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Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
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atomu


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Beitrag #1
Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Vorbemerkung

In diesem Thread sollen Methoden vorgestellt und diskutiert werden, mit denen man eine große Zahl bereits erlernter Kanji gegen das Vergessen absichern kann. Ich habe im Titel willkürlich die Untergrenze für die in diesem Thema zu besprechenden Strategien bei einer Zahl von 500 erlernten Kanji angesetzt, weil ich denke, dass Konzepte von weniger Fortgeschrittenen den Nachweis ihrer Effektivität noch nicht erbracht haben können. Das mag überheblich klingen, aber mich persönlich interessieren besonders die Erfahrungen von Leuten, die womöglich schon sämtliche Jôyô-Kanji oder gar mehr gelernt haben, und deren Mittel und Wege, wie sie diese vor dem Verschwinden ins Nirwana geschützt haben und weiter schützen.

Um den Interessenten- und Mit-Arbeiter-Kreis in diesem Thread aber nicht allzu klein werden zu lassen dachte ich, er könnte auch all jenen zu Nutze sein, die sich auf den JLPT Stufe 2 oder 1 vorbereiten. Die Zahl 500 habe ich mir aus dem Bauch geschlitzt und soll ansonsten natürlich keine fixe Größe sein. Bis zu den 300 Kanji von Stufe 3 kann man sich noch irgendwie durchwurschteln, ich habe es auch nicht anders gemacht. Aber irgendwo zwischen 300 und 500 Kanji kommt der Punkt, an dem einem die verflixten Dinger immer wieder entgleiten, weil man nicht systematisch genug gelernt hat und die Zeichen noch nicht ins Langzeitgedächtnis abgesunken sind. Frust. Es ist kein Zufall, dass alle mir bekannten Vhs-Kurse an dieser Schwelle stagnieren und beim JLPT ab Level 2 die Teilnehmerzahlen schlagartig zurückgehen. Ich kenne außerdem eine Menge Leute, die aus verschiedensten Gründen mit dem Japanischlernen anfingen und genau an diesem Punkt resigniert das Handtuch geschmissen haben.

Selbstverständlich kann an der Diskussion auch jeder teilnehmen, der weniger Kanji gelernt hat und ernst gemeinte Anregungen oder Fragen hat.

Ich betone ausdrücklich, dass es in diesem Thread um das systematische Absichern großer Mengen bereits erlernter Kanji geht, nicht um den Erstkontakt mit neuen Kanji und das Erlernen von Kanji allgemein. Dazu gibt es schon mindestens vier umfangreichere Themen, die durchaus eine Fortführung und Vertiefung vertragen könnten:

1. Kanji lernen
2. Kanji lernen- wie fange ich an?
3. Kanji bloß lesen oder auch schreiben lernen?
4. Originelle Kanji-Lernmethoden



Ich denke, man kann Strategien zur Überführung der Kanji ins Langzeitgedächtnis in zwei grundsätzlich verschiedene Wege aufteilen:

1. Methoden, die elektronisch gespeicherte Kanji-Daten und entsprechende Repetitions-Programme als Medium nutzen.

2. Methoden, die gedruckte oder handgeschriebene Kanji-Karten als Medium nutzen.

Von der ersten Gruppe habe ich keine Ahnung, würde mich aber freuen, wenn ein paar Leute ihre Vorgehensweise mit solchen Programmen hier genauer schilderten. Die meisten werden sich heutzutage vielleicht für eine solche Methode entscheiden, und ich fände eine Gegenüberstellung der beiden Wege ganz spannend.

Im Folgenden stelle ich meine eigene Systematik vor, die der zweiten Gruppe angehört.


atomus methode

Ich habe 2 Karteikästen mit jeweils 1000 selbst beschriebenen DIN A7 Kanji-Karten. Vorderseite nur das Kanji. Rückseite sämtliche gängigen Lesungen mit deutscher Übersetzung, eine eigene fortlaufende Nummerierung und zwei Index-Zahlen (1. die Nummer aus Langenscheidts "Kanji und Kana" bzw. Langenscheidts "Großwörterbuch", falls nicht Jôyô-Kanji, und 2. die Nummer aus Henshalls "A Guide To Rembering Japanese Characters").

Diese 2000 Karten sind in Gruppen zu je 200 Kanji geteilt, die immer zusammenbleiben, also nach meiner eigenen fortlaufenden Nummerierung die Kanji mit den Nummern 1-200, 201-400, 401-600, usw.

Diese Gruppen sind wiederum in 5 kleinere Stapel zu je 40 Kanji geteilt. Diese Stapel bleiben nicht fest zusammen, sondern werden gelegentlich wieder untereinander gemischt und dann erneut in 5 Stapel zu 40 Kanji geteilt.

Jeden Morgen nehme ich mir 3 von diesen 40er-Stapeln zum Wiederholen in die Hand. Ich fange also zum Beispiel heute an mit den ersten 3 Stapeln der Gruppe 1-200. Morgen wird dann der erste Stapel weggelegt und dafür der 4.Stapel aufgenommen. Übermorgen sind die 3. bis 5.Stapel dran und am Tag danach dann der 4. und 5.Stapel der ersten Gruppe und der 1.Stapel der zweiten Gruppe 201-400. So geht das immer weiter bis ich (nach 50 Tagen, falls ich fleißig war) sämtliche 2000 Karten durch habe und wieder von vorne anfange. Also immer einen Stapel wegnehmen und einen wieder aufnehmen, schön brav der Reihenfolge der Stapel im Karteikasten nach. Das heißt, jeden Stapel und somit jedes Kanji sehe ich an drei Tagen hintereinander.

Ich gehe die drei Stapel, die ich an einem Morgen in die Hand nehme auf unterschiedliche Art und Weise durch:

Den ersten Stapel, das ist der, der am nächsten Tag wieder für (mind.) 50 Tage im Kasten verschwindet, knöpfe ich mir am längsten vor. Ich nehme den Stapel auf die linke Hand, schaue mir das Kanji auf der Vorderseite kurz an, und schreibe es dann zunächst mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf den Tisch, ohne hinzuschauen. Dabei spreche ich (manchmal laut, manchmal still für mich) die dazu gehörigen Lesungen und deutschen Übersetzungen. Dasselbe mache ich gleich noch einmal, diesmal schaue ich auf den Finger. Ich versuche den Eindruck des Kanji jetzt ganz stark zu visualisieren, ich sehe es wie in schwarzer Tinte geschrieben vor mir. Danach mache ich das gleiche noch drei mal, nun aber rein mental (!), das heißt ich schreibe das Zeichen mit einem imaginären Pinsel auf ein imaginäres Blatt Papier, ohne meine (echten) Hände zu benutzen. Wenn ich mich nicht konzentrieren kann, schließe ich die Augen. Schließlich schreibe ich das Kanji noch zweimal mit dem Finger auf den Tisch, ohne auf denselben zu schauen. Danach stecke ich die Karte nach hinten und verfahre genau so mit der nächsten und allen weiteren Karten, bis ich durch den Stapel durch bin. Das hört sich vielleicht umständlich und lang an, aber es geht irgendwann ziemlich fix mit jeder Karte. Für diesen Stapel brauche ich dennoch etwa 10 Minuten.

Den zweiten Stapel nehme ich mir dagegen im Schnelldurchlauf vor. Ein kurzer Blick auf das Kanji, Lesungen und Bedeutungen hersagen (stumm), nächste Karte. Das dauert insgesamt nicht länger als 2 Minuten. Dieser Stapel wird am nächsten Tag zum ersten Stapel und ist am Tag zuvor der dritte Stapel gewesen.

Der dritte Stapel ist folglich der, der zum ersten Mal seit langer Zeit (mind. 50 Tage) wieder aufgenommen wird. Ich nehme ihn genau wie den zweiten Stapel durch, lasse mir aber für die einzelnen Kanji-Karten etwas mehr Zeit. Einige Zeichen sind noch ganz vertraut, andere sind nach fast 2 Monaten schon erstaunlich fremd geworden. Manche werden fehlerhaft erinnert, einige wenige sind völlig futsch. Diese ganz bösen Ausreißer nehme ich raus und lege sie beiseite (was mit denen geschieht folgt noch). Für den dritten Stapel brauche ich 3-5 Minuten.

Über diese drei Stapel hinaus gehe ich jeden Morgen noch einen vierten Stapel durch. Da sind die Kanji drin, die ich zuletzt gelernt habe. Das sind nämlich die ganz hinterlistigen, die einem am schnellsten entwischen. Die frisch gefangenen Pferde wollen bekanntlich immer als erste wieder hinaus. Früher war dieser Stapel bei mir genauso groß wie die anderen drei, das heißt, er beinhaltete die 40 zuletzt gelernten Kanji. (Inzwischen schreibe ich nicht mehr so viele neue Kanji-Karten jede Woche, da genügen die letzten 10.) Zu diesen bin ich inzwischen sehr streng, sie müssen bei mir antanzen, ohne dass ich sie eines Blickes würdige. Ich schreibe sie der Reihenfolge nach (das zuletzt gelernte zuerst) mit dem Finger auf den Tisch, ohne die Karten anzusehen.

Insgesamt brauche ich für diese vier Stapel jeden Morgen ca. 20 Minuten.

Abends setze mich noch einmal hin und mache ein paar Schreibübungen mit den bösen Kanji, die ich morgens aussortiert habe, weil sie sich der Erinnerung widersetzt haben, und mit ein paar Zeichen, die ich zuletzt gelernt habe. Dafür suche ich mir aus Kanji-Lexika Wörter, in denen diese Kanji vorkommen. Danach stecke ich sie dann wieder in den Stapel zurück. Die ersten drei Stapel mische ich am Ende wieder gut durch (wichtig!). Diese abendliche Wiederholung dauert insgesamt nicht mehr als 10 bis 15 Minuten. Anschließend lerne ich (wenn es geht) im Lehrbuch weiter und/oder nehme mir neue Kanji vor.


Anmerkungen:

Wichtig war mir bei dem System, alle Kanji periodisch und in einigermaßen gleich bleibenden Abständen zu wiederholen, und trotzdem nicht immer die gleiche Reihenfolge einzupauken. Man kann sonst später die Lesungen und Bedeutungen der Zeichen außerhalb eines solchen Reihenfolge-Kontextes oft nicht mehr erinnern. Deshalb das tägliche Mischen der Karten innerhalb der Stapel und das gelegentliche Mischen innerhalb der 200er-Gruppen (genügt nach jedem 2. oder 3. Gesamt-Durchgang).

Natürlich lässt sich das System den eigenen Bedürfnissen (und Schwächen!) beliebig anpassen. (Ich habe zum Beispiel eine Zeit lang 50er Stapel gemacht. Solange die Gesamtzahl noch nicht so groß ist, wären aber auch viel kleinere Stapel denkbar). Jeder hat ein anderes Tempo, einen anderen Lern-Typus, und vor allen Dingen ein anderes Gedächtnis. Meins ist wirklich miserabel (denkbar schlechte Voraussetzung für das Erlernen eines asiatischen Zeichensystems, aber wo ein Wille ist…). Darum kann es sein, dass bei anderen Leuten viel weniger Aufwand nötig ist als bei mir. Für mich hat sich diese Methode im Laufe der Jahre herausgeschält, und immerhin kann ich sämtliche Jôyô-Kanji jetzt ziemlich sicher im Text erkennen und lesen. Weniger Aufwand hätte nie bei mir gereicht, um soweit zu kommen, mehr Aufwand hätte ich neben Beruf und Familie beim besten Willen nicht treiben können.

Leider bin ich immer noch nicht an meinem Ziel, einen komplexeren Text flüssig lesen zu können, angelangt. Ich erkenne fast alle Zeichen, aber ich bin viel zu langsam und es fehlt immer noch sehr am Wortschatz. Darin liegt auch ein Grund, warum ich meine Methode hier zur Diskussion stelle. Ist sie zu umständlich? Vielleicht gibt es bessere Wege. Ich bin dankbar für jede Kritik.

atomu


Edit am 19.11.2006: Eineinhalb Jahre, nachdem ich meine Methode hier beschrieben habe, komme ich in einem kleinen Rückblick zu folgendem Schluss:

Zitat: FAZIT: Die in diesem Thread von mir beschriebene Methode eignet sich nur für Sturköppe und führt ohne Ergänzung nicht zum flüssigen Lesen von Texten.

Jeder muss halt eine Methode finden, die zu ihm passt. Hauptsache man hat irgendeine Methode.

正義の味方
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.11.06 12:03 von atomu.)
19.04.05 23:59
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fuyutenshi


Beiträge: 887
Beitrag #2
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Kampf und Strategie. Da wird mir ja schwindelig! augenrollen

Ich verfolge hier so manchen Thread über Statistiken wieviel Kanjis jemand pro Tag lernt und wieviel Punkte er in welchem Test hat.
Vielleicht ist es für den einen oder anderen ein Sport, manche brauchen das Zertifikat um Geld zu verdienen.

Ich persönlich interessiere mich nicht für Statistik. Ich möchte die Sprache lernen und lese deswegen täglich, schreibe ca. 10 Mails und bekomme ca. 10. Ich lerne nur noch in kompletten Sätzen in dem ich erhaltene Mails in Sätze gliedere. Was nützt mir das isolierte Lernen von Kanji oder Vokabeln wenn ich nicht in der Lage bin einen vernünftigen Satz zu bilden. Darüber hinaus keinen typisch japanischen? Ich schaue in Mails und Büchern die Kanjis nach die ich nicht erkenne. Die nie vorkommen muss ich mir demnach nicht behalten. Irgendwann erkennt man die meisten schon ohne nachzuschaun.
Und die seltenen schaut man eben nach. grins

Ich glaube nicht ans Auswendiglernen, eher ans tägliche Nutzen im Zusammenhang grins

今や太陽はその光を覆い隠し、
世界は心地好い夜に身を委ねる。
柔らかな寝床へ、私も身を横たえる。
だが、私の魂はどこに、どこに休ませたら良いのか?
20.04.05 01:02
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #3
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Zitat: Und die seltenen schaut man eben nach.
Genau dazu habe ich aber keine Lust mehr. Ich will Mails und Bücher lesen können, ohne dauernd irgendetwas nachschlagen zu müssen. Da kämpfe ich dann lieber ein paar Jahre. Aber ich verstehe dich gut. Auch, was den Titel dieses Threads angeht. Klingt verbissen und verbittert, greift zudem in die auch mir verhasste militaristische Wortkiste. Aber ich lass ihn jetzt mal so stehn, denn es trifft sehr genau mein Anliegen.

Menschen sind halt verschieden. Kleine Jungen (erwachsene Männer bleiben immer kleine Jungen) lieben Strategie-Spiele und Kampf und Abenteuer und all das. Wohin das führt, sieht man allenthalben, aber das gehört nicht hier ins Forum...

正義の味方
20.04.05 11:31
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Beiträge: 343
Beitrag #4
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Zur elektronischen Methodik kann ich vielleicht etwas mehr erzählen. Ich benutze eigentlich zwei Programme zum Lernen. Ich hab mich immer noch nicht ganz entschieden mit welchem der beiden ich nun weitermachen sollte.
Nach etwa 1500 geschriebenen Karteikarten bin ich umgestiegen =P

1. Langenscheidt Vokabeltrainer - http://www.vokabeln.de
funktioniert eigentlich genau wie ein phyischer Karteikasten nur daß zur einzelnen Karte noch sehr sehr(!) praktische Informationen gespeichert werden. Zum Beispiel weiß das Programm wann du dir die Karte zum letzten Mal angesehen und wie gut du sie beherrscht hast. Es gibt auch umfangreiche Filterregeln. D.h. du kannst wenn du möchtest nur die Kanji lernen, die du dir zum letzten Mal vor 3 Wochen angesehen hast.
Oder nur die, die du nicht gut konntest.
Sehr praktisch ist auch die Möglichkeit, Beispielsätze zu den Kanji hinzuzufügen. So habe ich zu dem jeweiligen Kanji auch noch eine Reihe von Komposita eingetragen, die optional ein- oder ausgeblendet werden können.
In der 3.0 Version soll es angeblich auch eine Mobilversion für PocketPC geben, so daß du unterwegs lernen kannst und dann die Ergebnisse abgleichst, wenn du wieder am Rechner bist.

2. SuperMemo - http://www.supermemo.com
ist ein anfangs etwas unübersichtliches Programm, welches von einem polnischen Wissenschaftler entwickelt wurde, der einen Algorithmus entwickelt und implementiert hat, der die Vergessensrate des menschlichen Gehirns berücksichtigt. Das Programm wird dich das Kanji genau dann fragen, wenn du gerade kurz davor bist es wieder zu vergessen. Für genauere Informationen gibt es auf der Website einen Riesenwust von Artikeln.

Im Moment benutze ich hauptsächlich den Vokabeltrainer. Ich finde ihn etwas übersichtlicher und er hat zudem die Möglichkeit die Vokabeln auch andersherum abzufragen. Ich lasse das Kanji dann immer von beiden Seiten testen. Einmal muß ich die Lesungen wissen und dann muß ich nach den Lesungen das Kanji schreiben (auf Papier).
Aber Supermemo ist schon erstaunlich. Angeblich ist es möglich mit 10 Minuten am Tag in einem Jahr 3000 Artikel zu lernen.
20.04.05 17:47
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atomu


Beiträge: 2.664
Beitrag #5
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Vielen Dank, Vincent. Zum Langenscheidt Vokabeltrainer gibt es einen umfangreichen Thread. Ich überlege auch immer wieder, ob ich auf so eine Geschicht umsteige, aber wenn man mal ein System angefangen hat, verbraucht der Umstieg natürlich viel Zeit und Energie. Verlockend finde ich vor allem die Vorstellung, das ganze auf einem Pocket-PC immer mit sich herumtragen zu können.

Könntest du vielleicht noch etwas konkreter erzählen, wie du die Kanji sortierst, in welchen Intervallen du dir die Dinger vornimmst, usw.?

Ich wurde per Kurznachricht gefragt, ob ich wirklich alle Lesungen durchgehe. Antwort: Alle Lesungen aus dem "Kanji und Kana", allerdings nicht diejenigen, die in eckigen Klammern stehen.

Noch eine Anmerkung zum Thread: Mein Eingangs-Beitrag sieht zwar quantitativ sehr umfangreich aus, er soll aber eigentlich nur ein kleiner Anstoß sein. Ich selbst bin nicht ganz sicher, ob meine Methode gut ist, deshalb bin ich nicht beleidigt, falls hier mit keinem Wort darauf eingegangen wird. Ich freue mich sogar, wenn hier ganz andere Konzepte ausgebreitet werden, und hole mir gerne Anregungen davon.

正義の味方
21.04.05 11:33
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Nora


Beiträge: 2.091
Beitrag #6
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Zitat: Verlockend finde ich vor allem die Vorstellung, das ganze auf einem Pocket-PC immer mit sich herumtragen zu können.

Das kann man übrigens auch, indem man KingKanji benutzt. Das Programm ist zwar verbesserungswürdig, aber ich mag es, daß ich darunter mit dem Stift malen und dann vergleichen kann.
21.04.05 12:49
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Beiträge: 343
Beitrag #7
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Ja also meine Sortierung wird wohl niemandem wirklich viel nützen. Ich studiere Japanologie an der HU in Berlin und wir haben wöchentliche Kanji Lektionen mit jeweils 24 neuen Kanji. D.h. meine Kanji sind derzeit danach sortiert. Und ja der Umstieg kostet in der Tat viel Energie und Zeitaufwand. Die kompletten じょうよう漢字 gibt es soweit ich weiß bereits von der Vokabeln.de Site zum runterladen. Es sollte zudem über die umfangreiche Import Funktion auch möglich sein, Datenbanken im größeren Stil in den Vokabeltrainer zu importieren und zusätzlich zu den einzelnen Kanji auch die Strichzahl oder den Hadamitzky Index zu speichern.
Letztlich kannst du sie sortieren wie du willst.
Meine Wiederholfrequenz ist im Moment jeden Tag für mindestens 3 Stunden in beide Richtungen abfragen. D.h. alle Lesungen und schreiben. Ich bin heute schon seit heute morgen um 8:00 dabei =/ ist reichlich anstrengend grad wiederhol ich alle Kanji die ich bisher gemacht hab, damit das Programm weiß, welche ich kann und bei welchen es noch etwas schwächelt. Wenn ich alle alten beherrsche, werd ich wohl auf eine Zeitliche Wiederholfrequenz umsteigen. D.h. nur regelmäßig die Kanji wiederholen, die ich zuletzt vor mehr als 3 Wochen gelernt hab.
Das Lernen von alten, bereits bekannten Kanji geht natürlich wesentlich schneller, da bereits das Sehen in den meisten Fällen den Denkanstoß löst.
21.04.05 15:07
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fuyutenshi


Beiträge: 887
Beitrag #8
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Zitat:
Zitat: Und die seltenen schaut man eben nach.
Genau dazu habe ich aber keine Lust mehr. Ich will Mails und Bücher lesen können, ohne dauernd irgendetwas nachschlagen zu müssen. Da kämpfe ich dann lieber ein paar Jahre.

Ja aber das ist irgendwie unlogisch: Um viele Kanjis zu lernen blätterst du täglich durch Tausende von Karteikarten statt Bücher zu lesen.
Das ist ja nichts anderes! Und wieviele Mails und Bücher kannst du nicht lesen weil du am Karteikasten klebst? grins
Und wieviele Kanjis wirst du in deinen Kopf klopfen die in deinem Leben vielleicht 1 oder 2 mal begegnen werden?
grins

Ich lese gerade in meinem Italienischbuch. Dort steht dass 10 Wörter ca. 30% der Sprachäußerungen ausmachen, 100 Wörter ca. 50%, 1.000 Wörter über 80% und 3.000 Wörter über 90%.
Das dürfte für Japanisch nicht wesentlich anders sein.
Die Bedeutung für das Lernen ist logisch: Ab einem bestimmten Punkt steht der Lernerfolg in einem auffallenden Missverhältnis zum Aufwand!

Das erinnert mich, wie so oft im Leben, an das Pareto-Prinzip:
80% des Erfolges werden mit 20% Aufwand erreicht. Die restlichen 20% erfordern hingegen 80% Aufwand.
Kann man das wirklich jemanden empfehlen, sofern er nicht durch eine Institution gezwungen wird, eine gewisse
Statistik zu erfüllen?

Warum soll ich Kanjis wie 酵 (Hefe) oder 槽 (Bottich) lernen, wenn ich das Wort in 10 Jahren vielleicht 2x sehe?

Ist es nicht viel wichtiger oder interessanter die Zeit lieber zu nutzen irgendwann in die Art des Schreibens japanischer Literatur einzutauchen und nachzuempfinden wie die Sprache über die Seiten gleitet statt sich an Kanji 1.500 bis 2.000 herumzubüffeln? grins

今や太陽はその光を覆い隠し、
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22.04.05 01:14
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X7Hell


Beiträge: 671
Beitrag #9
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
@atomu
Zitat:
Zitat: Und die seltenen schaut man eben nach.
Genau dazu habe ich aber keine Lust mehr. Ich will Mails und Bücher lesen können, ohne dauernd irgendetwas nachschlagen zu müssen.
Selbst Japaner müssen ab und zu ein Kanji nachschlagen. Und beim Nachschlagen prägen sich die Kanji auch ein.
Ich muß hier fuyutenshi recht geben, der beste Weg Kanji zu behalten, ist sie zu benutzen, sei es aktiv (schreiben) oder passiv (lesen).
Natürlich haben auch Karteikarten ihren Platz, aber ich würde versuchen mehr Zeit mit tatsächlichem Lesen zu verbringen. Macht mehr Spaß, und bringt auch mehr.

@fuyutenshi
Zitat:Warum soll ich Kanjis wie 酵 (Hefe) oder 槽 (Bottich) lernen, wenn ich das Wort in 10 Jahren vielleicht 2x sehe?
Ich lese gerade eine Kurzgeschichtensammlung von MURAKAMI Haruki, und da kam öfter 水槽 (Aquarium) drin vor. Hab das Kanji für Bottich zwar nachschlagen müssen, aber ich denke daß es mir jetzt öfter auffallen wird. Und daß es sich dadurch einprägen wird.
22.04.05 07:58
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Anonymer User
Unregistriert

 
Beitrag #10
RE: Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
Zitat:Ich lese gerade in meinem Italienischbuch. Dort steht dass 10 Wörter ca. 30% der Sprachäußerungen ausmachen, 100 Wörter ca. 50%, 1.000 Wörter über 80% und 3.000 Wörter über 90%.
Das dürfte für Japanisch nicht wesentlich anders sein.

Ist es aber leider. Es gibt dazu verschiedene Untersuchungen. Eine der bekannteren stammt von Kintaichi Haruhiko, trägt den einprägsamen Titel "Nihongo" und stellt gegenüber, daß man mit den 1000 häufigsten französischen Wörtern 83,5% des Inhalts aller alltagsfranzösischen Sätze verstehen kann. Mit den 1000 häufigsten japanischen Wörtern jedoch nur 60% des Inhalt von japanischen Alltagssätzen. Stockt man den Französischwortschatz auf 5000 Wörter auf, versteht man 96% des Inhalts französischer Texte; um jedoch im Japanischen auf dieselben 96% Inhaltsverständnis zu kommen, muß man ca. 22.000 japanische Vokabeln beherrschen. Ich sag's nochmal, damit es richtig wirkt: Zweiundzwanzigtausend.

Das ist jetzt EINE Zählung, andere Forscher kommen zu zahlenmäßig anderen Ergebnissen, aber ALLE sind sich einig in der Tendenz: Japanisch gehört ganz klar zu den Sprachen der Welt, die nicht nur extrem viele Vokabeln besitzen, sondern eben auch extrem viele davon tatsächlich im Alltag verwenden. (Im Unterschied z. B. zu Deutsch oder Französisch, wo die Sprachen zwar auch sehr viele Vokabeln besitzen, aber die allermeisten davon von den meisten Sprechern nie oder so gut wie nie verwendet werden).

Das mal nur als Anmerkung.
Grüße, Horst.
22.04.05 08:18
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Der Kampf gegen das Vergessen. Strategien dazu bei mehr als 500 gelernten Kanji.
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