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Kanji lernen und behalten 2?
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Antonio


Beiträge: 242
Beitrag #41
RE: Kanji lernen und behalten 2?
(26.11.06 11:44)atomu schrieb:Mein höchstes Ziel ist, ein möglichst natürliches Japanisch zu lernen. Hier sehe ich die Gefahr, dass die durch Band 1 im Selbststudium im Gedächtnis festgehakten Assoziationen einem später im Wege stehen, weil gerade das früh erlernte sich später nur schwer korrigieren lässt.
[...]
Mir leuchtet nach wie vor nicht ein, warum man hier nicht gleich brauchbares Vokabular einführt.

Mich würde auch interessieren, ob man später anders mit den Schriftzeichen umgeht, je nachdem mit welcher Methode man sie erlernt hat. Kann es z.B. sein, dass sich Kalligraphie für den "klassischen Lerner" leichter lesen lässt, weil er sich intensiver mit der Strichführung auseinandergesetzt hat? Ich schätze, dass sich zumindest das eigene Schriftbild während des konventionellen Lernprozesses verbessert. Meines hingegen liegt wohl unter dem eines vierjährigen Japaners. Auch hier macht die Übung den Meister.

Ich glaube nicht, dass mir die (simpel ausgedrückt) Eselsbrücken je hinderlich werden, aber beweisen kann ich natürlich nichts.

Zum zweiten Punkt mache ich mir persönlich nicht so viele Gedanken. Einerseits ist das Vokabular nach im Buch genannten Kriterien ausgewählt worden, und unterschiedliche Personen mögen da nun mal unterschiedliche Prioritäten setzen, andererseits gibt es doch auch bei den Jouyou-Kanjis solche, die mir nicht brauchbar erscheinen. Einige habe ich nicht einmal in einer Kanji-Häufigkeitsliste einer Zeitung wiedergefunden.

Es wäre natürlich etwas anderes, wenn diese Zahl unbrauchbaren Vokabulars ein erträgliches Mass übersteigen würde. Das werde ich dann beurteilen, wenn ich tatsächlich in Erwägung ziehe, die On-Yomi gezielt zu erlernen. Da werden die Geschmäcker eben auseinander gehen.

Denn man hat ja die Wahl, wofür man sich je nach Lerntypus entscheidet. Es soll ja auch Leute geben, die sogar ganz auf das Lernen der Kanji (genauer: deren Schreibweise) verzichten, und alles "im Kontext" erlernen. Und manche Leute empfehlen auch die geronnenen Ausflüsse einer Kuh. Auch wenn es vielleicht DEN besten Weg gibt, ist es doch eine Frage der Präferenzen.

Edit: Ach ja, einen wichtigen Aspekt, den du angeschnitten hast, Atomu, ist die Frage, ob die Methode nicht eventuell hinderlich ist. An dieser Stelle möchte ich auch zur Vorsicht raten, genau wie das Buch selbst: Es scheint sich nicht dazu zu eignen, die nötigen "Kanji-Lernlücken" wie ein Pflaster zu ergänzen. Das Lehrmittel ist umso effektiver, je vollständiger (Methodik befolgen, alle Kanji berücksichtigen) es benutzt wird. Auf amazon.de gibt es ein Review, das das "Verwischen" der Kanji-Kenntnisse beklagt. Nach meiner Einschätzung kann sowas nur wegen unzureichender Auseinandersetzung mit den Inhalten passieren, aber ich bin ja kein Hellseher. Insofern würde ich jemandem, der bereits mehr als 1000 Kanji erlernt hat, nicht leichtfüssig das Buch empfehlen. Da kommt es doch sehr auf den Lernenden an, wie sicher er sich damit fühlt.

"Warum sollte ich mir denn die Mühe machen, in die Bibliothek zu rennen, wenn man auf das Wissen anderer zurückgreifen kann."
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.11.06 18:36 von Antonio.)
26.11.06 18:11
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #42
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Hehe ja Antonio, das Schriftbild verbessert sich mit der Anwendung. Ich habe schon immer viel gekritzelt und mir Gedanken über die Ästhetik der Zeichen gemacht. Dennoch habe ich beim Lernen der Kanji nach KLB beim Abfragen jedes Mal jedes Kanji (allein zur Verbesserung meines Schriftbildes) geschrieben. Ich habe viele Blöcke komplett bekritzelt. Das hat mich nicht viel Zeit gekostet, aber ich habe bei einzelnen Zeichen gemerkt, dass ich bestimmte Formen nicht draufhabe. Die habe ich dann in extenso geschrieben und inzwischen bin ich ganz zufrieden, aber es gibt immer noch einiges zu tun ^_^.

Übrigens, zu deinem Edit: Als ich mit KLB begonnen habe, da konnte ich schon über 1000 Kanji....nur ohne die meisten Bedeutungen. Man muss nur konsequent auch die Kanji mitlernen, die eigentlich schon "selbstverständlich" sind. Tut man das, dann hat man keine Sorgen. Davor warnt das Buch außerdem auch. Und ich habe (glücklicherweise) meistens drauf gehört....und in Fällen (mal ein Beispiel zum Problem) wie 達 oder 的, die andere Bedeutungen haben als im häufigen 私達 bzw. sowas wie 目前的, wo ich es mal nicht gelernt habe, da habe ich es dann nochmal nachholen müssen, denn auch in der in KLB angegebenen Bedeutung ist das Kanji häufig.

Puh, ich finde in diesem Thread einfach kein Ende lol.
27.11.06 00:32
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Ex-Mitglied (bikkuri)
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Beitrag #43
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Zitat: Mich würde auch interessieren, ob man später anders mit den Schriftzeichen umgeht, je nachdem mit welcher Methode man sie erlernt hat. Kann es z.B. sein, dass sich Kalligraphie für den "klassischen Lerner" leichter lesen lässt, weil er sich intensiver mit der Strichführung auseinandergesetzt hat? Ich schätze, dass sich zumindest das eigene Schriftbild während des konventionellen Lernprozesses verbessert. Meines hingegen liegt wohl unter dem eines vierjährigen Japaners. Auch hier macht die Übung den Meister.

Aus Erfahrung würde ich eindeutig sagen, ja. Wer Schriftzeichen überwiegend mit dem Lesen lernt und nebenher mal etwas zu Papier bringt, wird Kalligraphien, oder ich sage mal besser, Handschriften - denn bei Kalligraphien ist der künstlerische Aspekt nicht zu vernachlässigen, der die Schriftzeichen teilweise unlesbar macht - kaum bis gar nicht lesen können.
Weiterhin wird man dadurch nie die Lesegeschwindigkeit eines Native speakers erreichen können. So kann ein 200-Bunkobon-Roman innerhalb von 60-90 Minuten runtergelesen werden. Wer nun die Zeichen nur vom "Schauen" oder mit "Eselsbrücken" gelernt hat, wird die Zeichen nach gereifter Übung innerhalb von Sekundenbruchteilen erkennen und lesen können, aber jemand, der sich mit "Schreiben" die Schriftzeichen erarbeitet hat, dem sind sie im Moment des Betrachtens schon ein Begriff; dabei gibt es keine Zeitdifferenz. Und das ist nicht innerhalb von ein paar Jahren zu machen.
Natürlich kann man mit den modernen Lernhilfen innerhalb kurzer Zeit ein großen Berg an Wissen verarbeiten, und das führt teilweise auch zu tollen Ergebnissen, aber trotzdem fehlt einem die volle Kompetenz in der Sprache. Aber das ist ein Ideal und keinesfalls ein Muss.

Wie sagte der Kalligraph 王羲之 so treffend: 心慕手追功到字成 Dann deutete er auf die Wasserkrüge vorm Fenster und sagte zu seinen Schülern: "Wenn ihr diese 18 Krüge leer geschrieben habt, habt ihr das Zeichen (鵝) gemeistert."
27.11.06 11:00
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schattenjedi


Beiträge: 130
Beitrag #44
RE: Kanji lernen und behalten 2?
(27.11.06 05:00)bikkuri schrieb:Weiterhin wird man dadurch nie die Lesegeschwindigkeit eines Native speakers erreichen können. So kann ein 200-Bunkobon-Roman innerhalb von 60-90 Minuten runtergelesen werden. Wer nun die Zeichen nur vom "Schauen" oder mit "Eselsbrücken" gelernt hat, wird die Zeichen nach gereifter Übung innerhalb von Sekundenbruchteilen erkennen und lesen können, aber jemand, der sich mit "Schreiben" die Schriftzeichen erarbeitet hat, dem sind sie im Moment des Betrachtens schon ein Begriff; dabei gibt es keine Zeitdifferenz.

Ist das mit Fakten belegt worden? Ich habe irgendwann damit aufgehört, jedes neu erlernte Kanji aufzuschreiben. Ich konnte aber keine Wirkung auf die Lesegeschwindigkeit feststellen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.11.06 16:30 von schattenjedi.)
27.11.06 14:55
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Robert Rauther


Beiträge: 18
Beitrag #45
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Nur, weil für mein Verständnis schon wieder zu den Büchern Stellung bezogen wird, ohne sie tatsächlich zu kennen, möchte ich mir schließlich doch noch einmal erlauben, das Wort zu ergreifen.

"Die Kanji lernen und behalten 1" unterrichtet ausdrücklich auch die Schreibweise der Schriftzeichen. Wer dem Kurs, so wie er angelegt ist, folgt, beherrscht damit auch diese (vgl. insbesondere Bd.1, S. 61). Keineswegs geht es lediglich um "optische Eselsbrücken".

(Bitte sehen Sie mir nach: Ich komme nicht umhin, betrübt festzustellen, daß mein wiederholter Appell, die Bücher nach ihrem tatsächlichen Inhalt zu beurteilen, bisweilen ins Leere zu gehen scheint.)

Natürlich ist die Entwicklung eines Schriftbildes darüber hinaus eine Frage der Übung. Damit wären wir meines Erachtens auch bei der "Natürlichkeit" des Kanjilernens.

Am natürlichsten dürfte die Art und Weise sein, welche die Japaner betreiben. Diese steht aber meines Erachtens außerhalb Japans niemandem zur Verfügung, da man nach dem Lernen nicht das Schulhaus verlassen und sich ganz alltäglich mit den Kanji konfrontieren kann.

Gleichsam als "ultima ratio" möchte ich mir abschließend noch erlauben, darauf hinzuweisen, daß Herr Professor Heisig sich mit seiner Methode die Kanji selbst beigebracht hat und sie seitdem als Hochschullehrer für Philosphie in Japan bei der Arbeit und in seiner Forschung verwendet (vgl. hierzu auch S. 24, kostenlos verfügbar unter: http://www.kanji-lernen.de/KLB1_Leseprobe.pdf)

Näheres zu den Anfängen läßt sich hier erfahren: http://www.kanji-lernen.de/html/intervie...eisig.html

Inwiefern sich aus seiner Methode Einschränkungen ergeben, ist vermutlich nicht zuletzt auch an diesem Umstand zu ermessen.

Aber eigentlich ging es bei diesem Gesprächsfaden ja um Erfahrungen mit KLB2, insofern verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen,

Robert Rauther
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.11.06 15:35 von Robert Rauther.)
27.11.06 15:34
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #46
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Zitat: Aus Erfahrung würde ich eindeutig sagen, ja. Wer Schriftzeichen überwiegend mit dem Lesen lernt und nebenher mal etwas zu Papier bringt, wird Kalligraphien, oder ich sage mal besser, Handschriften - denn bei Kalligraphien ist der künstlerische Aspekt nicht zu vernachlässigen, der die Schriftzeichen teilweise unlesbar macht - kaum bis gar nicht lesen können.
Weiterhin wird man dadurch nie die Lesegeschwindigkeit eines Native speakers erreichen können.

Ich denke, dass Kalligraphieren ohnehin ein eigenes Beschäftigungsfeld ist, das an sich nicht wirklich viel mit schreiben und lesen zu tun hat, sondern viel mehr mit Kunst. Naja, auf jeden Fall kann man auch nur durch das "native" Lernen der Schriftzeichen (wie die Japaner es tun) noch lange nicht gut kalligraphieren, das gilt nicht nur für uns, die nach KLB oder sonstwie lernen. Das gleiche gilt außerdem auch für Handschriften, aber....

Wie Herr Rauther wieder sagte: In einem Teil des Buches KLB 1 wird erklärt, wie der Lernprozess der Kanji funktioniert, nämlich generell in 4 Schritten.
1. Story, aus Teilen wird die Bedeutung erfasst (und umgekehrt).
2. Story in groben Zügen reicht nach einiger Zeit, aus Teilen wird die Bedeutung erfasst (und umgekehrt).
3. Direkter Schluss von dem Schlüsselwort zu den Zeichenbestandteilen (und umgekehrt).
4. Zusammenstellung der Primitivelemente assoziiert automatisch die Bedeutung des Zeichens.

Die Stufe 4 zu erreichen wird wohl bei jedem Zeichen unterschiedlich lange dauern und (m.E.) durch reines Lesen der einzelnen Zeichen nicht immer erreicht werden können. Ich interpretiere, dass Bikkuri das so ungefähr gemeint hat.
Man kann mit KLB ein großes Wissen schneller erlangen, aber diese 4te ("schnellste", lesegeschwindigkeitsmäßig) wird nur durch aktive Beschäftigung mit der Sprache in Schrift und Wort erfolgen, zumindest erscheint mir das so. Man muss zusammenhängende Texte lesen und auch selbst schreiben.
Obwohl ich durch KLB durch bin, kann ich selbstverständlich noch nicht alle Zeichen auf Stufe 4. Aber in die Richtung arbeite ich gerade ^_^.

Aber es ging eigentlich wirklich um KLB 2....irgendwie scheint das etwas verlorenzugehen, auch wenn diese Diskussion auch sehr interessant ist.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.11.06 17:22 von Benn.)
27.11.06 17:20
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Antonio


Beiträge: 242
Beitrag #47
RE: Kanji lernen und behalten 2?
(27.11.06 17:20)Benn schrieb:Aber es ging eigentlich wirklich um KLB 2....

Ein Moderater möge dem Titel doch bitte noch "KLB 1" o.ä. hinzufügen.

Hier hab' ich noch ein englischsprachiges Review über KLB 2 gefunden. Allerdings ist der Autor zum Zeitpunkt des Reviews nicht fertig mit dem Buch, was ich nicht sehr passend für ein Review finde (soweit ich weiss, geht es zahlenmässig gesehen bei beiden Büchern am Anfang schneller vorwärts als am Ende).
http://kanjitown.blogspot.com/2005/12/my...ii-by.html

"Warum sollte ich mir denn die Mühe machen, in die Bibliothek zu rennen, wenn man auf das Wissen anderer zurückgreifen kann."
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.11.06 18:25 von Antonio.)
27.11.06 18:12
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Ex-Mitglied (bikkuri)
Unregistriert

 
Beitrag #48
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Nein, Schattenjedi, eine empirische Feldstudie gibt es darüber m.W. nicht. ^^
Es spielt auch überhaupt keine Rolle, ob man schneller oder langsamer liest als ein Muttersprachler, ich wollte nur die Tatsache hervorheben, dass die Schriftzeichen einem Muttersprachler völlig in Fleisch und Blut übergegangen sind (auch wenn seltenere Zeichen oft kurzzeitig vergessen werden) und er damit eine weitaus höhere Lesegeschwindigkeit erreicht.


Ich sagte ja, dass ich Kalligraphien außen vorlasse, aber Handschriften sollte man auf jeden Fall lesen können. Ohne das Schriftzeichen schon x-mal geschrieben zu haben ist das fast unmöglich. Da mag jetzt einer behaupten, im Computerzeitalter braucht man so was nicht mehr. Weit gefehlt.
Beispielsweise in meinem Bestätigungsfeld sind viele Annotationen handschriftlich verfasst. Auch in Firmen werden Notizen teilweise mit der Hand geschrieben. Außerdem, was gibt es schöneres als mal einen Brief zum bekommen? Wäre doch zu schade, wenn diese Art zu kommunizieren, sich totlaufen würde.
27.11.06 19:14
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Benn


Beiträge: 336
Beitrag #49
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Zitat: Beispielsweise in meinem Bestätigungsfeld sind viele Annotationen handschriftlich verfasst. Auch in Firmen werden Notizen teilweise mit der Hand geschrieben. Außerdem, was gibt es schöneres als mal einen Brief zum bekommen? Wäre doch zu schade, wenn diese Art zu kommunizieren, sich totlaufen würde.

100%ige Übereinstimmung von meiner Seite. Handschriftliches ist wohl das Schönste, insbesondere im Japanischen. Es geht beim Japanischlernen (so hoffe ich doch...) nicht um den reinen Nutzen der Sprache, sondern um alles, was damit zusammenhängt. Besonders aus der Schrift kann man viel über ein Land/Kultur/Denkweise etc. lernen und da fällt einem auch vieles nur auf, wenn man die Schrift aktiv (mit der Hand!) nutzt. rot

Sorry wegen des OT, abgesehen davon, dass der Thread *hüstel* sowieso nicht gerade einen roten Faden hat.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.11.06 20:10 von Benn.)
27.11.06 20:10
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gakusei


Beiträge: 495
Beitrag #50
RE: Kanji lernen und behalten 2?
Dann will doch auch mal was loswerden, und dazu vorher Anmerken, dass ich den Heisig auch zu Hause stehen habe, es mir ähnlich ging wie shinobi. Ich habe das Buch allerdings parallel zum normalen Lernen benutzt, dann aber bei ca. Nr. 1000 (wobei ich vorher auch schon eine großen Teil kannte) aufgehört habe, aber nicht, weil ich zu faul wurde, sondern weil mir nach vielem Überlegen einfach klar wurde dass die Methode - sagen wir mal - nichts für mich ist. Das ganz sture Pauken ist halt doch nichts für mich, ich will mein Wissen schon auch anwenden können, und dass so schnell wie möglich. Dazu möchte ich zunächst sagen, das ich es sehr unpassend finde die Heisigmethode mit Hilfe des Wortes "Fantasie" zu bewerben. Ich finde nicht, dass die Herausragende Besonderheit der Heisigmethode, diejenige ist, sich Bildergeschichten zu den Zeichen zu merken. Ich mache dass auch immer für Zeichen, die ich mir schwer merken kann und vergesse die dann hoffentlich auch nie wieder. Herr Heisig hat die Idee der Eselsbrücke ja schließlich nicht gepachtet. Die wahre Besonderheit der Heisigmethode ist ihre strikte Systematik, die dem Lernenden einen roten Faden vorgibt dem er zu folgen hat und an dessen Ende wie eben beschrieben nicht unbedingt das Nirvana befindet, sondern man sich eigentlich immer noch am Anfang der Reise befindet, nur dass man sie im folgenden ein wenig schneller angehen kann. Wenn man den Aspekt der Bildergeschichten wegnimmt bleibt ein staubtrockenes und stahlhartes Gerüst übrig, um dass sich jegliche Kritik an der Heisigmethode eigentlich dreht. Demnach ist meiner Meinung nach die Heisigmethode für diejenigen gedacht die eine starke Hand suchen, die sie in die Welt der japanischen Schriftzeichen führt, weil sie zu schwach (eigentlich zu unerfahren mit der Materie) sind den Weg alleine zu gehen. Ich werde generell auch gerne geführt, und dass ist ja auch richtig, schließlich weiß man als Anfänger nicht worauf es ankommt, allerdings war mir Heisigs Händedruck dann doch etwas zu fest, und ich habe mich irgendwann losgerissen.

Was ich der Heisigmethode zugestehen möchte, ist das die Idee der Bildergeschichten sozusagen per Gesetz auf alle Kanjis angewendet werden muss, und man sie so generell vielleicht gründlicher lernt. Da man beim Erlernen einiger Kanjis evtl. grundsätzlich keine Bildergeschichte braucht, das Kanji WENN MAN ES DANN LANGE NICHT BENUTZT aber doch irgendwie wieder verloren geht, stellt die durch die Heisigmethode auf jedenfall vorhandene Geschichte einen Notfallanker dar. Für "den täglichen Einsatz" sind die Geschichten jedoch nicht nötig, sondern Ballast der mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso nach langjährigem Kontakt mit der japanischen Sprache wieder abgeworfen wird. Ich kann noch lange nicht so gut lesen wie ein Japaner, und das werde ich vielleicht auch nie schaffen (ein gleichaltriger Japaner, dem ich ja dann gegenüber zu stellen wäre, hat halt leider ein paar Jährchen Vorsprung), aber jedem der ein bisschen nachdenkt sollte klar sein, dass man beim Lesen von Texten gar nicht mehr auf einzelne Kanjis guckt, sonder auf Wörter oder ganze Textabschnitte. Je geringer die Schwierigkeit des Vokabulars und je weiter der Leser in der Sprache fortgeschritten ist, desto größer werden die Abschnitte die man sozusagen auf einen Blick erfasst. Schwierigkeit, bzw. Leichtigkeit ist hier eigentlich gleichzusetzen mit der Häufigkeit, mit der man die Vokabel (und das muss kein einzelnes Wort sein) bereits in seinem vergangenen Leben gelesen hat. Aber dazu muss ich nicht viel sagen, den das ist allgemein bekannt. Wie weit das gehen kann, kann man ja in Bikkuris Bemerkung zu den Bunkobon lesenden Japanern nachlesen. Hier wird übrigens auch ein weiterer Aspekt der mich an der japanischen Sprache (bzw. allgemein an ideographischen Sprachen) so fasziniert ist die durch die Kanjis ermöglichte Informationsverdichtung, die ein Lesen mit einer Geschwindigkeit (= abstrakter Inhaltsbegriff pro Zeitheinheit) überhaupt erst ermöglicht!
Worauf ich hinaus will ist, dass auch wenn es für den Anfänger fast unfassbar klingt, auch die Kanji bzw. die Kanjikomposita bzw. japanische Texte mit einer Geschwindigkeit gelesen werden können wie wir es von deutschen Texten gewohnt sind. Hier ist anzumerken, dass diese für die Erfassung des Inhaltes auch so schnell gelesen werden können müssen! Aus eigener Erfahrung kann ich bloß vermuten, dass meine Hirn, wenn in einem Text zu viele schwere/seltene Kanjis vorkommen, einfach zu viel Kapazität auf die bloße Entschlüsselung des Geschriebenen verwenden muss, so dass für das kontextuelle Begreifen einfach nix mehr übrig bleibt.
An diesem Geschwindigkeitsmaßstab sollte man sich orientieren und einsehen, dass die Bedeutung eines einzelnen Kanjis oder dessen Lesung, bzgl des normalen Alltagswortschatzes so gut wie keine Bedeutung hat. Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass Heisig ein ANFÄNGERBUCH ist, und auch sein muss. Denn diese Lesefähigkeit kann einem auch kein Heisig vermitteln, sondern das schafft man nur durch üben, üben, üben, und wem das zu hart klingt, lesen, lesen, lesen, was ja wohl echt ne angenehme Betätitgung ist. Um den Stein des Anstoßes nun ins Rollen zu bringen, hier wird immer so getan, als gäbe es die langweiligen Normalos, die die Kanjis durch ewiges Wiederholen und trübes Pauken lernen, und die hippen Heisigianer (hat schon manchmal was Sektenhaftes) die dieser fiesen Sprache ein Schnippchen schlagen und mit Köpfchen im handumdrehen das Problem aus der Welt schaffen.
Ich hoffe kein Heisig-Jünger ist so blöd zu denken, er hätte nach Durcharbeiten des Buches, egal ob in 1-2Jahren nebenbei oder in 3Monaten intensiv, auch nur annähernd die Kanjifähiglkeiten von jemandem der das ganze schon seit 6 Jahren auf die Normaloart macht. (dass dem nicht so ist, darauf hat ja bspw. auch Herr Rauther in einem seiner Posts hingewiesen...finds grad nicht mehr) Ich verstehe deswegen auch die Kritik von atomu sehr gut. Heisig ist kein Ansatz die Kanji zu beherrschen, sondern es geht lediglich darum den Fuß in die Tür zu kriegen. Die Besonderheit von Heisig ist, dass der Schuh an dem Fuß ein wenig zu groß ist. Ob man damit später auf lange Sicht schneller laufen kann bleibt ungeklärt.

Das Heisig Buch zu kennen, nicht es durchgearbeitet zu haben ist außerdem ein Bedingung um darüber zu diskutieren, allerdings lediglich eine hinreichende. Eine notwendige Bedingung das Buch im Hinblick auf das Erlernen der Kanjis zu kritisieren ist allerdings ein Japanischlevel erreicht zu haben, wie es viele "alte Hasen" haben.

Schlusswort, meiner Meinung nach scheiden sich die Geister nicht an der Methode des Kanjilernens, denn um sie wirklich zu können gibts bloß einen Weg, und an dem will hoffentlich keiner der den Heisig benutzt hat vorbei, nämlich die Sprache zu benutzen, bzw. zu lesen. Worüber gestritten werden kann ist die Methode des Einstiegs. Hier stehen sich allerdings nicht langweilige Normalos und kreative Heisigianer gegenüber sondern solche, die einen strengen Leitfaden brauchen, und bereit sind viel auswendig zu lernen, und dieses Wissen zu erhalten mit dem Bewusstsein, dass Gelernte erst sehr viel später tatsächlich benutzen zu können, und solche die es lieber Stück für Stück machen, dafür länger brauchen bis sie alle Jouyous können, diese aber im Gegensatz zu den Heisigianern zu dem Zeitpunkt an dem die Tat vollbracht ist, aber auch zum größten Teil bereits fließend lesen zu können!

Entschuldigt Rechtschreibfehler oder etwas unsinnige Sätze. Kann jetzt nicht nochmal drübergucken sonst komm ich zu spät!

Cheers
27.11.06 20:30
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Kanji lernen und behalten 2?
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