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Wissen über Japan: Teezeremonie
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Shinja


Beiträge: 636
Beitrag #31
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Zitat: Weisst Du eigentlich, dass es verschiedene "Schulen" (RYUU) gibt, wie eine Teezeremonie durchzufuehren ist? Abhaengig davon duerftest Du einige augenfaellige Unterschiede feststellen.

Ja, wusste ich sogar. Wurde nämlich, glaub ich mal, irgendwo in diesem Thema bereits erwähnt.

Mich würden mal die Unterschiede zwischen verschiedenen Schulen interessieren. Wem ist denn schon mal sowas aufgefallen.

Ich habe ja bisher nur einmal an eben der oben berichteten Teezeremonie teilgenommen, und diese war, wie mehrfach erwähnt, in nicht gerade sehr.. passenden Begebenheiten. Zudem wurde sie sehr einfach gehalten, denn das Ziel der Zeremonie war sozusagen eine erste Einführung resp. Vorführung einer solchen Teezeremonie mit Erklärungen, statt wie sonst scheinbar (verlasse mich hier auf die Angaben des Freundes, der die Zeremonie organisiert hat) einfach nur die Zeremonie durchzuführen.

Zitat: Uebrigens kannst Du es an der NBU lernen oder zumindest ab und zu als Gast teilnehmen, wenn Du Lust hast. Die Sensei dort sind wirklich beide sehr nett.

Na sicher hab ich Lust, wenigstens noch ein paar teilzunehmen, bestimtm fallen mir noch viele Dinge auf, die ich übersehen habe bei der oben beschriebenen. Auch die Unterschiede sind bestimtm sehr interessant.


@edokko: Danke für die Hinweise zu den Teeschalen, das heißt dann also, dass die Bewunderung der Schönheit des Unperfekten eigentlich auch etwas ist, das von der Teeschule abhängig ist, ja? Es gibt also wohl auch Teezeremonien wo man aus schönen Porzellantassen trinkt, oder wie?

"Knowing is not enough we must apply. Willing is not enough we must do" (Bruce Lee)
Ob du glaubst etwas erreichen zu können oder ob du nicht glaubst etwas erreichen zu können du hast immer recht.
"The world has enough for everybody's need, but not for everybody's greed" (Mahatma Ghandi)
From the moment you wake you shall seek the perfection of whatever you pursue.
14.11.05 23:08
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Danieru


Beiträge: 738
Beitrag #32
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Dazu würde ich gerne eine Stelle aus Musashi (Yoshikawa Eiji) zitieren:

He turned his attention to the tea bowl in front of him. This was the first time he had been served in this fashion, and he had not the slightest notion of what to do next. The tea bowl surprised him, for it resembled something that might have been made by a child playing in the mud. Yet seen against the color of this bowl, the deep green of the foam on the tea was more serene and ethereal than the sky.
He looked helplessly at Kôetsu, who had already eaten his tea cake and was holding his tea bowl lovingly in both hands, as one might fondle a warm object on a cold night. He drank down the tea in two or three sips.

"Sir", began Musashi hesitantly, "I'm just an ignorant country boy, and I don't know the first thing about the tea ceremony. I'm not even certain how to drink the tea."
Myôshû chided him gently. "Hush, my dear, it doesn't make any difference. There shouldn't be anything sophisticated or esoteric about drinking tea. If you're a country boy, then drink it the way you would in the country."
"It is really all right?"
"Of course. Manners are not a matter of rules. They come from the heart. It's the same with swordsmanship, isn't it?"
"When you put it that way, yes."
"If you become self-conscious about the proper way to drink, you won't enjoy the tea. When you use a sword, you can't let your body become too tense. That would break the harmony between the sword and your spirit. Isn't that right?"


---------

In einer früheren Szene des Buches, bewunderte Musashi den perfekt glatt geschnittenen Halm einer Rose, die ihm gegeben wurde. Das veranlaßte ihn dazu, sich auf die Suche nach Demjenigen zu machen, der diese Rose geschnitten hatte.

In der Szene, die auf das Teetrinken folgt, erkennt Musashi plötzlich, ähnlich wie bei der Blume, die Perfektion, die im Detail steckt.

---------

Looking down at the tea bowl and the cloth beneath it, he suddenly envisioned the white peony from Sekishûsai's garden and felt again the thrill it had given him. Now, inexplicably, the tea bowl struck him in the same forceful way. He wondered for a moment if he had gasped out loud.

He reached out, picked up the bowl lovingly and placed it on his knee. His eyes shone as he examined it; he felt an excitement he had never experienced before. As he studied the bottom of the vessel and the traces of the potter's spatula, he realized that the lines had the same keenness as Sekishûsai's slicing of the peony stem. This unpretentious bowl, too, had been made by a genius. It revealed the touch of the spirit, the mysterious insight."

人生は一箱のマッチに似ている。重大に扱うのはばかばかしい。重大に扱わねば危険である。『芥川龍之介』
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.11.05 00:49 von Danieru.)
15.11.05 00:47
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edokko


Beiträge: 188
Beitrag #33
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Zitat:@edokko: Danke für die Hinweise zu den Teeschalen, das heißt dann also, dass die Bewunderung der Schönheit des Unperfekten eigentlich auch etwas ist, das von der Teeschule abhängig ist, ja? Es gibt also wohl auch Teezeremonien wo man aus schönen Porzellantassen trinkt, oder wie?
ich würde mit meinem laienhaften Verständnis sagen, dass die Art der "Bewunderung" prinzipiell in jeder Schule gleich ist; in wie weit sich die Kunst der Keramik zwischen den Schulen unterscheidet, kann ich Dir leider nicht sagen, da ich mich (aufgrund beschaffbarer Informationen und Literatur) auf Urasenke und Omotesenke beschränkt - dort sind sie sich sehr ähnlich bis gleich
was verstehst Du unter schönen Porzellantassen?
15.11.05 11:10
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #34
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
mach grad n vortrag darüber is ja echt interessant!
dashier fand ich besonders spannend:"Die ursprünglichen Schriftzeichen für Sukiya bedeuten Stätte der Phantasie, Stätte der Leere und Stätte des Unsymmetrischen.
Er ist Stätte der Phantasie in sofern, daß man in ihm sein dichterisches Gefühl zum Ausdruck bringen soll. Stätte der Leere beinhaltet, daß er vollkommen ohne Schmuck ist. Und Stätte des Unsymmetrischen beinhaltet, daß er unvollkommen gelassen wurde. "
wens interessiert am informativsten fand ich die seite: http://theo.thg.goe.ni.schule.de/~comen1.../reld7.htm
so.mein beitrag
ellü
10.03.06 14:19
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #35
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Zitat:mach grad n vortrag darüber is ja echt interessant!
dashier fand ich besonders spannend:"Die ursprünglichen Schriftzeichen für Sukiya bedeuten Stätte der Phantasie, Stätte der Leere und Stätte des Unsymmetrischen.
Welche Zeichen sollen das sein? Kommt mir spanisch vor.


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10.03.06 14:28
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edokko


Beiträge: 188
Beitrag #36
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Zitat:mach grad n vortrag darüber is ja echt interessant!
dashier fand ich besonders spannend:"Die ursprünglichen Schriftzeichen für Sukiya bedeuten Stätte der Phantasie, Stätte der Leere und Stätte des Unsymmetrischen.
Er ist Stätte der Phantasie in sofern, daß man in ihm sein dichterisches Gefühl zum Ausdruck bringen soll. Stätte der Leere beinhaltet, daß er vollkommen ohne Schmuck ist. Und Stätte des Unsymmetrischen beinhaltet, daß er unvollkommen gelassen wurde. "
wens interessiert am informativsten fand ich die seite: http://theo.thg.goe.ni.schule.de/~comen1.../reld7.htm
so.mein beitrag
ellü
sukiya wird heutzutage eher der Baustil bezeichnet (wie Barock oder International Style im Westen); Horst Hammitzsch verwendet ihn in "Zen in der Kunst des Teezeremonie" als ursprünglichen, aber nicht nur für die Teezeremonie verwendeten Begriff (für alle Künste) suki ... Liebe, Hingabe (siehe S99ff)
Begriffe für Teezimmer (nach Hammitzsch) sind:
sukiya (veraltet - während der Zeit der Enstehung der Zeremonie) - sukisha: Anhänger der Teezeremonie
chatei: Teepavillon (zur Zeit der Tee-Wettstreite)
kakoi: "Eingefriedetes" in den Räumen der Shoinbauten
chaseki: alleinstehendes Gebäude
chaya, sôan: temporärer Teeraum
chashitsu: am häufigsten heute verwendet

sorry, komische Seite, die Du zitierst

empfehle folgende Literatur zum Thema:
Hammitzsch Horst: s.o. (Otto Wilhelm Barth Verlag, 1957, 1985, ?)
A.L. Sadler: cha-no-yu - The Japanese Tea Ceremony (Tuttle, 1933,1992, ?)
Kakuzo Okakura: The Book of Tea (Kodansha Publ., Pflichtlektüre, gibts auch als bilingual Version J/E)
Sôshitsu Sen XV: chanoyu - The Urasenke Tradition of Tea (Weatherhill, 1988)
und das, was ich bereits oben gepostet habe

weitere Fragen - bitte auf Deutsch nach Uransenke und Teezeremonie googeln - hab den Link in den "Schwarzwald" gerade irgendwie verschusselt, sorry; dort findest Du die deutsche Niederlassung der Kyotoer Teeschule in der Tradition von Sen no Rikyu
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.03.06 15:29 von edokko.)
10.03.06 15:28
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bjoernord


Beiträge: 2
Beitrag #37
RE: Wissen über Japan: Teezeremonie
Als Schüler der japanischen Teezeremonie in Deutschland möchte ich gerne ebenfalls etwas beisteuern zu der Unterhaltung. Die Teezeremonie wurde bisher scheinbar nur ihre Form und Regeln begrenzt. Der wesentliche Aspekt wurde aber aussen vor gelassen: Der Teeweg als zenbuddhistischer Schulungswegs. Dazu habe ich mal hier einen Text von der Website der Teeweg-Schule, in der ich Unterricht bekomme:

"Chado - Der Teeweg - Eine Perspektive im Alltag

Was ist darunter zu verstehen?
Wozu dient er?
Wie nützt er Ihnen?

Allgemein gesagt ist er nur ein Mittel zu jenem Zweck, mitten im Alltag die uns begegnenden Aspekte zu klären und sich selbst zu finden. Jeder möchte schließlich zeitlos gültig leben und sinnerfüllt handeln; entspannt, klar, ohne Stress.
Bekanntlich stolpern wir aber immer wieder über Hemmnisse oder Widersprüchliches: Wir tun das eine, obwohl wir wissen, dass …
wir rauchen, obwohl …
trinken Alkohol, obwohl …
zerstören die Natur, obwohl …
Und stets haben wir Entscheidungen zu treffen, die wir oft gerne anders lösen möchten.
Doch wie? Und mit welchem Instrument?

Unsere übliche Ausgangssituation zeigt sich z.B. beim Treffen von Entscheidung am deutlichsten. Wir haben die Möglichkeiten
a) es so zu tun, dass man es merkt, und wie alle es tun
(was protzig, plump und einfallslos ist = ungeeignet);

b) oder wir machen es unauffällig und unscheinbar, saft- und kraftlos,
(was den Eindruck erzeugt, wir hätten uns nicht genügend bemüht = auch ungeeignet);

c) oder wir wählen ein Mittelding, den berühmten faulen Kompromiss
(was natürlich mittelmäßig und ebenfalls ungeeignet ist);

d) oder wir machen es irgendwie,
(was unweigerlich vermittelt, es wäre uns egal, was ebenfalls nicht geeignet ist).


Die Frage nach einer echten Lösung lässt uns stets weiter suchen: Wie erreicht man ein wirklich befriedigendes Ergebnis? Diese Zwickmühle erleben wir oft. Meistens übergehen wir diese und handeln, da scheinbar nicht lösbar, irgendwie oder noch bequemer: Wie es im jeweiligen Umfeld gerade üblich ist. Diese Resultate bleiben aber vorprogrammiert unbefriedigend. Also suchen und handeln wir weiter. Doch leider auch diesmal nach demselben untauglichen „Konzept“ des Dualismus: ICH und die Welt. Ein Leben lang. Wir hinken stets hinterher, sind nicht im Hier und Jetzt. Alltag und Realität klaffen auseinander.

Tief in uns wissen wir, dass es anders sein müsste. Selbst beim harmlosen Kauf einer Blume für einen besonderen Anlass, oder der Wahl des Berufes und bei allem anderen. Tag für Tag. Betrüblicherweise finden wir uns im Laufe der Jahre damit ab, dieses Dilemma, das Ausdruck des Dualismus ist, nie lösen zu können. - Angeblich, wie gesagt werden muß. - Wir weichen aus und flüchten in vielfältige Aktionen, Ideologien und dergleichen mehr; kopf- oder bauchgesteuert. Jeder auf seine Art. Den Dualismus überwinden wir so jedoch nicht. Die Ungereimtheiten und die Diskrepanz zur Realität bleiben. Was keineswegs so sein und vor allem bleiben muss!
[…]"

-->--> Quelle: http://www.teeweg-schule.de

Weitere Informationen können Interessenten aber auch direkt bei Teemeister Sôtai M. Knipphals bekommen. Er sieht Interessenten und neue Schüler immer gerne.
06.01.13 16:59
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Wissen über Japan: Teezeremonie
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