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Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Verfasser Nachricht
Shou


Beiträge: 152
Beitrag #11
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Also ich bin jetzt 16 und fange schon an zu Schwächeln weilich einfach die Kana nicht in den Kopf bekommen. Ich schreibe blöcke voller Kana und weis sie am ende Trozdem nciht aber ich werde nicht aufgeben und wenns zu meinem Lebensziehl wird!. Wünsche dir schonmal viel Glück und Freude beim lernen.



ExarKub

Ob man es weinend oder lachend hinbringt, ein Leben bleibt ein Leben.
07.05.04 01:25
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #12
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Zitat:Um japanisch sprechen zu können brauchst du (eigentlich) die Schriftzeichen nicht. Und die Grammatik ist nun echt mal die einfachste die mir jemals bei einer Sprache vorgesetzt wurde. Das ist mal 'ne richtig durchdachte Sprache

Da möchte ich auch ernsthaften Einspruch einlegen. Und zwar zu allen drei Sätzen.

1. Daß die Schriftzeichen unnötig wären, ist zwar eine These, die auch von manchen Japanern vertreten wird, und es gab auch schon ernsthafte Vorschläge, sie offiziell zugunsten der lateinischen Schrift abzuschaffen; aber diese Vorschläge sind genauso illusorisch wie solche, Japanisch ganz abzuschaffen, und z. B. Englisch oder Französisch einzuführen... (Lacht nicht! Solche Vorschläge gab es seit der Meiji-Zeit immer wieder. Einer stammt sogar von einem japanischen Bildungsminister höchstpersönlich.) Die Auffassung, es sei egal, mit welchen Mitteln man eine Sprache aufschreibe, entsprang der abendländischen Realität, wo es ja wirklich über weite Strecken egal ist... schließlich schreiben wir ja auch Deutsch mit lateinischer Schrift. Aber die Sprachwissenschaftler wissen mittlerweile - vor allem auch durch die Beschäftigung mit dem Japanischen -, daß es sehr wohl auch Sprachen gibt, die eine sehr enge wechselseitige Beziehung zwischen gesprochener Sprache und Schriftsystem aufweisen. Zu diesen gehört Japanisch zweifellos. Die Schrift ist dort nicht einfach bloß ein Mittel, um das "eigentlich Wichtige", die Sprache, auzuzeichnen. Wenn es so wäre, könnte man sie natürlich durch irgendein anderes Mittel (z. B. Romaji) ersetzen. Aber so ist es eben im Japanischen nicht. Die heutige japanische Sprache ist ohne die heutige japanische Schrift nicht denkbar und umgekehrt. Ein Lesetip für alle, die mehr darüber wissen wollen... Suzuki Takao: Eine verschlossene Sprache. Die Welt des Japanischen. München: Iudicium, 1990. (schon etwas älter, aber wunderbar spannend und interessant zu lesen... übrigens auch eine Kritik an der "Japanisch kann nur ein Japaner"-Auffassung mancher Japaner, geäußert von einem Japaner).

2. Ich weiß natürlich nicht, wieviele Sprachen man Dir schon "vorgesetzt" hat. Ich persönlich habe mich - außer mit meiner Muttersprache Deutsch - bisher mit noch acht anderen Sprachen intensiver bis intensivst (im Sinne, daß sie mein Beruf sind) beschäftigt. Nur eine davon hatte eine wirklich einfache Grammatik - und das war Esperanto. (Kein Wunder! Diese Sprache war ja eigens dafür ersonnen worden, so einfach und logisch wie möglich zu sein.) Bei allen anderen Sprachen war es so, daß es zwar unterschiedlich schwer war (= lange dauerte), bis ich in der Lage war, einfache Sachverhalte ausdrücken zu können, aber daß früher oder später die "echten Probleme" unweigerlich auftauchten. Ich meine damit, daß es z. B. beim Englisch- oder Russisch-Lernen nicht sehr lange dauert, bis man in der Lage ist, jemanden nach der Uhrzeit zu fragen oder eine Wegbeschreibung zum Bahnhof zu verstehen. Aber sobald man über das "Du wissen wo Bahnhof?"-Niveau hinauskommen will, wird es auch in diesen Sprachen komplizierter. Nicht umsonst gibt es auch für das ach so leichte Englisch sehr, sehr dicke Grammatik-Bücher. Der Teufel steckt vielleicht nicht im "How are you?", sehr wohl aber im Detail. (Obwohl... So sehr sinnvoll erscheint uns "Wie bist Du?" ja auch nicht unbedingt, oder?) Bei Japanisch ist das nicht anders. Um leichte Alltagsgespräche führen zu können, braucht man wahrscheinlich etwas länger als im Englischen, aber man bekommt es irgendwann schon ganz brauchbar gebacken. Sobald man sich jedoch z. B. in die Höflichkeitssprache begibt (und das ist unverzichtbar!) oder sobald man z. B. ein Buch lesen will (die Grammatik von Schriftsprache und Umgangssprache ist im Japanischen durchaus nicht identisch!), kann mir niemand erzählen, er hielte das für locker machbar. Auch japanische Grammatik-Bücher haben viele hundert Seiten. Und die japanische Sprachwissenschaft ist eine der aktivsten der Welt... will heißen: man kann sich im Japanischen über seeeehr viele Phänomene und Aspekte wissenschaftlich betätigen und nach Herzenslust meterweise Bibliotheksregale volltexten - da wird es wohl nicht ganz so einfach sein... (Übrigens: Wenn "nobunaga" da keine Probleme sieht, wäre das ein Glücksfall für mich. Darf ich Dir dann mal eine Liste von den Fragen zur japanischen Grammatik schicken, die sich bei mir angesammelt haben und bei denen sich auch die japanischen Sprachlehrer und Linguisten, die ich dazu befragt habe, nicht auf eine Antwort einigen konnten? Das wäre wirklich schön...)

3. Japanisch ist genauso natürlich gewachsen wie (fast) jede andere menschliche Sprache auch. Insofern ist es natürlich weder geplant noch durchdacht. Wer einige Sprachen gelernt hat, hört auf, sich über (scheinbare) Ungereimtheiten zu wundern. Aber das bedeutet nicht, daß sie nicht da wären. Wieviele "Ungereimtheiten" man entdeckt (= wie oft man den Eindruck hat, die Sprache wäre planlos oder "unlogisch"), hängt meines Erachtens davon ab, wieviele "Ungereimtheiten" der fremden Sprache sich mit denen der eigenen Sprache decken oder nicht (bzw. über wieviele dieser "Ungereimtheiten" man sich nicht mehr wundert, weil man sich über diese schon bei einer früher erlernten Fremdsprache "ausgewundert" hat). Für mich persönlich war bisher - ich wollte es selbst nicht glauben - Swahili die Sprache, bei der ich mich am wenigsten wundern mußte... Japanisch rangiert bei mir deutlich auf einem der vorderen Plätze...

Fazit: Japanisch ist eine menschliche Sprache wie andere auch. Sie hat natürlich gewisse Eigenheiten (wie ebenfalls jede andere Sprache auch ihre Eigenheiten hat). Eine dieser Eigenheiten ist die enge Verzahnung von gesprochener Sprache und Schriftsystem, die quasi symbiotisch verbunden sind. "Schwierig" ist die Sprache für Deutsch-Muttersprachler auf jeden Fall. Und noch schwieriger wird es, wenn man sich nicht nur "irgendwie so ausdrücken will, daß der Japaner weiß, was ich will", sondern wenn man den Anspruch hat, "korrektes" Japanisch zu sprechen. Ein "Hallo! Du wissen wo Bahnhof?" ist für Ausländer sicher einfach zu lernen - und jeder Deutsche versteht sie. Aber von dort bis zu "Entschuldigen Sie bitte. Könnten Sie mir sagen, wie ich zum Bahnhof komme?" gilt es schon eine ganze Reihe Hürden zu nehmen... Und das ist im Japanischen nicht anders...
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.05.04 09:31 von Botchan.)
07.05.04 07:07
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #13
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Wohl gesprochen, Frühaufsteher Botchan! (とじの真似 hoho )

Zitat: Suzuki Takao: Eine verschlossene Sprache. Die Welt des Japanischen. München: Iudicium, 1990.

Unbedingt empfehlenswert. Iudicum leider immer teuer, dies ist wenigstens ein Taschenbuch. Originalausgabe auf Japanisch übrigens von 1975, das tut der Aktualität aber keinen Abbruch.



Zitat: Ich hab Ostern mim Kanjilernen angefangen, und kann mitlerweilen 100 ohne zögern sofort hinschreiben.

Nun ja, es gibt eben Begabte und es gibt mich zunge ! Ich habe wirklich ewig gebraucht, bis ich erst einmal alle Hiragana (!!!) auf die Reihe gekriegt habe. So lange, dass ich mich in Grund und Boden schämen würde, hier Zeitangaben zu posten rot rot rot . (Oder ich mache es mir einfacher und schiebe alles auf das doofe Langenscheidt-Lehrbuch).

正義の味方
07.05.04 08:36
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Toji


Beiträge: 603
Beitrag #14
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
@Botchan: Swahili? Das ist interessant. Bei welcher Gelegenheit hast du das gelernt? Eine meiner Cousinen war mal über ein Jahr im Norden von Tansania und hat dort einen Chor geleitet. Da hat sie natürlich auch Swahili gelernt und es ist eine wundervolle Sprache, finde ich. (Jedenfalls klingt sie so *g*) Wie wars bei dir?
Deine 'Analyse' finde ich sehr gelungen, aber ich habe da an einer bestimmten Stelle eine Frage:
Die 'Symbiose' zwischen der japanischen Sprache und der Schrift kann doch erst existieren, seit die Schrift eingeführt wurde. Wann war das? Und wieviel 'Vorlaufzeit' hatte die japanische Sprache in ihrer schriftlosen Form, bevor sie durch die Schrift so verändert wurde?

(Die Veränderungen durch die Schrift sind ja überdeutlich: Die chinesischen Lesungen der Zeichen, die katakana-mäßige Aussprache importierter Wörter etc... )
07.05.04 09:05
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #15
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Zitat:Die 'Symbiose' zwischen der japanischen Sprache und der Schrift kann doch erst existieren, seit die Schrift eingeführt wurde.
Da hast Du zweifellos recht. Die Übernahme der Kanji aus China/Korea begann um das 4. Jahrhundert n. Chr. und erfolgte seit dieser Zeit immer wieder einmal in größeren Schüben. Wie lange "Japanisch" vorher schon existiert hat, bzw. wie das "Japanisch", das vorher existierte, ausgesehen hat, ist sehr schwer zu eruieren (obwohl in diese Richtung intensiv geforscht wurde und wird). Schließlich haben wir ja eben keine schriftlichen Zeugnisse davon (und fragen können wir die Leute auch nicht mehr). Auch das, was man nach der Übernahme der Kanji aufschrieb, gibt oft nicht sehr viel Aufschluß über die früh-japanischen Sprachen/Dialekte, da ja anfangs nur die Gebildeten (v. a. Mönche) schreiben lernten und die Texte, die sie schrieben, eben kaum in dem damaligen Japanisch, sondern zu großen Teilen in Chinesisch (der "Gelehrtensprache Asiens") bzw. in dem, was sie für Chinesisch hielten (Kanbun im engeren Sinne), verfaßt sind. Und weil die Schreiber der frühen Zeit eben - um erst einmal überhaupt schreiben zu können - Chinesisch bzw. Kanbun lernen mußten, ist es nur natürlich, daß dann auch das, was sie in "Japanisch" schrieben, einen starken chinesischen Einfluß aufweist.

Schaut euch einmal die deutschen Texte an, die in früheren Zeiten von Gelehrten geschrieben wurden: Da wimmelt es auch nur so von sprachlichen Elementen aus dem Lateinischen, die quasi ins Deutsche "eingeschleppt" wurden, obwohl es sie dort ursprünglich gar nicht gab. Bestes Beispiel ist das Futur II ("werde geholfen haben"), das dem Deutschen völlig fremd war/ist... es gibt sogar die These, daß das gesamte Futur (also die Extra-Verbformen für die Zukunft) im Deutschen ursprünglich nicht vorhanden waren, sondern erst durch die latein-geschulten Gelehrten "installiert" worden sind, weil sie diese aus dem Lateinischen eben kannten, und der Ansicht waren, daß sie im Deutschen "fehlten", also "ergänzt" werden müßten... Diese Auffassung davon, daß die Sprache einer überlegenen Kultur "perfekter" sein muß als die eigene Sprache, und daß man demzufolge, die "fehlenden" Elemente zu übernehmen habe und überhaupt die eigene Sprache nach dem "überlegenen" Vorbild "auszubessern" habe, kann man überall beobachten. (Auch heute gibt es Wissenschaftler, die sagen, daß man die komplexen Forschungsergebnisse ihrer Disziplinen nicht mehr in dem "behäbigen" Deutsch ausdrücken kann, und die deswegen auch keinen Versuch mehr unternehmen, etwas "einzudeutschen", sondern lieber alles gleich in dem angeblich so einzigartig präzisen und gewandten Englisch sagen.) Das ist im Japanischen im Prinzip nicht anders gewesen, nur daß die Intensität des Einflusses sogar noch heftiger war als es beim Lateinischen und Deutschen der Fall war!

Es gab in der japanischen Geschichte immer wieder einmal Zeiten, in denen man die Eigenständigkeit Japans besonders betonte, und in denen in diesem Zusammenhang auch dafür plädiert wurde, die Kanji, On-Lesungs-Wörter etc. als "eigentlich Fremdes" auszumerzen. Aber alle diese Bestrebungen scheiterten an der Tatsache, daß diese Elemente aus dem Japanischen schon damals eben nicht mehr wegzudenken waren bzw. daß man nicht (mehr) wußte, wie man diverse Dinge ohne diese Elemente, also quasi "rein-japanisch", überhaupt ausdrücken sollte.

OT: Swahili habe ich an der Universität gelernt, indem ich mich einfach in die entsprechenden Sprachkurse für Afrikanisten hineingesetzt habe. Meine Motivation dafür war genaugenommen dieselbe wie für das Japanisch-Lernen: Ich bin sprachwissenschaftlich interessiert. Die verschiedenen Arten, die Welt zu sehen und v. a. zu erfahren, wie die Menschen der Welt ihre Weltsicht in Worte fassen, ist für mich so ziemlich das Faszinierendste, was es gibt.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.05.04 10:16 von Botchan.)
07.05.04 09:17
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Iris


Beiträge: 21
Beitrag #16
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Zitat:Auch heute gibt es Wissenschaftler, die sagen, daß man die komplexen Forschungsergebnisse ihrer Disziplinen nicht mehr in dem "behäbigen" Deutsch ausdrücken kann, und die deswegen auch keinen Versuch mehr unternehmen, etwas "einzudeutschen", sondern lieber alles gleich in dem angeblich so einzigartig präzisen und gewandten Englisch sagen.
Das ist jetzt bestimmt OT, aber in den Naturwissenschaften ist es nun mal so, daß die Sprache des Landes dominiert, aus dem die meisten Publikationen stammen. Das sind momentan die USA. Vor dem zweiten Weltkrieg war das (vor allem in der Chemie) Deutschland, und daher war es schick, Fachbegriffe auf Deutsch zu verwenden und auf Deutsch zu publizieren. Viele Begriffe lassen sich auch nicht so einfach übersetzen, bzw. der Witz, der hinter einer Bezeichnung steckt, geht verloren (manchmal sind wir natürlich auch etwas faul zwinker ). Aber durch die einheitlichen Begriffe und die englische Sprache als Transportmittel für Ideen, wird es einfacher, mit Forschern aus verschiedenen Ländern zu kommunizieren.
Außerdem geht es nicht um die Überlegenheit einer Sprache über die anderen, sondern um eine Bereicherung der Sprachen untereinander (auch das Beispiel des aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragenen Futur II würde ich eher als Bereicherung sehen. Es wurde eine Facette des sprachlichen Ausdrucks hinzugewonnen).
07.05.04 11:17
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #17
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
@Iris:

1.
Einerseits hast Du recht: Natürlich ist es produktiv, wenn eine Sprache einzelne Begriffe (z. B. Fachtermini) aus anderen Sprachen übernimmt. Darum ging es mir aber nicht. Ich sprach davon, daß manche die Ansicht vertreten, die deutsche Sprache als solche sei insgesamt ungeeignet, um z. B. bestimmte Gedankengänge auszudrücken. Es geht also nicht darum, daß manche Wissenschaftler englische Begriffe "importieren", sondern daß sie ausschließlich in Englisch publizieren - und zwar nicht, weil ihre Publikationen dann von mehr Leuten gelesen werden können, sondern weil sie sich außer Stande sehen, denselben Gedanken auch mit dem Mittel der deutschen Sprache auszudrücken. Englisch gilt ihnen als eine Sprache, in der man präziser formulieren kann. --- Das ist zum Teil durchaus berechtigt! Allerdings ist ihnen vorzuwerfen, daß sie nicht einmal den Versuch unternehmen, die deutsche Sprache entsprechend ihren Bedürfnissen auszugestalten, sondern daß sie den "bequemen" Weg gehen, gleich auf Englisch zu schreiben... So wird allerdings die deutsche Sprache etwaige "Defizite" niemals aufholen können. Um die Einsatzfähigkeit einer Sprache müssen sich ihre Sprecher aktiv bemühen, sonst bleibt sie stehen und wird wirklich immer ungeeigneter... Im Alltagsleben braucht man sich da bei den Millionen von Deutsch-Sprechern keine Sorgen zu machen. Da funktioniert das Anpassen und Ausbauen wunderbar. Aber gerade in den Wissenschaften vernachlässigt man diesen Ausbau-Vorgang. Die Entwicklung geht weiter, das Englische wird angepaßt, das Deutsche aber bleibt stehen. Die Folge ist, daß das Deutsche für bestimmte Disziplinen tatsächlich schon ungeeignet geworden ist. Und es steht zu fürchten, daß dies immer mehr Disziplinen werden, denn die Bevölkerungsgruppe, die in diesem Bereich für den Ausbau der Sprache zuständig wäre (also die betreffenden Wissenschaftler) drückt sich oft vor dieser Pflicht. Deutsch wird als Alltagssprache sicher immer weiter leben, aber als Wissenschaftssprache stirbt es immer mehr ab... Hier erfolgt durch die Nutzung des Englischen also keine Bereicherung, sondern man beraubt unsere Sprache einiger ihrer Verwendungsmöglichkeiten!

2.
Im Falle des Futur II würde ich nicht unbedingt von einer Bereicherung sprechen (denn wann verwendet man das schon?), aber prinzipiell hast Du natürlich recht: Selbstverständlich ist so ein "Import" für die betreffende Sprache ein Zugewinn. Das habe ich auch nie bestritten. Alles, worum es mir ging, war die Aussage, daß dieser Import im Falle des Japanischen auch - und zwar sogar weit stärker - vorgekommen ist (und vorkommt), und daß das "ursprüngliche" Japanisch dadurch mittlerweile so sehr "bereichert" ist, daß man es nicht mehr davon trennen kann. (Eines dieser Import-Güter, die seit langem untrennbar mit dem Japanischen zusammenhängen, sind eben auch die Kanji und die On-Lesungen.) Daß ich das Lateinische/Deutsche als Beispiel herangezogen habe, war dem Umstand geschuldet, daß so die meisten Leser hier meine Argumentation wohl leichter nachvollziehen können, als wenn ich Beispiele aus dem Chinesischen/Japanischen angeführt hätte. Mir ging es also um das dahintersteckende Prinzip, das durch das Beispiel lediglich illustriert werden sollte.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.05.04 13:19 von Botchan.)
07.05.04 11:36
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nobunaga


Beiträge: 250
Beitrag #18
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Also versteht mich nicht falsch.
Meiner Meinung nach SIND die Kanji wichtig. Aber Wartraxx fragte ja nach dem sprechen. Un dwenn man will kan man Japanisch zu sprechen auch ohne die Schriftzeichen lernen. Ist dann zwar schwieriger, aber es geht trotzdem. Ich selber "wohne" fast in der japanischen Kultur und Sprache. Ich fühle mich damit verbundener als mit allem anderen. Das als Antwort auf deine Antwort auf mein Posting Ma-Kun hoho

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07.05.04 13:17
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Iris


Beiträge: 21
Beitrag #19
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
@Botchan
Ich finde Deine Argumentation auch schlüssig, und stimme Dir in weiten Teilen zu. Worum mir es geht, ist die Behauptung, daß die Leute deshalb auf Englisch publizieren, weil sie glauben, man könnte ihre Forschung nicht auf Deutsch beschreiben. Diese Äußerung habe ich persönlich noch nie von einem Kollegen, noch von einem der Professoren vernommen. Das klingt danach als würde es in der Forschung einen Verfall der Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Muttersprache im großen Stil geben (sprich, die meisten Forscher wären Fachidioten ohne Sinn für das, was links und rechts von ihnen liegt). Es ist einfach so, daß es in bestimmten Bereichen einfach keine anerkannten Zeitschriften auf Deutsch gibt. Oder auch, daß die eigene Arbeit, wenn nicht auf Englisch veröffentlicht, dann keine Beachtung findet. Den Grund kann ich sogar verstehen. Wenn ich einen Artikel über ein dringend von mir gesuchtes Thema finde, der nur auf Russisch oder Japanisch vorliegt, ärgere ich mich auch, daß er nicht auf Englisch veröffentlicht wurde (wobei ich mir jetzt beim Japanisch natürlich selbst helfe zunge ). Wir brauchen einfach eine gemeinsame Sprache, und ich möchte mich dagegen verwehren, daß alle Wissenschaftler in einen Topf geworfen werden. Im Gegenteil, viele Wisschenschaftler sprechen neben ihrer Muttersprache mehr als einen Fremdsprache und bemühen sich auch ins Ausland zu kommen. Der internationale Austausch ist sehr groß, und daß Deutsch dabei als internationale Sprache seine Bedeutung verloren hat, ist bedauerlich, aber es ist einfach so. Immerhin werden bei uns noch Lehr-und Fachbücher auf Deutsch veröffentlicht oder vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Das ist bei anderen Sprachen längst nicht mehr der Fall. Auch werden Doktorarbeiten immer noch auf Deutsch geschrieben und veröffentlicht. Ich denke, Du siehst die Entwicklung der deutschen Sprache in Bezug auf ihre Verwendung in den Wissenschaften etwas zu kritisch.

Hoffentlich werde ich jetzt nicht von den Administratoren wegen des weiten Abschweifens vom Thema Japanisch abgemahnt....
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.05.04 13:56 von Iris.)
07.05.04 13:50
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Botchan


Beiträge: 642
Beitrag #20
RE: Kann auch ICH irgendwann Japanisch???
Zitat:Diese Äußerung habe ich persönlich noch nie von einem Kollegen, noch von einem der Professoren vernommen. Das klingt danach als würde es in der Forschung einen Verfall der Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Muttersprache im großen Stil geben (sprich, die meisten Forscher wären Fachidioten ohne Sinn für das, was links und rechts von ihnen liegt).
(...) Immerhin werden bei uns noch Lehr-und Fachbücher auf Deutsch veröffentlicht oder vom Englischen ins Deutsche übersetzt.

Hm, nun weiß ich natürlich nicht, wer Deine Kollegen sind, und es mag sein, daß das in Deinem Fachgebiet noch nicht so vehement ist, aber solche Gebiete gibt es zweifellos, beispielsweise in der Biochemie und Molekulargenetik. (<-- Ja, ich weiß, das klingt so, als würde ich nach Exotischem suchen, aber ich nenne diese beiden Bereiche, weil ich dort aus eigener Kenntnis in gewissen Grenzen mitreden kann. Es gibt sicher noch andere!) Hier ist es durchaus so, daß es Wissenschaftler gibt, die frank und frei zugeben, daß ihnen die Möglichkeiten fehlen, über bestimmte Gebiete in diesen Disziplinen auf Deutsch verständliche Aussagen zu machen. In diesen Gebieten werden auch schon seit vielen Jahren spezielle Lehrbücher nicht mehr oder so gut wie nicht mehr übersetzt oder auf Deutsch verfaßt. Auch stinknormale Vorlesungen und Symposionsbeiträge werden hier (wohlgemerkt von deutschen Muttersprachlern für deutsche Muttersprachler) auf Englisch gehalten.

Als Begründung hört man dann z. B.: "Wenn ich die Vorlesung auf Deutsch halten würde, dann hätten die Studenten nicht viel davon, weil die Bücher und Publikationen ja alle auf Englisch sind, und deswegen ist es wichtig, daß sie wissen, wie man das auf Englisch sagt, sonst finden sie sich in den Büchern nicht zurecht. Da wäre es nur Ballast, wenn ich das immer übersetzen würde. Wenn ich es gleich auf Englisch mache, ist es für alle effizienter." - Und schwups: Schon wird über bestimmte Themen nicht mehr auf Deutsch gesprochen oder geschrieben. Kein Witz, sondern schlichte Realität! Eine Realität, die - da gebe ich Dir völlig recht - in diversen anderen Ländern schon lange existiert. Aber es tut mir leid: ICH finde sie nicht erstrebenswert oder auch nur hinnehmbar.

Vielleicht hast Du recht, und ich sehe die Entwicklung etwas ZU schwarz (und ich wäre der erste, der sich freuen würde, wenn sich mein diesbezüglicher Eindruck als falsch herausstellen würde), aber ich glaube schon, daß das Deutsche als Wissenschaftssprache - zumindest in bestimmten Bereichen - den Anschluß verlieren wird bzw. schon verloren hat, weil die "Verantwortlichen" nicht das Gespür dafür haben, daß sie die Ausdrucks- und Verwendungsmöglichkeiten ihrer eigenen Sprache einschränken, indem sie dem Englischen in so grenzenloser Manie den Vorzug geben. Ich werfe - da habe ich mich offenbar mißverständlich ausgedrückt - ganz und gar nicht ALLE Wissenschaftler in einen Topf. (Ich kenne z. B. auch sehr engagierte Molekularbiologen.) Aber es gibt unbestreitbar bei vielen Forschern die Tendenz, das Deutsche auch an den unnötigsten Stellen durch das Englische zu ersetzen, z. B., wenn an einem kleinen "Workshop" ausschließlich Teilnehmer von deutschen Unis teilnehmen, aber trotzdem die "Abstracts" ihrer auf Deutsch gehaltenen Beiträge für das "Workshop Hand-out" auf Englisch einzureichen sind.

Nebenbei: Ich habe auch das Gefühl, daß für viele, die auf Englisch publizieren, das durchaus eine Art Wichtigtuerei ist. Nach dem Motto: "Sonst kann man meinen Aufsatz ja in der Welt draußen nicht lesen". Als ob das bei so manchem dieser Aufsätze je der Fall sein würde! Insbesondere, wenn das Englisch, das diese Leute dann verbrechen, wirklich soooo schwer zu verstehen ist, daß der angebliche Vorteil zunichte gemacht wird. Wenn ein Aufsatz wirklich gut ist, wird er auch aus dem Deutschen in die verschiedenen Sprachen übersetzt werden! Wieso sollen Englisch-Muttersprachler immer noch weniger Fremdsprachen lernen müssen und immer noch leichter an Informationen kommen als wir? (Ich bitte das nicht falsch zu verstehen: Ich weiß natürlich den Wert des Englischen als Kommunikationssprache und Informationsaustauschsprache zu schätzen. Aber ich liebe auch meine Muttersprache, und es wäre für mich unerträglich, wenn ich nicht mehr in der Lage wäre, über alle Dinge, die für mich wichtig sind, in dieser Sprache reden und schreiben zu können.)

Wahrscheinlich kriegen wir jetzt wegen OT ganz viel Haue zwinker
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.05.04 18:20 von Botchan.)
07.05.04 16:08
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