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Kanji lernen und behalten 2?
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #31
RE: Kanji lernen und behalten 2?
@ the_luggage: Ich würde dir dringend raten, die Leseprobe zu lesen. Dort wird das alles erklärt und viel zu lesen ist es auch nicht, daher wäre es sinnlos, das hier nochmal genau auszubreiten. Nur soviel:
1. Du lernst in dem Buch (nicht nur, aber ich würde schon fast sagen nur) die On-Yomi.
2. Du lernst (fast nur) Kanji-Komposita (nur On-Yomi).
3. Das System ist in 5 Minuten verstanden und mehr brauchst du auch dafür nicht. Es ist nicht annähernd so komplex wie in KLB 1 und hier wurde dir schon alle Arbeit abgenommen.

Wie ich oben schon sagte, musst du die Kun-Yomi am Besten mit den Wörtern zusammen lernen. Da gibt es KEIN System! In KLB 2 sind zwar Merkhilfen genannt, aber mich persönlich überzeugen diese nicht, sind m.E. auch unnötig, weil die Wörter dann doch nicht so schwer zu lernen sind und mehr ist es ja fast auch nicht.
23.11.06 22:10
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the_luggage


Beiträge: 106
Beitrag #32
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Ich würde doch niiiiie hier posten, ohne vorher die Leseprobe gelesen zu haben hoho
Ich hatte mich nur gewundert, weil ich von der Leseprobe im Kopf hatte, dass nur der erste (kleinere) Teil über die On-Yomi geht und der zweite nur über Wortschatz oder so (das waren dann wahrscheinlich die Kanji-Komposita, oje, Alzheimer lässt grüßen rot ).
Deswegen meine Frage. Ich dachte mir nämlich, dass wenn die On-Yomi-Systematik nur den kleineren Teil des Buches ausmacht und der Rest mehr oder weniger Wortschatz ist, ich mir das Wissen auch anderweitig holen kann, was du ja aber grade auch noch mal gesagt hast.
Aber ich werd mich auf jeden Fall noch einmal in die Leseprobe stürzen (Probe ist gut, die ist ja ewig lang huch ) bevor ich mir das Buch kaufe.
Danke für eure Geduld hoho
23.11.06 22:38
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #33
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Lang ist die Probe schon, aber nicht alles ist Erklärung.

10 Kapitel des Buches sind On-Yomi-Lesungen, nur 1 Kapitel Kun-Yomi. Mit jeder Lesung (nicht: Kanji) lernst du ein neues Wort.

Viel Spaß!
23.11.06 22:59
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #34
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Ich bin immer noch sehr skeptisch, was diese Methode angeht, und schließe mich der Argumentation von schattenjedi an. Ein Kanjilernen ohne Zusammenhang zur lebendigen Sprache halte ich für sehr problematisch.

Und soweit ich das von der Leseprobe beurteilen kann, stellt KLB2 den Bezug zur Praxis nur sehr unzureichend her. Viele der angeführten Beispielvokabeln wirken auf mich konstruiert und weltfremd. Auf der ersten Seite (Kapitel 1, S.22) sind z.B. von 9 Vokabeln nur 3 Basis-Wortschatz-tauglich, nämlich 不安, 世界 und 多少. Die anderen 6 finde sind für lange Zeit erst einmal unnötiger Ballast. 不安 ist zudem mit "Unruhe" schlecht übersetzt, zumindest zeigt sich hier die Problematik von 1:1 Übertragungen ohne Zusammenhang. Hier wird suggeriert, dass die Konzepte eines deutschen und eines japanischen Wortes identisch sein können, hier wird kein tiefes Verständnis für eine Vokabel geweckt, was nur das Lernen in inhaltlichen Zusammenhängen möglich machen kann.

Solche unbrauchbaren Vokabeln finden sich nach der ersten fast auf jeder Seite der Leseprobe. Wenn bei 吾人 (S.35, Nr 86) dann ausnahmsweise einmal der Vermerk "selten" auftaucht, so ist das auch noch ziemlich untertrieben. Das Wort existiert im Gegenwarts-Japanisch so gut wie gar nicht.

Mir bleibt die ganze Geschichte auch nach Band 2 immer noch einfach zu abstrakt. Ich bewundere die Leute, die mit Spaß den ganzen ersten Band durchgenommen haben, und ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht allzu viele davon gibt. Für mich wäre das nix. Dabei bin ich wirklich nicht faul. Ich habe lediglich ein schlechtes Gedächtnis, und das wird von dieser Art des abstrakten Lernens nicht ausreichend animiert.

正義の味方
24.11.06 03:59
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Robert Rauther


Beiträge: 18
Beitrag #35
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Auch wenn ich der Meinung bin, die Bücher sollen für sich selbst sprechen, möchte ich mir doch noch einmal kurz erlauben, mich einzumischen.

Der Anspruch der Bücher (mit dem Namen "Die Kanji lernen...") ist natürlich nicht, vollständig gesprochenes Japanisch zu vermitteln. Japanisch muß jeder Nutzer anderweitig lernen. Und dies kann sie oder er natürlich ganz nach Belieben tun - vorher, nachher, währenddessen.

Wer beide Bücher durcharbeiten möchte, benötigt dafür nach meinem Ermessen maximal ca. 2 Jahre, sofern täglich eine Stunde dafür aufgebracht werden kann. Komprimiert entspricht das einer Nettozeit von ca. drei bis vier Monaten. Zugegeben: Letzteres wäre natürlich ein geballtes Pensum. Aber wie sollte es in Anbetracht der Aufgabe auch anders sein?.

Mein Tipp wäre in der Tat, sich vor Beginn des Spracherwerbs drei bis vier Monate zu nehmen und nichts anderes zu tun, als die beiden Bücher durchzuarbeiten. Das wird natürlich zumeist nur Studenten möglich sein - oder man schafft es, sich einen sehr langen Sonderurlaub zu ergattern. Danach sieht man das japanische Schriftsystem mit anderen Augen. Aber auch, wenn eine derart komprimierte Zeit im Einzelfall nicht möglich ist, höhlt steter Tropfen selbstverständlich den Stein, und das dürfte der Normalfall sein.

Bücher, welche die gesamten Jouyou-Kanji enthalten, können meines Erachtens naturgemäß leider nicht durchgängig basiswortschatztauglich sein. Aber auch das ist nicht ihr Anspruch. Die im vorigen Posting gewählten Zitate stammen aus dem ersten Kapitel, das die Kanji aufführt, aus denen die Kana entstanden sind. Das hat bereits von der Überschrift des Kapitels her nichts mit einem Basisvokabular zu tun.

Ob 不安 mit "Unruhe" tatsächlich "schlecht" übersetzt ist, mag, wer interessiert ist, anhand von Wörterbüchern und vor allem im Kontext mit Bd.1 - in dem das Buch unweigerlich steht - selbst beurteilen. "Angst", "Sorge", "Unsicherheit" hinzuzufügen, mag natürlich eine Erwägung wert sein. Aber das geschieht beim Spracherwerb von selbst.

Richtig ist, daß eine Reduktion von Komplexität nur mit, teilweise subjektiven, Kompromissen erzielt werden kann. Derlei Dinge rücken sich schnell selbst zurecht und vervollständigen sich, wenn man die gesprochene Sprache erlernt. Reduktion von Komplexität ist jedoch meines Erachtens die Aufgabe jedes didaktischen Ansatzes (wobei, das versteht sich von selbst, natürlich keine Verfälschung stattfinden darf).

Bitte erlauben Sie mir abschließend folgende Bemerkungen. Ich erhalte etliche Zuschriften hinsichtlich der Bücher. Dies von ihren Nutzern. Diese Reaktionen sind durchweg positiv - andere machen sich natürlich vielleicht einfach nicht die Mühe, mir zu schreiben. In diesem Forum posten viele, die sich die Kanji bereits anderweitig selbst beigebracht - teilweise nach eigenem Bekunden gar "eingebleut" - hatten, bevor die Bücher, zumindest auf Deutsch, erschienen sind.

Die anfängliche Frage dieses Gesprächsfadens lautete aber, ob jemand bereits mit dem Buch (Band 2) gearbeitet hat und Erfahrungen beisteuern kann. Nun bin natürlich auch ich sehr interessiert an jeder Anmerkung zu den Büchern. Daß hier jedoch die "alten Hasen", die mit den Büchern nach eigenem Bekunden gerade nicht gearbeitet haben, eine Reihe von Gründen liefern, warum die Bücher nicht, oder zumindest nicht gut, funktionieren können, erstaunt meines Erachtens. Ob damit dem/der Fragesteller(in) eine Hilfe geboten wird, steht meines Erachtens dahin.

Ein wie hier geführter "Glaubensstreit" wird sich meines Erachtens erst entscheiden lassen, wenn - und zwar nach einer entsprechenden Anzahl von Jahren - sich diejenigen gegenüberstehen, die mit dem und ohne das Heisig'sche System gelernt haben. Bitte erlauben Sie mir abschließend meine wenig überraschende Einschätzung, daß die "Heisigianer" da nichts zu befürchten haben werden.

Natürlich bin ich für alle Ihre Beiträge sehr dankbar, weil sie mich ausnahmslos alle sehr interessieren, und Kritik immer wertvoll ist. Als Schluß meiner Ausführungen möchte ich, wenn Sie mir das erlauben, aber ein Schlußwort Professor Heisigs heranziehen, daß jeder in der Leseprobe in den letzten beiden Absätzen auf Seite 18 nachlesen kann (ab "Schließlich..."):
http://www.kanji-lernen.de/KLB1_Leseprobe.pdf

An diesem eigenen Anspruch sollten, wie ich finde, beide Bücher gemessen werden. Und mehr bedarf es dazu von meiner Seite aus selbstverständlich auch gar nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Rauther
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.11.06 16:02 von Robert Rauther.)
24.11.06 14:50
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #36
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Gut, dann darf ich mal ein paar Sätze von S.18 hier zitieren:

Zitat: Schließlich erscheint es angebracht, einen kurzen Gedanken auf den Ehrgeiz
zu verwenden, das japanische Schriftsystem “beherrschen” zu wollen. Eine
solche Idee beruht auf, oder wird zumindest genährt von, einem speziellen
Vorverständnis des Lernens, das seine Ursache in einer zu starken Verschulung
hat: der Vorstellung, dass Sprache eine Anhäufung von Fertigkeiten sei, die
rational unterteilt, systematisch erlernt und durch Prüfungen belegt werden
könnten. Die Kanji, zusammen mit den weitläufigeren Strukturen des Japanischen
(und, was das angeht, jeder Sprache), verweigern sich einer solchen
Beherrschung entschieden.
Diese Aussage halte ich teilweise für nachvollziehbar. Das Folgende kann ich erst recht unterstreichen:

Zitat: Es ist jedoch nicht möglich, sie ohne tiefes Verständnis ihrer
langen und komplexen Geschichte und ohne Einblick in das Geheimnis ihrer
nicht vorhersagbaren Dynamik zu meistern. All das ist bei weitem mehr, als
ein einzelner Geist mit einem einzelnen Stift zu Papier bringen könnte.
Wenn dem Autor das klar ist, warum wählt er dann nicht einen anderen Titel für das Buch?
Zur Erinnerung:

Zitat: Die Kanji lernen und behalten
Wenn das kein Absolutheitsanspruch ist... (ich schlage vor, den bestimmten Artikel einfach wegzulassen). Und dieser Anspruch klingt auch im Buch immer wieder durch, z.B. S.11 Einleitung Band 1:

Zitat: Indem die Methode zeigt, wie man …, bietet sie eine neue Perspektive, aus der sich die Kanji meistern
lassen.
Noch irreführender die Kurzbeschreibung bei Amazon:

Zitat: Kurzbeschreibung
Wer die japanische Sprache beherrschen will, steht vor einer enormen Aufgabe: Er muß die Kanji erlernen, nahezu 2000 Schriftzeichen chinesischen Ursprungs. Was durch jahrelanges verzweifeltes Pauken kaum gelingt, das vermag die revolutionäre Methode dieses Buches innerhalb weniger Monate. … Was bisher nicht zu hoffen war - die Kanji lassen sich rasch lernen und behalten, sowohl in ihrer Bedeutung als auch in ihrer Schreibweise. http://www.amazon.de/behalten-Bedeutung-...3465034112
Wahrscheinlich kann man die Autoren des Buches dafür nicht verantwortlich machen, aber der Verlag möchte natürlich auch etwas verkaufen.


Ein weiterer Widerspruch. S. 11 (erste Seite der Einleitung, Band 1):

Zitat: Dieses Buch hat zum Ziel, … . Es richtet sich nicht nur an Anfänger,
sondern auch an fortgeschrittene Studenten, die Entlastung beim fortwährend
frustrierenden Vergessen der Kanjischreibungen und einen Weg zur Systematisierung
des bereits Erlernten suchen.
vs. S. 19 (1. Seite Anmerkung zur 4. Auflage, Band 1):

Zitat: … , dass dieses Buch für den Selbstunterricht entworfen wurde.
Vielleicht nicht ganz so offensichtlich ist, dass seine Benutzung als Ergänzung
zum Kanjilernen im Klassenzimmer oder zur Wiederholung vor Prüfungen einen
schädlichen Einfluss auf den Lernprozess hat. Je mehr Sie versuchen, das Lernen
der geschriebenen Kanji mittels der auf diesen Seiten dargelegten Methode mit
dem traditionellen Studium der Kanji zu kombinieren, desto weniger Gutes
wird dieses Buch Ihnen tun. Ich wüsste von keiner Ausnahme.



Und ja, wer soll den das Buch sonst kritisieren, wenn nicht ein "alter Hase" aus einem Japanisch-Netzwerk? Das Buch wurde auf der anderen Seite inzwischen soviel belobhudelt in diesem Forum, dass ich es für angebracht hielt, hier ein Gegengewicht zu setzen, und darüber hinaus ein wenig zur Vorsicht zu mahnen. Wer das Buch mit Erfolg durchgearbeitet hat, und, zumindest nach Auffassung der Autoren bzw. Übersetzter, einzig dadurch in den Besitz der Legitimation zur Kritik der Methode gelangen konnte, wird kaum Kritik anzubringen haben. Diejenigen, die aber die Methode ohne Erfolg abgebrochen haben, waren laut Benn ja alle

Zitat: durchweg zu "faul" oder zu ungeduldig
und können deshalb auch keine berechtigte Kritik üben. Also habe ich mich mal aufgerafft, mir alle Leseproben genau angeschaut, und dann den "alten Hasen" raus gelassen, der an allem was zu meckern hat, was er nicht selbst genießen durfte. Natürlich bin ich der Meinung, dass alle beim Kanjilernen genauso leiden müssen wie ich, deshalb darf einfach niemand die Kanji in weniger als 2 Jahren lernen! Das verbiete ich hiermit!!!

grins Gruß, atomu

edit: ein Wort eingefügt, ein Typo verbessert

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.11.06 19:09 von atomu.)
24.11.06 19:02
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Robert Rauther


Beiträge: 18
Beitrag #37
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Nun befinde ich mich ja fast doch schon in einer Diskussion, aber ich möchte wirklich nur darauf verweisen, die Bücher doch anhand des Anspruchs zu beurteilen, den sie erheben.

Niemandem, aber auch gar niemandem, wird das Recht zur Kritik abgesprochen. Wer wollte und könnte sich das anmaßen? Ich jedenfalls werde nicht müde, Kritik jeder Art einzuladen.

Es ist halt nur einfacher, auf kritische Stellungnahmen einzugehen, wenn sie auch anhand des Inhalts der Bücher erfolgen. Die Bände umfassen zusammen fast 1.000 Seiten, und es wäre sehr mühsam, hier ständig die entsprechenden Textpassagen zu zitieren. Die Einleitung zu beiden Büchern kann man in den Leseproben schon einmal kostenlos und unverbindlich lesen:
http://www.kanji-lernen.de

Mein Eindruck ist, daß in diesem Forum in Einzelfällen die Bücher kritisiert werden, ohne daß man sich mit ihnen inhaltlich auseinandergesetzt hätte. Das wäre dann für Leser dieses Forums nicht sehr aufschlußreich (sowie ja eigentlich generell sinnlos).

Der Klappentext wirkt in der Tat anspruchsvoll - aber das Versprechen ist einlösbar. Wer in Band 1 auf jedes Kanji bis zu 15 Minuten verwendet (was für die einfacheren Zeichen bereits ein wenig viel ist) und einen 8-Stunden-Tag einhält, wäre tatsächlich pünktlich nach zwei Monaten mit dem ersten Band fertig. Dann kann man mit Band 2 beginnen, was - abhängig von sprachlichen Vorkenntnissen und anderen Neigungen - auch nicht viel länger dauern sollte.

Inwiefern das Lernen dabei in "Leiden" umschlägt, muß natürlich jede und jeder für sich entscheiden. Nach allem, was ich weiß, macht es den meisten sogar Spaß. Möglich ist es jedenfalls, und viele weltweit haben es (auf Englisch, Französisch, Spanisch und nunmehr auch Deutsch) bereits geschafft. Die zeitliche Untergrenze, von der ich bislang erfahren habe, sind 30 Tage für Band 1, aber das ist vielleicht in der Tat nicht jedem gegeben.

Wer eine Lerngruppe bildet und sich mit anderen Lernenden Vorschläge für einprägsame Erzählungen zu den Kanji macht, braucht vielleicht ein wenig länger (dann muß man ja zwischendurch auch noch Kaffee trinken), hat aber unter Umständen noch mehr Spaß dabei. Das ist sehr lerntypabhängig.

(EDIT: In Anbetracht des Umstandes, daß die Liste der 1.945 Jouyou-Kanji von der japanischen Regierung abschließend festgelegt ist, erachte ich den Anspruch, "die Kanji" zu vermitteln, übrigens nicht als verfehlt. Davon abgesehen enthält Band 1 zusätzlich zu den Jouyou-Kanji über 90 Kanji außerhalb der Liste und gibt zum anderen Hinweise, wie man weitere, völlig unbekannte Kanji erlernt, wenn man ihnen begegnet.)

Einen "Zaubertrank" zum Kanjilernen gibt es nicht. Auch in die Heisig'sche Methode muß man sich einarbeiten, was meiner Meinung nach allerdings nicht sonderlich schwierig ist. Eine bessere ist mir nicht bekannt. Aber auch im rohen Auswendiglernen mag ein hoher, vielleicht gar asketischer Wert liegen. Wer jedoch zusätzlich, oder gar hauptsächlich, anderen Tätigkeit im Leben nachzugehen hat, ist eventuell sogar auf die Hilfe einer erleichternden Methode angewiesen.

Wichtig ist jedenfalls, den Arbeitsanweisungen in den Büchern auch gut zu folgen. Die Bücher enthalten meines Dafürhaltens nach alle zum erfolgreichen Arbeiten nötigen Informationen (in Band 1 z.B. insbesondere die Seiten 129-132). Läßt man diese Anweisungen außer acht, ergeht es manchen natürlich wie bei einem Regal einer Möbelkette, das sie ohne Schraubanleitung zusammenzubasteln versuchen. Am Mißerfolg ist dann aber doch nicht das Regal schuld.

À propos, kaum schreibe ich in diesem Zusammenhang "Regal", geht mir persönlich durch den Kopf, daß es ja ein guter "hölzerner Gefährte", also ein 棚 ist. Vielleicht funktioniert das System ja sogar zu gut...

Aber genug gescherzt: Bitte kritisieren Sie nach Herzenslust. Dabei läßt sich meiner Meinung nach auf sachorientierte Kritik immer am einfachsten antworten.

Ich bin kein Psychologe (sondern Jurist), und vielleicht gibt es tatsächlich Lerntypen, die eine andere Methode benötigen. Andererseits erhalte ich positive Rückmeldungen von Menschen aus so unterschiedlichen Bereichen des Lebens, daß ich daran fast nicht mehr glauben mag.

Ich wünsche Ihnen allen weiterhin viel Spaß und Erfolg, egal welcher Methode Sie sich verschrieben haben oder zu verschreiben gedenken. Denn am Ende zählt ja der Erfolg und die Freude daran. Damit verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Robert Rauther
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.11.06 13:39 von Robert Rauther.)
24.11.06 22:18
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #38
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Zitat:
Mein Eindruck ist, daß in diesem Forum in Einzelfällen die Bücher kritisiert werden, ohne daß man sich mit ihnen inhaltlich auseinandergesetzt hätte. Das wäre dann für Leser dieses Forums nicht sehr aufschlußreich (sowie ja eigentlich generell sinnlos).

Das ist das letzte, das ich zu diesem Thema noch sagen möchte, oder klarstellen will.

Weshalb ich mich in diesem Forum teilweise sehr aufregen muss, hat offenbar auch Herr Rauther erkannt. Er hat es etwas...diplomatischer ausgedrückt als ich, trifft es aber im Kern genau. Besonders bei solchen Büchern ist eine Kritik ohne tiefgehende Beschäftigung mit der Materie gefährlich, weil sie eben hauptsächlich auf Mutmaßungen und "Logik" basieren.

Zitat: Natürlich bin ich der Meinung, dass alle beim Kanjilernen genauso leiden müssen wie ich, deshalb darf einfach niemand die Kanji in weniger als 2 Jahren lernen! Das verbiete ich hiermit!!!

Hehe, ja, ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es denen, die mich hier der Arroganz beschuldigten vor allem *daran* gedacht haben. Ich kann es besser verstehen, als du vielleicht denkst, Atomu. Du hast ja keine Ahnung, wie lange ich mich vor KLB schon mit Kanji (und natürlich Japanisch) beschäftigt habe ^_^. Du bist da nicht alleine und ich beneide gerade die, die es alles in allem viel schneller schaffen als ich. Sehr deprimierend...aber ich bin dennoch froh, wenn andere Leute eben gerade nicht so leiden, wie man selbst.

Jeder muss seine Methode nach seinen Bedürfnissen finden. Auf jeden Fall haben wir alle Spaß mit dem, was wir tun und das ist das Wichtigste.

Schönes Wochenende noch,
Benn
25.11.06 15:49
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #39
RE: Kanji lernen und behalten 2?
(24.11.06 19:02)atomu schrieb:Also habe ich mich mal aufgerafft, mir alle Leseproben genau angeschaut, und dann den "alten Hasen" raus gelassen, der an allem was zu meckern hat, was er nicht selbst genießen durfte. Natürlich bin ich der Meinung, dass alle beim Kanjilernen genauso leiden müssen wie ich, deshalb darf einfach niemand die Kanji in weniger als 2 Jahren lernen! Das verbiete ich hiermit!!!
Ich bin nicht sicher, ob mein gelegentlich etwas verschrobener Humor hier von allen richtig verstanden wurde, deshalb stelle ich hiermit noch einmal klar:

Ich persönlich "leide" nicht am Kanjilernen, im Gegenteil, es bereitet mir das größte Vergnügen (was gewisse "Frust-Phasen" natürlich nicht ausschließt). Es handelt sich dabei übrigens durchaus um ein intellektuelles Vergnügen, weniger um ein asketisches (zur Heisig-Methode gehört m. E. viel mehr Askese). Kanji sind für mich das Tor zu einer neuen Welt. Jedes Kanji, dass ich dazu lerne, erweitert mein Bewusstsein, indem ganz neue Bezüge und Assoziationen hergestellt werden.

Es reizt mich sehr, die Heisig-Methode, und insbesondere gerade den 2.Band, hier weiter zu diskutieren und zu hinterfragen, leider habe ich zur Zeit eine Menge andere wichtige Sachen zu tun. Einige Widersprüche bleiben für mich nicht ausgeräumt, auch durch die dankenswerten Ausführungen von Herrn Rauther nicht.

Nur noch kurz: Mein höchstes Ziel ist, ein möglichst natürliches Japanisch zu lernen. Hier sehe ich die Gefahr, dass die durch Band 1 im Selbststudium im Gedächtnis festgehakten Assoziationen einem später im Wege stehen, weil gerade das früh erlernte sich später nur schwer korrigieren lässt. Richtig unnatürlich wird das Japanisch, wenn man den 2. Band auch noch im Selbststudium durchnehmen sollte. Die Lesungen bedürfen dringend muttersprachlicher Korrektur beim Lernenden. Und die dort angegebenen Beispiel-Vokabeln sind wirklich mit Vorsicht zu genießen. Mir leuchtet nach wie vor nicht ein, warum man hier nicht gleich brauchbares Vokabular einführt.

正義の味方
26.11.06 11:44
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #40
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Du hast einige Beispiele gebracht, die du seltsam findest. Vorschlag: Gib mal ein paar Beispielwörter, die man mit der gleichen Lesung des Kanjis schreiben könnte....und schon hast du Probleme. Es GIBT einfach keine Wörter z.B. mit 吾, die für einen Anfänger geeignet wären. Und das gilt für sehr viele Lesungen. Und da die Bücher nicht nach Häufigkeit der Kanji/Lesungen aufgebaut sind, kommen die teils halt schon am Anfang.

Und bezüglich der Kritik an Übersetzungen einzelner Wörter will ich mich zwar nicht anschließen, aber zumindest bemerken, dass ich auch nicht ganz unglücklich wäre, wenn die Nuance eines Wortes mit mehreren Übersetzungsmöglichkeiten ein bisschen mehr klargestellt würde. Allerdings halte ich das nicht für unausweichlich, weil der Großteil der Wörter (man kann schon fast sagen mit wenigen Ausnahmen wie 不安) Substantive sind, die insbesondere und fast ausschließlich die angegebene Übersetzung beinhalten (bei den wenigen Adjektiven ist das schwieriger). Außerdem ist es auch in einem Lehrbuch meist so, dass du eine Übersetzungemöglichkeit und eine Anwendung des Wortes in einem Kontext erfährst (wo es genau in dieser Bedeutung benutzt wird). So kennst du auch erstmal nur eine Nuance. Mir ist es persönlich schon oft passiert, dass ich später gemerkt habe "uh, das Wort hat ja viel mehr Nuancen", teils auch erst Jahre später. Aber ich denke, dass man besonders in Sprachen immer so flexibel sein muss, sein "gefestigtes" Wissen zu erweitern (nicht mal korrigieren, denn falsch war es ja nicht).

Aber du hast Recht, Atomu, so interessant diese Diskussion auch ist, alle Argumente wurden genannt und zur Disposition der potentiellen Anwender gestellt. Mehr können wir nicht tun und Zeit habe ich für so lange Texte wie hier auch nicht...Polizeirecht wartet auf mich zwinker

Viele Grüße nochmals!
Schönen Sonntag wünsche ich.
26.11.06 15:20
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Kanji lernen und behalten 2?
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