funktioniert weder mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, noch mit dem Schriftzug „Opfer“ oder „Täter“ auf der Stirn, aber am wenigsten funktioniert es, wenn man nicht aufeinander zugeht. Eine solche Annäherung scheint unmöglich, und vielleicht ist sie es auch. Traurig, aber wahr.

Was das Volk betrifft, so gibt es zahllose Beispiele dafür, daß die Regierung meist einen anderen Umgang mit der Vergangenheit pflegt als die Bevölkerung, weil die Bevölkerung aus Menschen besteht, die Regierung aber nur aus Parteien. Beispiele:

1. Deutschland hat sich immer wieder für Hitlers Taten entschuldigt und davon distanziert. Zugegeben, auch Politiker, aber gerade im Moment sind die Querschläger wieder auf dem Vormarsch.
2. Die australische Bevölkerung hat sich bei den Aboriginies entschuldigt (bei der Olympiade waren tausende T-shirts mit der Aufschrift „I am sorry“ zu sehen), die Regierung hat sich lange geweigert und tut es meines Wissens nach noch heute.
3. Amerika hat sich nie entschuldigt bei den ehemaligen Sklaven, den Native Americans, Vietnam, Korea, Irak, Iran, Jugoslawien, etc. pp. denn sie verstehen sich als Weltpolizei, die sich in jeden Streit einmischen darf und muß. Und sie bombardieren noch immer „versehentlich“ ausländische Botschaften und zivile Einrichtungen und sind empört, wenn sie hierfür bestraft werden sollen.

Amerika und Japan scheinen sich in dieser Hinsicht ähnlicher zu sein, als beide es wahrhaben wollen, obwohl in den USA seit einigen Jahren ein längst überfälliger Umbruch erfolgt (man vergleiche CNN damals und heute, damals ein patriotischer Sender, heute ein Sender, der die Regierungssprecher das Fürchten lehrt), trotz oder gerade wegen ihres Präsidenten, der mit einer Spielzeugpistole besser bedient und genauso glücklich wäre und weniger Gefahr für die ganze Welt bedeuten würde.
In den USA ist es ein Patriotismus, den die Kinder wenn nicht mit der Muttermilch, dann spätestens mit den Schulbüchern aufnehmen. Interessanterweise verändert sich ihre Sichtweise, sobald sie ihr Land einmal verlassen haben. In Japan scheint es mir eher die Scheu vor Konflikten zu sein, nach dem Motto „Über so etwas sprechen wir nicht, das gibt nur böses Blut“. Inwieweit die Bevölkerung da mitzieht, kann ich nicht beurteilen. Ich hatte bisher nicht die Gelegenheit, mit einem Japaner persönlich darüber zu diskutieren, aber auch das scheint mir äußerst schwierig zu sein, auch dann noch, wenn geographische und sprachliche Barrieren überwunden sind. Schade eigentlich, denn keiner kann sich selbst ein Bild von der Vergangenheit machen, und es fällt noch schwerer, wenn es um die Vergangenheit eines fremden Landes geht.

Eine fremde Sprache zu beherrschen knüpft ein Band zwischen den Menschen, das ohne dieses Wissen niemals existieren könnte.
www.edition-ginga.de
13.04.05 09:58
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Japans Rolle (und Schuld) im pazifischen Krieg
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