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Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
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Mangus


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Beitrag #31
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Ausgehend von dem was ich bisher gesehen habe, sind Hokusais Mangas eher Skizzenbücher ohne fortlaufende Handlung. Diese Bücher sollen damals sehr beliebt gewesen sein, also werden sie auch Einfluß auf die folgenden Künstlergenerationen gehabt haben.

Ich erwarte nicht, daß man zu dieser Zeit einen roten Faden in der Geschichte der Mangas findet. Einzelne Askpekte, Zeichenstile oder anderes wird man sicher zurückverfolgen können.
Interessanterweise entwickeln sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die ersten Bildgeschichten und Comics in Europa und Amerika. Siehe hier (Gut, daß Botchan an die Wikipedia erinnert hat.)
Kurz nach Hokusais Tod kommen mit der Meiji-Restoration viele neue Ideen nach Japan sicher auch Comics aus den Staaten und Europa.

Baustelle
16.09.04 18:00
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X7Hell


Beiträge: 671
Beitrag #32
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Zitat:Nun mir ist bewusst das man ein Dragonball Manga nicht mit einem Atomu Manga vergleichen kann, aber irgendwie hat sich alles daraus ethabliert.

Naja, wie mans nimmt. Beide waren enorm erfolgreich, und handwerklich ausgefeilt. Ideologisch liegen natürlich Welten zwischen Tezukas Humanismus und Toriyamas Macho Humor.
Tetsuwan Atomu ist sicherlich höher einzuschätzen, aber hauptsächlich da
-älter als DB
-eine Nummer einflußreicher als DB
-von Tezuka
Übrigens, angesichts der Otaku Debatte gibts auch Zweifel an der Glorifizierung Tezukas. Atomu wird einfach nie erwachsen und erfüllt daher nicht die Anforderung an einen Bildungsroman. Otakugegner könnten daher DB sogar vorziehen.

Zitat:Der 15 Bändige Hokusai ist doch eine Art vorreiter für die danach kommenden Manga oder etwa nicht?

Eher weniger. Bloß die Bezeichnung Manga ist von Hokusai entlehnt, ansonsten gibts da kaum eine Verbindung.

Zitat:Hat Manga und Anime einen Kulturellen Wert in Japan, oder ist das lediglich nur Tinte auf Papier? Bzw. Druckfarbe auf Papier.

Hat Manga une Anime in der Kultur Japans zu irgendwas beigetragen, oder ist es nur ein beiläufer?

Manga sind wie alle anderen Medien eine Ausdrucksform, in der sich Zeitgeist, Werte, Beobachtungen des Autors usw. widerspiegeln.
Tezuka verarbeitet in seinem Frühwerk z.B. seine Eindrücke von seiner Kindheit im Japan des 2. Weltkriegs. Er war bei Beginn seiner Karriere gerade mal 20, und hatte schon während des Kriegs, mit ungefähr 13, Manga gezeichnet. Wahrscheinlich war er so erfolgreich, weil er kaum älter als seine Leser war, also einen guten Draht zu ihnen hatte. Er war ziemlich desillusioniert nach der japanischen Niederlage, und eher individualistisch geprägt. Eigentlich erstaunlich, daß er so akzeptiert war. Auch Eltern, die Manga an sich für Schund hielten, waren Tezuka gegenüber oft wohlwollend eingestellt.
Kinder wachsen mit Manga auf, natürlich prägt sowas das Weltbild mit. Die vermittelten Werte sind leider meist konservativ, aber es gibt auch gesellschaftskritische Manga.
Insgesamt sind Manga nicht so verschieden von Büchern oder Filmen, nur halt zu einem viel größeren Teil an junge Leser gerichtet. Daher muß man die meisten Manga eher mit Jugendliteratur vergleichen als mit der für Erwachsene.
Manga für Erwachsene werden leider weniger wahrgenommen, und schaffen es auch nicht so oft in den Westen. Anspruchsvolle Sachen noch seltener.

Haben Manga etwas geleistet, was andere Medien nicht haben? Zu nennen wären stilistische Eigenheiten, die auch großen Einfluß auf die traditionellen Medien haben. Man sagt, die Romane Yoshimoto Bananas seien sehr von Shôjo Manga beeinflußt. Der Einfluß von Manga auf den japanischen Film darf auch nicht unterschätzt werden.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.09.04 18:13 von X7Hell.)
16.09.04 18:11
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #33
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Zitat: Atomu wird einfach nie erwachsen...
Jepp grins

Zitat: Manga für Erwachsene werden leider weniger wahrgenommen,...

In Japan schon! Man denke nur an das ganze Hentai-Zeugs... Und überhaupt, in Japan hat Manga viel weniger dieses Kinder- und Jugendschundliteratur-Image als bei uns. In der Tokyoter U-Bahn siehst du haufenweise Manga-lesende Erwachsene (seit es Handys gibt, glotzen allerdings immer mehr Leute auf ihr Display, falls sie nicht schlafen).

Zitat:...und schaffen es auch nicht so oft in den Westen.
Das ist allerdings wahr. Abgesehen von besagten Porno-Mangas, die auch in Deutschland immer Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Zitat: Anspruchsvolle Sachen noch seltener.
Praktisch gar nicht. Die deutsche Präsentation und Übersetzung von "Astro Boy" vermittelt wenig von der Atmosphäre des Originals, weil es eben Kinder als Zielgruppe ansprechen soll.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.09.04 22:16 von atomu.)
16.09.04 22:13
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X7Hell


Beiträge: 671
Beitrag #34
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Zitat:
Zitat: Atomu wird einfach nie erwachsen...
Jepp grins
Sollte beim besten Willen kein Seitenhieb auf dich gewesen sein. zwinker
Zitat:In Japan schon! Man denke nur an das ganze Hentai-Zeugs...
Das meinte ich jetzt aber eher nicht. Und wer das Hentai-Zeug liest, gilt als Otaku, und damit nicht gerade als erwachsen. Übrigens, in Japan sagt man dazu nicht Hentai:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hentai
Zitat:Und überhaupt, in Japan hat Manga viel weniger dieses Kinder- und Jugendschundliteratur-Image als bei uns. In der Tokyoter U-Bahn siehst du haufenweise Manga-lesende Erwachsene (seit es Handys gibt, glotzen allerdings immer mehr Leute auf ihr Display, falls sie nicht schlafen).
Es ist natürlich eine Generationsfrage, die jüngeren Leute sind Manga gegenüber aufgeschlossener. Trotzdem müssen sich Erwachsene oft rechtfertigen, wenn sie Manga lesen. Es wird jedenfalls selten als ernstzunehmende Literatur anerkannt.
Zitat:Die deutsche Präsentation und Übersetzung von "Astro Boy" vermittelt wenig von der Atmosphäre des Originals, weil es eben Kinder als Zielgruppe ansprechen soll.
Das Original ist aber auch für Kinder. Ich halte die Übersetzung von Astroboy durchaus für gelungen, es gibt viel schlimmeres auf dem deutschen Markt.
Tezukas Anspruch liegt eigentlich weniger in hochliterarischen Dialogen begründet (die sind eher witzig als anspruchsvoll), als in den Erzähltechniken/Zeichnungen (er hat Anleihen bei Filmen genommen, experimentierte viel mit Perspektiven) und in seinen Aussagen. Selbst seine Manga für ältere Leser (als die Gekiga, eine realistischere Variante von Manga, aufkamen, hat Tezuka seinen Stil entsprechend angepaßt) sind kindgerecht geschrieben, und trotzdem inhaltlich interessant.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.09.04 09:01 von X7Hell.)
17.09.04 09:01
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #35
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Du kennst dich echt besser aus als ich. Wahrscheinlich hast du in allen Punkten recht. Ich gebe zu, dass ich nur sehr flüchtig in "Astro-Boy" hineingeschaut habe, und dass es mir kindischer als das Original vorkam mag daran liegen, dass ich gleich alles verstehen konnte, während auf Japanisch doch oft noch ein Rest Geheimnis übrigblieb (ich habe aber inzwischen meine Gesamtausgabe komplett durch grins ). Aber auch wenn er das für Kinder konzipiert haben mag, und die japanischen Kinder in den 50er/60er/70er Jahren haben den kleinen Kerl ja auch geliebt, so gibt es doch jede Menge gesellschaftskritische Anspielungen, die ein Kind unmöglich verstehen kann.

Gut, intelektuelle bzw. "gut situierte" japanische Erwachsene pflegen natürlich zumindest nach außen eine etwas herablassende Ansicht über Manga zu vertreten, aber trotzdem bleibt es auffällig, dass sich ergraute Herren im Anzug zumindest in der Anonymität der Yamanote-Linie nicht schämen, ein dickes Manga-Buch auf den Knien zu haben. Ein Freund von mir ist mit einer Chinesin verheiratet, und als er vor 2 Jahren einmal ein kleinen Ausflug von seinem alljährlichen Familienbesuch in Taipeh aus nach Tokyo gemacht hat, war gerade das erste, was er mir danach erzählt hat. Er fand das total durchgeknallt. Hier scheint es einmal mehr einen großen Unterschied zwischen der Kultur Japans zwinker und der Kultur Chinas zwinker zu geben.

Edit: Um bei dem Link zu meiner Gesamtausgabe durchzukommen, muss man die interne Suchfunktion (publication search) anklicken und dann nach 作品 フリーワード 検査 das Suchfeld mit atomu in Katakana füttern. Ich dachte man kommt automatisch auf diese Seite, aber man landet leider immer zuerst auf der Hompage (http://www.akitashoten.co.jp/index2.html).

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.09.04 14:49 von atomu.)
17.09.04 14:28
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X7Hell


Beiträge: 671
Beitrag #36
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Zitat:z.B. daß Tezuka Arzt gewesen sein soll. Tatsächlich hat er sein Medizinstudium abgebrochen, um professioneller Mangaka zu werden.
Korrektur:
Habs heute nachgesehen, und er war doch tatsächlich Arzt. Genau gesagt, hat er als Kind angefangen zu zeichnen, als Student bereits veröffentlicht, dann anscheinend sein Studium abgeschlossen, und zunächst parallel als Arzt und Mangaka gearbeitet. Ist also doch richtig, der Wiki-Eintrag.
Übrigens, wer sich Tezuka richtig interessiert, dem empfehle ich Tezuka Osamu. Figuren, Themen und Erzählstrukturen im Manga-Gesamtwerk. von Susanne Phillipps. Ist nur leider schweineteuer (36 Euro). traurig
01.10.04 18:09
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #37
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Hast du es gelesen? Die spinnen ja manchmal bei iudicum. Ein Taschenbuch mit 121 Seiten für 36€! Kann die Qualität das ausgleichen?

Edit:
Ich habe noch diesen schönen <a href="http://www.amazon.co.jp/exec/obidos/ASIN/4253010687/qid%3D1096651711/249-4349590-9083535" target="_blank">Bildband[/url] über Tezuka Osamu.

Kostet auch nicht viel mehr, ist natürlich komplett auf Japanisch. Aber wer dessen mächtig ist findet hier einen sehr repräsentativen Überblick über sein komplettes Werk, mit detaillierten Verzeichnissen.

[Bild: 4253010687.09.LZZZZZZZ]</a>

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.10.04 18:51 von atomu.)
01.10.04 18:22
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X7Hell


Beiträge: 671
Beitrag #38
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Ja, habs gelesen, wir habens bei uns in der Seminarbibliothek. Die Auflage ist wahrscheinlich ziemlich niedrig, deswegen der hohe Preis. Ich weiß nicht, ob es mir 36 Euro wert wäre, aber es ist auf jeden Fall eines der besten Bücher zum Thema Manga in westlicher Sprache. Und über Tezuka sowieso.
Mein Tipp wäre, es auch in der Bibliothek eines japanologischen Seminars zu lesen, da wird man es wohl noch am ehesten finden.
Edit:
<a href="http://kvk.ubka.uni-karlsruhe.de/hylib-bin/kvk/nph-kvk2.cgi?maske=kvk-last&amp;title=UB+Karlsruhe%3A+KVK+Ergebnisanzeige&amp;header=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-header_neu_de_23_01_04.html&amp;spacer=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-spacer.html&amp;footer=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-footer_neu_de_04_02_04.html&amp;css=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-neu2.css&amp;Timeout=120&amp;input-charset=utf-8&amp;kvk-session=B54QNW2W&amp;TI=Tezuka+Osamu&amp;PY=&amp;AU=Phillipps%2C+Susanne&amp;SB=&amp;CI=&amp;SS=&amp;ST=&amp;PU=&amp;VERBUENDE=&amp;kataloge=SWB&amp;kataloge=BVB&amp;kataloge=NRW&amp;kataloge=HEBIS&amp;kataloge=KOBV&amp;kataloge=GBV&amp;kataloge=DDB&amp;kataloge=DDB_LEIPZIG&amp;kataloge=STABI_BERLIN&amp;kataloge=TIB&amp;kataloge=VD17&amp;kataloge=ZDB&amp;target=_blank">Hier[/url] ist eine Liste der Bibliotheken, die das Buch haben, gesucht mit KVK.</a>
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.10.04 19:17 von X7Hell.)
01.10.04 19:04
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #39
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Danke, gute Idee.

正義の味方
02.10.04 07:36
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X7Hell


Beiträge: 671
Beitrag #40
RE: Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
Sind übrigens 433 Seiten. Keine Ahnung, warum bei Amazon steht, es seien bloß 121. kratz
02.10.04 07:55
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Anime und Manga - Teil der Kultur Japan?
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