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Wissen über Japan: Teezeremonie
Verfasser Nachricht
Hi no Tori


Beiträge: 165
Beitrag #21
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Mh... ich war während meines ATJ im 茶道部 Sadoubu der Schule. Ich erinnere leider nicht mehr allzu viel, da ich seit meiner Rückkehr überhaupt keine Möglichkeiten mehr hatte - zwar habe ich als Abschiedsgeschenk einige O-cha dougu geschenkt bekommen, aber mir fehlen die Räumlichkeiten -
Auf dem Wohnzimmerparkett Tee zuzubereiten, stimmt vom Gefühl her einfach nicht.

Generell begann bei uns im Klub die Übung aber immer schon damit, die nötigen Geräte fertig zu machen - die chakin (Tücher aus grobem, dünnen weißen Stoff (Leinen?) zum Reinigen der Teeschalen) und der chasen (Teebesen) müssen eingeweicht werden, der Maccha muss ordentlich in die Natsume (Teedose) gehäuft werden - zu einem ordentlichen Kegel, bitte, nicht einfach irgendwie - usw. usw.
Nebenbei muss dann auch noch das Wasser schonmal zum Kochen gebracht werden, Sitzkissen verteilt, entschieden, wer beim ersten Durchgang Tee macht und wer hantou, also Helfer, ist...

Viel, viel zu tun, aber grade bei meinem Klub hat's Spaß gemacht. Wir waren auch sehr wenige, also konnte ich gut lernen - dass ich nicht viel behalten habe, bereue ich ziemlich. traurig

Wenn jemand die Chance bekommt, über eine längere Zeit (etwa im Austauschjahr) Sadou zu lernen, sollte er die Chance nutzen.

Ja ne!
07.04.05 19:54
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Ma-kun
Administrator

Beiträge: 2.020
Beitrag #22
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Leider finde ich meine Aufzeichnungen nicht mehr.
Weiß sonst jemand, wie diese ganzen Floskeln gehen?
30.04.05 17:50
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #23
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Zitat:
Zitat: Ich hab auch schon gesehen, dass eine japanische Teezeremonie in Deutschland auf Stühlen sitzend praktiziert wurde.

Das sind, soviel ich weiß, die Teezeremonien für Gaijin, in denen alles etwas "leichter" für uns gemacht wird. Ein Freund von mir hat auch einmal an einer Teezeremonie teilgenommen und sie bekamen auch dort z.B die Erlaubnis, sich so zu setzen, wie sie wollen. Aber das ist dann natürlich, denk ich mal, die untraditionelle, vereinfachte Form.

Hallo Shinja,

das hat damit eher nichts zu tun, sondern eher, mit wievielen Leuten das gemacht wird. Oder vielleicht auch fuer welches Alter. Keine Ahnung, die Teilnehmer waren alle nicht die Juengsten. Ich bin mal mit meiner Gastmutter zu seiner SADOU hingegangen, wo nur eine Tasse wirklich traditionell vor allen zubereitet wurde, der Rest wurde von diversen Helferinnen im anderen Raum zubereitet und dann an die einzelnen Leute verteilt.

Ich habe auch festgestellt, dass sich die Durchfuehrungen von SADOU je nach RYUU (Schule, Richtung) ziemlich unterscheiden. Das, was meine Gastmutter gelernt hatte, hatte nur wenig mit dem zu tun, was die SENSEI an meiner Uni unterrichtete. Und dank der Teezeremonie war eines der ersten Woerter, die ich in Japan gelernt hatte, das unentbehrliche SHISHIGARI (Loewenjaeger, obwohl die Kanji mehr wie Wildschwein- oder Hirschjaeger lauten.). Da wurde naemlich eine standardisierte Unterhaltung ueber das abgebildetete Motiv, eben den Loewenjaeger gefuehrt.

Das Drehen hat einen tieferen Sinn, denn jede Teeschuessel hat eine OMOTE (eine Vorseite oder Hauptseite). Und wenn man die Schale hingestellt bekommt, schaut einen die falsche Seite an, so dass man sie richtig einmal um 180% drehen muss. Es ist jetzt doch schon ne Weile her seit meinem letzten SADOU, aber ich meine, dass man die OMOTE beim Trinken anschauen muss. Und aus Hoeflichkeit seinem Gastgeber gegenueber dreht man die Schale dann wieder so, dass die OMOTE den Gastgeber anschaut.

Viele Schalen haben auf der OMOTE ein Bild oder ein besonderes Merkmal, so dass man sie richtig erkennt und das ganze Drehen auch Sinn macht. Aber es gibt auch genug, die auf allen 4 Seiten gleich aussehen, so dass ich bei alle Liebe nicht erkennen kann, wo da die OMOTE sein soll. Dann muss man besonders aufpassen, die Schale um 180 Grad zu drehen.


Sonst noch als wichtige Phrase gibt es das Wort: O-cha wo tateru. お茶を点てる (den Tee mit dem Besen zum Blasenschlagen bringen - woertlich den Tee zum Stehen bringen.)

茶筅 CHASEN - der kleine Besen
茶碗 CHAWAN - die Teeschuessel

Ob es sich wirklich lohnt, die Konversation aufzuschreiben, weiss ich nicht, da die m.E. auch von RYUU zu RYUU unterschiedlich ist.

Ich kann natuerlich nicht fuer Maenner sprechen, aber um das Einschlafen der Beine zu verhindern, legt man die Fuesse abwechseln uebereinander, sprich die obere Seite des einen Fuss' liegt auf der Fusssohle des anderen. Bei sehr langen Sitzungen ist es auch manchmal o.k., seinen Gesaess nicht auf die Beine, sondern links oder rechts daneben hinzulegen. Ich persoenlich fand das aber sehr lange unangenehmer als im SEIZA zu sitzen. Und manchmal hilft es auch schon, wenn man sein Gesaess um ein, zwei cm ueber die Beine hebt, dass wieder richtig Blut durch die Beinen fliessen kann, das erhoeht den Zeitraum der moeglichen SEIZA-Stellung auch wieder um einige Minuten. Und alles andere ist Uebung, Uebung und nochmals Uebung. Und natuerlich GAMAN (sich zusammenreissen).

Viele Gruesse

Emiko
26.08.05 14:39
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zongoku
Inaktiv

Beiträge: 2.973
Beitrag #24
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Ich hab hier noch was fuers Wiki.
Die Themen sind vorhanden, muessten nur Uebersetzt werden.
Aber viel Wissenswertes.
http://www.redbrick.dcu.ie/%7Emelmoth/japan/c.html
18.10.05 17:39
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edokko


Beiträge: 188
Beitrag #25
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
aus dem Niggli Verlag gibt es von Wolfgang Fehrer eine fantastische Publikation zum Japanischen Teehaus mit gleichnamigen Titel.
Kurzrezension von mir auf amazon oder eine etwas ausführlichere auf meiner Webseite

von der Urasenke Foundation Deutschland empfohlen:
"Dichte Leere - Das Teehaus als Ort des geistigen und der Transzendenz von Form"
Diplomarbeit von Martina Rössl an der TU Graz
als Buchversion vergriffen; bei Fr. Rössl als kopierte Version füf fast 50.-€ zu bestellen (sorry, kann nicht mehr dazu sagen)
23.10.05 21:02
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Shinja


Beiträge: 636
Beitrag #26
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Mittlerweile hatte ich das Glück, auch einmal an einer Teezeremonie teilnehmen zu können. Leider hat das ganze unter recht unpassenden Begebenheiten stattgefunden: in einem Klassenzimmer auf einer hölzernen Bühne (ich habe deswegen sogar verzichtet, richtig auf den Knieen zu sitzen, es war einfach nicht auszuhalten weil's so hart war)...

Naja, trotzdem war es ein für mich sehr interessantes Erlebnis, einmal einer Teezeremonie beiwohnen zu können, insbesondere da das ganze hauptsächlich organisiert worden war, um einmal richtig alles zu erklären, anstatt einem nur den Tee zu servieren und fertig.

Ich versuche nun, das ganze in eine etwas geordnete Form zu bringen, irgendwie, was wohl recht schwierig wird. Alles was hier folgt entstammt bloß meiner Erinnerung und den Erklärungen des Meisters (resp. seiner Frau), manches kann also von Teeschule zu Teeschule variieren.


Der Name

Eigentlich heißt diese "Teezeremonie" chadou, "der Weg des Tees". Der deutsche Name "Zeremonie" ist anscheinend recht schlecht gewählt.


Warum soviel Aufwand nur um Tee zuzubereiten?

Das Hauptaugenmerk des chadou liegt darin, aus dem alltäglichen Teezubereiten etwas Besonderes zu machen. Man soll während der "Zeremonie" (ich bleibe von nun an trotz allem bei diesem Ausdruck) sich mit all seinen Sinnen an seiner Umgebung erfreuen. Man soll sich die Blumen ansehen, die oftmals dahingestellt werden, sowie die Kanji, die aufgehängt werden (diese werden übrigens immer angepasst, genau wie die Blumen, wenn die Familie z.B einen Trauerfall erlitten hatte oder vielleicht gerade ein Kind geboren wurde etc), man soll sich seine Umgebung ansehen, man soll den Tee riechen, man soll das Wasser kochen hören (bei der von mir erlebten Teezeremonie ist mir dies z.B sehr deutlich aufgefallen ist, es war einfach unglaublich wie man plötzlich dieses ansonsten so unwichtige Geräusch so deutlich wahrgenommen hat... das Kochen des Wassers wurde geradezu zum Erlebnis. Das Klicken und Blitzen zweier Fotoapparate ist mir noch nei so auf die Nerven gegangen wie da, weil es so komplett unpassend und stimmungszerstörend war. Gerade wenn ich mich richtig ruhig und "in der Zeremonie" fühlte ging es mal wieder *klick blitz*...) und schlussendlich soll man den Tee natürlich auch schmecken.

Dies soll helfen, dem Alltagsstress zu entfliehen, man soll ruhiger werden, was bei mir tatsächlich der Fall war, ich bin ruhiger geworden und habe mehr den Augenblick wahrgenommen als sonst (ich lebe viel in der Vergangenheit und der Zukunft, einer meiner großen Fehler... aber da bin ich bestimmt nicht der einzige, es ist eher eine Krankheit unserer heutigen Gesellschaft)

Außerdem ist die Teezeremonie erfüllt von Respektbezeugungen. Respekt des Teemeisters seinen Gästen sowie diese ihm gegenüber, aber vor allem auch Respekt vor den Bauern, die den Tee geerntet haben, dem Töpfer, der die Teeschalen hergestellt hat usw.


Die üblichen Gesten

Dies wird nun schwierig für mich. Ich werde mit einigen Regeln für die Gäste anfangen, denn beim Teemeister konnte ich nur zuschauen und versuchen zu schlussfolgern. Ich kenne allerdings nur ein paar absolute Grundregeln, die uns nach der Zeremonie erläutert wurden. Warum erst danach? Weil der Teemeister nicht wollte, dass wir Angst haben, etwas falsch zu machen, da dies im genauen Gegensatz zu den Prinzipen der Erholung vom Stress steht.

Regeln für die Gäste: Nachdem der Meister den Tee zubereitet hat, stellt er einem die Teeschale in etwa 20 cm Entfernung hin, und zwar mit der Vorderseite zum Gast gedreht. Vorderseite? Ja, jede dieser Teeschalen hat eine Vorderseite, die normalerweise irgendwie durch ein Bild erkenntlich gemacht wurde. Ich hatte bei der Teezeremonie natürlich eine schwarze Schale bekommen, wo die Vorderseite nur durch einen Strich in einem sehr dunklen Rotton zu erkennen war, den man aber nur dann sah wenn das Licht gerade günstig auf die Schale fiel resp. man wusste, dass er da war.

Nachdem der Meister einem die Schale hingesetzt hat verbeugen der Gast und der Meister sich gleichzeitig voreinander.

In die Schale hat der Teemeister ungefähr 3 1/2 Schlucke Tee reingetan. Man nimmt nun die Schale auf und sieht sich die Vorderseite an. Man darf aber nicht zur Vorderseite raus trinken, sondern muss die Schale um ungefähr 90° im Uhrzeigersinn drehen (wenn der Meister die Teeschale danach abspült lässt er das Wasser auch an dieser Stelle rauslaufen, um sie besser zu säubern). Dann trinkt man einen Schluck, und beim Absetzen dreht man die Vorderseite wieder zu sich. Den letzten Schluck sollte man nach Möglichkeit laut und vernehmlich schlürfen. (praktischer Grund: der Tee ist etwas aufgeschäumt, und ohne ordentliches Schlürfen kann man den nicht trinken)

Danach kommt etwas sehr Wichtiges: man setzt die Schale ab und sieht sie sich dann genau an, betrachtet die aus allen Blickwinkeln, von vorne, hinten, rechts und links, hebt sie sogar und dreht sie um, um sich die Unterseite anzusehen, wo heutzutage auch oft der Name des Künstlers steht. Dies tut man um dem Töpfer, der die Schale gefertigt hat, seine Achtung zu erweisen.

Danach nimmt man die Schale wieder auf, dreht nun die Vorderseite dem Teemeister zu und stellt sie dann hin damit dieser sie nehmen kann.

Während des Trinkens soll man sich übrigens nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf die Farbe und den Geruch des Tees konzentrieren. Außerdem kriegt man anscheinend oft eine kleine Süßigkeit vorher serviert, die keinen richtigen eigenen Geschmack hat und nur die Geschmacksnerven stimulieren soll.

Allerdings ist wie gesagt auch das Warten während der Teevorbereitung wichtig, um seine Umgebung wahrzunehmen. Das Trinken selbst ist nicht das Essentielle der Teezeremonie.


So, der Rest folgt wenn ich Zeit habe. Ich hätte nie gedacht dass ich jemals soviel über nur 90 Minuten meines Lebens erzählen könnte!

Wenn alles fertig ist mache ich auch einen Wiki-Eintrag daraus, wo ich dann das, was ihr andern hier noch geschrieben habt versuche einzubauen.

"Knowing is not enough we must apply. Willing is not enough we must do" (Bruce Lee)
Ob du glaubst etwas erreichen zu können oder ob du nicht glaubst etwas erreichen zu können du hast immer recht.
"The world has enough for everybody's need, but not for everybody's greed" (Mahatma Ghandi)
From the moment you wake you shall seek the perfection of whatever you pursue.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.10.05 22:24 von Shinja.)
23.10.05 22:08
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Shinja


Beiträge: 636
Beitrag #27
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
So, nach langer Zeit kommt jetzt dann mal die Fortsetzung des Ganzen, auch wenn meine Erinnerungen mittlerweile leider schon etwas nachgelassen haben.

Die einzelnen Gerätschaften
Ich zähle jetzt mal alles auf, was der Teemeister so genutzt hat während der Zeremonie. Es kann sein, dass bei komplexeren Zeremonien noch andere Dinge benötigt werden.

- die Teeschalen: in unserem Fall waren es 2, die Anzahl abhängig von der Anzahl der Gäste. Diese Teeschalen sind keineswegs schönstes und klarstes Porzellan, im Gegenteil: es sind grobschlächtige, große Tonschalen, auch ohne aufwendige Verzierungen. Schließlich soll man beim chadou eben auch die Schönheit des Unperfekten, des Alltäglichen bewundern.

- der Ofen: Dies war ein recht großes Tongefäß, in dem sich Wasser befand, das mittels Holzkohle (unsicher) aufgeheizt wurde. Er war ebenfalls eher grobschlächtig.

- 2 Tongefäße, für die das Gleiche gilt wie für Ofen und Teeschalen was das Aussehen betrifft. Das eine war leer und wurde später benutzt um das Wasser nach dem Ausspülen der Teeschalen aufzufangen, das andere war voll Wasser und hatte einen Deckel. Mit diesem Wasser wurde der Ofen nach dem chadou wieder aufgefüllt.

- 1 kleines weißes Tuch, das der Teemeister in seinem Gürtel (nennt man das auch so bei der japanischen Tracht?) stecken hatte. Damit wurden die einzelnen Geräte immer wieder gesäubert.

- 1 sehr kleines Tongefäß, indem sich der Tee in Pulverform befand.

- 1 große Holzkelle, mit einem recht langen Stiel und einem großen zylinderförmigen Kopf. Diese wurde genutzt um das Wasser aus dem Ofen zu nehmen.

- 1 kleiner Holzlöffel, wobei man das jetzt nicht mit unseren Löffeln vergleichen sollte: der Holzlöffel ist eigentlich nur ein schmales Stück Holz, das vorne gebogen ist. Mit ihm wurde der Pulvertee in die Schale getan.

- 1 "Besen", um den Tee zu schlagen.


Die Gesten des Teemeisters

Das sind jetzt nur die Dinge die der Teemeister während der von mir erlebten Zeremonie gemacht hat. Diese Zeremonie war recht einfach und ich habe natürlich nicht alles bemerkt.

Nachdem wir, die Gäste, Platz genommen hatte hat der Teemeister die einzelnen Gerätschaften, die benötigt werden, zum Ofen gebracht. Normalerweise hätte er sie aus einem separaten Raum hereingebracht, was bei uns unter den gegebenen Bedingungen leider nicht möglich war. Theoretisch hört man auch nur, wenn überhaupt, sehr schwach die Schritte des Teemeisters, da es nicht ein wirkliches Gehen sondern vielmehr ein Gleiten über den Tatami ist. Dies war ebenfalls bei uns nicht der Fall, da wir auf einer improvisierten kleinen Holzbühne saßen die schon knarrte, wenn man nur nieste. Trotzdem war es schon bewundernswert, wie ruhig es zu diesem Zeitpunkt war, sowohl wir, die 5 Gäste, als auch die Zuschauer waren allesamt sehr still.

Der Teemeister verbeugte sich vor dem Ofen (verbeugen = auf Knien sitzend mit der Stirn den Boden berühren. Von dem Moment an ist der Teemeister kein einziges Mal aufgestanden bis zum Ende der Zeeremonie) Er nahm nun nacheinander den Deckel vom Ofen und danach auch von dem Tongefäß in dem sich das Wasser befand (siehe oben)

Danach nahm er das kleine weiße Tuch aus seinem Gürtel, klappte es einmal um und hielt es dann mit 2 Fingern an einer Spitze mit fast gestrecktem Arm von sich (ob links oder rechts weiß ich nicht mehr), so dass es in Dreickform herunterhing. Dann strich er mit der anderen Hand über die lange Seite dieses Dreiecks, und zwar von oben anch unten. (schwer zu beschreiben, am besten nehmt ihr zu Hause eine quadratische Serviette, faltet sie einmal und haltet sie dann, sie an einer Ecke festhaltend von euch. Dann seht ihr, was ich mit der langen Seite meine, nämlich die, die von der Spitze die ihr festhaltet bis zu der unteren Spitze geht) Danach griff er die bis dahin unten hängende Spitze des Tuches und hielt es nun mit beiden Händen wagerecht vor sich. Er führte die beiden Hände etwas näher zueinander und dann ruckartig wieder auseinander, so dass das Tuch kurz "knackte" (man nehme Badetuch, fasse es an einer Ecke, drehe es etwas zusammen, wirft es, während man es festhält leicht von sich und zieht es dann ruckartig und schnell zurück. Das gibt so ein knallendes Geräusch. Das hier war die leise Variante davon)

Diesen Prozess wiederholte er nach und vor (fast) jedem Benutzen des Tuchs, um es sauber zu machen. Er hat dann damit den Löffel, die Teeschalen und ich glaube auch die Kelle gesäubert. An eine Säuberung des Besens kann ich mich nicht erinnern, was aber nichts heißen will.

Dann folgte die Zubereitung des Tees:

Der Teemeister nahm mit Hilfe der Kelle etwas Wasser aus dem Ofen und füllte es in die Teeschale (die übrigens während der ganzen Zubereitung mit der Vorderseite zu ihm gedreht steht). Die Kelle plazierte er auf eine charakteristiche Art auf dem Ofen: der Kopf lag schief auf einem Rand der Öffnung des Ofens, der Stiel auf dem andern Rand, genau so, dass die Kelle weder in den Ofen hinein- noch herunterfiel. Dies tat er, indem er die Kelle erst ungefähr auf halbem Wege vom Kopf zum Ende des Stiels fasste, dann den Kopf auf dem Rand plazierte, mit den Fingern zum Ende des Stiels glitt, und diesen dann sachte auf senkte.

Danach griff er das Tongefäß mit dem Pulvertee und nahm ein wenig Tee mit dem Löffel heraus, den er dann ebenfalls in die Teeschale füllte. Danach schlug er den Tee mit dem Besen und plazierte die Teeschale dann vor dem Gast (etwas 20 cm von dessen Knieen entfernt) Theoretisch sollten sich der Gast und der Teemeister nun voreinander verbeugen, bevor der Gast den Tee wie weiter oben beschrieben zu sich nimmt.

Während der eine Gast den Tee trank hat der Teemeister auf die gleiche Art und Weise den Tee in der 2. Schale zubereitet für den nächsten Gast.

Nach dem Trinken stellt der Gast die Schale wieder hin, Meister und Gast verbeugen sich wieder und der Meister nimmt die Schale wieder an sich.

Er füllt nun wieder etwas Wasser in die Schale, schwenkt sie etwas herum und lässt das Wasser dann just an der Vorderseie der Schale vorbei (also dort wo der Gast theoretisch getrunken haben sollte) in das leere Tongefäß laufen. Übrigens hat er hier nie eine ganze Kelle in die Teeschale gefüllt, sondern imemr einen teil wieder zurück geschüttet. Auf meine spätere Frage, ob dies irgendeine symbolische Bedeutung habe, kam die Antwort: nein, es ist nur so dass das Gefäß [wo man das Abwasser reinschüttet] sonst überläuft. Was lernen wir daraus? Nicht überall nach tiefsinnigen Bedeutungen suchen...

Nach der Zeremonie füllt der Meister Wasser aus dem einen Tongefäß in den Ofen (für die nächsten Gäste, auch wenn nach uns keine mehr kamen), setzt die Deckel wieder auf, säubert seine Geräte mit dem weißen Tuch wie oben beschrieben, und trägt dann wieder alles raus.

"Knowing is not enough we must apply. Willing is not enough we must do" (Bruce Lee)
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13.11.05 21:50
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Shinja


Beiträge: 636
Beitrag #28
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Doppelpost weil der Post darüber doch recht lang ist:

Ich würde mich über jede Korrektur oder Präzisierung freuen, das sind alles nur meine Erinnerungen, es ist wahrscheinlich dass ich vieles übersehen habe. Außerdem war es ja nur eine kleine Zeremonie in doch recht... unpassenden... Begebenheiten.

"Knowing is not enough we must apply. Willing is not enough we must do" (Bruce Lee)
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13.11.05 21:53
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Emiko


Beiträge: 128
Beitrag #29
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Hallo Shinja,

die Aussprache CHADOU fuer die Teezeremonie ist nicht falsch, aber wenn Du hier bist, wirst Du feststellen, dass die Aussprache SADOU sogar noch verbreiteter ist. Zumindest in den Gegenden, wo ich bis jetzt war. Es gibt aber auch andere Namen z.B. 茶の湯 Cha-no-yu (woertlich Teewasser). Und bevor man diese Sache so uebersetzt, ist Teezeremonie ein viel leichter verstaendlicher Begriff. Denn eine Zeremonie ist es.

Weisst Du eigentlich, dass es verschiedene "Schulen" (RYUU) gibt, wie eine Teezeremonie durchzufuehren ist? Abhaengig davon duerftest Du einige augenfaellige Unterschiede feststellen.

Uebrigens kannst Du es an der NBU lernen oder zumindest ab und zu als Gast teilnehmen, wenn Du Lust hast. Die Sensei dort sind wirklich beide sehr nett.

Viele Gruesse

Emiko
14.11.05 10:24
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edokko


Beiträge: 188
Beitrag #30
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
eine Anmerkung zu den Schalen:
die Ausgestaltung - sprich das Design - ist erstens abhängig von der Teeschule und dann ganz besonders von der Jahreszeit
die "Schönheit des Unperfekten", wie Shinja es so treffend formulierte, ist erst durch Sen no Rikyu in Mode gekommen, der dies wiederum "perfektionierte". Der Höhepunkt seines Schaffens war dann die schwarze Schale (aus fast schwarzem Ton).
BTW: Replika bekommt man heute noch in Kyoto zu kaufen (entlang der Straße hinauf zum Kyomizudera).
Es gibt auch fein gearbeitete Schalen, allerdings wird man wie bereits erwäht das China Bone vermissen - diese findet man wie der Name schon sagt mehr in der chinesischen und koreanischen "Teezeremonie", die mit der japanischen nicht zu vergleichen ist
ab dem 17. Jhdt. wurden gemalte Verzierungen modern bzw. wurden vermehrt hergestellt: z.B. vergoldete Muster, florale und tierische Motive, aber auch abstrakte Darstellungen
Quelle: Chanoyu Quaterly - Tea and the Art of Japan (das Bulletin der Urasenke Foundation; leider wurde die Serie vor einigen Jahren eingestellt, dürfte aber in gut sortierten Uni-Bibliotheken zu finden sein)
14.11.05 13:41
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Wissen über Japan: Teezeremonie
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