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Lernmethoden an der Qinghua-Universität
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furupi


Beiträge: 88
Beitrag #61
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
GESCHAFFT! ........................... Den ganzen Thread durchzulesen *leistung*
Und damit ein Danke an Nora die diesen Thread ins Leben gerufen hat. Der hat mich wirklich in meiner bisherigen Lernmethode bestärkt!

Und: Wurde zwar schon oft gesagt aber ich muss jetzt auch noch meinen Senf dazu geben. Was ich so sehe, nicht nur hier im Forum sondern auch im Real-Life (oho) , ist tatsächlich das sich Leute extrem, extrem, extrem und enorm viel Zeit nehmen um über verschiedene Techniken und Bücher und was weiss ich zu Diskutieren anstatt sich einfach mal anzufangen. Im schlimmsten Falle habe ich schon Leute gesehen die das über ein halbes Jahr lang gemacht haben!!!! Natürlich haben Sie ab und zu was gelernt, aber das belief sich auf etwa 100 Vokabeln und 50 Kanji -.-" Typisch: Was du heute kannst besorgen das verschiebe stets auf Morgen.

Naja jedem das seine, und wie bikkuri schon sagte:
Zitat:Würden sich deutsche Lerner daran eine Scheibe abschneiden, blieben mindestens die Hälfte aller Beiträge dieses Forums aus! Was dann?

どうも、クマです
06.07.10 11:35
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jigoku


Beiträge: 195
Beitrag #62
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Wüdet ihr raten jap. Kurzgeschichten wie 雪国抄 auswendig zu lernen? Hätte jemand vielleicht einen guten Link. Sind z.Bsp Barack Obamas Reden ein Beispiel, das auswendig gelernt wird? Liebe Grüsse!

くれなゐの涙にふかき袖の色をあさみどりにや言ひしほるべき
源氏物語 少女

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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.07.10 14:18 von jigoku.)
06.07.10 13:12
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Anya


Beiträge: 11
Beitrag #63
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Danke für die Antwort, Nora! zwinker Klar, wenn man möglichst authentisch sprechen lernen will, dann sind solche langweiligen Texte natürlich nicht besonders hilfreich dabei.

@furupi
Da ist allerdings etwas dran. Anstatt einfach mal anzufangen macht man sich lieber Gedanken, welches Buch/Methode/Kurs/etc. "besser" ist bzw. einen "schneller" ans Ziel bringt - was allerdings im Endeffekt wieder viel Zeit in Anspruch nimmt. Ein paar Vorüberlegungen sind gut und richtig, aber wie in so vielen Dingen gilt auch hier: Übertreiben sollte man nicht. hoho

Aber... ein halbes Jahr, nur um herauszufinden, welche Methode/Buch man nimmt... Komplett ans Ziel bringt einen niemand. Irgendwann ist jede Wissensquelle erschöpft und spätestens dann muss man sehen, wo man die Informationen herbekommt, die einem noch fehlen. Vielleicht sogar aus dem Buch, welches man ursprünglich aussortiert hat? zwinker

Allgemein noch einmal zu den Chinesen: Mir scheint es so (korrigiert mich bitte, falls ich zu falsch liege), als ob für Chinesen das Lernen von Japanisch ein kleines bisschen so ist, als wenn wir Englisch lernen (wegen bestimmter Ähnlichkeiten). Aber es wurde ja auch geschrieben, dass die Chinesen die Deutsch gelernt haben, genauso gute Leistungen gebracht haben, weshalb es am Ende gar nicht so entscheidend ist, welche Sprache man auf diese Weise lernt.

Ich bleib jedenfalls dran und schaue mal, wie weit ich damit komme! zwinker
06.07.10 13:58
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Teskal


Beiträge: 826
Beitrag #64
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Im Englischen sind mehr Ähnlichkeiten, denke ich. Aber dafür haben die Chinesen mehr Erfahrung mit Kanji. Die Worte die aus ON-Lesungen sind, sind höchstens ein wenig ähnlich, ansonsten war es das auch schon. Wie im Englischen kommen die Chinesen nicht herum, diese auswendig zu lernen.
06.07.10 16:30
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konchikuwa


Beiträge: 951
Beitrag #65
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Der Unterschied ist größer, da es sich, anders als bei Englisch und Deutsch, nicht um verwandte Sprachen handelt. Die Grammatik ist grundlegend anders.

Japanische On-Lesungen müssen zwar auswendiggelernt werden, aber dennoch meine ich, dass es für Chinesen einfacher ist, sich a) diese zu merken und b) die japanische Version bestimmter (sinojapanischer) Wörter einfach vom Chinesischen herzuleiten. Das ist nur ne Theorie von mir, aber nehmen wir zum Beispiel 電話 (Telefon), auf Chinesisch glaube ich dianhua, auf Japanisch denwa ausgesprochen. Mal angenommen, ein Chinese, der einigermaßen Japanisch spricht, sucht auf Japanisch das Wort für Telefon (was er noch nicht kennt oder vergessen hat). Er denkt an die chinesischen Schriftzeichen und versucht nun anhand seiner Erfahrung mit der japanischen Sprache die On-Lesungen für diesen beiden Schriftzeichen herzuleiten. Er weiß, 電 wird in Japan meist den gelesen, 話 meist wa. Nun japanisiert er das Chinesische Wort auf diese Weise und liegt (natürlich zufälligerweise, da diese Methode nicht hundertprozentig funktioniert) richtig. Ich denke, dass aufgrund des großen sinojaopanischen Wortschatzes dies für viele Wörter funktionieren könnte, was wiederum beschleunigend auf den Lernprozess wirkt. Diesen Vorteil haben wir ja nicht, für uns ist das ganze erstmal ein Buch mit sieben Siegeln. Viele können nach einem Japanologiestudium ja noch nicht einmal eine japanische Bedienungsanleitung lesen, was viele Chinesen ja anscheinend schon ohne jegliche Japanischkenntnisse können. Traurig, aber wahr zwinker
06.07.10 16:50
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jigoku


Beiträge: 195
Beitrag #66
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Entschuldigung für die Unterbrechung: Könnte man nicht hier noch einen Thread anhängen extra für die Texte die sich lohnen auswendig gelernt zu werden. Kleine Gedichte sind auch sehr nett.
Mein erster Text damals, von dem ich momentan nur noch den Anfang aufsagen kann, ist Miminashi-Houichi.

Vielen Dank

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06.07.10 17:16
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Anya


Beiträge: 11
Beitrag #67
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
@jigoku

Das ist gar keine so schlechte Idee. Meiner Meinung nach eignet sich jeder Text, der vom Themengebiet her einigermaßen ansprechend für einen ist (was von Person zu Person ja unterschiedlich ist).

Ich persönlich lerne gerade den Text zum dazugehörigen Hörspiel Sherlock Holmes グロリア・スコット号 auswendig. Das Hörspiel wird ziemlich gut gesprochen, muss ich sagen. Umso mehr bin ich motiviert den Text zu verstehen und natürlich zu lernen. Ein kleines bisschen hab ich gemogelt: Um zu schauen, ob ich wenigstens ansatzweise mit meinem Verständnis richtig liege, hab ich mir mal die deutsche Zusammenfassung zu der Handlung durchgelesen. zwinker

Spannend bleibt es natürlich trotzdem! hoho
06.07.10 19:41
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jigoku


Beiträge: 195
Beitrag #68
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Ich versuch mich mal an die von Yasunari Kawabata selbst zusammengefasste Version von Yukiguni. Fand die Geschichte damals schon gut ( Schnee und dann noch eine Bijin^^) und mach ich mich rann ans Auswendiglernen.
Liebe Grüsse
Moritz
Ps: in deutsche Übersetzungen zu schauen finde ich überhaupt nicht schlimm. Ich finde es sogar gut. Denn im Japanischen kann man manchmal etwas total Anderes verstehen.
( Katzen vor Geld in die Strasse schmeissen ^^)

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06.07.10 20:48
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Shunima


Beiträge: 53
Beitrag #69
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Hallo!

Jetzt, wo mein Auslandsjahr auch zu Ende ist, muss ich mich hier auch mal melden grins

Ich war ein Jahr an der Keio Universität und die Lernmethode dort ist eindeutig für asiaten.
Mein Unterricht bestand darin, Texte auswendig zu lernen.
Die Lehrerin schrieb einige Sdtriche und Partikel an die Tafel, dann ließ sie das Tape 1/2 mal (je nach schwieirigkeit des satzes) laufen , rief einen namen auf und der arme durfte das dann wiederholsen. Die lehrerin schrieb den satz an die tafel. dann mussten wir das tape nochmal hören und im chor nachsprechen. Danach nochmal einige einzeln, die sie wahllos auswählte - aber vorher wurde der satz bis auf einige Partikel wieder von der Tafel gewischt und Lehrbuch war zu (fies!).
Da sah man 2 Dinge:

1. Asiaten hatten keine Probleme, egal we lange Sätze fehlerfrei widerzugeben
2. Ausländer mussten mindestens noch einmal das Tape zwischendrin hören.

Für die Klausuren, die wir 2-3 mal im Monat schrieben, mussten wir den Lehrbuchtext auswendig lernen und grammatiksätze (selbstgeschrieben, vom Lehrer korrigiert, dann auswendig). Und es gab eine PArtikelübung, die fast 1 zu 1 auf den Lehrbuchtext beruhte, sodass wenn man den konnte, die Partikel perfekt waren.

Ich wusste von der Struktur vorher, doch es fiel mir scher, sie zu akzeptieren. Aber es bringt was. Ich habe auch Listening class und Aufsatzkurse, Zeitungskurse, etc mitgemacht. Und die besten Noten erziehlte ich, wenn ich was auswenig Gelerntes wiedergab (das ist nicht gut), aber ich konnte damit auch im Alltag viel anfangen (Das schon eher). Wie? Grammatikformen waren mir geläufig. Dank der listening class konnte ich sie verstehen, weil ich sie so oft gehört habe.
Dank dem auswendig lernen und laut sprechen, wenn ich Probleme hatte (was oft vorkam, ich bin eine Niete im Auswendig lernen), wurde mein Sprechen viel besser (was eher meine Stärke ist). Die geschrieben Sätze wurden verschachtelter udn damit länger (im Schreiben bin ich auch nicht schlecht).

Alles in allem ist diese Methode gar nicht so schlecht. Was mir aber bei Japanern und auch oft bei Chnesen vor allem auffiel war, sie konnten nicht so gut diskutieren (Die Chinesen haben immer eher weniger ihre eigene Meinung gesagt als eine allgemein Gültige. Kein Chinese würde also auf die Idee kommen, was Gutes über den "bösen" Dalai Lama zu sagen). Auch Vorträge waren nur auswenig gelernte Texte, sodass kaum einer in der Lage war, einen Vortrag aus dem Stegreif zu halten. Die Ausländer konnten das (kam manchmal vor, wenn wir spontan was über unser Land sagen mussten).

Darum denke ich, klar, es ist faszinierend, was diese Chinesischen Studenten können. Aber die Frage ich auch, was können sie nicht? Können sie "um die Ecke denken"? Können sie assiziieren und in einer neuen Umgebung vollkommen auf sich allein gestellt überleben? Können sie sich zB dem Arbeitsklima in Deutschland anpassen?
Warum sind sie mit der freien Zeit überfordert? Warum haben sie kaum Hobbys? Warum fallen so viele chinesische Studenten an Deutschen Unis bei den Prüfungen durch? Kaum einer hat gelernt, für sich selbst zu lernen. Die Lehrer in China/Japan verlangen genau das: Zuhause den Text rezitieren (wie man es schon über ein Jahrzehnt in der Schule machte) udn auswenig lernen (dito). Und das machen sie. In Deutschland wird das nicht velangt. Im Gegenteil. Wenn da nur eine rasuwendig lernt, bekommt er eine schlechte Note.
Da saßen die Chinesen an meiner Uni in Deutschland so da: O__O
Alle sind weg. Eine hats geschafft.

Im Gegenzug dazu haben sich die westlichen Studis an der Keio dem Ganzen anpassen können. Auch ich konnte nachher einigermaßen auswendig lernen (natürlich reichte das Jahr nicht, um die gleiche Menge zu können und auch so schnell wie Chinesen/Koreaner), hatten gute Noten (Ich finde meine As und Bs einfach super) und auch sonst konnten sich ALLE an das System gewöhnen. Die, die es nicht konnten, warne generell nur einige wenige.

Mit Japanern diskutieren ist oft wie mit einer Wand reden. Ich habe mitlerwielse öfter als Deutschlehrer hier gearbeitet und habe eine gewisse Taktik entwickelt, wie ich sie ZUM SPRECHEN bringen kann. Aber diskutieren?! So richtig eine eigene Meinung formulieren? Das können sie nicht, da gibt es keine richtige Antwort, sowas hat der Lehrer noch nie verlangt. Ein Dozent meinte mal zu mir, er brauchte ein halbes Jahr, um eine Diskussion in die Klasse u bekommen, wo TATSÄCHLICH die eigene Meinung ausgedrückt wurde.

Wir müssen uns also überlegen, wollen wir eine fundierte Ausbildung mit Menschen, die das Gelernte anwenden und damit leben können oder wollen wir Roboter(Chinsesen/Japaner), die vor einer Kaffeemaschine (ohne Bedienungsanleitung zwinker ) stehen und keine Ahnugn haben, wo das Wasser reinkommt, weil die Öffnung links und nicht rechts ist.

So, genug von mir, der Post ist lang genug, Hochachtung an alle, die es lesen!
Auswendig lernen ist gut, aber nur bis zu einem gewissen Grad, sonst bekommt man Roboter.

Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär, wär'n wir alle Millionär
06.09.10 16:59
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Nora


Beiträge: 2.091
Beitrag #70
RE: Lernmethoden an der Qinghua-Universität
Wenn ich mal diesen Thread ausgraben und auf eine interessante Veranstaltung hinweisen darf: Im Oktober spricht Oikawa Kōji in der Japanologie der Universität Heidelberg über Lernstrategien (am 27.) bzw. Lehrmethoden (am 28.). Der erste Vortrag wird gedolmetscht, so dass jeder verstehen kann, worum es geht. (Der zweite wendet sich an Lehrer, deswegen ist Dolmetschen nicht nötig.)

Es geht vor allem um lernwissenschaftlich erprobte Techniken des Vokabellernens und darüber, wie man eine authentische Aussprache üben kann.

Ich kann nur jedem, der die Gelegenheit dazu hat, empfehlen, die Veranstaltung zu besuchen. Herr Oikawa ist in China mittlerweile zu einer Art Lehrer-Star geworden, weil Absolventen seiner Kurse so erfolgreich sind.


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12.10.15 13:08
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